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Der nationaldeutsche Jude · 1925-05-01 · Nr. 5 (Mai 1925) · p. Seite 10

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1925
Issue
Nr. 5 (Mai 1925)
Date
1925-05-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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auf meine Person in der Öffentlichkeit Erklärungen abgegeben hat, die unwahr waren, und der^n Unwahrheit „ er entweder gekannt hat oder bei auch nur oberflächlicher Prüfung hätte kennen müssen." Ferner ent- I^ält das Schreiben die Aufforderung, wegen dieses von mir gegen Herrn F o er d e r erhobenen Vorwurfs eines nach meiner Auffassung ehrwidrigen Verhaltens die . gerichtliche Widerklage zu erheben, damit ich den Wahrheitsbeweis qntreten kann. Ich stelle fest, datz mir bisher von einer Erhebung der Widerklage nichts bekannt geworden iit. Herr Foerder scheint es also auch jetzt noch vorzuziehen, der gerichtlichen , Klarstellung auszuweichen und dafür sachlich irreführende Schreiben an Leitungen zu richten." Königsberger Allgemeine Zeitung «Deutsche Volkspartei, - .24. 4. 25. Bericht über den Königsberger Vortragsabend: „In der hiesigen Ortsgruppe sprach am 20. April ,I>r. Gutl - mann über b4e historische Entwicklung im Wesen des Antisemitismus. Im heidnischen Altertum, als Staat und Religion eine Einheit bildeten, war der Hatz gegen die Juden, welche den Göttern des Landes die Anbetung verweigertem mehr Fremdenhatz. Als die christliche Kultur und das Dogma von der alleinseligmachenden Kirche herrschend wurde, bildeten die Juden einen lebendigen Protest gegen dieses Dogma. Die Kirche mutzte aus ihrem Herrsckiaftsdeltreben heraus die Juden verfolgen. Protestantismus und Aufklärung brachen die Kraft des. Dogmas. Es war der Beweis »erbracht worden,, datz man auf verschiedenen Wegen zur Seligkeit gelangen könnte. Aber in einer anderen Form, im wirtschaftlichen Antisemitismus lebte die Iudenfeindichaft weiter. Durch Gesetzgebung ' jahrhundertelang beschränkt, war den Juden keine andere Erwerbsmöglichkeit als der Geldhandel gestattet- Der durch diese Tätigkeit erworbene Reichtum erregte den ' Reid anderer Bevölkerungskreise. Auch Strömungen, die «ich nur gegen die Mittlertätigkeit des Kaufmanns überhaupt richteten, wurden antisemitisch, da naturgemätz der grötzere Teil der Juden dem Kaufmannsstand angehört. . Die neueste Erscheinungsform des Antisemitismus hat politische Färbung. Es ist der Rassenantisemitismus, der die Juden zu Fremden, stempeln will. Doch hat es immer, und namentlich in neuerer Zeit, auch starke Gegenströmungen gegeben, im deutschen Volke aufzugehen. Der deut>che Jude braucht eine schrankenlose Liede zum Vaterland, um sich die Klarheit seines deutschen Gefühls nicht verwirren zu lasten und sich stets .bewusst zu bleiben, datz er zu allererst Deutscher ist. D-er Verband nationaldeutscher Juden-hat es sich zur Aufgabe gemacht, hier klärend und richtunggebend zu wirken. — Dem Vortrag folgte eine angeregte Diskussion, in der auch Gegner zu Wort kamen. Von seilen der Verbandsmitglieder wurde die Notwendigkeit des Festhaltens -an einem entschiedenen Deutschtum, das sich durch Anfeindungen nicht beirren lässt, stark betont. Ferner liefen: Jüdische Rundschau und Jüdische Z e i tung für Ostdeutschland. Abgeschlossen 30. 4. 25. Verbanäsnacbrickten. 1. Berlin. Der Vortragsabend vom 23. April d. Is„ an dem als «hast unseres Verbandes Herr Pfarrer und P r i v a td o-z e n t~ 2 i c. Dr. Haack «Breslau» sprach, gestaltete sich zu einem der anregendsten Abende dieses Arveits jabres. Das Thema lautete: „Die E.igenart des Alten Teft'aments und die Eigenart deutschen Wesens." Der Saal war dicht gefüllt von Mitgliedern und geladenen Gästen, unter denen sich zahlreiche Richtjuden befanden. Der Hauptredner stellte an die Spitze seines Vortrages den Sah, datz er weder als Philosemit, noch als Antisemit spreche, sondern als deutscher Gelehrter, der sich nach Fichte's Wort berufen fühle, an der Erziehung der Menschheit mitzuwirken. Man habe dem Alten Testament schon jo ft Herabsetzendes nachgesagt, habe es als „teils entbehrlich, teils schädlich'' bezeichnet. Beides sei falsch. Um das Alte Testament ju verstehen und in seiner Bedeutung als Erziehungsfaktor zu würdigen, rnüste man sich klarmachen, datz es der Niederschlag einer Entwi«klung sei. die sich über ein Jahrtausend verteile. Man finde im Alten Testament alle Seiten des Lebens wieder, nicht nur Religion, sondern auch Geschichte, Politik. Gesetz, hausväterliche Weisheit. Wesentlich für die heutige Zeit sei vor allem der Gottesbegriff, der Sittlichkeitsgedanre und der politische Inhalt. Der Gottesgedanke zeige sich im Alten Testament in der Wandlung, die er von Urzeiten her habe über sich ergehen lassen müssen. Aus dem zornigen Stammesgott der ältesten Periode habe sich ein milderer Gott entwickelt, der aber zunächst noch immer ein besonderer Volksgott, wenn auch im Sinne seines Volkes der einzig wahre, den anderen Göttern weit über-, legene Gott gewesen sei. Der Prophetismus habe aus diesem Henotheismus den Monotheismus, die Lehre von der Einzigkeit des Gotteswesens herausgebildet, und dieser Gott der ganzen Welt enthalte schon alle die Züge, die heute für uns von dem Gottesbegriff untrennbar sind: fer sei ein Gott der Sanftmut bei aller Kraft, ein Gott der Erhabenheit, der Gereckstigkeit und Barmherzigkeit. Im inneren Zusammen hang mit dieser Wandlung des Gottesbegriffes stehe die Entwicklung des Sittlichkeitsgedankens. Wir finden in den ältesten Zeiten, bei den Erzväterir. bei David und den päteren Königen manche unmoralische Tat, aber stets folge hr schon damals die sittliche Vergeltung. Von diesem Pun-te ühre die Entwicklungslinie bis zu der Gottesgestalt, wie sie rns im Buche Jona entgegentritt, zu dem geduldigen und verzeihenden Gott, der zwar strenge Pflichterfüllung und höchste Sittlichkeit fordere, aber nicht dulde, datz ein Eiferer ich selbstgerecht über seine Mitmenschen erhebe. Man habe )em Alten Testament gerade hinsichtlich der Sittlichkeits-Idee historische Unrichtigkeiten oyrgehalten. Aber das Alte Testa ment wolle gar nicht eine historische Schrift sein, sondern e; jei eine volkserzieherische Schrift. Es führe Gott als litt liche Macht in die Geschichte ei» und lege so den Grundstein der Geschichtsphilosophie. Unter diesem Gesichtswizikel be trachtet erscheine auch der politische Inhalt des Alten Testa ments erst im richtigen Lichte. Auch hier sei die Entwicklung unverkennbar. Aus dem Gott, der Sonderbesih eines aus erwählten Volkes gewesen, sei, habe sich der überweltliche, alle Menschen mit gleicher Liebe umfassende Gott des Arnos, des Iesaia,! des Schöpfers des Jona-Buches herausgestaltet und das Gebot der Nächstenliebe, das heute mit dem Namen Jesu unnennbar verknüpft erscheine, finde sich schon in dem Alten Testament. Wer Jesus verstehen wolle, müsse zürn Alten Testament greifen. So gebe das Alte Testament ein Bild von der Entwick Irng des Wesens des jüdischen Volkes. Diese Entwicklung labe sich fortgesetzt über die Zeit hinaus, in der ein jüdisches Volk als solches bestanden habe. Nur das Alte Testament rerkörpere das Wesen des Judentums. Die nachträglich ent s andenen Schriften, wie Talmud und Schulchan Aruch, haben rur als Luellenfchlriflen Bedeutung. . Und damit biete sich der Vergleichspunkt des in dem Alten Testament verkörperten Wesens mit der Eigenart deutschen Wesens. - Im deutschen Wesen sei der Grundzug der Treue und Selbstlosigkeit hervorstechend, daneben der metaphnsische Zug. der von der Mnstik eines Meister Eckart über Sebastian Frank und Iqkob Böhme bis zu Kant, Fichte. Schelling und Hegel führe. Ein Zug religiöser Inner lichkeit. herstammend aus der Neigung zum Pantheismus, die mit indogermanischer Art eng verbunden sei. gestalte den Gottesbegriff zu einem immanenten, innerweltlichen, der sich insoweit unterscheide von dem jüdischen Gottesbegriff. . der ursprünglich durchaus kranszendent sei. Eine Verbindung schaffe der jüdische Philosoph Spinoza, der auf die heutige Gestaltung des Gottesbegriffs matzgebenden Einflutz gehabt habe. Bezeichnend für die Eigenart deutschen Wesens lei auch der ethische Zug, der überpersönliche Gemeinschaftsgeist, der die Einordnung des Einzelnen in die Masse verlange und durchaus vereinbar sei mit dem eigenartig vertieften Freiheits- und Unabhängigkeits-Empfinden. Dieses finde seinen prägnantesten Ausdruck in dem Worte Lagarde's: „Frei ist nicht, wer tun kann, was er will, sondern wer werden kann, was er soll." Schlietz tick, sei ein Grundzug des deutschen Wesens die Verbindung von Religion und Gemüt, die auch in der deutschen Sprache und vor allem in deutscher Dichtkunst ihren Ausdruck finde. Gerade durch diese Verbindung von Religion und Gemüt sei das Alte Testament auf dem Wege über Luthers Bibel Übertragung ein Buch des deutschen' Volkes geworden, aber auch in Deutschland ein Menschheits- und Gottesbuch geblieben. Es habe stärksten Einflutz auf die sittliche Erziehung gehabt und sei deshalb auch heute völlig unentbehrlich. Damit sei der Weg aufgezeigt, auf dem Juden bei vollem Bewutztsein ihrer Abstammung und bei treuer Anhänglichkeit an ihre Religion vollwertige Glieder des deutschen Volkes w.-rden und bleiben könnten. Nur gehöre zu diesem Hinein wachsen in die deutsche Volksgemeinschaft auch der feste Willeein Deutscher zu sein, und das Bewutztsein der unauflöslichen Verbundenheit mit der deutschen Heimat. Das deutsche Volk habe zahlreiche völkische Bestandteile ausgenommen, die nicht „germanisch" seien, und alle diese Bestandteile seien, zum Teil bei bewutzter Auf rechterhaltung ihrer Tradition «Hugenotten usw.j im Deutschtun. aufgegangen. Das Gleiche sei auch bei Juden möglich. sofern sie nur den Willen haben und sich frei machen von jüdischnationalen Ideen sowie von Komoromitz-Versuchen, die darauf beruhen, ein lediglich staatsbürgerliches

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