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Der nationaldeutsche Jude · 1925-07-01 · Nr. 7/8 (Juli/August 1925) · p. Seite 4

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1925
Issue
Nr. 7/8 (Juli/August 1925)
Date
1925-07-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 Juden durch ihre ganz« Vergangenheit heute noch rational -eingestellt ist. — in jüdischen Kreisen wird es vielfach mit „Geistigkeit" bezeichnet —, während daS Deutschtum sich mehr zur Betonung des Irrationalen, des Völkischen gewendet hat. In religiöser Beziehung hat das Judentum die ihm ge-' stellten Probleme, soweit ich urteilen kann, besser gelöst, als man irgend erwarten konnte. Es hat sich in seiner Mehrzahl aus der Gesetzlichkeit befreit und dabei den Gehalt seiner Religion vertieft. Ich urteile hier unter anderem nach den Artikeln, die ich in der .Jüdisch-liberalen Zeitung" finde, vollendet ist die Arbeit freilich auch hier noch nicht. Das völkische Problem ist sehr Iviel schwieriger. Hierzu gehört nicht nur die Vertiefung des eigenen Selbst, sondern zum großen Teil die Aufgabe des eigenen Selbst. Ter Uebertritt zum Christentum würde für den Juden eine Lösung zugleich der religiösen und der völkischen Frage bedeuten, wenn das heutige Christentum noch das Christentum wäre, das Jesus lehrte und lebte. Dies ist aber nicht der Fall; es hat sich durch Aufnahme griechischer, römischer und später germanischer Geisteselemente gänzlich verändert. Es befindet sich selbst heute in einem sehr starken Gärungsprozeffe. Die .Konfessionslosigkeit" entwurzelt den Juden auch nach außen hin. Sie besagt eine Absage an die jüdische .Gemeinschaft. Aber die Mehrzahl der Menschen bedarf eines positiven Rückhaltes an Gleichgesinnten. .Konfessionslos" ist etwas Negatives, der Mensch bedarf aber des Positiven. So bleibt dem Juden religiös nichts anderes übrig, als eben Jude zu bleiben und, wie er es verstanden hat, seine aus seinem eigensten Selbst geschaffene Religion den veränderten Verhältniffen anzupaffen. Die völkischen Folgerungen aus der Emanzipation kann er nur ziehen, wenn er gewiffe religiöse Auffaffungen aufgibt oder so abwandelt, daß die Religion nicht mehr nationale Religion ist. Will er Deutscher werden, so muß er Notgedrungen auf das verzichten, was in seiner Religion auf An bestimmtes Volkstum zugeschnitten ist. Scharf gesprochen^muß man sagen: er muß aufhören. Jude im völkischen Sinne zu sein, wenn er Deutscheir sein will; seinen jüdischen Glauben mag er behalten, soweit dieser ihn nicht nötigt, National-Jude zu sein. Ties ist das große Problem, mit dem die nationaldeutschen Juden ringen. Ob es restlos lösbar ist. wage ich nicht zu entscheiden. Aber unbestreitbar ist, daß der einzige Weg. auf dem die Folgerungen der Emanzipation restlos gezogen werden können, heute der Weg ist, den die nationaldeutschen Juden beschritten haben. Daß sie den Beifall der breiten Waffe ihrer Stammesgenoffen nicht finden, ist nicht verwunderlich. Pioniere neuer Ideen dürfen nie auf den Beifall der Masse rechnen. „Lionismus un'ct Patriotismus". Unter dieser Ueberschrift veröffentlicht die .Kölnische Zeitung" in ihrer Abendausgabe vom 14.Huli, Nummer514, einen Aufsatz aus Jerusalem, den vierten einer Reihe von Artikeln, den einer ihrer bekanntesten auswärtigen Vertreter, Herr von Mach, über den Zionismus auf Grund eingehender Studien und Beobachtungen in Palästina geschrieben hat. Mangel an Wohlwollen und Verständnis für die zionistische Arbeit im Heiligen Lande werden ihm, nach seinen ersten drei Artikeln, gewiß auch die enragiertesten Zionisten nicht vorwerfen können. Um so schwerer fallen die Betrachtungen ins Gewicht, die dieser neueste Beitrag enthält. Wir geben ihn nachstehend in seinen wichtigsten Teilen wieder: Herr von Mach geht davon aus, daß bi« bekannte Balfoursche Erklärung im^Rovember 1917 erfolgte, als die Lage auf den Kriegsschauplätzen für uns günstig war. also offenbar in der Hoffnung, damit, in irgendeiner praktisch wirksamen Weise die Aussichten der Kriegführung f«r England und seine Bundesgenossen zu beeinflussen. Er fährt dann fort: .Ein Judentum, das sich restlos in nationalem Sinne mit dem-Volke verbunden hat. in deffen Mitte es lebt und arbeitet, ein Judentum, das sich nur in religiösem Sinne von seinen Mitbürgern unterscheidet und scheidet, wird weniger oder gar nicht den Drang spüren, sich in eine ferne „national« Heimstätte" versetzen zu lasten. Die Vergangenheit der jüdischen Volkes, die Weisheit seines großen Propheten Mose«, dessen Gebote auch für ihre christlichen Mitbürger Geltung haben, mögen solchem Judentum teuer sein, anderseits hat es sich aber so fest in dem Lande verwurzelt, das es selbst und seine Mitbürger ihr Vaterland nennen, daß es einer andern Heimstätte nicht bedarf. Es erfreut sich derselben Rechte, derselben Pflichten und hat dies nicht zu seinem Nachteil ausgenutzt. Es hat sich -materiell gekrüstiqt und hat di« Muße gesunden, wertvolle Kunstwerke in Musik und Dichtkunst zu schassen. E» hat sein Vaterland und seine Heimstätte und braucht keine neue. Es ist Tatsache, daß diese Eingliederung des Judentums am meisten in England und Ft-ankreich staltgesunden hat, aus Gründen, die hier nicht untersucht werden sollen. Indem die englische Regierung ihre frohe Botschaft an da» Judentum der Welt richtete, brauchte sie nicht zu fürchten, daß ihr durch den Rus nach Zion während des Krieges oder nach dem Krieg« wertvolle Kräfte abwendig gemacht werden würden. Anders lagen die Dinge in den Ländern der Mittelmächte, namentlich in Deutschland. Keinem Zweifel unterliegt es. daß bei uns in Deutschland keineswegs ein Judentum gefehlt hat oder sehlt, das sich als vollwertiges d.eutsches Bürgertum fühft und zu fühlen berechtigt ist. Das hat es im Frieden und im Kriege erwiesen. Aber ebenso gewitz ist es. daß dieser Werdegang nicht vifn allen Juden deutscher Reichsangehörigkeit rnitge- .macht worden ist. Daß hierbei der Antisemitismus mitgewirkt und durch seine verletzenden Formen geschadet hat. soll man nicht verschweigen. Er hat auch mitgewirkt, - solche jüdischen Kreise, die sich uns innerlich angegliedert hatten oder, »m Begriff waren, es zu tun, stutzig zu machen. Lingewanderte Ostjuden, die bei uns ihre gewohnten Plastiken forsteten und manchmal sehr arische Christen fanden, die sich nicht scheuten, an demselben schmutzigen Strange zu ziehen, wars man in einen Topf mit ehrenwerten alteingesessenen jüdischen Familien. Wir müsten gestehen. daß nur eine feste deutsche Vaterlandsliebe die Juden diese Prüfung bestehen ließ. Sie i st von vielen bestanden worden. Wer sie aber nicht bestehen konnte oder woilte, für den war die Kundgebung Englands tatsächlich eine frohe Botschaft. Ein freies Judenland soll geschaffen werden. England verbürgt sich, es wird ein Land geben, wo das Judentum nicht mehr geduldet, sondern berechtigt, vielleicht herrschend sein wird — und es wurde dafür aesorgt, daß ein blendend schönes Zukunftsbild lochend an Horizont ausitieg. Diese Zeilen sind keine Anklageschrift. Sie sollen Tatsachen seitstellen. Es ist selbstverständlich, daß bei der Maste des Judentums der englische Ruf nach Zion ein dankbares Echo.fand, mochte man immerhin, an der Selbstlosigkeit Albions einige Zweifel hegen. .Indem' so England die fremden Völkern nicht innig angegliederte Malse des Judentums auf seine Seite brachte, mußte es auch den Wunsch bei ihnen erwecken, daß England und seine Verbündeten in dem Weltkriege siegten. Denn es war mindestens sehr zweifelhaft, ob die Mittelmächte und die Türkei im Falle ihres Sieges bereit gew sen wären, zum Schaden der Türkei ein Zion erstehen zu lassen. Ein Teil des Judentums wurde also durch dt« Erklärung Balfours zum Bundesgenossen unserer Feinde. Weiter führt Herr von Mach den Beschluß des amerikanischen Parlaments vom 30. Juni 1922 an, der erklärt, angesichts des Ergebnisses des Weltkrieges und der vom jüdischen Volk darin gespielten Rolle die Schaffung einer nationalen Heimstätte für dieses Volt begünstigen zu wollen, und wirst danach die Frage auf. wie sich, nachdem dem Krieg ein Diktatfriede gefolgt ist und die Kriegführung gegen Deutschland in verschiedenen Formen weiter geht, nun die Zionisten dazu stellen: „Es gibt wohl Zionisten, deren Ueberlirferung ebenso ehrlich deutsch ist wie jede andere. Sie sind von dem Strudel erfaßt, der sich des Judentums bemächtigt hat. Auch für sie is Zion ein hohes und hehres Ziel, und sie suchen nach einei a Ausgleich zwischen ihrem Deutschtum und ihrem Judentum. zwischen Germania und Zion. Man hört wohl von ihne r, daß Palästina eine An Jungbrunnen für das jüdische Vplk werden soll, von wo der Verjüngte nicht mehr scheu und mit krummem Rücken, sondern stolz und aufrecht m sein Geburtsland zurückkehrrn und ein noch nützlicherer Mstoürgerwerden könne. Das lind Rückzugsgefechte. Zion kann dem Zionisten manches geben, aber die Liebe für sein Heimatland wird Zion nicht stärken. Am wenig st e n für Deutschland. Denn so gewaltig auch der Anteil ist. den deutsche Bildung unter den führenden Zionisten aukweist, und so stark auch die Massen für den Kampf ums Dasein sein mögen, die gerade Deutschland ihnen gegeben hat, so soll doch für die deutsche Sprache in zionistischen Schulen kein Platz mehr sein. Englisch ist eine der amtlichen Sprachen de» Mandatland«». Es ist verständlich, daß sie Lehrgegenstand ist; daneben wird

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