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Der nationaldeutsche Jude · 1925-04-01 · Nr. 4 (April 1925) · p. Seite 2

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1925
Issue
Nr. 4 (April 1925)
Date
1925-04-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Aber fahre» mit fort, feinen Gedanken zu folgen, schüfet nimmt also die Juden als Volk. Wie erscheint ihm nun das Verhältnis des in Deutschland lebenden Teils dieses „jüdischen Volkes" zur deutschen Umwelt? Hier kommt Schäfer zu Anschauungen, die den unsrigen auf den ersten Blick nahezustehen scheinen, aber doch nur auf den. ersten Blick. Er sieht für den einzelnen Juden drei, Möglichkeiten, sich mit Deutschland auseinanderzusetzen. Entweder der Jude ist jüdischvölkisch. also Zionist. Oder es bleiben ihm, wenn ihm „die Gewißheit seines Volkes ins Wanken gerät", zwei andere Wege, „entweder in dem Volk unterzugehen, darin p zu Gast ist. oder einen neuen Zustand der Welt auszurufen, darin es keine Volksgenossen mehr, nur noch Menschen. Weltbürger gibt." Betrachten wir diese drei- Wege näher, so fällt zunächst der Anklang an die Dreiteilung auf, auf der die Bestrebungen unseres Verbandes aufgebaut sind. Wir unterscheiden nationaldeutsche Juden, Zwischenschichtler und Zionisten. 'Schäfer kennt den Zionisten, den nationaldeutschen oder, in seinem Sinne richtiger ausgedrückt: nationaldeutsch sein wollenden Juden und den Internationalisten. Welche Stellung nimmt er zu diesen drei Typen eirr? Zum Zionismus muß ers seiner Grundanschauung entsprechend. eine bejahende Haltfing einnehmen. Dagegen ist an sich nichts einzuwenden. Aber feine Bejahung geht zu weit. Wenn er im Slnschluß an das Dichterwart: „Nichtswürdig ist die Nation, die nicht ihr Alles freudig setzt an ihre Ehre" den Zionismus als die „Ehre des'.Judentums" bezeichnet, müssen wir d e u t s ch fühlenden Juden gegen solche Einseitigkeit energisch Venvahrung einlegen. Solche Worte können und müssen mißdeutet werden. Wir Nationafdeutschen Juden stehen gewiß denen, die wir Zwischenschichtlsr nennen und die Schäfer mit ' uns in einem Topf wirst, ohne große Sympathie gegenüber. Aber Unentschiedenheit des nationalen Empfindens hat mit „Ehre" nichts zu schafien. Zur diese uns gefühlsmäßig Fernstehenden wie für uns selbst nehmen wir in Anspruch, daß man die ganz verschiedenen Wege, die uns ererbtes Empfinden wejst, nicht als weniger ehrenvoll ansieht, als den nach anderer Richtung führenden Weg der Zionisten. Daß es Juden gibt, die ehrlich zum Deutschtum streben, erfennt Schäfer selbst an. Aber er. betrachtet diesen Weg als eine Gefahr für das Deutschtum. Hier zeigt sich eine Einseitigkeit der Auffassung. die bei allem ernsten Willen zur Wahrheit schließlich nicht über die Raffen- und Züchtungs-Theorien biuaustommt. .deren Entartung die von Schäfer so scharf verurteilten Kampfmethoden der verrannt „Völkischen" sind. Schäfer glaubt, das deutsche Volk müfie durch die Vermischung des Blutes, wenn nicht verjudet, so doch bestimmt „entgermanisiert" werden. Er stellt dem deutschen Menschen den „jüdischen Menschen" gegenüber und meint, wie groß auch immer die Liebe zu Deutschland imv seiner Kultur sein möge, könne doch ein Jude niemals ein so guter Deutscher sein, wie ein blonder Germane. Wassermann und L i s s a u e r werden zum Vergleich herangezägen. Schäfer meint, möge Goethe, auch von Lissauer im Tiefsten begriffen und den Deutschen nahegebracht sein, es: bleibe immer Wirkung des „jüdischen Geistes", es „komme lalso Deutsches zu Deutschen durch eine fremde Liebe". Und darin gerade fieht er die Gefahr. Er leugnet nicht die Bedeutung der deutschen Umwelt für den deutichen Inden. Er leugnet auch nicht, den großen Anteil jüdischer. Geister an der Veredelung der deutschen Kultur. Und doch verneint er die Möglichkeit, vor Allem aber die Erwünschiheit einer nationalen Gemeinsamkeit von Juden und Nichtjuden. Dagegen sieht er den Wert des jüdischen Elements in Deutschland darin, daß es den «Deutschen" zum Bewußtsein des eigenen Wertes'zu bringen, im „Deutschen" - die Endschlossenheit zu wecken vermöge, den Kampf uni dasjenige aufzunehmen. was der jüdische „Fremdling" bisher fast allein der Gesamtheit vermittelt habe: deutsches Kulturgut. Hie^ ist der Punkt, an dem unser Wissen zu Schäkers Meinen in stärksten Gegensatz tritt. Es scheint, daß Schäfer, so ehrlich er sich in das Problem zu versenken versucht hat, seine Studien doch nur am Schreibtisch, nicht an lebenden Menschen gemacht bat. Er kenn^ offenbar nicht den nationaldeutschen Juden. Er weiß nichts von der stählernen Kraft des Gefühls, die uns Deutschfühlende aus jüdischem Stamme mit dem deutschen Volk und dem deutschen Lande zusammenschmiedet. Er weiß nicht, daß wir dieses Volk und Land nicht nur von außen her lieben, sondern von innen aus dem untrüglichen Gefühl der durch >inen langwierigen Entwickelungsprozcß geschaffenen Zusammengehörigkeit. Das gerade ist es, was uns von den Zwischenschichtlern unterscheidet,ff.'m it denen uns Schäfer"'aus reiner Unkenntnis zusammenwii ft. Wir bedanken uns für die unS von Schäfer zugewiesene i tolle. die von manchem Zwischenschichtler mit Genugtuung c kzeptiert werden mag. Wir haben nicht den Ehrgeiz, der „flinke Hecht" zu sein, den das Schicksal in den deutschen Teich gesetz: habe, damit der Geist der „schweren und trägen deutschen Kirpfen nicht faul werde". Wir fühlen unS als gute Juden im Bewußtsein unserer Abstammung und in der Anhänglichkeit! an unseren Glauben, aber wir fühlen unS in Allem, was völkischer, nationaler Natur ist. als ganze Deutsche, und dieses Bewußtseinwird uns auch die Verständnislosigkeit nicht rauben, mit der Schäfer unsere Wesensart nur als Willen, nicht als Vollendung bewertet. In welchem Maße mir Deutsche sind, sollte auch Schäfer daran erkennen, daß wir gerade in der Beurteilung des dritten Weges, den er den deutschen Juden eröffnet, wiederum voll mit ihm übereinstimmen. Es ist^der Weg des Jnternaiionalis-! mus. Hier finden wir bei Schgskr eine sehr treffende Recht- | fertigung der starken Betonung nationaler Notwendigkeiten,! die ganz losgelöst ist von chauvinistischer Beengtheit. Fast! jedes Wort trifft hier den Nagel auf den Kopf. Gegen! jenen Internationalismus, der ohne Rü/k- I sich tauf den^naturgegebenen Lebenskreis : der Nation ideologisch nach außen drängt.! wenden wir uns gerade aus dem Gefühl der nationalen Verantwortung heraus, die Schäfer in uns nicht erkennt. Und dieses Verantwortungsgefühl läßt uns ihm auch zustimmen, wenn er sich für eine übernationale Zusammenarbeit der ganzen Menschhest au f^ der Grundlage der einzelnen Nationen einsetzt. Weil diese Verantwortung für uns kein leeres Gerede j ist, darum werden wir nicht müde werden, im Jnkerefle deS : deutschen Kolkes und Vaterlandes unser gutes Deutschtum | weiter durch Wort und vor allem durch Tat zu beweisen.! mögen auch selbst so ehrliche Beurteiler wie Schäfer uns heute ■ noch nicht mit voller Gerechtigkeit würdigen. Wie Rathenau es tat, der aufrechte Jude und vorbildliche Deutsche, vor dem auch Schäfers Zweifel in Ehrfurcht schweigt, werden wir nicht s aufhören, mit Inbrunst zu arbeiten an Z u k u n f t, G e i st j und Seele unseres deutschen Heimatlandes. GrunälAtrUckes zur Hlpeimrdnsfrage. Wir haben in der März-Nunimer des Mitteilungsblattes j aus der Feder des Herrn Professor Dr. Gin8berg | einen im Aufträge des Vorstandes verfaßten Bericht über die Vorgänge in der Alpenvereintzsektion Berlin gebracht, der — unter Vermeidung jeder Stellungnahme zur Frage der VorstandSwahl — unsere Mitglieder lediglich über. den Sachverhalt unterrichten sollte. Der Bericht schloß mit der Mitteilung, daß wir an den Vorstand der Sektion noch unmittelbar vor der Hauptversammlung das Ersuchen um Aufkläning einer bestimmten Unstimmigkeit, die erst unmittelbar vorher aufgetaucht war, gerichtet hatten. Die Antwort lag zu der Zeit, als unser Mitteilungsblatt erschien, noch nicht vor. Sie ist am 11, März, zwei Tage vor der Hauptversammlung der Sektion, eingegangen und hat folgenden Wortlallt: Sehr geehrte Herren! Auf Ihr geehrtes Schreiben vom 8. cr. beehre ich mich, Ihnen zu erwidern, daß ich bemüht gewesen bin, der Erklärung, die ich Herrn vr. H. übermittelte, «ine möglichst höfliche Fassung zu geben. 2n meinem Briefe an Herrn llr. H. sagte ich. daß der Vorstand den ernsten Willieti habe, falls er wiedergewählt werdeir sollte, zwischen radikalen Richtungen in bester Weise zu vermitteln, und vornehmlich die bergsteigerische Leistung für die Aufnahme in Betracht ziehen würde ohne Rücksicht auf Rasse und Konfession. Auf dem „vornehmlich" liegt der Ton und dieser Sinn ist auch in der nunmehr endgültig formulierten Fassung ent-!,alten, die mittels eines Rundschreibens heute sämtichen Mitgliedern zugestellt werden wird. Diese Fassung hat folgenden Wortlaut. Der Vorstand erlärt: „Daß die an die Neuaufnahme geknüpften Bedingungen nur eine vereinspolitische Maßnahme darstellen, die auch im wohlverstandenen Interesse der jüdischen Mitglieder selbst liegt. Die bergsteigerische Leistung wird Bedingung für die Aufnahme eines jeden ohne Rücksicht auf Rasse und Konfession. Darüber hinaus muß jedoch der Vorstand ermächtigt sein, noch eine Zurückstellung jüdischer Meldungen

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