Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1925
- Issue
- Nr. 6 (Juni 1925)
- Date
- 1925-06-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Darüber mögen sich dann am wenigsten die beklagen, di«. — selber deutsche Juden — im eigenen jüdischen Lager den Wünschen anderer Parteien, die aus politischen Gründen Kulturverrat geübt, Vorschub geleistet haben.! Vergessen Sie bittö nicht: Auch die moderne Jugend!iat bereits einen Willen! — Von meinen eigenen Söhnen ätzt sich so leicht wohl keiner,in die Bekenntnisschule. die auf den höheren Lehrgang qusgedehnt werden soll, widerspruchslos verbannen! Ich sage an dieser Stelle noch einmal im tiefsten Ernst: es geht für unsere Kinder in diesem neuen Kulturkampf nicht Klotz um die deutsche Schule und um die deutsche Er> Ziehung: es geht auch letzten Endes um ihren und unseren Glauben! - ,_ „Vaterlähdifcber Bund“ und „Rcicbsbund“ jüdiTcbcr Frontsoldaten. Don CanitStsrat vr. C. S. Engel. Berlin. Im Jahre 1922 wurde ich auf meinen Antrag — nachdem ich den Nachweis geliefert hatte, datz ich während des Krieges freiwillig in den Landsturm eingetreten und längere Zeit im Operationsgebiet tätig gewesen war — in den „Vaterländischen Bund jüdischer Frontsoldaten" ausgenommen. Wenn ich auch wegen vorgeschrittenen Alters und sehr schwankender Gesundheitsverhältnisse in dem Bund« wenig aktiv tätig sein konnte, so wollte ich mich doch — da christliche Verbände, wie der Stahlhelm, jüdische Kriegsteilnehmer nicht aufnehmen — dem jüdischen Bunde anschlietzen, der nach seiner Bezeichnung vaterländische Gesinnung pflegte. An einem Vereknsahend, dem ich gleich nach meinem Eintritt beiwohnte, hielt der Redakteur einer stärk links stehenden Zeitung einen dementsprechenden Vortrag. Infolge langer Krankheit konnte ich bei weiteren Sitzungen nicht anwesend sein. Inzwischen wurde der Name „Vaterländischer Bund" in ..Reichsbund" jüdischer Frontsoldaten umaeändert. Aus welchen Gründen die Bezeichnung „vaterländisch" aufgegeben worden ist, ist mir nicht bekannt. Im November 1924 las ich auf einer Einladungskarte, dah der bekannte sozialdemokratische Arzt vr. Moses in meiner Vereinsgruppe auf Einladung einen Vortrag halten würde. Ich sandte daraufhin dem Vorstande folgendes Schreiben: - ‘ „Wenn Herr vr. Julius Moses derselbe ist. der öffentlich behauptet hat. dah die Aerzte Interelle daran haben, dah viele Menschen krank sind, und den der Vorsitzende der Berliner medizinischen Gesellschaft. Herr Geheimrat Kraus, in einer der letzten Sitzungen als das gekennzeichnet hat, was er ist, dann bedaure ich die Wahl Ihres Referenten. Heber die Stellung, die Herr' vr. Moses den anderen Aerzten gegenüber einnimmt, können Sie autzer» drm Näheres bei >edem Arzt erfahren. Es ist ein Unglück für uns Juden, dah derartige Personen zu Wortführern der deutschen Juden bzw. der jüdischen Deutschen erhoben werden. Dah der Antisemitismus feit dem Kriege auch in solchen Kreisen Anhänger gefunden hat. die früher von Antisemitismus nichts wissen wollten, liegt zum groben Teil daran, dah die Christen aus der Einstellung d r e j e r Herren zum deutschen Vaterland auf die Vaterlandsliebe der Juden gemeinhin schliehen. Nur dadurch, dah den antisemitischen Hetzern durch Betonung der Liebe der Juden zum deutschen Vaterlande der Wind aus den Segeln! genommen wird, wie es auch die C. V.-Zeitung seit einiger | Zeit mit besonderem Eifer tut. kann der Antisemitismus i erfolgreich bekämpft werden. Ein vr. Moses als Ver- ] treter der jüdischen Deutschen bringt den Antisemiten von neuem Tausende neuer Anhänger. Als Mitglied des Reichs- | bunds jüdischer Frontsoldaten protestiere ich dagegen, dach Herr vr. Moses meine jüdischen Interessen vertreten soll. Mit meinen 62 Jahren, kriegsdienstbeschädigt und herzleidend, bin ich leider nicht in der Lage, in Ihre Sitzung zu kommen und öffentlich gegen diese Art jüdischer Vertreter Front zu machen." Mein Widersoruch war vergeblich. Ich erhielt — kurz referiert — die Antwort, die Herren General von Deimling und von. Schönaich, die um einen Vortrag gebeten worden seien, hätten wegen Arbeitsüberlastung les war vor den Reichstagswahlen) abgelehnt. Auf die Differenzen, welche zwischen Herrn vr. Moses und den anderen Aerzten bestSnden, könne der Reichs» bund jüdischer Frontsoldaten keine Rücksicht nehmen. Hett vr. Moses hielt darauf seinen Vortrag. Hiernach nimmt also der Reichsbund einen scharfgezeichneten parteipolitischen Standpunkt ein. Vor einiger Zeit wurde mir meine Mitgliedskarte für das Jahr 1925 übersandt. Auf dieser ist zu lesen: „Was will der R. j. F.?" Von den dort angeführten 5 Punkten interellieren hier nur Punkt 1 und Punkt 5. Punkt 1 lautet: „Er will gegenüber den mahlosen Drohungen der deutschvölkischen Gegner mit der Hingabe wie «inst im Felde für Ehre und Leben der deutschen Juden eintreten." Punkt 5: „Er hat satzungsgemätz in seinem Kreise.jede Auseinandersetzung über, parteipolitische und innerjüdksche Streitfragen verboten." Von dem ganz selbstverständlichen Abwehrkampf jedes Juden gegen die teiss auf! Unwissenheit, teils auf unheilbarer Verbohrtheit und Selbstüberhebung beruhenden deutschvölkischen Rallentheprien und deren Folgerungen soll hier nicht die Rede feinJ <In diesem Zusammenhang sei auf das sehr beachtenswerte Puch des vor wenigen Jahren verstorbenen Direktors des anatomisch-biologischen Instituts der Universität Berlin Geheimrat Oskar Hertwig: „Zur Abwehr des ethischen, des sozialen, des politischen Darwinismus", Verlag von Gustav Fächer, Jena, 19)8, hingewtrsenl. Auch dah der Verband derjenigen Juden, welche deg Krieg an der Front mitgemacht haben, neben der Pflege paterländischer Gesinnung, für Ehre und Leben der deutschen Juden auch gegen die deutschvölkischen Gegner eintritt, ist selbstverständlich. Nicht ganz so selbstverständlich ist. datz Punkt 1 so gesagt werden mutzte, dah aus ihm von gegnerischer Seite — wenn auch mit Unrecht — geschlossen werden könnte.! der früher „vaterländische", jetzt ..Reichsbund" jüdis^er Frontsoldaten habe seine Ziele geändert und beschränke sich jetzt darauf, eine Sckuhtruppe für die deutschen Juden gegen innere. Gegner zu sein. Zweifellos ist das nicht der Fall. Dann kann aber jeder Jude, der sein deutsches Vaterland liebt, verlangen, datz die Vaterlandsliebe der jüdischen Frontsoldaten, gerade weil sie von den deutschvölkischen Gegnern in Zweifel gezogen wird, mit besonderem Nachdruck betont wird. Wenn der Bund jüdischer Frontsoldaten, wie es ja doch wohl gar nicht anders sein kann, die Pflege vaterländischer Gesinnung für s e l b st v e r st ä n d l i ch hält, dann hätte er die Bezeichnung „vaterländisch" von vornherein weglallen sollen. Das nachträglich« Weglassen dieses Eigenschaftswortes könnte zu Mitzverständnillen Veranlassung geben, die gerade jetzt unter allen Umständen vermieden werden müssen. Und der Punkt 5? Entspricht die oben gezeigte parteipolitische Einstellung der Forderung, datz „satzungsgemätz jede Auseinandersetzung parteipolitischer Streitfragen verboten sein soll?'! Ist das der satzungsgemätz verlangte neutrale parteipolitische Standpunkt? Es ist sehrjllu bezweifeln, ob alle jüdischen Kriegsteilnehmer, die Anspruch darauf babem einem Bund jüdischer Frontsoldaten anzugehören, mit einer derartigen parteipolitischen Einstellung einverstanden sind. Eine derartige politische Haltung des Reichsbundes ist nach meinem Dafürhalten nicht satzungsgeimötz. und ich habe durch Austritt die Folgerungen aus Meiner! lleberzeuguno gezogen. Datz es nicht wenige jüdische Kriegsteilnehmer gibt, welche eine derartige Einstellung des Reichsbundes nicht billigen, dürfte an den in Beitriacht kommenden Stellen desselben nicht unbekannt sein. Der. einseitige politische Standpunkt des Reichsbundes könnte, gerade im Jnterelle der deutschen Juden, die ersteren veranlassen, meinem Belloiel zu folgen, vielleicht auch einen andern Bund jüdischer Frontsoldaten ms Leben zu rufen, der die Pfldge vaterländischer deutscher Interessen an die Spitze feinet Ziele stellt. Wer schweigt, scheint zuzustimmen. Wie sollen die christlichen Volksgenossen, ein richtiges Bild von der Vaterlandsliebe des grötzten Teils der deutschen Juden gewinnen, wenn diejenigen unter ihnen, Venen das deutsche VaterlaiV über allem steht, schweigen, während diejenigen, welche auf einem anderen Standpunkt stehen, laut, zuweilen zu laut, if rci Stimmen erheben und daburch ein falsches Bild von den vaterländischen Gesinnung des grötzten Teils der deutschen Jpden entstehen lallen? Nachwort der 'Schriftleitung. Der Reichsbund >iüdischer Frontsoldaten hat erst in dem Leitartikel des „Schild" vom 15. Mai 1925 <Nr. 10) anlätzlich der Präsidentenwahl wieder seine oarteipolitische Neutralität stark betont.! Trotzdem mehren sich die Stimmen, die behaupten, datz diese Neutralität nur vorgeschützt sei und datz der Bund tatsächlich eine ganz ausgesprochen einseitige Linkspolitik treibe. Gerade! geleaentlich der Präsidentenwahl ist uns eine ganze Reih« von Vorkommnillen berichtet worden, .die diese Auffüllung zu' bestätigen scheinen. So haben nach glaubwürdigen Mitteilüngen in Berlin einige Herren unter ausdrücklicher Berufung auf ihre Eigenschaft als Mitglieds des Frontsoldaten-Bundrs von politisch re^tsstehcnden Juden, die schwarz.weih rot geflaggt hatten, die „sofortige Entfernung der Fahne" verlangt. Man mag parteipolitisch stehen, wie man. will, datz ein derartiges Verhalten „neutral" fei. wird' man nicht behauvten können. Aehnlich soll es um die „innerjüdische" Neutralität des Bundes stehen. Auch bier sind uns mehrfach Fälle gemeldet worden, in denen an OrtsgrUppenabenden des Bundes gfgen unseren Verband in höchst unneutraler Weise gehetzt worden ist, ohne datz der Versamm- * lungsleiter dagegen ainaeschritten wäre. Wir bezweifeln nicht, datz alle diese satzunqswidrigen Handlungen der Bundesleitung unbekannt sind. Gerade deshalb halten wir es für geboten, an dieser Stelle darauf hinzuweisen. j? . - I