Mannheim
Compact Memory

Der nationaldeutsche Jude · 1925-05-01 · Nr. 5 (Mai 1925) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1925
Issue
Nr. 5 (Mai 1925)
Date
1925-05-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/6682492-5438640-5438778--057-4871277
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

4 Weitaus am beliebtesten toaren indessen geographische Beinamen, die auf die Herkunft des Trägers oder dessen Familie hinwiesen. Man must hier unterscheiden zwischen Ländernamen, Landschaftsnamen und Ortsnamen. Bei den Ländernamen ist der größte Teil von Europa vertreten. Wir treffen hier die Namen: Spanier (auch Spanger», Italiener, Schweitzer. Franzos. Holländer, Engländer.- Schott. Polaä. Litauer, Türk. Wallach (für Rumäne», Ungar sauch Ungerl. Böhm. Welsch (auch Wellisch», Elsässer, aber auch Amerikaner. Bei den Landschaftsnamen überwiegen natürlich stark diejenigen Gegenden des hl. Römischen Reiches deutscher Nation, in denen Juden stärker ansässig waren. Wir treffen hier: Frank. Schwab. Bayer, Preuß. Hetz. Oestr^icher. Friesländer. Sachs. Rheinländer. Schlesinger ist nichts anderes als Schlesier. „Berg" ist das ehemalige Herzogtum. Auch bei den Ortsnamen überwiegen stark die von Juden dicht bevölkerten Landesteile im Süden und Westen Deutschlands., Namentlich der heutige. Regierungsbezirk Unterfranken ist bis auf kleinste Ortschaften vertreten. Vielfach sind die-Orte.aber in einer falschen oder irrtümlichen Schreibweise. trhalten. Aus Rheingönheim z. B. entstand infolge der verzerrten ,-prechweise: Reinganum. Aus Trier, französisch Treves, ward Dreyfuß, aus Zons (am Niederrhein» Zuntz. An eine frühere Schreibweise erinnerndie Namen Wertheimber und Fuld (statt Fulda», ferner Helberger (statt Heldenberger». Statt Speyer sagte man auch Spstr und Spiro. Hin und wieder trifft man auch ausländische Ortsnamen, wie London. Amsterdam, Pariser, Copipenhagen. ja selbst Jaffa, (in Palästina». Die nächste große Gruppe der deutschen „Phantasie- Namen" ist vor der Annahme der festen Familien-Namen . kaum gebräuchlich. Sicherlich haben die Leute, welche die „feinen" Namen aus dem Rmche der Blumen (man denke an die mit Rosen. Tulpen, Veilchen, Nelken zusammenhängenden Namen» oder die tönenden aus dem Reiche der Erze und der edlen Steine erwählt haben, geglaubt, richtig zu wählen. Und gerade diese lind die typst'ch jüdischen geworden und ihren Nachkommen oft'mehr oder minder unangenehm. Allerdings die besonders krassen Namen, die den Träger der Lächerlichkeit preisgeben, stammen samt und sonders aus dem österreichischen Polen, wo die Namen nicht von den Betroffenen selbst erwählt, sondern ihnen von ..witzig" sein wollenden Beamten auferlegt wurden: In Deutschland waren diese Namen vor der großen Ostjuden-Invasion recht selten, wurden auch oft von den deutschen Behörden stillschweigend gemildert oder geändert. Seitdem aber 'Ostjuden und Zionisten. was ja sehr häufig dasselbeist. iu Deutschland das gro ze Wort führen, trifft man diese traurig-komischen Namen nur allzuhäufig. Uebrigens sind von deutschen Behörden schon frühzeitig allzustark jüdisch klingende Namen äüf Antrag ihrer Träger abgeändert worden. So war aus Itzig Hitzig, aus Lern Lenne usw. entstanden/ Ausländische Iudennamen sind, von den ostjüdischen natürlich abgesehen, in Deutschland verhältnismäßig selten anzutreffcn gewesen. Spanische Juden sind nur sehr wenige nach Deutschland gekommen. Ein spanischer Name ist z. B. Lörie bzw. Lurje. Von Portugiesen gab es eine kleine Gemeinde in Hamburg, die ja. sdweit noch vorhanden, auch heute noch mit Stolz ihre alten Namen tragen. Dagegen gibt es eine kleine Anzahl französischer Namen, wie Picard i germanisiert Bickhardt». Godcheaur (Gottscho», Chambre. Teblee. Rapaport (?), Levigard (?) usw. Die Namen Lion, Cerf dagegen sind einfache Ilebersetzungen aus dem Deutschen, die sich für Frankreich schwärmende Juden in der napoleonischen Zeit, also erst sehr spät, zugelegt haben. Noch später sind dann deutsche Namen noch willkürlicher ins Französische und Englische übersetzt worden. So ward aus Lehmeyer Lemaire. aus Löwenstein - Livinqstone.' aus Goldschmidl Goldsmith, aus Hertz Harris usw. Alle die. obenerwähnten Beinamen, die dann zu Familien- Natnen wurden, beziehen sich auf Familien, die westlich der Elbe oder allenfalls in Berlin, in Schlesien und in Oesterreich wohnten. Als durch die Teilung Polens auch Posen, , Westpreußen und Südpreuszen (später zu Ruszland gehörend» 'zu den Ländern der Hohenzollernschen Monarchie kamen und damit zahlreiche Juden, die vorher polnische Untertanen gewesen waren, setzte alsbald eine starke Einwanderung nach den westlicheren Landesteilen, namentlich nach Berlin ein, das sicher im Laufe der Jahrzehnte mindestens die Hälfte der Juden der Provinz Posen in sich aufnahm, die sich selbst immer mehr von Juden entvölkerte. Von dort aus kamen dann Namen nach Berlin und teilweise nach dem übrigen Deutschland, die unter den altdeutschen Juden nicht vertreten waren. Diese sind hier nicht aufgezählt. Auch sonst soll die kleine Arbeit auf Vollständigkeit keinen Anspruch machen. Sicher sind zahlreiche Namen unerwähnt geblieben, die wegen ihrer Besonderheit der Erwähnung wert gewesen wären. Auch gibt es manche Namenj deren Erklärung nichts weniger als leicht ist. Manche sind aus schwierigen hebräischen oder Jargon-Abkürzungen entstanden. In einem jüdischen Gemeindeblatt wurde z. B. neulich der Name Brill (Brüll) für eine Abkürzung von „Ben Rabbi Jehuda Löb" erklärt. Für Braun wurde mir schon „Ben Rabbi Wolf Naftali" angegeben. Derartige Erklärungen sind oft mehr oder weniger unbeweisbare Kombinationen. 6in Schlußwort zur Hlpenverctne-frage. i. Vorbemerkung. Tie nachfolgende Aeußerung eines Mitgliedes kritisiert eine Erklärung, die nicht, wie der Herr Einsender irrtümlich annimmt, nur die persönliche Auffassung des Schriftleiters zum Ausdruck bringt: sondern die im ausdrücklichen ^Aufträge hes Hauptvorstandes veröffentlicht i[l.i Wir gebengleichwohl dem Herrn Einsender das Wort, weil es uns fern liegt, abweichende Ansichten zu unterdrücken. Was wir selbst ihnen gegenüber zu sagen haben, sei in einer Schluszbemerkung zusammengefaßt. Die Schriftleitung. II. „Grundsätzliches zur Alpenoereinsfrage." Von Professor vr. R. I. Meyer. Die Ausführungen von Herrn l)r. Naumann in Nr. 4 dieses Blattes fordern durchaus zu einer Entgegnung heraus, obipohl sie, das Grundsätzliche einmal zugegeben, vollkommen logisch erscheinen. Der Herr Verfasser räumt ja aber selbst ein, daß es noch einen anderen Standpunkt gibt, von dem aus man die Frage beurteilen kann, wenn er ihn auch als ideologisch und unpolitisch verwirft. Lassen wir die historische Entwicklung der ganzen Angelegenheit, die mit Donauland ihren Anfang nahm und mit der Generalversammlung der Sektion Berlin am 13. März ihren vorläufigen unrühmlichen Abschluß fand, beiseite, eine Entwicklung, auf die das zrpar triviale, aber nichtsdestoweniger wahre Wort vom „Fluch der bösen Tat" treffend anwendbar ist, und beschäftigen wir uns mit der Frage: Wie sollten sich die jüdischen Mitglieder der Sektion nunmehr verhalten? Der Herr Verfasser beantwortet diese «Frage mit großer Bestimmtheit folgendermaßen: Da ein Massenaustritt aus der Sektion auf die engere und weitere Oeffentlichkeit nicht den geringsten Eindruck machen würde, da ferner die jüdischen Mitglieder mit diesem Schritt jeden Einfluß auf die weitere Entwicklung verlieren müßten, so sollen sie in der Sektion bleiben, um gegen die „Hetzer von beiden Seiten" Front zu machen und für den Frieden und die dauernde Verständigung zu wirken. Ziehen sie sich dagegen „gekränkt" zurück, so tun sie das-Dümmste und gleichzeitig das Undeutscheste. was geschehen kann. Das Dümmste? Darüber läßt sich streiten. Ader das Undeutscheste? — Beschäftigen wir uns zunächst mit der „realpolitischen" Seite der Frage. Was wird die Folge der vom Vorstande der Sektion verfochtenen Politik sein? Es wird zunächst bei der Aufnahme neuer Mitglieder nach ihrer Konfession gefragt werden müssen, und der Aufnahme heischende wird darauf gefalzt sein «müssen, daß er ohne Begründung zurückgewiesen wird. - Unter diesen Umständen ist es mir kaum wahrscheinlich, daß noch Juden mit vornehmer Gesinnung die Aufnahme nachsuchen werden. Die Politik des Vorstandes wird demnach in ihrer Wirkung nahezu der des sogenannten Arierparagraphen gleichkommen. Diese Maßregel mag mit mehr oder weniger Takt, mit Härte oder mit Milde ausgeübt werden, sie bleibt gleicherweise anstößig und muß unbedingt dazu führen, daß auch die Mitglieder. die in der Sektion geblieben sind, sich als Mitglieder zweiter Klasse fühlen. Gerade die Feinfühligen unter ihnen werden über diese demütigende Lage nicht hinwegkommen. Es ist aber auch eine Illusion, wenn man glaubt, sie könnten durch eine abwartende Hatturm etwas gewinnen oder in versöhnendem Sinne wirken. Wir stehen einer res juclicata gegenüber: tatsächlich könnte doch nur eine Aufhebung der Maßregel die Lage ändern, und die wird schwerlich zu erreichen sein, solange der wiedergewählte Vorstand im Amte bleibt. « Freilich hat dieser Vorstand erklärt, er sei nicht antisemitisch. sondern er müsse einer „Gefahr" begegnen, die darin bestehe, daß bei stetig anwachsender Zahl der jüdischen Mitglieder «ine ähnliche Lage eintreten könnte, wie sie in Oesterreich zur/Bitdung der Sektion Donauland geführt hat. Bestand eine solche Gefahr wirklich, woran ich nach meiner Kenntnis der gant anders gearteten Berliner Verhältnisse allen Grund habe zu zweifeln, so. durfte man sie nicht dadurch zu beseitigen versuchen, daß man einer gewiß nicht sehr bedrohlichen rechtsradikalen Minderheit zuliebe Konzessionen machte, die in viel i höherem Maße den Keim zu einer Spaltung der Sektion^ in sich tragen, als bei loyaler Duldung der Verhältnisse. wte sie sich nun einmal herausgebildet haben, zu befürchten! gewtz^n wäre. Ich vermag überhaupt keine „Gefahr"

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.