Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1925
- Issue
- Nr. 6 (Juni 1925)
- Date
- 1925-06-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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-* 8 Obige Ausführungen erheben keinen Anspruch auf Bolliländigkett. Der Verfasser weib, daß er den Juden als Kaufmann. Theaterleiter. Schauspieler. Staatsmann usw. weder erwähnt» noch in seiner Begabung gewürdigt hat. Er ist sich auch bewuht, dah ihm die Kürze des Raums und der Dtang des Berufs nicht gestattet haben, alle' die Einwendungen zu berücksichtigen, die sich ihm selbst beim Schreiben aufgedrängt haben. Was also beabsichtigte er, da doch seine Leistung nur in bescheidenem Mähe der durch den Titel i erregten Erwartung gerecht wurde? — Nichts weiter, als einige Gedanken zur Diskussion zu stellen! Nichts weiter, als einen Widerhall herauszufordern, der, gleichviel ob zustimmend oder verneinend, das Werk des Verbandes nationaldeutscher Juden unterstützen, die Erkenntnis jüdischer Eigenart vertiefen; die Bindung an das Deutschtum inniger gestalten, und damit unserem gemeinsamen Vaterlande dienen soll. Die politischen Parteien unci die Bekenntnis Tcbulc. Von Gertrud Le ow-Frankel. ^Wir setzen mit dem Abdruck dieses Vortrages. der an unserem Aussprache-Abend vom 14. Januar 1925 verlesen werden muhte, da die Verfasserin selbst durch Krankheit verhindert war (vgl. Nr. 2 des Mitteilungsblattes unter „Verbandsnachrichten"), die Aus- , spräche über dje Schulfrage fort (vgl. die Aufsätzein Nr. 4 des Mitteilungsblattes von 1923 und Nr. 2 und 3 von 1924). Die Frage, die einige Zeit nicht allzu brennend erschien, gewinnt durch die Vorgänge innerhalb der Berliner Jüdischen Gemeinde, über die wir an anderer Stelle berichten, heute wieder besondere Bedeutung. Wir betonen nochmals, dah die über diese Frage von uns veröffentlichten Aufsätze nur die persönliche Ansicht des jeweiligen Verfassers wiedergeben. Wo der Verband als solcher Stellung nimmt, ist dies besonders zum Ausdruck gebracht. Die Schriftleitung. Verbandsschwestern und Verbandsbrüder! Wir stehen vor einer grohen, einer Ungeheuern Gefahr — und sind uns dieser Gefahr so -gut wie gar nicht bewuht; wir stehen vor eknem Abgrund und sehen ihn deshalb nicht, weil ihn die stille Hoffnung, dah uns der liebe Gott im kritischen Augenblick von solchem Unheil bewahrt oder bewahren muh, einstweilen rmra halb verdeckt. Möglicherweise auch sind wir uns über den Schaden, der uns zugefügt werden soll, deshalb nicht völlig klar, weil wir uns angewöhnt haben, unser persönliches Wohl hinter das Wohl und Wehe des Landes zurückzustellen. Ich breche mit diesem Prinzip! Das mag Ihnen egoistisch oder beschränkt erscheinen vom Standpunkt Ihrer eigenen politischen Einstellung aus, aber ich sage offen: das Hemd ist mir heute näher als früher vielleicht der Rock! Es kommt oder wird doch kommen in einer absehbaren, nickt allzu fernen Zukunft — die deutsche.Bekenntnisschule! Was i st Bekenntnisschule? Und was bedeutet der Zwang, unsere Kinder, dorthin zu schicken, für uns und unsere Kultur? Oder mit anderen Worten! Was büht.die jüdische Jugend i n der Bekenntnisschule — durch die Bekenntnisschule; welche sie nicht allein von ihren christlichen Freunden und deutschen Brüdern trennt, sondern sie überdies einer Erziehungsmethode tatsächlich überliefert, welche die an sich schon grohe und schwer überbrückbare.Kluft zwischen Juden und Christen tatsächlich noch vertieft, an kulturellen Gütern und sittlichen Werten ei»? Ich s e l b st bin nicht imstande, dies umfangreiche Problem in allen Tiefen und Breiten vollkommen auszuschöpfen. Ein Mann mit m e h r Erfahrung in Schul- und Erziehungsfragen, mit reicherem Wissen als ich. wird michjnachher ergänzen.') Von allergröhter Bedeutung für uns und unsere Beschlüsse wird aber der Meinungsaustausch der reiferen Jugend sein. Wir hoffen von ganzem Herzen, dah sich die jungen Leut« in dieser Bildungsfrage bei ihrer Stellungnahme nicht von persönlichen Gründen, wie etwa beispielsweise von antisemitischer Kränkung, wie jeder jüdische Schüler sie in der Klasse erlebt, beeinflussen lassen werden. , Was k st Bekenntnisschule? Zunächst und nach auhen hin diejenige Lehranstalt, die die Elfnahm« ihrer Schüler von deren Glaubensbekenntnis aussch lieblich abhängig macht. Neu ist uns das Prinzip der Konfessionsschule nicht. Jedesmal, wenn der Kulturkampf in Deutschland aufgeflammt ist. wurde mit solchen Schulen als Schreckgespenst operiert. Und «ine Partei in Deutschland — von allen die mächtigste — hat die > *) Herr Lehrer C4) e t i o n . der damals das Korreferat batte. Wir bringen seine Ausführungen in einer spätere» Nummer. Di« Schriftleitung. Errichtung von Schulen solcher Art und Tendenz, wenn auch in beschränktem Umfang, tatsächlich durchgesetzt: die Jesuitenschule ist Ihnen allen bekannt! Die neue Bekenntnisschure, wie sie augenblicklich geplant wird und in die Erscheinung tritt, sobald das Schulgesetz einmal verabschiedet ist. trennt nicht Nur die Konfessionen — ihr Zweck ist vor allem der. dm ganzen Unterricht im Sinne der Konfesston tatsächlich zu erteilen: ihn auf das Glaubensbekenntnis ausdrücklich zuzuschneiden. Alles in allem also ein Bildungsinstitut, in dem die Frage der Bildung hinter die der Konfession zurückgestellt wird: in dem die Pflege des Glaubens über die Pflege des Wissens nachweislich triumphiert! Nicht öft und deutlich genug können wir uns und anderen dies Faktum vor Augen führen. Dah geeignete Lehrkräfte da sind, welche sich dieser Verpflichtung nur allzu gern unterziehen, dafür wird schon gesorgt sein. Wer aber zählt die Namen der Diener der Wissenschaft, die wort- und klaglos verhungern, weil ihr Gewissen sich sträubt, politisch und wissenschaftlich den Kirchenspitzel zu spielen? *• So sieht die Bekenntnisschule im künftigen Deutschland aus. Ihr Gegenstück — oder Pol ist dee Gemeinschaftsschule, die von den Linksparteien im Sinne ihrer bekannten und schon zur Zeit der neuen Weimarer Reichsverfassung vertretenen Schulpolitik auch jetzt wieder angestrebt wird. In dieser Gemeinschaftsschule, deren Kulturtmdenz um ein beträchtliches von jenen Prinzipien abweicht, wie sie die alten Staats- und städtischen Schulen beherrscht, erhalten deutsch« Kinder ohne Ansehen der Konfession in allen Zweigen des Wissens gemeinsamen Unterricht. Es ist für jedes Bekenntnis auch Religionsunterrichl — aber kein pflichtgemützer -— ira Schulhause vorgesehen. Um diese beiden Schulen tobt augenblicklich der Streit. Wie kommt das? werden Sie fragen, nachdem sich die deutsche Schule im Schatten der Revolution von der kirchlichen Vormundschaft scheinbar freigemacht hatte? Der ganze Entwicklungsgang der in der Schulpolitik plötzlich vollzogenen Schwenkung entzieht sich meiner Kenntnis. Es heiht, dah die treibende Kraft und auch der Spiritus rector bei dem famosen Projekt der neuen Bekmntnisschule die Bischofskonferenz in Fulda gewesen ist. Das wäre ja nicht erstaunlich. Von altersher hat das Zentrum mit unermüdlichem Fleih und ebenso grobem Geschick leider auch mit Erfolg rastlos danach getrachtet, die Schule im deutschen Land in seine Hand zu bekommen und sich auch nicht gescheut, auf diese Art einen Keil in die deutsche Emheft zu treiben. I st denn aber das Zentrum, das aus begreiflichen Gründen in der. für seine speziellen, kulturpolitischen Ziele überaus wichtigen Frage niemals nachgegeben wird, allein an dem Streite schuld? Nur allzu leicht haben sich die andern Bürgerparteien, sei es aus Ueberzeugüng. sei es aus Kuhhandelsgründen dazu bereit gefunden, dm Kampf um die deutsche Schule, d. h. also dm Kulturkampf auf ihre Fahne zu schreibm. Wie war eine solche Entgleisung, Beschränktheit, Kurzsichtigkeit im Lande der Dichter und Dmker, der Forscher und Wissenschaftler, der Wahrheitsfanatiker möglich? Sie wurde es Nach.und -nach durch den verlorevm Krieg, der den alten Fluch unseres Landes, nämlich die Uneinigkeit von neuem ins Leben rief. Doch nicht von diesem Zustand, der alle Volksschichten heimsucht und langsam mMerven wird, wollte ich heute reden. Ich denke zunächst an uns und an das tragische Schicksal. das gerade dir jüdische Jugend bei solcher Wandlung der Dinge unwiderruflich trifft. Zunächst ist ja nicht zu leugnen, d a b die greifbare Aussicht auf ein Zusammenleben unserer jüdischen Kinder in selbsterrichteten Schulen — so auf den ersten Blick — etwas Bestechliches bat. Wie ein Schrei der Erlösung geht es durch unsere Jugend: die Judenfeindschaft hört auf — wenigstens in der Schule! Aber — so frage ich Sie — wie wird es im Leben sein? Dort flammt sie — von der Erziehung und Isolierung der Kinder planmähig angefacht — mit um so gröberer Kraft. Hitze und Zähigkeit auf. Und das, was unsere Kinder auf der Schulbank nicht nötig hatten: das Anpassen und Sichfügen in andere Sitten und Bräuche, die mcht nur christliche Bräuche, sondern auch deutsche smd, fällt ihnen doppelt schwer. Und ähnlich steht es auch mit dem von jüdischm Lehrern in einer jüdischm Schule verabfolgten Unterricht. Der jüdisch« Ordinarius nimmt auf die Schwächm und Mängel, die Eigenheitm der Kinder, die ihm nur allzu verttaut, die weitestgehende Rücksicht. Wer aber kümmert sich, wmn aus dem Schüler ein Mann, ein Kämpfer geworden ist, der in das Leben hinaustrttt. um diese Eigenheiten der Rasse und Religion? Sie machm sich, da sie natürlich in vorgerücktem Alter weit schwieriger abzulegen und zu beherrschen sind.'als in der ersten Jugend, oft unangenehm bemerkbar und fügen dem Eigentümer entweder äußeren Schadm oder seelische Kränkung zu.