Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1925
- Issue
- Nr. 2 (Februar 1925)
- Date
- 1925-02-01
- Page
- Seite 5 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Stimmen vom anderen Gtfer. Von luden, Deutfcben und dcutfchen 1 luden. Vön Friedlich ^ussong. Der Verfasser diese» Aufsätze» düi sie unieren Lesern al» früherer Chefredakteur der .Täglichen Rundschau" und in neuerer Zei au» seinen im Berliner Lokal-Anzeiger veröffentlichten Artikeln bekannt sein. Seine Ausführungen erscheinen un« deshalb besonder» beni crkenSwert, weil hier von einem politisch weit i echt»stehenden Publizisten der Versuch gemach wird, sich mit der Judenfraxe ohne parteigebundene Voreingenommenheit inbig und ehrlich nnSeinandcrzusetzen. Daß wir un« nicht'in all n Punkten mit den Anschauungen de» Verfasse » identifizieren, versteht sich von selbst. Immerhin scheint un» ein Aufsatz, vie der folgende, im Sinne einer aufrichtigen B erständigung«arbei t nützlicher, al« die rein apologetischen Ausführungen fo- , genannter Philosemiien, deren Erzer gnisse von manwen jüdischen Blättern nach deru lausenden Meter bezogen werden. Die Schrislleitimg. Nur ein paar Worts. Genug, um rechts und links in's Fettnäpfchen zu treten. Den» wenn man versucht, über daS Judentum in Deutschland ein paar Worte zu sagen, so gibt es nur drei Möglichkeiten der Wirkung: entweder man seht sich hüben in die Neffeln oder »nans setzt sich drüben in die Nesseln oder man setzt sich hüben ujnb drüben in die Neffeln. Das letztere ist mein Fall. ' Mehr als einmal bin ich von Leuten, welche die Vertretung aller berechtigten und unberechtigten Jntereffeil des Judentums glauben gepachtet zu haben, der Judenfeindlichkeit geziehen worden wegen derselben Aeußerungen, wegen deren ich alS ein national Abtrünniger eifervoll gebrandmarkt wurde von! Leuten, welche das allein wahre Deutschgefühl für sich ausschließlich in Anspruch nehmen. Ich bekam freundliche Briefe — und nicht immer anonyme —, davon die einen sagten: .Dies kann nur ein Jude geschrieben haben: man wird dafür Sorge tragen, daß in keinem deutschen Hause . . .und andere, darin^es hieß: „Wenn Sie nicht schleunigst, dafür Sorge tragen, daß derartige antisemitische Stimmungsmache unterbleibt, werden Sie sich nicht wundern dürfen, wenn . . . ." Ich entnahm aus diesem Wioerspiel der Anrempelungen unter Berechnung des arithmetischen Mittels, daß ich mit meinem Versuch einer gelassenen Beurteilung des Für und Wider ungefähr das Billige getroffen haben dürfte. Ich kann mich nicht entschließen, ein Problem, daS so viel tragischen Konfliktsstoff rm Menschlichen birgt, wie die Judenfrage, mit einem politischen Pijogrammsatz lösen zu wollen. Ein Mittel zur glatten allgemeinen Lösung dieses Problems gibt eS nicht. Aber wenigstens kann man von einigen Mitteln mit Bestimmtheit wissen, daß sie nichts laugen. Sicherlich Hilst es nichts, zu jedem Frühstück einen Juden zu steflen. Sicherlich geht eS nicht an, in einem frischfröhlichen Pogrom alle Juden totzuschlagen. Sicherlich ist es ein Absurdum, mit dem einen Bein im Zionismus zu si ehen und mit dem anderen in der preußischen Regierung.! Sicherlich wird das Problem nicht gemildert, sondern verschärft duijch eine seelische Oppositionsstellung jüdischer Kreise gegen die deutsche Umwelt. Sicherlich nicht gemildert, sondern vergiftet durch den frech vorgetragenen Anspruch gewiffcr jüdischer Literatetz auf geistige Beherrschung dieser Umwelt. Und sicherlich ist das Allerschlimmste für Deutschland und die deutschen Juhen (— die nationaldeutsche Judenbewegung hat daS ja erkantrt —) die falsche Duldung gegenüber der wirtschaftlich, piflitisch und. kulturell verpestenden Einfuhr ostjüdischer Freibeuter und Minierer, die man überall sieht und spürt, tvenn sie auch nur gelegentlich einen ihrer Namen so groß in die deutsche Geschichte schreiben, wie den Namen Barmat, oder gar eine Monumentalfigur ihres Unwesens stellen, wie etwa Herrn Hetphand-ParvuS. Die Judenfrage wird nie durch!radikaleS Eifern summarisch gelöst werden. Sie wird immer nur von Fall zu Fall und von Mensch zu Mensch wirkliche Lösung, wirkliche Lösungen finden. Schließlich hat wohl wirklich jedes Volk die Juden, die es verdient. Warum gibt eS in England, wo es doch schon in der guten alten, in der stolzesten Zeit einen jüdischen Minifterpräsidenten gab, keine ernstliche Judenstage? Nationalbewußtsein des EinlebenS fähigen und zum Einleben willigen, ja in deutschem Land und Volk längst eingelebten Juden grundsätzlich ablehnen, heißt daS Problem bis zur Unerträglichkeit verschärfen; heißt Tragödien schaffen; heißt Elemente in's Feindlager treiben, um deren materielle und geistige Mittel man das eigene Lager schwächt und die dann, davon hat man doch so.viel Erfahrung —, im Feindeslager führend werden, dort der j Masse Führung und Jrrziel geben und sich selber nnd all chre negativen Instinkte durch die Maffe unheimlich verstärken. Blickt man auf unsere Politik, unsere Preffe, unsere Wirtschaft, unsere gewaltige Unkultur, unser Kunstunwesen, so müßte man sich ja blind stellen, um nicht zu sehen, wie dort überall auf der negativen Seite ein verhängnisvolles und ganz unverhältniSmäßigeS Ueberwalten der peinlicheren Elemente des Judentums, der feindlichen Elemente seines Wesens zum allseitigen Schaden stattfindet. Aber kann an und in diesem Mißverhältnis ein Volk von so vielen Millonen ohne Schuld sein, wenn eS sich in allen diesen Dingen von einer Handvoll Fremdgebliebener so würdelos nasführen läßt? Woran fehlt eS da? ES fehlt an der ruhigen, schönen Selbstverständlichkeit, womit gegenüber jenen negativen, kritisch zersetzenden, kulturell auflösenden, national abtötenden Elementen jüdischer Wurzellosigkeit zum Beispiel die prächtige alte Frau Behm, die deutschnationale Abgeordnete, so viele große Stark- Hanse beschämt, die unaufhörlich fürchten zu verluden, wenn sie sich nicht selbst in fortwährender eifernder Bewegung Hallen.. Ohne irgend jemandem zu nahe zu treten und ohne irgend etwas des Haltens wertes abzustoßen, hat die prachtvolle alte Dame für sich die ganze Judenfrage gelöst und alle chr innewohnende Gefahr gebannt mit den fünf Worten: „Mich macht kein Jude jüdisch".! Die Judenstage durch einen politischen Programmsatz lösen wollen, heißt daS lebendige Gesetz des Organischen nach der toten Regel des Unorganischen kürzen und strecken wollen. DaS hat niemand beffer gefühlt elS die ganz Großen, auf die sich der politische Programm-Antisemitismus mit Vorliebe beruft. Bismarck war kein Jude noch „Judengen offe"; aber seiner Partei und seiner politischen Weltauffaffung hat ein Jude die grundlegende und giltige Theorie geschaffen. Niemand hat Schärferes gegen Judentum und Verjudung gesagt als Lagarde. Aber im Zusammenhang seines Nachdenkens über diese Dinge schrieb er den Satz: „Das Deutschtum sitzt nicht im Geblüts» sondern im Gemüte". Eine nationaldeutsche Judenbewegung könnte diesen Satz zu ihrem Glaubensbekenntnis machen. ' , und Selbstbewußtst«» hat man den Engländern abgesprochen. doch nie veutfebtum utid Judentum. ^Bon Charlotte Fränckel-Eisner. Die solgenden'Auffätze_sind da» ganz persönliche Bekenntnis eintr nach Klarheit ringende» Seele, die au» starkem religiösem Erleben berau» . zum Deutschtum vordringt. Ein dritter Auffatz folgt in der nächsten Nummerj Die Schristleitnng. Die Aufgabe der nationaldeutschen Juden ist keine eng« Gruppen-Angelegenheit. Sie kann nur vom Religiösen her. das alle Menschen «int. ihre tiefe Berechtigung erhalten. Klärung dürfen wir den Impuls nennen,! der die Aufgabe gebar. Klarheit das Ziel, dem sie zustrebt. Denn wie im Samenkorn di« ganze Pflanze vorgebildet ruht, so auch trägt der Impuls den Kerngedanken schon in sich, der sich verwirklichen will. Erkenntnis gilt es zu erlangen. Wir, die wir uns nationaldeutsche Juden nennen, fühlen uns mit gleicher Kraft Juden wie Deutsche. Diese Zweiheft wird von einer Kraft getragen, erhält durch sie ihr Jawort. Wo Zweiheit lebt, ist nicht etwa von Natur der Zwiespaltmttaegeben. Könnte irgendeine Erscheinungsform -aus dem Wesen der Gottheit je zwiespältig sein? Was da ist. ist auch gut. denn alles lebt aus ewigem Gesetz. Den Zwiespalt trägt immer nur der Erdenmenfch in die Zweiheit hinein, sofern er nicht im Einklang mit dem Gesetz in sich selbst lebt. Starker Menschenwill« aber, vom Jawort Gottes getragen, ftrebt danach, nicht dem Zwiespalt zu verfallen oder, verfiel er ihm doch, sich von ihm zu befreien. Wir müssen durchaus vom religiösen Empftnden her Pole erkennen in der "Tatsache von Juden-und Deutschen. Darin lebt der Wille nach Er» eng. denn alles Polar« will sich decken. Es gehört zur Aufgabe des deutschen Juden, in sich selbst di« höhere Einheit polarer Gegensätze zu bilden — mit dem Freimut eines lebenbejahenden Menschen. I« mehr einzeln«