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Der nationaldeutsche Jude · 1925-03-01 · Nr. 3 (März 1925) · p. Seite 4

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1925
Issue
Nr. 3 (März 1925)
Date
1925-03-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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das „Feuer weiter zu schüren-, sond»n um ruhig abzuwarten, wie sich die Dinge entwickeln und in welcher Weise der Vorstand von den ihm etwa eingeräumten „Befugnissen'* Gebrauch macht. Unser Lestrebeu gebt dahin, den Frieden z m! scheu j ü . bischen und n i ch t j ü d i s ch e n 2 e i t i v n s - Mitglieder» zu erhalten und zu verhindern, daß die Parole ..Hie Juden — hie Christen" dein Vcreinsleben in der Sektion auch für die Zukunft den Stempel ansdrücke. Hierzu ist cs nötig, weitere Erörterungen zu vertagen, bis d i e t m ii t e r s ich soweit beruhigt haben, daß'solche Erörterungen, ohne die Gefahr neuer Kämpfe, mit s a ch l i ch e r R nch e geführt io c r d e n k ö n n e ii. Mit diesem Verhalten glauben wir nicht nur dein Interesse innerer Seklon und des Alpenvereins, sondern auch dein der indische» Deutsch c n im Alpenverein am Besten zu dienen. Von l^inäerkeit unä Giftigkeit. Gedanke» zu Dr. Bruno Roscubergs: „Vom Pe'en des Antisemitismus" <Rr. 2 Von Tr. Alfred Pehser. Es wird Rosenbergs kluge und mutige Aitsführnligen sicher nicht abschwächc»,' wenn ich sie in zwei Piniktcn, die .mir wichtig' scheinen, zu ergänzen versuche. Minderheilen sagt er, reizen, wenn sie den Eindruck der Geschlossenheit, Lebenskraft, Frcmdartigkeit bei der Mehrheit erwecken, diese zg einer natürlichen Äbivehrbewegung. Hält die Mebrhcit die Bedrohung für ernsthaft, io wird Toleranz , zur Schwäche. Theoretisch wäre zwar die beite Lösung: beiderseits Opfer bringen.' Praktisch aber gibt es nur zwei Aus-! luegc: Trennung oder Eingliederung der Minderheit in die Mebrhcit. Ich beabsichtige keineswegs eine Polcnnk, -stimme ich doch 'den Grnndanschainnigen zu. Eine bedeutende Frau aber hat einmal gesagt, ne diskutiere grundsätzlich nur. mit Leuten, die ihrer Ansicht seien. Solch ein Fall liegt hier.vor. ES handclbliich alio um ein Ausgestalten. um. ein Verfolgen der entn'ickelten Gedankengänge. Stets hat es Anhänger der Ansicht gegeben, daß die Majorität immer recht habe oder »lindestens verlangen könne,, daß respektiert werde, was ne für recht hält, 'stets, aber auch solche, die der gegenteiligen Ansicht waren. In zwei nordischen 'Hamen verkörpern sich diese Gegensätze. Ibsen, der Jdeentämpscr, bttont gegenüber B j ö r n s o n S pratnschcm GcgenivartsnandSpunkt: Recht habe die Minorität, denn sie gehe voran und befinde sich da, wo die Mehrheit noch nicht hinaclangt sei,'aber allmählich hingelange.. -„Ich meine, das Reck» hat der, der am innigsten mit der Zukunft im Bunde ist." Verstehen wir uns recht: Hier ist die Rede von einer Minorität der Geistigen, und Rosenberg betont ausdrücklich, daß er-von einer Volksminorftät im stammesmäßigen Sinne spreche. Aber trotz dieser Verschiedenheit; die nicht verwischt wexden soll, hat gerade, in der sogenannten „Judenfrage" der nur dieser Bcgtiffe für den anderen eine' eigcnortizse Bedeutung. ES kann keinem Zweifel unterliegen, daß zu den ange- 'eindcten Minderheiten im Volke, die zu Bahnbrechern neuer Ideen wurden, fast immer hervorragende Inden gehört haben, und nur zu oft hat man von seiten der. Mehrheit eine solche Bewegung zu diskreditieren versucht, indem mau sic als „jüdischebczeichnete. Tas gilt für mancherlei Gebietes So. alS der AbfälntiSmuS in Preußen reif wurde, durch den rtoniiilutionalismus abgelöst zu werden. So, als eine, neue »tunstrichtung alifkam, als die Malerei uns neue Augen, die Musik uiis neue Ohren schenkte; so, als eine ernste' und wahre dramatische Richtung die süßliche Verlogenheit des Amüsier- Insispiels bekämpfte. So. als Anwälte um die freie' Advokatur, »ranenärzte um die freie Arztwahl kämpften. So war eS und >o ivird cS bleibe». ISIS schimpfte man auf Juden und Polen, rin paar Jahrzehnte später über Judeiimalcrei und Judcnlileralnr. , AkS ter Philister sich dann später die Augen rieb, weil er erkannte, daß' die lange bekämpften Dinge mit der Mehrheit deS Volkes auch ihn selb» erobert hatten, als er gerade im Begriff war, sich ungeheuer vorgeschritten vorzukommen. da-mußte er sich von neuem ärgern, denn neue Minoliiäten Ifuiiicr ihnen Juden! waren schon wieder ein großes Stück vqrauS — — der Zukunft entgegen. Und das Spiel konnte von neuem beginne». WaS folgt für uns nationäldeiitiche Juden daraus'!' Mn Recht fordern wir, daß fick) der jüdische Deutsche willig in d eutschcs- Volkstum einfüge. Wir fordern daS nicht, wie HS. - rusche Gegner uns nachsagen, als Konzession an den Antis »iiitismns, Ms Mimicry, »ein. wir hoffen auf diese Weise auS j idischen Deutschen wnrzclfestc. in sich geschloffene, harmonische Persönlichkeiten zu machen. Zu ihrem eigenen Besten I Sollte er Judenhaß in Deutschland sich dadurch'verringern-— mso vcfler. Wir rechnen damit. Unser Haupt ziel aber ist as nicht. Rehmen mir nun den glücklichen Fall an, dieser »iscr Weg wäre mit schönstem Erfolg von Zehntausenden beschütten wollen, immer wieder aber bemerkte man unter den steuernden Minaritäten. die es ja stets aufs neue geben wird lind geben muß?Juden,-— was dann? Dürfen die in der Mehrheit aufgegangenen vielen von jenen wenigen verlangen,-daß auch sie sich in die jeweilige Mehrheit einfügen, daß sie Zurückhaltung üben, nicht aus dem Nahmen fallen, nicht „auffoMen"??iein, nein, und abermals nein, soweit eS die wirklich i'i eistigen betrifft, ja. ja und abermals ja, soweit es »in wiche geht, die sich nur als G e i st i g e a u f s p i e l c n. Aber wp ist der Trennungsstrich? Weiß Gott, er ist nicht leicht und scharf zu ziehen. Aber gerade ein jüdischer Philosoph, E o n ft a n t i n Brunner, hat begonnen, klare Einsicht anzubahnen, mindestens hat er das Verdienst, in feinem Werke: „Tic Lehre v o u den G e i st i g e u und v o m V o l k c" öffentlich mit Nachdruck betont zu haben, daß ein solch«: grundsätzlicher Unterschied besteht und daß ingn ihn »»erschroife» der Menschheit vor Augen rücken müsse. Dessen sijid gerade unsere jüdischen Massen besondtrs bedürftig. denn! sie halten teils sich selbst, teils andsrc für j „g einig", jihne daß dies der Fall ist. Sie treiben einen Götzendienst mit einer Art von Geistigkeit, die keine ist -R oscnb.org hat das schon betont und deni endlosen Literaturgewäsch deiz Kcslirnteil Himmel und den grünen Wald entgegenigestcllt.. Abetr es muß noch stärker darauf hingemiesen werden, .welch einen jFluch diese Pseudo - Geistigkeit ihren Anhängern 'selbst und dem großen Ganzen bringt. Dem frommen Jude» des Ghettos bedeutete das Studium der Schrift seine Geistigkeit. Das war echt. Er tonnte bis zu den Quellen steigen. Jeder Kenner halte es leicht, ihm Verantwortung für das aufzuerlege», über was er sprach. Man vergleichedamit die hohle Schlagwortkultur, die wir um uns herum sehen, und die sich immer noch darauf beruft, daß Geistigkeit eine herrliche Eigentümlichkeit jedes Juden, selbst des sozial tiefststehenden geblieben sei. Was verstehen solche Leute Zolles unter „Bildung"! Ich muß bei sblchcr Gelegenheit an die entzückende Stelle aus „Onkel Jonas" denken: Florchen Eschclbacher aus Pinne hält den biederen, grundtüchtigen und gemütvollen Freier für „ungebildet". denn der Aermste muß gestehen, daß er noch niemals den „Vetter aus Bremen" auf dem Theater gesehen hat. Man denke! Nur daß heute in wirklich „gebildeten" Kreisen die Stelle dieses Kunstwerts von Nabindranath Togo re. K o k o s ch k a, S p e n g l c r, T u t a n k a in o n, S t e r n h e i »i, Einstein, den Uffizien, dem Pitti, und der Sixt i n i i ch e n K a p e l l e in bunter Abwechslung eingenommen wird. Und jedem dieser halb- oder unverstandenen Begriffe, bei denen zst den Quellen zu steigen weder die oberflächliche Bildung noch daS oberflächliche Interesse des Einzelnen ausreicht, wird ein Etikett aufgepappt, frisch aus der Rezension der Tageszcilungen entnommen. So kommt es denn zu jeneni aufdringlichen Produkt, auf das ich eine Bezeichnung anivendcn möchte, die Oskar A. H. S ch in i tz in anderem Zusammenhänge geprägt hat, sic lautet: „Die Welt anschaumig der Halbgebildeten". Wem wirkliche Gcistcsknltur Herzenssache ist. der wird von tiefer Abneigung vor diesem Getriebe erfaßt. Es hilft nichts, man muß cs allen Mißdeutungen und Angriffen zum Trotz ausspreche»: gerade sür unS Juden haben diese Verhältniffe eine verhängnisvolle Bedeutung. Weil man. wiks gewiß ancrkcnnesivert ist, aus alter Tradition Respekt vor geistige» Dingen überhaupt hat, glaubt man. ein paar Stufe» höher zu stehen, wenn man sich selbst geistig drapiert. Das hat recht vjele Nachteile. Dem Außenstehenden erschwert es die Unterscheidung von Spreu und Weizen; dem oberflächlichen Beobachter stellt cs sich zu Unrecht als eine vom Juden untrennbare Eigentümlichkeit dar, während es doch genug jüdische Familien mit wirklicher und echter Geisteskultur gibt: es diskreditiert die wirkliche Geisteskultur, denn schließlich will ein schlichter und natürlicher Mensch, den man mit geistigen Hohlheiten übermüdet hat. gar nichts mehr von dem endlosen Literalnrgeschwätz wissen. Schließlich aber. — und das ist der praklijche Punkt, der für unser Verständigungswerk von so

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