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Der nationaldeutsche Jude · 1925-06-01 · Nr. 6 (Juni 1925) · p. Seite 2

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1925
Issue
Nr. 6 (Juni 1925)
Date
1925-06-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Centralvemn und ffationaldeutfcbtum. Von Dr. Max Naumann. Es ist an' der Zeit, uns ernsthaft mit.der. Krisis des Eentralvereins deutscherStaatsbürger jüdisch e n- O) I a u b c n » zu beschäftigen. Ernsthaft, — denn die Tinge und ernst genug. Und beschäftigen, — nicht nur. weil man vow der -Zeile unserer Gegner 'in gehässigster Form , uns selbst in die Erörterung zieht, sondern vor allem, weil die Krisis des Eemralvereins ein verkleinertes Abbild der größeren Krisis, ist. voii der heute die ganze deutsche Judeuheit erschüttert! wird. Aus dieser Krisis kann Gesundung oder ewiges Siechtum hervorgehcn. Taß die Krisis bcstehk, pfeifen die Spatzen von allen Dächern, ausgenommen das eilte Dach, unter dem die C -V - Zeitung hergestelll wird. Es ist erstaunlich, daß gerade in dem ' Blatte, von dem jedes Eentralvcreins-Mitglied vor allem Aufklärung über die, Vorgänge im eigenen Verein erwartet, über die „inneren Wirrrn" kein klares, jedem Mitglied verständliches -Wort zu niideu ist. Das nichtzionistische Durchschnitts-Mitglied, ' das treu und brav dem C. V. seinen Beitrag zahlt, von der Jndennage nur den Antisemitismus kennt und neben seinem politischen Leibblatt ausschließlich die C.'-V.-Zeitung liest, muß annehmen, daß in seinem Verein die heilige Eintracht segensreich herrsche. Es erfährt nichts davon/daß jeden Augenblick an anderer Stelle Schwierigkeiten erwachsen, daß fa|t überall die demichsühlenden Mitglieder, soweit ne wirklich Arbeit leisten, innerhalb des Vereins selbst in hartem Kampfe gegen Zionismus und Alljudenlum stehen, daß die „jüdische Einheitsfront", die mancher Schivärmer gern über fremde Weltteile erstrecken möchte, nicht einmal in der eigenen Ortsgruppe besteht, und daß der Vereinsvorstand alle Hüudevoll zu tun hat, zu beschwichtigen und zu verkleistern. Die ewige „Abwehr des Antisemitismus". manchmal eine zahme Polemik gegen zionistische Unfreundlichkeiten, erbauliche Aufsätze über „jüdische Würde" und ähnliches,, über jiddische Literatur und über Ausgrabungen j in Palästina, das ist die Speise, mit der die Leser der C.-V- 1 Zeitung gefüttert werden. Nur ivenn einer dieser Leser einmal zufällig den Blick in andere jüdische Blätter wirft, in zionistische vor allem, aber auch in orthodox-alljüdische und gelegentlich sogar „neutrale", liest er mit starrem Erstaunen die Ueberschriflen: „Was geht im Central-Verein vor :'"/ „Centralvereins- Tüinmerung". „Fauler Friede im Centralverein" usw. Liest er dann iveirer, so erfährt er zu seiner nicht minder großen , lleberraschung, büß die Leitung seines Vereins „naumannianisch" I sei. daß die positiv e i n g e st e l l t e n, i h r e s I u d e n -! t u in s sich t!) bewußten Mitglieder des C. - V.! sich zu er neu, besonderen Vor ein zusammen - j schließen u n d eine eigene Zeitung herausi geben wolle n". haß „sachliche Gegensätze" bestehen, die .! auf die Tauer „nicht vertuscht werden können". > Wir und gewiß gegen den Verdacht gefeit, mit der Jüdischest Rundschau, dem Jüdischen Wochenblatt, der Jüdischen Zeitung für Ostdeutschland und ähnlichen Organen zu sympathisieren. Aber es muß anerkannt werden,' daß diese BlPter gerade hier. Wahrheiten sagen, die in dem offiziellen Blatt des , E.-V. nicht zu finden sind. Es ist wahr, daß Gegensätze innerhalb des Vereins bestehen, die sich mif die. Tauer nicht Überdrücken. nicht einmal vertuschen lauen. Freilich die Behauptung, daß die C.-V.-Leitung „naumannianisch" sei. ist in dieser Form >«ein Wie, und zwar einer jener Gattung, die ein Kömchen * Wahrheit enthält, aber diese Wahrheit durch groteske Uebertreibung verschleiert. Tie Leitung des Centralvereins ist so wenig „naumannianisch", daß sie mindestens duldend dem Kampfe zusieht, der von Mitgliedern ihres eigenen'Vorstandes — oft in geradezu schmählicher Form — gegen den Verband nationgjdeutscher Juden und gegen den Verfasser dieses Aufsatzes persönlich geführt wird. Man muß, um.diese Dinge zu . verstehen, unterscheiden zwischen der eigentlichen „Leitung" des Eentralvereins in Berlin und dem Massenaufgebot der über ganz Deutschland, verstreuten Hauptvorstands-Mitglieder. D i e wirkl.ich leitenden Männer in Berlin sind im Grunde ihres Herzens gut nationaldeutsch gesinnt. Äber sie sind gleichzeitig sogenannte Politiker, und Politik heißt für sie. ständiges Lavieren, äußerliches Zusammenhalten einer Maffe, die längst innerlich gespalten ist. Vereinsbetrieb um des Vereins willen. Wo sie selbständig und nach eigenem Gefühl handeln können, tun ne manchmal eine gut 'deutsche Tat. wie es, die antizionistische Parole für den Wahlkamps der Landesverbands- Wahlen war. Aber sobald sich Widerstände zeigen, — und sie zeigen sich stets —. packt sie die Angst vor der eigenen Eourage. Sie haben den besten Willen zum Deutschtum, aber der „beste Wille", ist nun einmal stets weniger, als der Wille an sich. Dagegen ist der große Hauptvorstand des! Vereins ein getreues Spiegelbild der unvereinbaren Gegensätze, die in der breiten Masie der Mitglieder und darüber hinaus in! der ganzen deutschen Judenheit bestehen. Neben Menschen, die nationaldeutsch bis in die Knochen sind — was bekanntlich nicht bedeutet, daß sie gleichzeitig Mitglieder unseres aktivistischen Verbandes sein müssen —, stehen Alljuden echtester Farbe, die sich ebensogut Zionisten nennen könnten und denen nur die Klarheit, manchmal auch der Mtt fehlt, dorthin zu gehen, wohin sie längst gehören. Dazwischen aber steht die Gruppe der ewig Halb- und Halben, der typischen Zwischenschichtler, die so und auch anders können und die in ihrer Schlaffheit und Verworrenheit stets dem besten Mundwerk nachlaufen, zumal wenn es ihnen selbst zum Munde redet. Ein so zusammengesetztes Verwaltungsorgan kann natürlich für wirklich deuische Arbeit nur ein Hindernis sein. So kommt es, daß in Landesverbänden und Ortsgruppen, innerhalb deren das Alljudentum besonders stark ist. die deutschfühlenden Führer mit der alljüdischen, vom Zionismus stark beeinflußten Opposition immer wieder den „faulen Frieden" schließen.müffen. Ein Musterbeispiel für Vorgänge dieser Art ist der Fall des bekastuten Herrn Foerder in Breslau. In dieser Stadt waxen die Gegensätze innerhalb des Centralvereins so stark geworden, daß der Bruch unvermeidlich schien. Daß Herr Foerder, der hemmungslose Oppositionsmann und unbeirrte Zionistenfreünd, endlich „abgesägt" werden müßte, war für die Berliner Leitung längst unzweifelhaft. Aber der Versuch, den bedenklichen"Mitkämpfer loszuwerden, scheiterte daran, daß in Breslau die Anhänger-; schüft des Herrn Foerder sich doch größer und vor allem ent- ' schlossener erwies,' als man angenommen hatte. Die erste Generalversammlung der dortigen Ortsgruppe ging in wüstem Skandal unter, wie man ihn sonst in jüdischen Versammlungen nur erlebt, wenn zionistische Sprengkolonneu am Werke sind, i Schimpfworte schwirrten durch die Luft. Manche Behauptungen des Herrn Foerder, der wieder einmal seine Phantasie frei spielen ließ, wurden von einem seiner eigenen Vorstands- Kollegen für „erstunken und erlogen" erklärt, Ohrfeigen wurden I vergeblich angebqten, — aber die Ausschiffung des Herrn > 'Foerder aus dem Ortsgruppen-Vorstand mißlang trotz der An- I Wesenheit des Centralvereins-Direktors Herrn Dr Holländer.! der offenbar eigens zu diesem Zwecke nach Breslau gekommen j war. Dis Versammlung ging auseinander, ohne den Wahlakt! durchgeführt zu haben. Aber kurze Zeit darauf war der „faule Friede" da. Eine zweite Versammlung fand statt; vorher hatte man hinter den Kuliffen den Spalt verkleistert, so gut es anging. Diplomatische Erklärungen wurden verlesen; eine Kompromißliste lag fertig auf dem Tisch und wurde nach Unterdrückung jeder Aussprache glatt angenommen. Herr Dr Holländer war wiederum anwesend — und schwieg. Ergebnis: Herr Foerder ist. zwar nicht mehr Schriftführer, aber doch weiterhin Vorstands-Mitglied der Ortsgruppe und Hauptvorstands-Mitglied des Centralvereins. Sein Anhang, die „positiv eingestellten, ihres Judentums sich bewußten Mitglieder", wie sich die Jüdische Zeitung für Ostdeutschland ausdrückt, ist so stark wie je. — Haben die Alljuden-Blätter nicht recht, wenn sie sagen, daß solche Zustände, die in kaum äbgeschwächter Form auch in anderen Ortsgruppen bestehen, auf die Dauer unhaltbar sind? So sieht es hinter den Kulissen aus. Aber vor der bemalten Leinwand, im künstlichen Lichte der offiziellen Eintracht spielt sich der Kampf gegen den „äußeren Feind" ab, und dieser Feind heißt „Naumann". Diesem Kampfe sehen aus Gründen der „inneren Vereinspolitik" auch solche Mitglieder der Leitung duldsam zu, die im Grunde selbst national deutsche Juden sind, aber aus den gleichen. Rücksichten nicht „Naumannianer" sein dürfen. Ein Herr Dr Jakob Marx aus Karlsruhe. H au p t v o r - standsmitglied undVorsitzender einesLandesverbandes des Centralvereins, schreibteine Broschüre, die nach dem Vorwort nicht in der Ausübung seines Amtes verfaßt sein, sondern als Ausdruck „einer ganz persönlichen Meinung" gelten soll. Aber diese Broschüre er» s df nt im Philo-Verlag, der dem Central-

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