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Der nationaldeutsche Jude · 1925-05-01 · Nr. 5 (Mai 1925) · p. Seite 3

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1925
Issue
Nr. 5 (Mai 1925)
Date
1925-05-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 Eltern mögen sich bewußt sein. daß. wenn sie ihr Kind ein Handwerk ergreifen lassen, es alS Handwerker einen genau so achtbaren Beruf ergriffen hat, wie es ein kaufmännischer oder-ge ist igxr Beruf ist, sofern der junge Mensch nur ein wirklicher Handwerker wird. Man verlange deshalb für seine Söhne keine Sonderstellung, etwa die leider noch immer sehr beliebte Ausbildung als sogenannter „Volontär" oder „Praktikant", denn nur der .Inhalt, die Leistung im Berufe und nicht die Form ist das Ausschlaggebende. Und zum Schluffe noch ein praktischer .Rat, der vielleicht förderlich sein kann, um eine richtige Auswahl der dem Handwerk zuzuführenden Kinder zu ermöglichen. Die Eltern, deren Kinder vor der Benifswahl stehen und die beabsichtigen, die Kinder ein Handwerk ergreifen zu lassen, sollten sich mit dem schon erwähnten Jüdischen Berufsamte in Verbindung setzeni Durch dieses besteht am ehesten die Möglichkeit,- für Kinder geeignete Lehrstellen ausfindig zu machen, in denen sich die Kinder auch wohl fühlen. Im übrigen ist mir bekannt, was gerade für uns nationaldeutsche Juden sehr ivesenllich ist, daß das Jüdische Berufsamt sein Augenmerk besonders darauf gerichtet hat, jüdische Kinder bei christlichen Handwerkern unterzubringen. In je höherem Maße dies gelingt und je besser sich unsere Kinder im unbefangenen und gleichgestellten Verkehr mit Nichtjuden innerhalb des Handwerksherufes bewähren, desto näher kommen wir der „praktischen Bekämpfung des Antisemitismus". Iüäiscke familien-Manien. Von S. W. Heb. Frankfurt a. M. In erfreulicher Weise beginnt in letzter Zeit, freilich viel zu spät, sich das Interesse für Familienforschung unter der deutschen Iudenschaft zu heben. Es ist schade, daß diese Forschungen noch gar zu sehr in den Kinderschuhen stecken. Es wäre sonst ein Leichtes, nachzuweisen, wie bodensässig in Wirklichkeit der größte Teil der deutschen Judenhcit ist. Leider sind aber noch immer die Fälle zahlreich, dab der Einzelne von seinem Urgroßvater in direkter Abstammung nicht einmal mehr den Namen weih. Daneben soll cs freilich auch Leute geben, die behaupten, ihren Ilammbaum bis zum königlich persischen Hofjuden Mordcchai Nachweisen zu können, oder die gar kühnlich erzählen, aus dem Geblüt Davidr>und Salomos zu stammen. Sehr erschwert werde» die Nachforschungen allerdings durch die Tatsache, daß ein grober Teil der deutschen. Juden, im Gegensatz zu ihren spanischen und portugiesischen Glaubensgenossen, bis vor wenig mehr als 125 Jahren keine festen Familiennamen besah. Erst mit dem Beginn der Emanzipation haben die deutschen Juden sich feststehende Familien- Namen zulegen müssen, die dann bis zum heutigen Tage gröhtenteils unverändert blieben. Zur Unterscheidung im täglichen Handel und Wandel haben freilich unsere Dorfckhren auch in früheren Jahrhunderten Beinamen geführt, die sich manchmal vom Vater auf den Sohn vererbten, jedenfalls aber ganz frei angenommen und abgelegt wurden. Vielfach wurden dann diese Beinamen, wie sie gerade damals. ausgangs des 18. Jahrhunderts bestanden, als feste Familien-Namen angenommen. Und so sind die heutigen jüdischen Familien-Namen entstanden. Zweifellos würden viele Namen heute von den Urenkeln und Ururenkeln anders gewählt werden, als von den frommen Vorfahren, deren Leben sich in der strengen Beobachtung der angestammten Religion und der Wahrnehmung ihrer Geschäfte vollkommen erschöpfte. Wir treffen zunächst einen großen Teil der Namen des Alten Testaments wieder, freilich bei weitem nicht alle. Viele davon, selbst Namen der zwölf Stämme, wie z. B. Gad oder Sebulon. kommen meines Wissens unter den deutschen Juden überhaupt nicht vor, qndere nur in wortgetreuer oder freier Uebersetzung. So wurde z. B. aus Moses, der auch in der Urgestalt vorkommt. Wassermann in buchstabentreuer Uebersctzung. Aus Juda wird Löwe. Löb. aus Naphtali — Hirsch. Hirh, aus Jsachar — Bär. aus Benjamin -- Wolf gemäß den symbolischen Vergleichen im Segen "des Stammvaters Jakob. Aus dem frommen Priesternamen Pinchas wurde Seligmann, aus Baruch -- Selig. Aeuherst zahlreich sind die Verstümmelungen althebräischer Namen, die vielfach auch aus Kosenamen entstanden sind. Als Beispiele seien angeführt: Aberle von Abraham. Seckel von Jsaack (= Jsäckel), Koppel von Jakob. Gutmann Judmann von Juda, Löbel von Lewy «aber auch von Löwe). Mendel von Menachem, Heimann, Heumann von Ehajim, Besser, Pessel von Pesach, Amfchel von Ascher. Nahm von Nachum, Jessel von Jesaias, Jsserle von Israel, (auch von Jsaack). Schmul (!) aus dem vollschönen Samuel, Mordche aus Mordechai, Leiser, Lesser aus Eliefer, Man, Marcus aus Mordechai, Sannel aus Nathaniel. Auch R imen aus der Hellei nstsschen Zeit sind erhallen, wie z. B. Ä leiander und Philipp. zum Teil wurden sie bis zur Unkenm lichkeit verstümmelt: Sander. Sender. Sandel ist nichts ai deres als Alerander Feibusch, Feiber, Feibel ist der „jarac nisierte" Phöbus (!!/. Aus der römischen Zeit sind übernommen: Kaiser von Cäsar, Julius. August.- Aus der talmudischen Zeit .sind verhältnismäßig wenig neue Namen hinzuaekommen. Kiese ist aber zweifellos eine Abkürzung ron Akiba. Von de» Geistesgrößen im Reiche der talmudsschen Lehrhäuser, von j Hillel, Schammai. Gamaliel, Sakkai sind die Namen bei ums kaum erhalten. Der nachbiblische Name Meier bedeutet „Leuchte" oder „Licht". Nach Deutschland kamen die ersten Juden zweifellos schon mit den Römern. In Köln haben Juden wahrscheinlich schon vor der Zerstörung des zweiten Tempels gewohnt. Im ersten Jahrtausend der heutigen Zeitrechnung erging es den Juden in Deutschla tb auch durchaus nicht schlecht. Aus diesen fernen Zeiten tammen auch schon eine Anzahl deutscher Namen wie Süßkind Liebmann (Lipman), Hartmann. Hoff mann, Kalman (von dem italienischen Juden Kalonymos. den Kaiser Karl der Große nach Deutschland berief). Aus dieser Zeit stammen auch eine Anzahl Ätjüdischer Frauen namen wie Gittel vo i Gudula, Fradchen von Freude. Blümle von Blume, Ettel non Adelheid. Brend<l von Bräunchen, Braune. Frumet von Frohmut. Teiwele I von Taube usw.^ was nebenbei erwälnt fei. Der slawische Name Scheinkin mag aus Schönkind entstanden sein: gerahe wie Sußkin aus Süßkind.! Bei Ausgang dis Mittelalters und zu Beginn der Neuzeit gab es in Deutschland nur wenige grpße jüdische Gemeinden mehr. Ein: der bedeutendsten warj die von' Frankfurt, wo die Juden s ch frühzeitig Beinamen nach den Häusern des Judenviertels gaben. Von Frankfurt! aus wurden diese Namen dann durch ganz Deutschland und später über die ganze Erde getragen Man darf aber nicht glauben, daß es sich bei den Trägern dieser Namen stets itm dieselbe Familie handelt. Wer gerate im Laufe der Jahrhunderte im Hause zum Adler (eigentlich, Schwarzadler) wohnte, nannte sich Adler. Der bekann tste Frankfurter Iudsnname ist zweifellos derjenige der Rothschild geworden, obwohl gerabe Träger dieses Namens in t er Frankfurter Judengasse vor^Amschel Mayer Rothschild nir eine sehr unbedeutende Rollgespielt haben. Der Adel der Frankfurter Judiengasse verkörperte sich in erster Linie n den Namen der Familien Kann und Kulp, die tatsächlich jahrhundertelang die gleichen Häuser bewohnten und ihre Namen von Generation auf Generation vererbten. Andere bekannte Frankfurter! Judennamen sind z. B. Schiff. Schwär üchild, Flesch il - Flasche), Hahn, Scheuer, Bauer. Haas. Ochs Rindskopf. Sichel, Stiefel, wahrscheinlich auch Stern und Strauß. Alle diese Namen sind nach bestimmten Häusern benannt. Es gibt aber auch andere Frankfurter Judenncimen, die sich aus anderen Eigenschaften ableiteten und sich als Beinamen von. Familien erhielten, wie z. B. Schnapper Wohl (-- Grotwohl), Doktor (Arzt der Judengasse), Rotbar. Drumm (= Trommel). Aber kehren wir wieder zu auch sonst vorkommenden Namen zurück, die chon seit Jahrhunderten als Beinamen geführt wurden, so reffen wir eine Anzahl Namen, die mit dem religiösen Lel en Zusammenhängen/wie Schamcs Schuldiener, Kahn. Cohn für Priester, Kah ■= Abkürzung von Kahan Zedet (Frommer Priester), Götz oder Eetz Ger Zedek — Frommer Fremder (in der Regel früher auch für die seltenen Proselyt n angewandte Parnes oder Barnaß für Gemeindevorsteher. Bachert oder Bach kommt von Bachur (Schüler). Der letzt re Name kommt übrigens ebenfalls vor. Da die deutschen Juden einseitig aufiben Handel-angewiesen waren, so sird andere Berufsnamen, als aus dem Handel stammende, recht selten. Handelsbezeichnungen lind: Kaufmann, Wechsl e, Lehmann, Lehmjeier.! Goldschmidt. Kramer. Eisemann «möglicherweise auch von Eisik --- Jsaack). Wollmann, Tuchmar n, Weinmann. Ledermann u. <r. m. Andere BerufSiiamen sind Schusters Bäcker. Metzger, Fleischmann, Schreiber «auch Sofer). Geigey Koch, Müller <!>. ja sogar Schmidt «meist wohl Abkürzung, von Goldschmidti!. Badmann. Drucker.! Manche Namen, die auf Berufe ödes bestimmte Eigens schäften zurückgehen, sind freilich in der heutigen Schreibweise nicht mehr ohne wstieres zu erkennen. Wolfler ist nichts anderes als Wohlfeiler. (Noch in meiner Jugendz.it vraucht.n süddeutsche Landjuden für billig' ben Ausdruck wolfel wohlfeil). Daß der Ahnherr des Familie 'Schättgen ein Schadchen (= Heirai svermittler) war, ist schon leichter zu ver stehen. Der Mann, der den Beinamen. Chotzen trug, .muß über entsprechende irdische Reichtümer berfügt haben. In Süd- und Mitteldeutschland hatten dielVorsteher der jüdischen Gemeinden die deutsche Bezeichnung .^Baumeister". Auch dieser Beiname ist ethalten geblieben. Der Name „Neu" bezeichnet die neue < Mendelssohn'sche) Glaubensrichtung. Der Name „Fürst" bere chnet einen durch hervorragende jüdische Eigenschaften, wie z. Ä. Gelehrsamkeit, ausgezeichneten Mann,

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