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Der nationaldeutsche Jude · 1925-06-01 · Nr. 6 (Juni 1925) · p. Seite 12

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1925
Issue
Nr. 6 (Juni 1925)
Date
1925-06-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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12 Bücherrcbau. Deutschtum und Judentum von Hans R o se nfeld. Leipzig 1925. (Der Neue Geist-Verlag.. Dr. Peter Reinhold). Ein merkwürdiger Fäll. Dieser Schrift ist es um die Synthese zwischen Deutschtum und Judentum zu tun: so sehr ju tun, daß der Verfasser -das- Heil, die ganze Zukunft beider „Völker" rücht nur, sondern Europas, ja der Menschheit von ihrem Gelingen abhängig macht. Und er weih für sie nur einen Weg. der schwerlich auch bloh für einen kleinen Bruchteil des deutschen Volkes, ganz bestimmt aber für kaum einen einzigen selbstbewuhten Juden in Frage kommen kann. Rosenfeld empfindet den Gegensatz, die Kluft, die sich zwischen „Deutschen" und- „Juden" aufgetan und in unserer Gegenwart bis zur Unerträglichkeit vertieft hat. als eine Gefahr von gar nicht zu überschätzender Ernsthaftigkeit. Ihr ist nach seiner Uebefleugung nur durch eine wohlmeinende und redliche Erkenntnis der Wesenheit des Deutschtums und des Judentums sowie der Wurzeln ihres Gegensatzes zu begegnen, uno sie vermiht er hüben wie drüben auf das schmerzlichste. Sein Gedankengang ist: Was beide Völker trennt, ist keine religiöse oder konfessionelle Verschiedenheit. Nationale und kulturelle Besonderheiten sind es. die sich hier gegenüberstehen. Deutfche und Juden verkörpern zwei verschiedene nationale ‘ Ideen, die das Geheimnis ihres Volkstums bilden. Rosenfeld nennt die Deutschen das Volk der Metaphysik des Objektes, die Juden das Volk der Metaphysik des Subjekts. Die deutsche Seele ist erfüllt von der Liebe zu den Dingen, die ganze Kraft und Begabung, der jüdischen - Seele ist auf die innere Werkstatt des menschlichen Herzens gerichtet. Der Deutsche fühlt sich zuinnerst verwandt mit der ihn umgebenden Natur: der Jude hat tiefstes Verständnis für seelische Zusammenhänge und sittliche Reinheit, dagegen wenig Sinn für Form und Haltung. Tie Deutschensind das Volk der Liebe zur Welt und zu den Dingen, die Juden das Volk der Lieb« zur Seele und zu den Menschen. Höchster Ausdruck deutscher Liebe zu den Dingen: Goethe. Höchster Ausdruck jüdischer Liebe zu den Menschen: Christus. Die tiefsten Lehren des Christentums finden im Judentum Wurzel und Boden, während sie vom Deutschtum nur ganz oberflächlich auf- ' genommen wurden und zu einer eigentlich lebendigen Macht nie erwachsen 'sind. Das 'jüdische Volk verleugnete mit dem Christentum seine ureigensten, reinsten Ideen und. muhte diesen Abfall mit dem Verlust seiner nationalen Eristenz bühen, während die Völker, die zu Trägern und Verkündern des Christentums berufen, aber ihrer ganzen Veranlagung nach für diese Mission nicht geeignet waren, die Gedanken des - Christentums entseelten und sie in heidnischer Umformung zur VerwirUichung ihres selbstsüchtigen Kampfziele benutzten. Von diesem Ausgangspunkt aus. prüft Rosenfeld die heutigen Erscheinungsformen der Ideen, die beiden Völkern vom Schicksal mitgegeben wurden. Seine Charakteristik des Juden von heute, des modernen Grohstadtjuden insbesondere, enthält ohne Zweifel leider sehr viel Zutreffendes. Als dessen verhängnisvollsten, aufreizendsten und gefährlichsten Fehler bezeichnet er den Mangel an wahrer Ehrfurcht: in deesem Mangel sieht er recht eigentlich die'Quelle alles Judenhasses. Seine Erklärung findet er aber nicht in unabänderlichen minderwertigen Instinkten der jüdischen Volksseele. Er ist,ihm historisch bedingt, weil das jüdische Volk, dazu berufen/eine sittliche Weltordnung auf Erden zu verwirklichen, die, als einziges Motiv die selbstlose Liebe zum Nächsten anerkannte, durch ein grausames Schicksal der seelischen und physischen Entartung zugetrieben wurde und so seine innerste Orientierung verlor. Trotzdem hat es sich lebenskräftige Energien von unschätzbarem Wert erhalten: eine, Lösung der Judenfrage ist nur möglich, wenn dem Judentum zu seiner Gesundung verholfen wird. Aber auch den deutschen nationalen Charakter findet Rosenfeld in einem Entartungsprozeh begriffen, der vollends nach dem Krieg einen rapiden Verlauf nimmt. Auch hier die Gefahr, sich selbst, seine vorbestimmte Idee zu verlieren. Dabei in ständig wachsender Zahl das Aufkommen hetzerischer Persönlichleiten mit krankhaft übersteigertem Machthunger, mit einem bis zur Brutalität gesteigerten Egoismus und beängstigender Verengung des geistigen Horizonts, und als Folge davon ein völlig chaotischer Zustand des Gemeinschaftslebens. So löst den Staat der Deutsche durch hemmungslosen Individualismus, der Jude durch hemmungslosen Nihilismud auf. Dazu gesellt sich das wachsende Gefühl des Deutschtums, dah seine ohnehin wankende nationale Gesundheit durch das Judentum gefährdet wird. Jüdische und deutsche nationale Fehler treffen in einem Augenblick seelischer Labilität des Deutschtums aufeinander und summieren ihre verhängnisvollen Wirkungen. Für Rosenfelo ist hierbei das Primäre das beschämende Versagen des Deutschtums, durchaus nicht etwa das Vorwalten jüdischer Machtinstiykte. Was als jüdische Gefahr erscheint, ist viel weniger die Jnternationalität des Judentums als seine Intertemporalität, seine Geschichts- und Zeitlosigkeit. tder ewige Jude!). In ihr wurzelt die kalte, im Leiden gehärtete Ueberlegenheit des jüdischen Geistes, die tiefste Quelle aller Fremdheit zwischen Deutschtum und Judentum. Der Judenhaß wird in dem Mähe verschwinden, in dem das Judentum sich körper ich und seelisch regeneriert, was eine Arbeit der S e l b st e i z i e h u n g ist, die von den besten Vertretern des Judentums auszugehen hat. Es mutz zurückfinden zu der ihm eigent imlichen Idee der Ethik, an der allein es wieder genesen ka m. Diese hat aber nun einmal in der Gestalt Christi ihrcn höchsten Ausdruck gefunden. .Also wird ein geläutertes Judentum an die Stelle dumpfer mesfianischer Hoffnungen da; stolze Bekenntnis zu der Lehre und Gestalt Christi als seiner wahren und echtesten Verkörperung setzen müssen. In den bcst'en Vertretern des deutschen Judentums ist schon ein Menschentypus in der Entstehung begriffen. de: die wertvollsten Eigenschaften des Deutschtums wie des Judentums in einer neuartigen synthetischen Form vereinigt imd der im wahrsten und höchsten Sinne die Bezeichnung . Christen" verewigt. Jüdisch« Ethik und deutscher Wirklichkeit -sinn verbindet sich in ihnen zu einer zukunftsfrohen Neugestaltung: es ist von größter Bedeutung, dab d^ Spitzen »es deutschen Judentums ihren Sinn und ihre Bedeutung erkennen und mit ihrem Glauben umfassen lernen. Jedem deutschen Juden ist jetzt die Pflicht zu einer tiefen, vercntwortungsvollen Wahl und einer bedeutungsvollen Entsheidung auferlegt: entweder Zionismus, d. h. saubere Trmnung der beiden Nationen, oder Eingliederung derjenigen Zudem die eine seelische Isolierung jüdischer und deutscher K ilturelemente nicht mehr vornehmen können, denen vielmehr di: Entwurzelung aus deutschem Kulturboden gleichbedeutend oäre mit Selbstvernichtung. Rosenfeld will von den blohen Assimilierungsbestrebungen dieser deutschen Juden, von einem grotzen Bekenntnis zum Deutschtum nichts wissen: damit ist f ir ihn die Judenfrage nicht zu lösen. Und alle Bestrebung« n, die auf Schaffung eines nationaldeutsche, Judentums abzielen, sind ihm von tiefer innerer Unwahrhafl igkeit behaftet und stiften gröhten Schaden. „Nicht verschwinde, soll das Judentum im Deutschtum, indem es seine Ander artigkeit verleugnet, sondern sich mit dem Deutschtum zu ein:r neuen synthetischen Gestalt vereinigen. Diese deutsch-jüdis he Synthese ist weder national-deutsch noch national füd isch, sie ist deutsch-jüdisch, und sucht man nach einem Namen, so lautet er: Chnstentum." Also: Zionismus oder Christentum. Ein Drittes gibt es nicht. „Nichts ist gefährlicher als die verschwommene Einstellung der deutsch-jüdischen Mittelschicht, die nach beiden Richtungen schielt und in charakterloser Schw-äche hin- und herschwankt. Ein ungeheurer Fortschritt zur Lösung der Judenfrage wird getan sein, wenn diese beiden einander ausschliehenden Möglichkeiten von jedem deutschen Juden erkannt und erwählt sein werden. Doch sei er sich völlig Nar. daß die zweite Alternative nicht Deutschtum lautet: sie lautet Christentum und bedeutet zunächst einen neuen, einsamen, aber stolzen Weg des Opfers." Zur Voraussetzung hat dieser Weg eine tiefe und ernsthafte Selbstbesinnung auch auf deutscher Seite. Das Deutschtum befindet sich geistig und seelisch durchaus auf einem toten Punkt. Di«, christliche Lehre ist ihm innerlich fremd geblieben, und der sgewaltige Mechanismus der Staatsform, die er ausgebildet hat, ist zu einem technisch organisierten Teil der äuheren Menschheitsordnung herabgesunken. In ihm ist kein Raum mehr zur Ausbildung einer nationalen Einzelkultur.' Wir kommen, zunächst ohne Läuterung der Gesinnung, zu einer Menschengemeinschaft, in den wenigstens die Voraussetzungen für eine ethische Gemeinschaft gegeben sind. „D i e s u n d nur dies ist Sinn und Lehre des Weltrieges". Was danach not tut, ist die Verinnerlichung im religiös-ethischen Sinn, die der ganzen Organisation erst Bedeutung und Adel verleiht. Die Staaten werden zu national bedeutungslosen Ordnungszellen einer überstaatlichen Organisation werden: verbinden sich mit ihren technischen auch christliche Tendenzen, dann gewinnen wir zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte die praktische Möglichkeit der Befriedung des Erdballs. Das nationale Leben der Zukunft bedarf durchaus einer neuen religiösen Verwurzelung. Auch das Deutschtum befindet sich, ganz wie das Judentum, vor einer folgeschweren Entscheidung. Die „nationalen" Bewegungen in Deutschland widmen ihre Kräfte einer nie wiederkebrenden Vergangenheit und bilden so eine genaue Parallekerscheinung zum Zionismus, münden auch ganz konsequent im ungeheuerlichen Anachronismus des Äntichnstentums. Hier wie dort Reaktionserscheinungen eines in seinem seelischen Bestände bedrohten Volkstums. Der andere synthetische Weg bedingt auch hier eine Wandlung der Grundanschauungen, gefördert durch die Erkenntnis, daß der abendländischen Welt nur die Wahl geblieben ist »Mischen Untergang und neuer gemeinschaftlicher Form. Das Deutschtum kann sich nicht länger dazu berufen glauben, allem, die äußere Organisation des neuen überstaatlichen Europa zu schaffen und durch seine Macht zu gewährleisten. Wohl aber ist es befähigt, die seelische und geistige Verfassung der zukünftigen europäischen Menschheit vorzubereiten und ihren Bestand und.Tiefgang zu gewährleisten. Die Menschheitsgesinnuna, die dajü erforderlich ist. heißt für Rosenfeld gleichfalls: Christentum. Ein Christentum i

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