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Der nationaldeutsche Jude · 1925-03-01 · Nr. 3 (März 1925) · p. Seite 5

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1925
Issue
Nr. 3 (März 1925)
Date
1925-03-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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gtoßer Bedeutung ist — hindert ed daS Zueinanderkommen von Juden und Nichtjuden in solchen Kreisen, die bei glichen LebenSbedingnnge« auch die gleich« Lebenseinstellung habe» müßten.' Ein angesehener jüdischer Landwirt, der sich nun einmal für Pferde. Rindvieh, Hunde, für Wald und Feld mehr interessiert als für Richard Stran st und Fritz von U n r it h, und aus besten ungezwungenem Gespräch man Anregungen in Fülle empfängt, gilt in den Kreisen der großstädtischen Verwandtschaft seiner Frau nicht fiijr voll, ein Ingenieur, der nur zum Plaudern zu bringen ist, wenn cs lim technische Dinge geht, aber dann so fesselnd erzählt, daß es eine Freude ist ihm zuzuhören, ist schwer als Tlschherr anznbringen, denn Toller und P e ch st e i n sind ihm Bücher mit je sieben Ziegeln. Ich ivill dem Verflachen lind Verbauern ebensowenig das Wort rede» wie der beruflichen Einseitigkeit. Geistige Jntereflen haben, lesen und hören ist aber doch etwas anderes als darauflos schwaven. Wer daS Zeug dazu hat. mag tagsüber Schuhe besohlen und abends über Spinoza sprechen. Aber auch nur der! Nicht auch Minherbegabte, wenn/sie Nachahinungssucht treibt. Denen wollen wir immer ichd immer ivieder predige», daß sic zur Natürlichkeit znrücktehren, daß sie den angelernten Geistesplunder loszchvcrden suchen müssen, daß in fast jedem von ihnen Echtes steckij, das ihnen die Sympathie der Mitmenschen erobert, während ihr unechtes Gehaben ihnen nur Spott und Ablehnung cintrßgti Unsere prächtige Jugend ist ja auf dem Wege, dem Körper,! dem gesunden harmlosen Empfinde» und vielen anderen Wenen Rechte iviederzuerobern, die ihnen lange vorcnthalten wnrheir. Möge sie sich nicht scheuen, als Kampiinittel auch ihr - junges befreiendes Lachen zn vcnvenden. Was aber vom Volk e gilt, das darf nicht von den Geistigen gelten (man ist abcrdings noch nicht geistig, weil man sei» Abiturium bestanden halt! Bei de» wirklichen Gcistesmknschcn, bei dein geistigen Führer, bei solchen, die imstande sind, ztzi den Quell cftr zu steigen, imstande und, Verantwortung s ü r b a ü z u ü b e r n e h m e n, was sie lehren, bei denen kann und darf von einem Sich-Einordnen der Minderheit, die sie darstcllen, in die Mehrheit nicht die Rede sein und »rag wr Pöbel auch nach hundert Jahre lang sein „Jude!!" schrein^ Hier ist auch der Punkt, >vo von den wirtlich Geistige» nuhtjüdischcr Abstammung in Deutschland Solidaritätsbctälignng erwartet werden muß. wie wir sic erfreulicherweise neuerdings gelegentlich beobachten durfte». Allerdings gilt auch hier Man gehört »och nicht zu den wirtlich Geistigen, wen» man litten Leitfaden seines Faches geschrieben hat. Ich hielt es nicht für übelst, ssig, Gebauten über diesen nnchtigen Gegenstand etwas ansfülrlicher darznlegen. Vielleicht regt das auch andere Gesiinningsfreinde an, sich über die Grenze» der Einfügung einer Minderheit in die Mehrheit auszusprechen oder auch über die zwischen falscher und wahrer Geistigkeit. Wachwort der 6cnrfftlcitung. Als Anregung zu weiterem Meinungsaustausch bezeichnet Herr vr. Peyser selbst seine! Ausführungen. So sei es auch der Schriflleitung vcrstattct, >en Faden fortzuspinncn. Die Unterscheidung zwischen echten und unechten „Geistigen". die Herr Dr. Peyser fordert, ist nur allznnotwendig. Und ebenso muß ihm jeder Einsichtige darin beipslichten, daß die ivenigen, sehr wenigen Große,. die wirtlich imstande sind, unsere deutsche Geisteskultur und damit die Kultur der ganzen Welt ein Stück vorivärls zu bringen, nicht nur deshalb in die Maste zurückgeduckt werden dürfen, weil man sie als Juden möglicherweise ausdringlich und vorlaut nennen könnte. Die Schwierigkeit der Unterscheidung [ imb dainit die Gefahr liegt nur dann, das; es keine Instanz gibt, die schlechthin berechtigt wäre. Echtes von Unechtem zu scheiden, dem Einen das Ausnahmerecht des Sondermensche» zuzubilligcn und den Anderen znrückzuwcisen auf den.bescheidenen Play in Reihe und Glied. Gerade bei der von Herrn l)r. Peyser sehr richtig gekennzeichneten Neigung gewisser jüdischer Kreise, ihre verincintliche Geistigkeit zn übcrwertin und »nt dem Scheinwerfer der Eitelkeit zu beleuchten, liegt die Gefahr nahe, daß sehr viel Kleine und Ganzkleine, deren armselige Talentchen allenfalls für den Haus- und Verein ^gebrauch ausreichcn »lögen, sich für Besondere. Einmalige halten und mit Hilfe der stets bereiten Klicke von Freunden» Bei wandten und alles „Jüdische" kritiklos anbetcndr» StannneSge» offen de» Anspruch auf AuS» nahmebebandlung anmeldcn kö, nten. Wie finden wir den Ausweg '< j- , UnS scheint, daß unser Berbandsproararym die Antwort gibt. „Erziehungsarbeit nach innen" heißt die Lösung. Wir Juden dürfen eS nicht duldest, daß die Frage, ob ein Mensch von jüdischer Abstammung zn!den Großen gezählt werden soll, erst zum Gegenstand „rassenpolikischer" Erörterungen werde, daß „Antisemitismus" oder „PhilosemitiSnmS" das Grüßenmaß verschiebe. Wir selbst müssen die Frage entscheiden, ehe sie 'zur Parteifrage werden kann. Daß diese Arbeit für unS Berbandsmitglieder bei mis selbst anfangen muß, bedarf keines Wortes. Von dien eigenen Mitgliedern fordern wir als Selbstverständlichkeit die schärfste Selbstkritik und Zurückdrängung der etwa aufkeimenden,Neigung, sich in Szene zu setze». Aber darüber hinaus wünschten wir. daß alle dcutschfühlende» Inden, alle Deutschen jüdischer Abstammung, die nicht außerhalb der deutschen Kulturgrenz«» ihr Vaterland suchen, sich zum Gerichtshof bestellten gegenüber eitler Selbstgefälligkeit, . aufgeblasener Anmaßung und taktloser Vordringlichkeit. Fort, zum großen Haufen ünt allem, 'was nicht ganz unzweifelhaft groß und kultmbefruchtend ist! Nur keine schwächliche Scheu, Wertvolles jzu unterdrücken! Sondermenschcn von Riesenmaß, deren Ausfall wirtlich den Schritt der Weltkstltur verlangsamen würde, sind seltene Pflanze». WaS einen Augenblick schillern und blenden mag. erweist sich meist sehr bald als Dutzendware. Damm nurrncht zu freigiebig mit dem Ausnahmerecht dev Geistes! Man spricht so viel von der ..Gemeinbürgschaft" aller Juden. Geben wir dem verjährten Worte einen guten, heutigen Sinn, indem wir uns haftbar fühle» — einer für den aiideren — in der Pflicht, endlich anszuräumen mit der Fülle, jüdischer Talmi - genieS, »nlcr denen die wenigen echten Goldkömer verschwinden. Gewiß, cs mag geschehen, daß bei so viel Strenge auch einmal ein wahres Genie zum Verkümmern vemrteilt wird. Rechlsprechen ist nun einmal Menschenwerk und kann niemals ünfehlbar sein. Ein gerechter Richter hat das Seinige getan, wenn er sich ehrlich müht, die Linie zu finden, auf der mit der größten erreichbaren Sicherheit der Punkt umgangen wird, an dem die Wandlung höchsten Rechts zu höchstem Unrecht sich vollzieht. So soll der Strafrichter zehnmal einen höchst verdächtigen Allgeklagten laufe» lassen, ehe er einmal einen Unschuldigen verurteilt. So wollen wir Juden, Unserer „Gemeinbürgschaft" bewußt, lieber zehnmal einen Anspruch auf das ungeheuerliche, die Grenzen jeder Verantwortung sprengende Recht des Genies zurückmeisen, selbst wenn einmal unter den Zurückgewiesenen ein Verkannter sein mag. als daß wir auch nur einmal einen Bewerber zum Ausnahniemenschen stempeln, der sich später nur als geschickter Macher erweist und als Träger jenes Pscudogeistes, den wir zähneknirschend sö oft als „jüdischen Geist" bezeichne» hören. $j. Verspätet erhielten wir die traurige Nachricht, daß (im (i. Januar d. unser Mitglied Herr Edmund pulvermaun iin Alter von U8 Jahren durch den Tod von schwerer Krankheit erlöst wordest ist. Mir beklagen in dein Verstorbenen ein Mitglied, das nnt liebevollem Interest« an unserer Sache hing und »ns in den Aussprachen unserer Vortragsabende durch seine außergewöhnlich großen Kenntnisse der jüdischen Geschichte und Literatur oft besonders Anregung und Belehrung brachte. Gr war ein Musterbeispiel des nationaldentschen Jude», der an dein Glauben seiner Väter und an den über-, lieferten Formen festhält, ohne sich, die Grenz, lini< verwischen zu lasse», die Religiöses von Nationalem scheidet. Mir werden sein Andenken stets in Ghren halten. ' Der Vorstand vr. Naumann. l)r. Bresfauer.

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