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Der nationaldeutsche Jude · 1925-04-01 · Nr. 4 (April 1925) · p. [Seite]

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1925
Issue
Nr. 4 (April 1925)
Date
1925-04-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Nur' muß wirklich die Gewähr gegeben sein, daß , die AuSsührungen. die der Prüfung zugrunde liegen, frei sind von leidenschaftlicher Einseitigkeit für oder wider. Sich mit . flammenden Manifesten auseinanderzusetzen, die nur Glaubens-! sätze an Stelle von Erkenntnissen bringen, hat keinen Wert. | Den Charakter eines lohenden Kanals tragen nun die. Darlegungen keinesfalls, die der als Dichter, insbesondere als i wertvoller rheinischer Erzähler bekannte Wilhelm Schäfer, in seiner Broschüre .DiedeutscheJudenfrage' (Berj lag Georg Müller. München, der Oeffentlichkett übergibt. DaS i SSeft ist ein Sonder-Abdruck aus dem schon vor zwei Jahren , veröffentlichten Buch .Der deutsch eGott'. das wiederum i eine Sammlung von fünf Borträgen ist. Wir müffen dem | Verfasser zugestehen, daß er es veruwcht hat. seine Fragen sine! ir» st. stuäio zu stellen und sich bei der Beantwortung von ' den gefühlsmäßigen Verstrickungen im Wesentlichen freizuhalten, die sonst bei Behandlung der Judenfrage so häufig zutage treten Damit ist natürlich über die Richtigkeit der Antworten selbst noch nicht das Mindeste gesagt. Wir müffen. bevor wir auf Einzelheiten eingehen. im voraus betonen, daß die Ergebt niffe zu denen Schäfer gelangt, von unserem Standpunkte aus ■um' großen Teil als abwegig zu bezeichnen und gerade wegen der Gefährlichkeit, die in ihrer scheinbaren Schlüssigkeit liegt, auf das Entschiedenste abzulehnen sind. Schlechthin anzuerkennen ist. daß der Verfasset sich mit Eifer und erfreulicher Klarheit gegen die üblen Auswirkungen jenes .völkischen' Antisemitismus wendet, der unset deutsches Volk vergiftet. Mit Einfachheit und Humor fertigt ler die irrfinnigen Anschauungen ab. dje den Juden die Anstiftung des Weltkrieges und alles nachfolgende UnheU zur Last »gen. DaS Wahnfinns-^Produkt überreizter Phantasie und gehälfiger Berleumdung die .Protokolle der Weisen von Zion'. >k mnzerchnet er mit sehr treffenden Worten alS finsterste Hintertreppe und seine Gläubigen als Menschen, mit denen man nickt emsthaft diskutieren kann, weil sie sich die ganze Weltgeschichte als „Wetthinterireppenroman' vorstellen. Dagegen legt er besonderes Gewicht aus die immer wiederholic Feststellung eines .ernstlichen Zwiespalts zwischen deutschem und jüdischem Geist". Den letzteren sucht er in einem historischen Exkurs als geschichtlich gegeben-'zu erweisen. In diesem Exkurs gelangt er zwar zu einem teiltsteisen Parallelismus der beiden .Völker" und sogar zu einer .Verquickung ihjser Herkunft' insofern. alS die christlichen Deutschen nach ihmaeinen guten Teil jüdischer Mythologie als mitwesenbestimmenoes Element in' sich tragen, aber er gelangt auch zu der Feststellung, daß die Juden .ethnologisch im deutschen Voltskörper durch Herkunft und Schicksal ein Fremdkörper seien, der lediglich völkische Merkmale, wie die Sprache, übemommen habe'. Das führt uns zu der Not» Wendigkeit. Schäfers Volksbegriff kritisch zu betrachten. Er gibt nirgends eine eindeutige Erklämng dessen, was er unter 'einem Volk versteht. Ersichtlich ist nur, daß er seinen Volksbegriff vor allem auf der .raffemäßigen', das heißt bei ihm blutmäßigen Einheitlichkeit ausbaut. Sprache und Landschaft, nach Jakob Waffermanns einleuchtenderer Auffassung die eigentlichen Elemente des Nationalgefühls, find für Schäfer zwar „völkische Merkmale', denen er jedoch ausschlaggebende Bedeutung versagt, ohne überzeugende Gründe beizubringen. Weiterhin weist er dem christlichen Bekenntnis eine für die nationale Geschliffenheit der Deutschen so überragende Rolle zu, daß diese .Schicksalsgemeinschaft' seiner Anschauung nach eine nationale Absonderung von den Juden schon dann zuwege bringen müßte, wenn keine anderen Gründe für; eine solche Absonderung vorhanden wären. Demnach sind die beiden tatsächlich vorhandenen Verschiedenheiten, die uns Juden, von der Mehrzahl unserer deutschen Volksgenoffen unterscheiden, die des Blutes und die des Glaubens., für Schäfer ausschlaggebend im Sinne des VolkstumS. Er kommt hier den „Völkischen', ohne freilich in deren Komvfesweise zu verfallen/ nne auch den Zionisten sehr nahe und unterscheidet sich völlig vyn usisercr, der nationaldeutschen Juden, Anschauung, die wir Blut sind Glauben gerade in nationaler Hinsicht für keineswegs, entscheidend halten. Eine Verständigung über diese Grundfrage! für die wir in unserem Gefühl eine untrügliche Antwort finden, ist mit ihm offenbar unmöglich.

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