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Der nationaldeutsche Jude · 1925-06-01 · Nr. 6 (Juni 1925) · p. Seite 13

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1925
Issue
Nr. 6 (Juni 1925)
Date
1925-06-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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neuer, synthetischer Art. da» als wirksame« Lebensvrinzip in die geschichtlichen Vorgänge eingreift und in allmählicher Entwicklung zu einem historischen Machtsaktor heranwächst. Au» sich allein heraus aber wird das Deutschtum den Weg zu diesem Christentum nicht finden können, denn es ist ein völlig neues, ihm grundsätzlich entgegengesetztes Element. Wie im Leben der Geschlechter alle Zeugung eines neuen, lebendigen Dritten in der Bereinigung polarer Gegensätze besteht. so bedarf auch ein Volk zur Schaffung eines neuen nationalen Geistes seines polaren Gegensatzes, um wahrhaft keimfähig und fruchtbar zu werden. Also mutz das geläuterte Judentum sich mit dem Deutschtum verbinden, das seiner Mitwirkung schlechterdings nicht entraten kann, weil nur im Judentum wahrhaft christliche Tendenzen zu finden sind, und nur diese fruchtbare Verbindung wird der wahre Weg zur Lösung der „Judenfrcyze" sein. „Die erlesensten Spitzen des Judentums und des Deutschtums sind berufen, die Zukunftsgestaltung vorzubereiten. Ihre Sache ist es. sich mit der hier vertretenen Erkenntnis des Wesens und des Wegs beider Völler zu durchdringen, bewuht Fühlung miteinander zu suchen und den geistigen Austausch allmählich zu einer gefühlsmäßigen Verbundenheit zu steigern. So wird von selbst die neue Gesinnung langsam in die Tiefe des Bollsbewutztseins sickern, und den heute in der Tiefe dieses Bewußtseins glimmenden Hatz zunächst in Verständnis und dann in Liebe wandeln." Noch ein paar dithyrambische Worte über die wunderwirkende Kraft des Glaubens und der Liebe — und wir sind am Ende mit dieser neuesten „Lösung" der Judenfrage.- Lohnt es sich, sie einer ernsthaften Prüfung zu unterziehen? Soll man mehr als lächeln über die kuriose Vorstellung, dah wir Juden, die wir uns in allem Wandel der Jahrtausende auf keine Kunst weniger gut verstanden haben, als auf die Abstreifung unseres Judentums, nur Christen zu werden brauchen, um von der im Grunde durch und durch ' heidnisch gebliebenen deutschen Seele „als das unendlich wesentliche Quentchen Energie" ausgenommen und aufgezehrt zu werden, dessen sie bedarf, um nicht vollends zugrunde zu gehen? Ganz gewiß. Hans Rosenfeld hängt mit gläubiger Inbrunst an den hier zum Vortrag gebrachten lleterz u turnen, und sie hätten - auch kaum einen geschickteren, kaum einen geistvolleren Vertreter finden können, ms ihn. Aber seine ideenreichen Spekulationen. seine kunstvollen Konstruktionen fetzen sich doch über nackte Tatsachen des Lebens mit erstaunlicher Leichtigkeit hinweg, und so tief er auch in die Geheimnisse des Erdenwallens der Völler und ihrer Echicksalsbestimmungen eingedrungen zu sein glaubt, er wird mit seinen historischen Feststellungen wie mit seinen prophetischen Zukunftsdeutungen doch wohl so gut wie allein bleiben auf weiter Flur. Seine Synthese zwischen Deutschtum und Judentum ist nichts als ein Traum, und nicht einmal een schöner, denn zu seiner Erfüllung fehlen nicht viel weniger als alle Voraussetzungen. Die Deutschen sind mit ihrem Christentum doch ungleich tiefer verwachsen, als Rosenfeld gelten lallen will, und die Juden mit ihrem Wesen und mit ihrer Religion doch viel unlöslicher verbunden, als datz sie sich davon freimachen könnten, wie von einem unmodern gewordenen Ueberlleid, dessen sie in der neuangebrochenen Aera europäischen Gemeinschaftslebens nicht mehr bedürften. Hans Rosenfeld denkt sehr gering von den wiedererwachten nationalen Bewegungen in Deutschland, trotzdem er den labil gewordenen Seelenzustand des deutschen Volles ganz mit Recht als eine der Ursachen des lebendigen Judenhasses der Gegenwart bezeichnet. Er erwartet eine Entwicklung zur Ueberstaatlichkeit und verspricht sich von ihrer Beseelung mit christlicher Ethik dauernderen Fortschritt, als von der Rückkehr zu nationaler Selbstbesinnung. Hier finden sich Anllänge an pazifistisch-internationale Vorstellungen, mit denen wir uns solange nicht befreunden können, wie die europäische Welt an der so ungemein erleuchteten Ethik von Versailles festhält. Man soll von einem Vollstum ebenso wenig wie von einem Einzelnen etwas verlangen, was unmöglich ist, und man wird damit nichts erreichen, auch wenn noch so eindringlich vor sonst unausbleiblichem Untergang gewarnt wird. , Eine py Synthese zwischen Deutschtum und Judentum, die darin be- * ' stünde, datz die Deutschen aushören Deutsche, und die Juden aufhören. Juden zu sein, ist nicht mehr und kann niemals mehr sein, als das gedankliche Erzeugnis eines Stubengelehrten. der in «»irdische und in unloder über-) menschliche Regionen sich verliert, weil er mit den wirllichen Verhältnissen, die ihn umgeben, schon gar nichts mehr anzufangen weih. Allenfalls kam» er sich einbilden, die Wahrheit zwar nicht von morgen oder übermorgen, aber doch vom Sankt Nimmerleinstag entdeckt zu haben und sich, wenn er es vermag, von dieser Genugtuum über die Misere der Gegenwart hinwegtraaen lassen. Wir nüchterneren Menschenkinder werden chm in diese sengen Gefilde nicht folgen können. Dah Rosenfeld von uns nationaldeutschen Juden nichts wissen will, versteht sich bei seiner grundsätzlichen Einstellung zum Judentum natürlich von selbst. Nach ihm mutz da» Judentum im Deutschtum nicht verschwinden. , indem es seine Andersartigkeit verleugnet, sondern sich mit dem Deutschtum zu einer neuen symhettschen Gestatt vereinigen. Aber wir denken ja gar nicht daran, und haben niemals daran gedacht, unser Judentum zu verleugnen und es im Deutschtum verschwinden zu lassen. Wir haben vielmehr — unter Ablehnung der deutsch-jüdischen Mittelschicht, die, wie Sans Rosenfeld sagt, nach beiden Richtungen schielt, und in arakterloser Schwäche hin- und herschwankt. — vom ersten Tag unseres Zusammenschlusses an immer und immer wieder die Notwendigkeit betont» als deutsche Juden mit den, Deutschen als unserem Muttervolke Leid und Qual. Last und Arbeit gemeinsam zu tragen, die Schicksalsverbundenheit, die wir schon seit Generationen mit ihm teilen, immer unlöslicher zu gestalten. Ob wir mm; mit ihm wesensverwandt oder , wesensverschieden sind, keinesfalls wollen wir ihm wesens- > schädlich sein, sjnd vielmehr insoweit zur Selbsterziehung bereit, als es durch das Gemeinschaftsleben mit und im deutschen Volk bedingt wird. Das ist in der- Vergangenheit möglich gewesen. ohne datz die. deutschen Juden ihre Andersartigkeit oerleugneten oder gar. im Deutschtum verschwanden, und-wir vermögen nicht einzusehen, warum das nicht auch in Gegenwart und Zukunft möglich fein soll. Das Endziel dieser wahrlich von uns nationaldeütschen Juden nicht erst eingeleiteten, sondern nur aus der Verschüttung befreiten und zur Gemeinschaftstat geformten Bewegung ist genau so, wie es Hans Rosenfeld bezeichnet, eine neue synthetische Gestaltung des Zusammenlebens von Deutschen und Juden — nur den Namen, den er dafür sucht und findet, müssen wir ganz entschieden ablehnen. auch wenn es kein religiös-dogmatisches Christentum sein soll, das er als Abschlutz der Entwicklung vor Augen sieht. Ein Judentum, das, um sein eigenes Wesen zu erfüllen, im Christentum aufgehen muh. ist ein Hirngespinst, und wenn wirklich tzur dieser Weg zur Lösung der Judenfrage führen sollte, so würde sie ewig ungelöst bleiben müssen. Wir glauben an ihre Lösung und glauben, datz sie kommen wird, auch ohne datz wir uns Christen nennen. Vielleicht ist Hans Rosenfeld durch persönlichste Erfahrungen zu den Gedankengängen verleitet worden, die er in seiner Schrift niedergelegt hat. Die nationaldeutschen Juden werden durch sie nicht berührt. Wir müssen im Gegenteil aus der Unmöglichkeit der „einzigen" Lösung, die ihm vorschwebt, um so überzeugte: an der Richtigkeit des Weges fest halten, de» wir bisher gegangen sind. Das ist unsere „woh meinende und redliche Erkenntnis." S. B. 6cbo der preffe. 1 I Wir bitten um Uebersendung aller unsere Bestrebungenbetreffenden Zeitungsausschnitte unter Angabe des Datums und der Parteirichtung. Die Schriftleitung. Der Volksruf. Salzburg lDeutschvöllisch) 4. 4. 25. Durch Weglassung des Wesentlichen verfälschter Auszug aus dem Aussatz: „Ein Bekenntnis", offenbar wörtlich übernommen aus dem Deutschen Tageblatt (vgl. Nr. 4 unserer Mitteilungsblattes unter „Echo ber Presse"). - > Israelitisches Familienblatt 23. 4. 25. ' Durch ein Druckversehen ist diese Nachricht (Abdruck einer Erwiderung Dr. Naumann's auf ein irreführendes * Schreiben des Rechtsanwalts F o e r b e r) in Nr. 5 des Mitteilungsblattes unter „Israelitisches Wochen bla tt" gebracht worden. Der Irrtum wird hiermit richtiggssteltt- Münchener Neueste Nachrichten (Parteilos, national) 4. 5. 25. Kurze Anzeige unserer April Nummer. Deutsche Allgemeint Zeitung (Parteilos, national) 8. 5. 25. Ausführlicher Auszug aus dem Aufruf „H i n b e n» bürg und Deutschland" in Nr. 5 unseres Mitteilungsblattes.! Die Zeit (Deutsche ©olfepartei) . 10. 5. 25. Leitartikel I.Vorwärts schauen!"^ von Heinrich Walter^ Tendenz: Mahnung zur Einigkeit und zum Unterlassen des „für Alle unerquicklichen Wühlens m der Vergangenheit". Dann wörtlich: „Sehr eindrucksvoll ergeht sie (d. h. diese Mahnung) jetzt übrigens auch in der Mai-Nummer des Verbandes nationaldeutscher Iuden." Ayschliehend ausführliche Zitate aus dem Hindenburg-Aufruf. Dann wieder wörtlich: „Wir erwähnen gerade diese mahnende Stimme, weil sie uns besonders dazu berufen erscheint, dort, wo das Stteben nach der Volks gemeinschaft zu den obersten Geboten gehört, daran zu erinnern, datz solche^ Volksgemeinschaft für alle, die innerhalb der deutschen Greitzen wohnen, in erster Linie eine. Schicksals gemeinschaft bedeutet. die uns ..... ayf Gedeih und Verderb zusammenöeschweibt hat . Wir müssen jetzt wieder der deutschen Zukunft ins Auge schauen, müssen sie gestatten nach unserem Willeii: das aber werden wir nur vermögen mit unseren b e st e n Kräften, mit unserer deütschen Einheit." t

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