Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1925
- Issue
- Nr. 2 (Februar 1925)
- Date
- 1925-02-01
- Page
- Seite 6 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/6682492-5438640-5438772--028-4871251- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
nach dieser Erkenntnis tun, mn so eher wird die afSjemrine % Tat erstarken — Verständigung zwischen deutschen Christen uvd deutschen Juden, das Ziel derer, die sich natkonaldeuische Tuden nennen. Erstaunlich dürfte sein, welch hohe Blüte aus dem wahrhaftigen Impuls zur höheren Einheit — Deutschtum und Judentum — einst erwachsen kann. Wie alles Wachstum der Sonne bedarf, so auch bedarf des Menschen Streben 'der höheren. Licht ■ und Wärme spendenden Hilfe. Aber gerade um dieser Hilfe willen ist ein Besinnen auf den religiösen Antrieb vonnöten, denn keiner Gruppe und keiner noch so von Not praktisch geleiteten Partei schenkt sich hohe Hilfe. Ein frommes Wort heitzt: Gott sieht ins Herz. Manchem überfeinerten Kopf mag dies als ein Wort für Kinder gelten, — dennoch ist es pure Wahrheit. Wer es durchaus intellektuell ausgedrückt wissen will, der mag auch sagen: nur die ungebrochene, keusch-impulsive Kraft einer kulturellen Bewegung sichert ihr den Tnderfolg. Hat der Impuls eines einzelnen «ine Bewegung hervorgerufep, leitet er sie alsdann mit vielen Gleichgesinnten weiter, sohaben die Mitarbcjtenden fast höhere Verpflichtung als der Schöpfer der Idee. Denn von keiner Seite drohen so ernste Gefahren wie von der Seite der Mitarbeitenden. Diese Gefahr ist fast größer als die Gefahr offener Feindschaft. Die Feind- > schaft eines Ehrlichen kann sich unter dem Einfluh der Wahr-! Hastigkeit wandeln, kleinliche und hähliche Gegnerschaft kann! unter ihrem Glutblick zerbröckeln. Halb getane Hilfe | aber, i st sie auch von gutem Willen getragen, [ vermag nur zu zerstören. ' .- . Es gilt, das Ziel zu schützen und die Aufgaben zu j klären, die unter dem Schutze hoher Einsicht erwachsen. Diese! Aufgaben w.rden sinngemäß religiöser Art seinmüssen und! jener schönen Offenheit sich verpflichtet fühlen, die allein! Menschen mit Menschen verbindet. I! J I Was haben' wir als nationaldeutsche Juden einer mit dem Chaos ringenden Zeit zu geben? Welche Tat verbindet , uns den Christen, mit denen vereint wir im deutschen Vaterlande leben? — Die Antwort lautet: innere Wahrhaftigkeit. Unter diesem Banner mögen sich künftig alle .Einzelfragen und -aufgaben sammeln. Wir haben in dem Augenblick, gleichsam spielend, die eigene Einsicht von - Judentum und Deutschtum in uns erreicht, in der wir innerlich die Hingabe an das aufrichten, worauf die Zeichen der Zeit! deuten, an das Ziel inneren wahrhaftigen Erwachens. Dazu gehört eins: das. Jnnewerden unseres Kindseins. Das Einfachwerdcn. Wjr können es mit einem Vergleich umschreiben. Der Stand der Sonne zur Erde bestimmt unsere Zeiteinteilung vgn Ordnung und Staates wegen. .Der Seele des Menschen bringt diese Ordnung im letzten Grunde nicht Gewinn. Mit jedem Geburtstag feiert der einzelne sein neues Jahr, und jedes Erwachen findet jeden für ein ewig kreisendes Leben zu neuem Anfang bereitet. Das Aelterwerden von Jahr zu Jahr berührt nur unseren Körper. Solange wir auf der Erde leben, erneuen wir uns täglich von innen her. und wir glauben, dah unser Wachstum von innen heraus durch den irdischen Tod nicht aufgehälten wird. Wir fühlen Unsterblichkeit, indem wir uns immer wieder jung und neu fühlen, wissend, dah wir in jedem Daseinsaugenblick immer — eben erst - aus dem Urborn der Schöpfung hervorgehen. - Dah wir das vermögen und uns dieses Können ^u Bewuhtsein bringen können, ist unser Lebens-Ja und -Glück. Jeder Lebensfrage stehen wir somit ganz aus uns selbst, gleichsam neugeboren gegenüber. Diese Ursprünglichkeit ist es. für die das junge Deutschland. erlebnisfähiq wird mitten aus dem Chaos der Zeit, i Ja, mit dem Flügelruuschen der Ursprünglichkeit berühren! uns die geheimen Zeichen der Zeit, sofern wir unser Herz! für sie weiten. — Wir Juden nun. die wir eine späte Geistig-! feit uralten dahingeschwundenen Kulturen verdanken, müssen erleben lernen, däh Dankbarkeit, wurzelnd im Wissen um geheiligte Tradition, uns nirgends zwingt, dem Alten das ' Opfer unseres Wachstums zu bringen. So wenig heute irgendein Jude einem Stammesgotte "Tieropfer darbrrngt, so' wenig sollten wir unsere ewig junge, immer neue Seel« dem uraltgeheiligten Judentum als Opfer darbringen. Moosbewachsene Stämme hindern nicht junges Grün, auf ihnen zu keimen. Die Zeit der Opfer ist. vorbei, die Zeit der Wandlung ist gekommen, der Wandlung nach innen. Diese Wandlungsfähigkeit, die im Innern vor sich geht, wovon viele in' Deutschland heute schon Zeugnis oblegen können, bewirkt in allen Menschen, und so auch im deutschen Juden, jenes Einfachwerden. das. durchaus dicht Primitivität bedeutet. Gerade das geistig ältere Judentum schützt vor Hinabsinken auf primitive Stufen des Erlebens. D a s-Z st es. was wir einander geben können, ein schlichtes, jungbereites offenes Herz für Einsichten von hoher Bedeutung, die in Deutschlandreifen. Wer im Namen des geistig-prophetischen Judentums den Rat der Zeit vernehmen will, der höre auf di« Stimme des eigenen Innern, die ihn zu neuer Jugend. ,u innerer Freiheit ruft.- Die innere Freiheit ist es, zu der das Schicksal de»« Deutschen Meiches lenkt, das seine äutzere Freiheit vom Druck der Feinde nur von innen her erlangen wird. Denn nur eine wurzelfeste, von Gott verbürgte Freiheit kann einst auch andere Völker beeinflussen. Dann erst wird di« Zeit jenes wahrhaftigen Internationalismus gekommen sein, von dem uns di« Bibel spricht. Deutscher Jude, deutsch« Jüdin sein, heiht das eigene Innere der Erschütterung öffnen, um. geheiligt durch Tradition, aus taufendiähriaem Schlafe zu erwachen. — heiht, hohen Zeichen der Zeit folgend, di« Stimme der Kindheit vernehmen, die im Deutschtum sich gebären will. Hat der deutsche Jude sich aus seiner Zeit heraus erneut,-dann erst ist die Knosp« einer langen Entwickelung aufgegangen. Dann ist er schon wahrhaft deutscher Jude und damit Bruder des deutschen Christen.« _ Die beiden Hpoftel. Ein Schwank von HanS Sachs dem Jünsrrrn. Sankt Peter sitzt an der Himmelspforten. Er kann gemächlich ruhen dotten. Zu tun hat er nicht eben grötz. Die Schlüssel rasten in seinem Schatz; Da ist er eingenickt am Tor. Mit einem mal schrickt er empor. Ein wildes Lärmen dringt heran. Er weiß nicht, was es bedeuten kann. Doch, bald ermuntert, an der Pforte Vernimmt er deutlich diese Worte: „O Gott vom Himmel, sieh darein! Wir bedrücktes Christenhäufelein Können uns erwehren der Teufelein- Nicht mehr von den verfluchten Semiten. Wir müssen ihnen das Land verbieten!" Sankt Peter, wie er daS gehört, Blickt da zu Gott auf ganz verstört Und bittet, er möge doch der armen Bedrängten Christen sich erbarmen. Und wie die Bitte hört Sankt Paul, Ist er sich anzuschlietzen nicht faul. Weil beide Apostel,.wie man weitz. Stets für die Christen erglühen heiß. Und lächelnd spricht Gott zu ihnen: »Geht Hinunter beide, damit ihr seht. Wie's um die bedrückten Christen steht Und welche fürchterliche Menge Das anne Häuflein bringt inS Gedränge." Nachgehen die beiden dem Lännen und Schrei'n Und kommen in einen Saal hinein. * „Was gibt's?" fragt den ersten da Sankt Paul. „Du Judcnbengel, halt gleich das Maul, Wir sind Germanen und Antisemiten, >. Die allen Juden das Maul verbieten. Wir wolle» euch wohl das Handwerk legen!" So schaüt's ihm in wüstem Chor entgegen. Bestürzt sieht Paulus den Petrus an, Ter zornerreget da begann: „Was wollt ihr Christen? Erkennt ihr denn nicht Den Mann, der dorten mit euch spricht? Sankt Paulus, der Apostel ist's. Der teure Jünger des Heil'gen ChristS. Und Petrus bin ich, sein Begleiter." „Das mag wo!hl sein; doch waS denn weiter?" So spricht des wüsten Haufens Leiter. „Wir wollen unter uns nicht Juden leiden Und Semiten seid ihr doch auch, chr beiden. Wir kennen euch wohl! du nennst dich PauluS; Aber im Grunde heiht du doch SsuluS Und bist ein Jude und ein Semn. Den-, kein Germane gern bei sich sieht. Und du nennst Petrus dich auch por uvkas. Du Judenbengel, .du heihest KephaS Und eigesiflich Simon Jonassohn. Wir kennen genau dich, du Patron!"