Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1925
- Issue
- Nr. 6 (Juni 1925)
- Date
- 1925-06-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Boden rieben, der gedüngt und fruchtbar ist durch die verwesenden Stoffe der Alten? Wird nicht jede Technik von einer neuen überholt, deren Voraussetzung doch eben die alte war? Der absolut« Wert eines Werkes ist niemals bestimmbar. Es hat Zeiten gegeben, da man Ealderon höher schätzte als Shakespeare, einen Watteau für ein paar hundert Franken auf jeder Auktion erstehen konnte, und Rembrandt in Vergessenheit geraten war. Der Lamarckismus wurde verspottet, bis er durch Darwin eine Stühe erhielt. Mendel starb unbekannt. Und wenn heute' eine Unzahl Forscher durch Millionen Versuche auf dem vergleichsweise doch nur schmalen Fundament Mendelscher Forschungen das Gebäude einer neuen Vererbungs-Theorie aufrichten, ist es dann gerecht, sie als die Vollender. Mendel aber nur als den Anreger zu bezeichnen? Jede schöpferische Begabung ist Vollender ihrer Vorgänger, ist Anreger ihrer Nachfolger, denn keine schafft ohne Voraussetzungen und Wirkungen. Alles dies scheint so zweifellos beweisbar, dah es eines besonderen Grundes bedarf, um zu erklären, warum den Juden trotzdem so häufig schöpferische Begabung abgesprochen wird. Fordert man einen Menschen von Durchschnittsbildung auf. die Namen bekannter Genies auszuzählen, so wird er in erster Linie Homer. Dante. Michel Angela. Goethe, Shakespeare, Beethoven usw. nennen, dann, nach einigem Nachdenken, etwa Kopernikus, Newton. Galilei und vielleicht die groben Philosophen. Er wird aber niemals auf den Namen William Harven. den Entdecker des Blutkreislaufs, verfallen. Mit anderen Worten, hs werden ihm alle diejenigen gegenwärtig sein, die sein plastisch-sinnliches Weltbild geschaffen oder sein Gefühlsleben entscheidend beeinflutzt haben. — also vor allem Künstler, in zweiter Linie Naturforscher und Philosophen. deren wissenschaftliche Phantasie.das Weltganze umfatzte. Aber die geniale Leistung, die sich nicht an die Anschauung. nicht farbig an die Einbildungskraft wendet, sondern sich in ihren Folgen nur praktisch-technisch auswirkt, wird ihm minder bedeutungsvoll erscheinen. Und doch haben James Watt. Lister, Marconi usw. den gleichen Anspruch auf Anerkennung. Es scheint mir nun gewih, dah die schöpferische Begabung wenigstens der modernen Juden eine überwiegend logischintellektuelle. keine sinnliche ist. Man beachte, dah es unter den Einsam Grohen der Kunst keinen einzigen Juden gibt, (wenn man von der zweifelhaften Herkunft Wagners absiehl. auf die es mir widerstrebt, näher einzugehen). Die Juden haben auher ihren religiösen Büchern keine weltgiltige Literatur, keinen weltgiltigcn Stil, kein weltgiltiges Werk der bildenden Kunst geschaffen. Ihre Begabung ist psychologisch, d. h. dem Ich, nickit der Welt zugewandt, intellektuell, analytisch., Ist diese Auffassung in ihren Umrissen richtig — ich bin mir dabei durchaus bemüht. mit Schlagworten zu arbeiten, aber wie wäre dies im Rahmen eines kleinen Versuches anders möglich? r— so wäre erklärt, warum den Juden von schöpferischer Begabung jene Popularität mangelt, die eine Art geistiger ANgeqenwärtigkeit verleiht, wenigstens bis heute! Denn da jede Begabung im Milieu wurzelt, so ist nicht einzusehen. warum ihre Richtung bei freierer Bewegunasmöglichkeit nicht wechseln sollte, um so mehr, als es zweifelhaft ist, ob hier eine konstitutionelle Eigentümlichkeit der Rasse oder eine Folge historischer Erlebnisse vorliegt. Jedenfalls erklärt dies die scheinbar paradore Tatsache, dah die Rolle der Juden im Werden moderner Kunst eine! überraschend bedeutungsvolle ist, während der Wert der ge schaffenen Werke dieser Rolle nicht entspricht. Sie besitzen Spürsinn und Gefühl für das Neue, das werden soll, erfassen es intellektuell, umwerben es hcih, aber sie gestalten es nicht, weil ihre sinnlich-plastishc Begabung von ihrer psychologischintellektuellen unterdrückt wird. Hier findet man sie in der Tat. wenn man nun einmal dieses Wort gebrauchen will, überwiegend unter den Anregern, nur selten unter den Vollendern. Und vielleicht liegt hierin auch der Grund für das Krampfige, Ueberreizte, das so oft ihre Werke schädigt. Es fehlt die grohe Unbefangenheit, die das Werk schon vor seinem Beginn als vollendet erschaut und, nach einem schönen Worte Michel Angelos, gestattet, die Figur aus dem Marmor herauszumeiheln, in dem sie bereits fix und fertig ruht. Einsicht und Empfindung können jene Schau niemals ersetzen. In diesem Zusammenhänge ist das Phänomen Heine von Interesse. Seine Kritiker haben ihm oft Verlogenheit vorgeworfen. Die innere Unwahrhaftigkeit mancher seiner Werke steht auher Frage, aber beweist dies, dah er — als Künstler — auch subjektiv unwahr gewesen ist? Verlogen nenne ich einen Künstler, wenn er seine Werke anders gestaltet, als er dies im Banne seiner individuellen Begabung hätte tun dürfen. Heines Begabung war von Natur brüchig. Er besah zweifellos die Schau des grohen Künstlers, aber er hatte weder die Unbefangenheit, sich ganz darein zu versenken, noch die Willenskraft, sie über eine gröhere Zeitspanne festzuhalten. So gelingen ihm wundervolle Einzelheiten und bezaubernde Anfänge. Dann verläht ibn die Kraft, er sieht sich einem Torso gegenüber, dessen Gröhe er fühlt, sieht sich gezwungen, wn, ru vollenden, ruft seinen Intellekt und seinen Witz zu Hilfe, endet als Journalist, wo er als Dichter begonnen, und unterstreicht den Gegensatz boshaft ünd bitter, weil er wünscht, dah man für freiwillig halte, was in Wahrheit der Ausdruck künstlerischeil Versagens ist. So wurde er ein Typ dessen, was man auck heute noch in kleinerem Mahitab« bei manchem jüdischen Künstler beobachten kann. Schöpferisch trotz seiner Schwäche!» war selbstverständlich auch er. Nicht nur die Journalistik, astch die Dichtung unserer Tage wäre ohne ihn eine andere: und die Hakenkreuzler sollten nicht vergessen, wie viel Wagner ihn zu verdanken hat.! Alles bisher Gejagte bezieht sich auf die Stellung der Juden in der Literaiur und bildenden Kunst. ' lieber ihren Einfluh auf die modeine Musik — Gustav Mahler? — mögen Berufenere urteilen. .Ebenso soll das Kabitel: ..Juden als Kunstkenner" hier ü ergangen werden, obwohl er reizvoll und aktuell ist. da es auf dem Umwege! über Künsthandel und Büchverlag wied>!r zum Thema zurückführt. Ist die Stellung ter^Juden in der Kuftst eine eigenartige, bisweilen ihren nichtii fischen Mitbewerbern, überlegene, häufig nicht gleicbwerliae, sc^ vermag ich einen ^Unterschied in der Wissenschaft nicht an-verkennen. Wenn hier überhaupt eine Verschiedenheit besteht so liegt sie nicht in dtr Leistung, sondern in der Art, wie sie c ufgenommen wird. Als Beispiel möge Einstein dienen. Obi johl seine Arbeiten sicher zu denen gehören, die nur weniges verständlich sind, hat man auf jüdischer Seite die Trommel jerührt, als sei ein neuer Messias gekommen. während die Hakenkreuzler sich in Beschimpfungen er- Oen — nicht immrr nur in Reaktion auf den jüdischen ame-Rummel — als raube ihnen, Einsteins theoretische Physik die Hoffnung, dereinst in Walhall einzuziehen. Dieses Geschrei jüben und drüben jbegleitet fast jede Leistung hervorragender Juden. Es lockt! mich nicht, „völkische" Gehässigkeiten tiner psychologischen iAnalyse zu unterziehen: sie sind sicherlich moralisch verwerflicher, als die vergleichsweise gutartige jüdische Prablsucht. Aber es darf nicht verheimlicht werden, dsth. sie in dieser oft gpnug einen Scheingrund finden.! Jüdische Geistigkeit, an sich in hohem Grade lobenswert, führt bei mangelnder schöpferischer Begabuüg und im Ertrem zum intellektuellen Snobismus, d. h. zu! einer Loslösung vom Realen, die sich1 wie dies in einem früheren Aufsatz schon einmal ausgefühljt wurde, in leere Begrisfsspielerei verliert und jede Forme!, für bedeutungsvoll hält, auch wenn ihr kein Inhalt entspricht: ebenso, wie sinnlich-plastische Veranlagung im Ertrem Zpr Geistlosigkeit führt, zu einem trägen Geniesten und stumpfsinnigen Betrachten des Realen, kurz zum Behagen des Stammtischs. Der Stammtisch aber genügt sich selbst, der Snobismus braucht Widerhall. Es ist daher klar, dast der intellektuelle jüdische Snobismus eine Sache der Oeffentlichkeit, nichtjüvjsch» Bierphilisterei aber eine private Angelegenheit ist. [ i Snobismus und pviliströi«: Stumpfsinn unterscheiden sich aber noch in einem anderen, sehr wesentlichen Punkte. Der erste ist wurzellos, der!jzweite in hohem Maste bodenständig. Snobismus sucht und findet seine Nahrung überall, er mündet in leeren Kosmopolit smus, Stammtisch-Behagen klammert sich an -Crt und Land umd hält zäh an nationalen Eigenschaften - fest, auch wenn diese offenbare Untugenden!find. Snobismus prahlt, »m seine Blöstv zu decken, Stumpfsinn genieht ohne Scham seine eigene Bedeutungslosigkeit. I Daraus folgt, dah jüdische Geistigkeit, um in immer intensiverem Grade schvpfertsch zu werden, danach trachten muh. eine stärkere Bindung an die Wirklichkeit zu finden. Das kann nur auf nationalem Boden geschehen. Das Wort von der „voraussetzuntslosen" Wissenschaft | und Kunst wird falsch verstanden. Wissenschaft und Kunst lsind nur in dem Sinne voraussetzungslos, dast ihre Folgen und Wirkungen nicht an völkische Grenzen gebunden sein dürfen, über sie entstehen keineswegs voraussetzur gslos aus dem Nichts, sondern sind natioval bedingt. Warners Musik ist langst Gemeingut aller Völker geworden, aber welcher Ausländer! fühlte es nicht, dast es deutsche Musik sei. die er hört! Dostojewskis Romane gehören der Wclt-Literatur an, abfr wem wäre es möglich, zu vergessen, dth er ein Russe ist! Jür die Wissenschaft ist diese nationale Bedingtheit nicht -ganz so leicht zü beweisen, wie für die Kunst, sie ist nichtsdestoweniger ebenso vorhanden. Man spricht von deutschen, französischen, englischen Methoden der F irschung: die organisatorischen Einrichtungen und Begabungei sind verschieden in Deutschland und Amerika. Das Ziel die bt voraussetzungsloÄ übervölkisch: der Weg geht über vaterlär bischen Boden. > - Der Intellektualismus ist der Avers, der Snobismus der Revers jüdischer Schöpferkraft, deren'Vorhandensein nur fanatischer Antisemitism is leugnen kann. Gelingt es jüdischer Geistigkeit, sich körperhalter zu gestalten, sich unbefangener an das Objekt zu binden hnb von ihm durchhringen zu.lassen, so wird sie hodenständiäler, kräftiger, fruchtbarer werden: die dialektische Spielerei uiid damit der Snobismus werden an Boden verlieren. Ihre Gegner aber werden dann nicht einmal mehr Scheingründe findtn, jüdische Schöpferkraft zu leugnen. Denn je inniger und leidinschaftlicher sie sich ay die Wirklichkeit kettet, um so deutscher n srd sie sein.