Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1925
- Issue
- Nr. 6 (Juni 1925)
- Date
- 1925-06-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdische ftreng konservieren will, kann vom deutschen Freiheitsstreben nicht ertragen werden. Aber wo jener Wille zuM Deutschtum vorhanden ist, kann gerade durch das Bewahren des Wertvollen aus jüdischer Vergangenheit dem gemeinsamen Vaterland genutzt werden. Nicht d i e R a s s e. d er G ei st entscheidet, nicht das religiöse Bekenntnis, sondern die G o t t e s k r a f t. Wir verkennen nicht die Unterschiede zwischen Deutschtum und jüdischer Eigenart. Mir Recht aber sagt einer der nationaldeutschen Juden-: *) „lieber all diese Verschiedenheiten hinaus jedoch gibt es hüben und drüben ein Einigendes — und chas ist die Gesinnung dem deutschen Vaterlande gegenüber. Erkennen wir diese als phrasenlos national gerichtet, dann fühlen wir festen Boden unter den Füßen:" Dieses „phrasenlos' national" Gerichtetsein darf sich selbstverständlich nicht in einer Beteuerung in noch so schönen Worten erschöpfen,. sondern muß sich in einer klaren Gesamthaltung des deutschen Juden äußern. Die Stammessolidarität mit den jüdischen Gliedern anderer Nationen — was schadet in Deutschland der einwandernde Lstjude den jüdischen Deutschen auch im Urteil gerecht denkender christlicher Deutscher! — muß ehrlich aufgegeben werden zu Gunsten der Volkgemeinschaft mit dem deutschen Volk. Die Juden, die das ihrer ganzen seelischen Verfassung nach in der Erinnerung der gemeinsamen Vergangenheit nicht können, führt der Weg klar zum Zionismus. Mögen sie den gehen und eine Vereinigung mit ihren Stammesgenossen in anderen Ländern durch Auswanderung zu vollziehen suchen. Gegenüber den Deutschen gibt es dann nur die klare reinliche Scheidung. Der andere Weg aber — und es gibt keinen dritten, alles andere ist Halbheit, Selbsttäuschung .oder Verschleie-rung — führt ebe-nso klar hinein ins Deutschtum. Daß hierbei nicht Abstammung oder religiöse Eigenart verleugnet zu werden braucht, dürfte gerade aus vorliegender Skbhandlung hervorgehen. Nahmen Refugies wie ein Fouque oder Ehamiffo nicht auch das Beste romanischer Eigenart mit in die neue Heimat? Das.Leben ist viel reicher als Rasienrheorie oder Hangen an Tradition. Mögen die deutschen Juden Ernst machen' mit der ehrlichen Einfügung in die deutsche Wirkliche k e i^t. Tie Bewegung des Verbandes' der nationaldeutschen Juden erscheint mir daher als der einzige Weg. auf dem die Judcnfrage in Deutschland glücklich gelöst werden kann. Man kann gerade als deutscher, nichtjüdischer Nichtantisemit dieser Pioniertruppe nur von Herzen Erfolg wünschen. Sie ist nicht nur die stärkste Waffe für die wirklich deutschfühlenden Juden, sondern auch die wirkungsvollste gegen den Antisemitismus. Nur io kann er durch die Tat wideplxgt werden. *) Vgl. Peyier: Der Begriff »nationaldeutsch" in unserer Erziehungsarbeit. (Schriften des Verbandes nationaldeutscher Juden. Heft 1.) An den Folgen einer (Operation verstarb unser Mitglied und Schatzmeister der (Ortsgruppe Yen Ludwig Itlllermayer. Die (Ortsgruppe bdklagt in dem Verstorbenen ein Mitglied, das sich treu und selbstlos in den Dienf! der Sache stellte und das sich durch sein freundliches, urwüchsiges Wesen der Sympathien Aller erfreute. Wir werden sein Andenken stets in Ehren halten. Die Vorstandschaft der Ortsgruppe München. 8mä äie Iuäen fcköpferikck begabt? Von vr. Bruno Rosenberg. Eikh« di« BuffAft« ln 3tt. 2. 3 und 4 b«4 RtttfilimaWIaMt*. WeNrrr fttuftcninflen find rrwünscht. DI« Eldrtstlkilung. Voltaire hielt es für notwendig, den viscours <Ie l’Histoife Universelle von Bousiet zu bekämpfen, weil dieser die Weltgeschichte darstellte, als drehe sie sich lediglich um das kleine Judenvolk. Daraus geht hervor, daß es Zeiten gab. in denen man die schöpferische Begabung der Juden außerordentlich hoch eingeschätzt hat. In der Tat, so lange der Blick des Forschers auf das Abendland beschränkt blieb, mußte man zu einer Ueberschähung der Juden gelangen, denn alle Kulturen Europas sind irgendwie entscheidend von ihnen beeinflußt. Erst die Ausdehnung der Forschungsgebiete auf außereuropäische Kulturzentren hat mit dieser übertriebenen Wertschätzung ein Ende gemacht. Immerhin gibt es wenig Völler, deren Wirken räumlich und zeitlich so weitgreifend gewesen ist, wie das der Juden. Deshalb erscheint es unverständlich, daß auch leidlich Wohlwollende ihnen die Fähigkeit. Genies hervorzubringen, absprechen. während sie andererseits geneigt sind, den Reichtum ihrer Talente zu bewundern. Bezeichnet man als Genie nur die groß:n Leuchten ihrer Jahrhunderte, so scheint diese Meinung freilich begründet. Don den Religionsstiftern jüdischer Herkunft abgesehen, steht nur der Name Spinoza auf der Tafel der Einsam-Großen. Aber ist das zu verwundern? Ist denn Genie nicht unter anderem auch eine Funktion der Zahl, und hat jemand sich die Mühe genommen, zu berechnen, auf wieviel Rassegenossen im Laufe eines Jahrtausends ein Genie kommt? Wenn nun einmal unter hundert Deutschen nur einer ein Jude ist. muß maik dann nicht von vornherein erwarten, daß auch unter hundert genialen Deutschen nur einer jüdischer Herkunst sei? Es ist i sehr unwahrscheinlich, daß, wenn man die Gesamtheit der! Genies bezöge auf die Gesamtzahl der Bevölkerung, die sie : hervorgebracht hat. die wenigen Millionen Juden bei dieser Berechnung schlecht nbschneiden würden. Aber die Anwendung der Begriffe Genie und Talent ist an und für sich unstuchtbar, weil ihre Bestimmung eine schwankende ist. Zur Zeit der Romantik ging man mit dem Ehrennamen eines Genies sehr verschwendensch um: jedem „Bohemien, der sich nicht gutwillig den Sitten der Bürgerlichkeit anpaßte, wurde er zuerkannt. Spätere Zeilen sind damit sparsamer geworden. Aber niemals ist es gelungen, beide Begriffe sauber-gegeneinander abzugrenzen. Wertvoller erscheint es mir. an die Stelle des Genies den Begriff dex schöpferischen Begabung zu sehen. Schöpferisch ist jede Begabung, die neue Wirklichkeit hervorbringt. Wer mit den Mitteln einer schon bekannten Technik im Bannkreis schon gedachter Gedanken ein Werk schafft, bringt Wirkllchkeit hervor. — er wirkt: aber er vermehrt den Reichtum der Welt nur auantitativ. Denn sein Werk, so ausgezeichnet es sein mag. ist nicht Wegweiser in's Unbekannte, sondern Ausgestaltung eines schon Bekannten. Wer aber die Sprach« seines Landes auch nur um ein einziges brauchbares Wort bereichert. . nur einen Gedanken denkt, der die Grenzen philosophischer Bettachtung erweitett, nur eine einzige Erfindung hervorbringt, die bisheq unbekannte Möglichkeiten in sich birgt, ist schöpferisch. denn er verändert das Besitztum der Menschheit gualitativ. Er schafft neue Wirklichkeit. Schöpferische Krast ist unabhängig von Irrtum und Wahrheit. sowie vom Bestand der Werke, in denen sie sich verkörpert. Schöpferisch war der Gedanke des Columbus, auf dem Seewege nach Ostindien zu fahren, obwohl es nicht gelang, ihn zu verwirklichen. Aber er führte zur Entdeckung Amerikas. Schöpferisch würde der Manismus auch dann sein, wenn Mehrwerts Theorie und ehernes Lohngeseh längst widerlegt wären, denn er hat politisch und sozial Wirkungen gehabt, die das Antlitz der Erde verändert haben. Schöpferisch bleiben die Gedanken des Darwin, obwohl seine Lehre durch Mendel bis in alle Fugen erschüttert ist. denn unübersehbar sind ihre wissenschaftlichen und philosophischen Wirkungen gewesen. Suchen wir nach Juden, die in diesem Sinne schöpferisch gewesen sind, so finden wir eine Fülle berühmter- Namen. Mit dieser Tatsache müsien sich offene und heimllche Antisemiten abfinden. Marr, Heine, Paul Ehrlich. Einstein, Gustav Mahler usw. sind nun einmal unübersehbare Größen. Die lautet die Formel, die es dennoch gestattet, das Dogma von der schöpferischen Minderwertigkeit der Juden aufrecht zu erhalten? Ein Franzose — ich glaube, Romain Rolland — hat einmal die Juden als Hefe im Teig bezeichnet. Unentbehrlich — gewiß! Aber doch nur Zutat, die den eigentlichen Stoff durch Unruhe und Eährung in Bewegung bringt. Andere formulieren knapp und scharf: Ihr seid Anreger, aber nie oder doch höchst selten Vollender. Run geht es mit diesen Begriffen wie mit denen des Genies und Talents: sie sind nicht sauber voneinander abzugrenzen. Sind Kunst und Wissenschaft nicht wie Felder, auf denen dieneu erblühenden Pflanzen ihre Krast aus einem