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Der nationaldeutsche Jude · 1925-03-01 · Nr. 3 (März 1925) · p. Seite 3

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1925
Issue
Nr. 3 (März 1925)
Date
1925-03-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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s . Fons wurde der Verlaus der Versammlung auch in eiuem Teil (> der Press« besprochen, während von aUdercn Zeitungen die ' Annahme deS Antrags HeuSler lebhaft begrüßt wurde. Darauf nahm die Gereiztheit auf beiden Seiten zu. Auf ein Rundschreiben der Gruppe Badt—Saufmann, welches dem Borstand u. a. wahrheitswidrige Berichterstattung vorwarf (vgl. dazu auch daS Rundschreiben christlicher SektionS-Mit- «lieber vorn 17. Februar 192b). erschien in der Dezember- Nummer der „Mitteilungen der Sektion Berlin" eine Kundgebung deS BorstandeS, die scharfe Töne anschlug und am Schluffe die durch Fettdruck hervorgehobenen Sätze enthielt: .AuS all diesen Borkommniffen sehen wir unS verpflichtet, offen zu erklären, daß wir unsererseits gegen jedes weitere Bordrängen deS jüdischen Element« Stellung nehmen muffen und Stellung nehmen werden. Wir wollen, soviel an unS liegt, mit unseren jüdischen Mitgliedern in Frieden leben, wehren unS aber gegen eine jüdisch-völkische Minderheit, die unsere Sektion in ihr Fahrwasser bringen will." Im Gegensatz hierzu brachte dann die Januar-Nummer der „Mitteilungen der Sektion Berlin" einen in äußerst versöhnlichem Tone gehaltenen Aufsatz der Schriftleitung, der die Vorgänge in der November-Versammlung mit der ohne innere Veranlassung entstandenen Prügelszene sn den Meistersingern verglich, die vorgekommenen Uebertreibungen auf die überhitzte Stimmung, in die alle Teile hineingeralen waren, zurückführte und dem Wunsche nach nunmehr dauerndem Frieden ,m Vereinsleben Ausdruck gab. Aber mit dieser'Erklärung war der Friede nicht bergestellt. Durch die Aktion der Gruppe Badt—Kaufmann war die Judenfrage. die bis dahin noch niemals im Berliner Sektions-Leben hervorgetreten war. ins Rollen gekommen. Sie kam nicht > wieder zur Ruhe. Zur weiteren Verhetzung trugen wesentlich schwindelhafte Notizen in der TageSpreffe und in zionistischen Korrespondenzen bei, in denen z. B. behauptet wurde, die Sektion München oder der Alpenveresn als solcher hätte beschloffen, überhaupt oder in der Regel keine Juden mehr aufzunehmen oder gax die jetzigen jüdischen Mitglieder auSzuschließen, der Borstaud der Sektion Berlin habe entgegen seinem Berfprechen in München für den Ausschluß Donaulands gestimmt, usw. Auf beiden Seiten betätigten sich, wie immer in solchen Verhältnissen. die Ultras, indem sie sich bemühten, den Keil iinincr tiefer zu treiben und yel ins Feuer zu gießen. Die Tatsache, daß im März eine Neuwahl des SektionS-Vorstandes stattfinden mußte, gab den äußeren Anlaß. Man erklärte in den Kreisen um Badt, Kausinann usw. jedem, der eS hören oder nicht hören wollte, daß dieser Vorstand unter keinen Umständen wiedergewählt werden dürfte. Schließlich gab der SektionS-Vorstand durch Rundschreiben vom 14. Februar 1925 alS seine Wahlparole die bekannte Erklärung ab. alS deren Kernpunkt die Absicht erscheint, bei Neuaufnahmen nicht mehr, wie bisher. Raffe und Konfession unberücksichtigt zu laffen, sondern eine weitere Steigerung der Zahl jüdischer Mitglieder (bisher etwa 30%), falls eine solche sonst cintreten könnte, zu verhindeni. 4. An dieser Stelle erscheint es angebracht, zu der von vielen Lerbauds-Mitgliedern an unS gerichteten Frage, Stellung zu nehmen: Wie hat sich unser Verbands-Vorstand in der ganzen Angelegenheit bisher verhalten und ist fr in der. Lage, seinen Mitgliedern bestimmte Vorschläge für die Zukunft zu machen? Im ersten Stadium. alS es sich nur um daS Verhalten der Sektion Berlin gegenüber dem Ausschluß von Donauland handelte, hat unser Verbands-Vorsitzender, wie oben bereits erwähnt ist. in ZeitungS-Aufsätzen den Standpunkt vertreten, daß der Ausschluß gegen daS Recht erfolgt sei, daß aber bei der zurzeit bestehenden Erregung der Gemüter an eine baldige Wiedergutmachung deS Unrechts nicht zu denken sei und daß daher im Interesse deS Vereins die überstimmte Minderheit'Ruhe halten müffe. AlS dann die Treibereien einsetzten, die den Unfrieden auch in unsere Sektion Berlin tragen sollten, erschien in der ersten diesjährigen Nummer unseres Mitteilungsblattes „Der nationaldeutsche Jude" ein Aufruf deS VerbaridS-VorstandeS. in dem die deutsch fühlenden Juden im, Alpenverein aufgefordert wurden, sich nicht von Hetzern zu überstürzten. praktisch zwecklosen Und im Ergebnis aufreizenden Aktionen hinreißen zu laffen. Bald darauf wurde auch in einer persönlichen Verhandlung mit Herren der Gruppe Kaufniann von einigen Mitgliedern unseres Vorstandes der Versuch gemacht, auf die Herren jener Gruppe mäßigend einzuwirken. AlS zu übersehen war, daß eS gelegentlich der BorstandSwahl zum offenen Kampfe kommen sollte, fanden Besprechungen zwischen unserem VerbandS-Vorsitzenden und dem ersten VorsitzenjkwdeS SektionS-VorstandeS statt, die dazu dienen sollten, eine friedliche Lösung herbeizuführen. Vor Kurzem schien eS. als sollten diese Versuche gelingen. Ein nicht unserem Verbände angehöriger jüdischer Herr nahm mit unS die Verbindung auf, der von sich auS ebenfalls Schritte getan hhtte, um eine für alle Sektions-Mitglieder tragbare Stellungnahme des SektionS-VorstandeS herbeizuführen. Er hatte dem SektionS- Vorstand den Entwurf einer von jüdischen Mitgliedern abzugebenden Erklärung, für die er Unterschriften saujmeln wollte, zur Stellungnahme vorgelegt. In der Antwort auf das Anschreiben, mit dem diese Erklärung übersandt war, sagte der SektionS-Vorstand durch seinen Vorsitzenden — auf Grund einstimmig gefaßten BeschluffeS —, wörtlich: „Da der Vorstand den ernstenWillen hat, falls er wiedergewählt werden sollte, zwischen radikalen Richtungen in bester Weise zu vermitteln und vornehinlich die bergsteigerischeLeistung für die Aufnahme in Betrach,t zu ziehen, und zwar ohne Rücksicht auf. Rasse.und Konsession, "so darf er sich der Hoffnung hineben, die fernere SektionS-Tätigkezit wieder n ruhige Bahnen lenken zu könNen." Diese Erklärung erschien unS zunächst durchaus befriedigend. Gemeinsank mit dem vorbezeichneten. nicht zu unserem Verbände gcgehörigen Herrn entwarfen führende Mitglieder unseres Verbandes ein Rundschreiben, das an smntliche Sektions-Mitglieder versandt werden und auf Grund der, wie wir glaubten, veränderten Stellungnahine deS SektionS-VorstandeS zu dessen Wiederwahl auffordem sollte. Das Rundschreiben ist nicht zrir Versendung gelangt, well unS inzwischen mitgeteilt wurde, daß am 3. März d. IS. einige Herren deS SektionS-VorstandeS gegenüber Mitgliedem der Gruppe Kaufmann (der Name des Herrn Badt wird in der letzten Zeit nicht mehr genannt) wesentlich anders lautende Erklärungen abgegeben haben sollten. Um eine ganz unzweideutige Aufklärung zu erhalten, wandte sich unser Verbands-Vorsitzender an den Ehrenvorsitzenden der Sektion Exzellenz v. Sydow. Bon diesem ivurde unserem Vorsitzenden eine schriftliche Aufzeichnung über die am 8. März abgegebenen Erklärungen übergeben, deren wesentliche Sätze lauten, wie folgt: „Seitens der anwesenden Vorstands-Mitglieder wurde., erklärt, daß man bei der Aufkahme neuer Mitglieder in er st er Linie auf die bergsteigch rische Leistung seh eil und hierbei die nichtj üd isch en M i tglieder mit dem gleichen Maße messen wolle, wie die jüdischen. Man könne aber^ nicht aus dieBefugniS verzichten, darüber hinaus noch eineZurückstellung jüdischer Meldungen eintreten zu lassen, wenn sich heraus st eilen sollte, daß die Austvahl nach der bergsteigerischen Leistung nicht die im Interesse dcö Gedeihens der Sektion und ihrer Stellung im Gesamtvereinfür unabweiSlichlerachtete Einschränkung deS jüdischen Zuwachses zur Folge habe. Immerhin solle von diesen, Bentil, wie im Rundschreiben deS Borstands gesagt sei, .taktvoll' Gebrauch gemacht werden." Diese Erklärung in Verbindung mit dem oben wiedergegebenen. an den nicht zu unserem Verbände gehörigen Herrn, gerichteten Schreiben deS Sektions-Vorsitzenden ist am Donnerstag. den 5. d. M.. Gegenstand der Erörterung in einer VorstandS-Sitzung unseres Verbandes gewesen. Unser Vorstand ist zu dem Ergebnis gelangt, daß der Sektions-Vorstand schriftlich um eine weitere Präzisierung seines Standpunkts zu ersuchen sei. DaS Schreiben ist abgesandt. Die Antwort konnte nach Lage der Sache noch nicht cintreffen. Sie wird Möglicherweise erst in dem Referat deS Sektions-Vorsitzenden m der Hauptversammlung der Sektion vom 13. d. M. erfolgen. Da somit dir Lage noch nicht völlig geklärt ist. kann eine bestimmte Stellungnahme zur Frage der Wiederwahl des bisherigen SektionS-VorstandeS seitens des VerbandS-Vorstandes heute noch nicht empfohlen werden. Erst die Hauptversammlung selbst kann die Klärung bringen. _ 5. Unter allen UinstSude» aber fordern wir unsere Verban.dSMitglieder schon heute auf, keinesfalls auS der Sektion Berlin auSzutreten, wie auch die Versammlung vom 13. d. M. verlause» mag. Wir wollen in der Sektion bleiben, nicht Um dort, wie es vielleicht anderen SektionS-Mitgliedern vorschweben mag.

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