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Der nationaldeutsche Jude · 1925-04-01 · Nr. 4 (April 1925) · p. Seite 4

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1925
Issue
Nr. 4 (April 1925)
Date
1925-04-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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In e i n e m Punkte aber kann eine Verschiedenheit der Beurteilung kaum obwalten, und das ist' die Frage, was in Zukunft geschehen soll. Wir können in dieser Hinsicht nur wiederholen, was Herr Proieflor Dr. Ginsberg in der März- Äumnicr namens deS Vorstandes ausgesprochen hat: Unter allen Umständen aber fordern wir unsere Perbandsmitglieder schon heute auf, .ckei n e s f a l l s - aus der Sektion Berlin auszutreten, wie auch die Versammlung vom 13. d. Mts. verlaufen mag. Wir wollen in der Lektion bleichen, nicht um dort, wie es vielleicht anderen Lektions-Mitgliedern vorschweben mag. das „Feuer weiter zu schüren", sondern um ruhig abzuwarten, wie sich die Dnnge entwickeln und in welcher Wesse der Vorstand von den ihm etwa ringe r L-u m t e n „Befugnissen" Gebrauch macht. Unser Bestreben gebt dahin, den Frieden zwischen jüdischen und -n i ch t j ü d i I ch e n Lektions- Mitgliedern zu erhalten und zu verhindern, daß die Parole „Hie Juden — hie Christen" dem Vereinsleben in der Lektion auch für die Zukunft den. Ltempek aufdrücke. Hierzu ist es nötig, weitere Erörterungen zu vertagen, bis die Ge mürer sich so weit beruhigt haben, daß solche Erörterungen, ohne, die Gefahr neuer Ltäinpfe^. mit fachlicher Ruhe geführt werden fcrnncn. Mit diesem Verhalten glauben wir nicht nur dem Interesse unserer Lektion und des Alpenvereins. sondern auch dem der jüdischen Deutschen im Alp e-n verein am besten zu dienen. Es ist bc-e cbiiciid, dost die „Deutsche Zeitung" über diese Iiuicie LtellllNguahme berichtet mit dem Zusatz: „Das ist eine Taktik, die vom n i ch t j ü d i s ch e n Stand- Punkt aus schart beobachtet werden muß". Beobachten Sie nur, meine Herren Gemerbsaiilisemiten! Wenn Lie wirklich beobachten, imi zu sehen, wird Ihnen schließlich nicht verborgen bleiben, daß unsere „Taktik" in gleichem Maße von Verstandeswie von Gefühlsrücksichten diktiert ist. Ten sogenannten Teutschvölkischcn freilich würde es vorzüglich in den Kram pasien, wenn jetzt die jüdischen Lektionsmitgliedrr schaarcnweise aus der Sektion austreten wollten, und die aufgeregten jüdischen Herren, die noch immer nach dieser Richtung geheimnisvolle „Aktionen" betreiben, scheinen noch immer nicht zu begreifen, daß sie nur die'Geschäfte der Antisemiten besorgen. Gewiß stellen sie sich den ^Auszug aus Aegypten", der ihnen voischwebt, als große Geste vor. die -unbedingt das sogenannte „Gewissen der Welt" wachrütteln müßte. Unverbesserliche Ideologen! Tas Weltgewissen würde sich so wenig regen, wie eS sich seit mehr als einem Jahrzehnt geregt hat. wenn es um viel schwerer wiegende Dinge ging, wenn irgend eine ,Gruppe des Menschengeschlechts viel tiefer an Ehre oder gar Lebe» gekränkt wurde. Schweigt nicht' das Gewissen der Welt, trotzdem das deutsche Volk seit 7 Jahren von allen Seilen mit Füßen getreten und als weltpolitisches Schächerobjekt hin und heigeworfen wird? Und dieses robuste Gewissen sollte sich regen, weil man einer Hand voll Juden in einem Verein, der den meisten Menschen höchst gleichgültig ist. .zu verstehen gegeben hat, ein weiteres Anschwellen der jüdischen Mitgliederzahl sei aus — angeblich — rein realpolitischen Gründen nicht erwünscht '< Wahrhaftig, die Welt hat andere Sorgen und das deutsche Volk hat sie gewiß, zumal heute, da wieder einmal Frankreich und England' mit uns Schindluder spielen und es noch höchst ungewiß ist, ob nicht wieder einmal Rhein und Ruhr gegen irgendwelche Vorteile in Kleinasien und den umliegenden Gegenden „ausgetauscht" werden. Man begreift es fast nicht, daß in einer so von Realpolitik erfüllten Welt noch Menschen leben und Einfluß gewinnen können, die sich durch jede Gefühlauswallung von dem gerade noch vorhandenen Stückchen festen Bodens unter ihren Füßen losreißen laffen. Das einzige, was die Führer der.Austritts» bewcgung praktisch erzielen,können, ist doch, daß gus einer Sektion,"in der heute immer »och die jüdischen Mitglieds rein gewichtiges Wort m i t z u reden haben un-d in der sie z u - s a in m e ii.ui il den gerecht denkendenNichtjuden auf jede absehbare Zeit hinaus antisemitische Satzungsänderungen verhindern können, mit hörbarem Ruck eine nun wirklich antisemitische Sektion gemacht wird. Die Redensart, daß es „ja doch so komme",, ist nur der Ausdruck einer Feigheit, die sich selbst aufgibt. Wir hoffen zuversichtlich. daß der „ArisierungSprozeß" aufgehalten werden kann und wird. Unzweifel. Haft ist, daß eine, gewisse Gruppe irr der Sektion auf diese Arisierung yinarbeittzt; dies ergeben Notizen im „Deutschen Tageblatt" um» verwandten Blätterig Aber mir wiffen auch.: was jL-selbstiin den Kreisen der Austrittsapostel zngestanden Iwird, ^öätz der Antisemitismus, der wahre Antisemitismus, in Deutschland längst nicht mehr die Macht besitzt, die er vor nicht ällzulanger Zeit noch zu besitzen schien. Das deutsche Voll in seiner überwiegenden Mehrheit hat genug, übergenug non Radau und Hetzerei, Wir stehen heute auf dem Punkte, von dem aus der Rückweg gefunden werden kann ^u einem normalen gegenseitigen Verhältnis deutscher Volksgenossen nichejü-ischen und jüdischen Stammes. Selbstverständlich wird sich dieser Uebergang nicht ohne Hemmungen und Rückschläge vollziehen, aber es wird vorwärts gehen, wenn nicht künstlich gezüchtetes Fremdgefühl, Begriffsverworrenhcit und allzuviel „Temperament" auf jüdischer Seite den Weg verrammeln. Wenn wir wirklich getränkt das Feld räumen, wo wir — wieviel solche Stellen gibt es noch heute in Deutschland? — für de» Frieden und die dauerhafte Verständigung wirken könncjn, tun wir das Dümmste und gleichzeitig das Undeutscheste, was geschehen kann. Eine Periode der Ruhe brauchen wir, in der sich die Wogen der Erregung glätten, die Verirrten und Verhetzten auf beiden Seilen wieder zum sachlichen Tcakcn kommen können. Wir bekennen uns freimütig zü dem Wort, das spießerhaft klingt und doch in der heutigen Lage das eiiijzig vernünftige ist: „Ruhe ist die erste Bürgerpflicht!" Und darum erheben wir nochmals unsere warnende Stimme. Man mag das Ergebnis der Wahlen vom 13, März beurteilen, wie man will, — für die Zukunft darf jedes deutschdenkende Miiglied der Sekiion Berlin, gleichviel welchen Stammes es! sei, nur eine einzige Gattung von Feinden kninen, und das sind die Hetzer auf beiden «eiten, lie aus einer zeit weisen Verärgerung eincn Zwiespalt für alle Zeit machen wollen. Ihnen gegenüber müssen wir die Einheiisfiont bilden, Jud>n und Nichtjuden, die Einheitsfroikt derer, die zum ehrlichen Frieden der Zukunft streben ui d die deshalb darüber hinwegkommen, wenn ini Augenblick ni ht alles so läuft, wie man es wünschen möchte. Tas ist der Punkt, in dem die Vorgänge innerhalb der Sektion Perl n ihre grundsätzliche Bedeutung haben. Heb, diele jfuden! Von Peter Borg. „Der deutsche Buchhandel und d as I ud en > tum", von „L y n k e u s". verlegt im H a m m e r - V e r l a g, Leipzig. Ein durchaus humoristisches Werk, obgleich der Verfasser es düster ein Menetekel nennt. Zunächst wird „Grundsätzliches" über den deutschen Buchhandel verla litbart und sein Idealismus gerühmt, der ihm nicht gestatt« i Reichtümex zu sammeln. Tann wird, freilich ' ein wenig kli inlaut, zugegeben, daß die großen „Namen" der deutschen Dichtung des neunzehnten Jahrhunderts „fast durch die Bank be , Lebzeiten ohne Erfolg geblieben sind, während Luise Mühlb ich, Sir John Retcliffe und die Courlhs-Mahlcr die Erfolge davon trugen, die von Rechts wegen jenen gebührten." — Hier unterbreche ich meine Lektüre, um die ungeipöhiilichen literarhistorischen Kenntnisse des Autors zu bewündeni, bei die Geistesblüte der Eourths-Mahler dem neunzehnten Jahrhundert zuschreibt und beispielsweise Raabe. dessen Himgerpastot bereits in den neunziger Jahren die neunte Amlage erlebte, oder Gottfried Keller, der die erste Gesamtausgabe seiner Werke noch selbst besorgen konnte, für „bei Lebzeiten erfolglose Nanien" hält. Dann, gewiffenhaft, wie ich! nun einmal bin, unterziehe ich den selbstlosen Idealismus des von Lynkeus gepriesenen Cotta einer Nachprüfung und finde, daß dieser im Jahre 1810 die Herrschaft Plettenberg und mehrere andere Güter gekauft habe, — zweifellos ein durchaus erfreuliches Ergebnis von Selbstlosigkeit. Welcher Deutsche wühle denn auch nicht, daß Schiller Rcichtümer aufgehäuft hat. während Cotta im Elend gestorben.ist! Seit 1870 aber find die selbstlosen Idealisten mehr und ''mehr von Jüden verdrängt worden, — meint der Verfasser des Menetekel. „Der Grund liegt auf der Handl" Darf ich mich noch einmal unterbrechen und darauf Hinweisen, wie wundervoll dieser echte Deutsche seine Muttersprache meistert, bevor ich „diitsen auf der Hand liegenden Grund" angebeI Er

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