Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1925
- Issue
- Nr. 2 (Februar 1925)
- Date
- 1925-02-01
- Page
- Seite 7 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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,6djmeif}t Saulus und JonaSsohn hinaus!" Go schallt daS Schreien durchs ganze HauS. Die Apostel werderp — geschlagen, geknufft Und gestoßen — hinauSgesetzt an die Luft. Dort sehen ste in die Ecke «drückt Einen Juden stehen, alt und gepücki. Und PauluS spricht: „Sag uns isogleich. Wie viel gibt'S Juden im Deuiichen Reich?" „ES mag eine halbe Million wohl sein." — „Und wieviel Christen?" fällt Mtrus ein. — „Ich glaube, daß über fünfzig Millionen Der Christen find, die in Deutschland wohnen." — „Und diese hundertfache Zahl Sollt ihr bedrücken? Welch ein^ Skandal!" Der TreiS hat ihn stumm arigeguckt Und nur mitleidig die Achsel gezuckt. — AIS drauf die Apostel, so betthrt. Sind in den Himmel zurückgekehrt, Fragt lächelnd Gott: „Nun. sagj Bescheid, ' « Wie steht's um die bedrängte Christenheit In deutschen Landen?" — „Datz Volk der Denker," Braust PetruS auf. „sind Stänker und Zänker!" , „Gemach!" ruft Gott, „du mußt nicht schimpfen Und mir meine Deutschen nicht verunglimpfen^ Weil darunter einige wüste Gesellen Voll Neid und verblendet so schreien und bellen. Sahst du Gewölk und Nebel nicht Schon manchmal dämpfen der Sonne Licht? ES braucht nur einen frischen Hauch von oben Und all daS Gewölk ist schnell zerstoben Und die Sonne glänzt und strahlt und lacht In ihrer reinen goldenen Pracht: Glaubt mir. der Antisemiten Treiben, ES wird nicht lange bestehen und bleiben; Und strahlen alS Sonne deL deutschen Lands Wird unbefleckt in reinem Glanz Menschlichkeit, Freiheit und Toleranz." — Daß Deutschland blüh', gedeih' und wachs, DaS wünscht getreuen Sinns Han8 Sachs. Vrs „dngercken". Bon vr. S. Breslauer. Gesprochen an der Bahre unserer BerbandesesrÄöiin Elise Unger am 17. Januar11925. Mt den nächsten und nahen Angehörigen stehen auch wir Vorstandsmitglieder und Mitglieder des Verbandes nationaldeutscher Juden in tiefer Ergriffenheit an der Bahre dieses jungen Menschenkindes. Niedergedrückt durch die Erbarmungslosigkeit des Schicksals, das sich seine Todesopfer auSsucht, unbekümmert um daS, waS wir armen Staubgeborenen als den Sinn deS Lebens zu erkennen glauben, beNagen wir in der uns so jäh Entriffenen den Verlust einer eifervollen Mitstreiterin für die Ideale, die uns zusammengeführt haben. UnS war sie die strahlende Verkörperung der holden Jugend, auf die wir, di« wir die Höhe deS Levens schon erreicht, schon überschritten haben, unser geistiges Auge gerichtet halten, wenn wir daran arbeiten,' dem deutschen Juden eine deutsche Zukunft zu sichern. Solche ZukunftS-Aufgabfn sind nicht mit dem üblichen Maß alltäglicher Pflichterfüllung, mit dem Aufgebot geschäftsmäßiger Vereins- oder Verbandsroutine zu bewältigen, sie erfordern die volle Hingabe eines heißen HerzenS, den Einsatz ganzer, von Liebe zum Deutschtum, von Treue zum Judentum erfüllter Persönlichkeiten. Unser Verband hatte daS Glück, an der Seite feines ersten Vorsitzenden einen Menschen zu wiffen, der diesen Anforderungen in vorbildlicher Weise entsprach : „das Ungerchen". wie er sie gern nannte. DaS Ungerchen, daS Licht und Sonnenschein verbreitet!, wohin immer-sie kam, daS den Emst ihrer Arbeit mit anmutix er Heiterkeit zu schmücken wußte und daS von allen, die mit chr u Berührung kamen, weit über dm Kreis unserer hiesigen und auswärtigen Mitglieder hinaus als ein wahres HimmelSgescheiik empfunden wurde. DaS Ungerchen ist nicht mehr, und uns bleibt nur übrig, ihr wehen HemenS an dieser Stelle roch einmal für alles zu dankm, waS sie für unseren Verband getan hat. LiebeS, kleines Ungertjen, wir werden Dich nicht vergessen. 7 . ' AückerfcbLU. } Mit Aut» und Kamel zum Pfauenthron von <£. A. ^übersetzt von Mar Hesse. «Verlag Kurt Vowinkel, Berlin.) 1 Ein frischer Zug kühner Unternehmungslust w:ht durch dieses Buch eines amerikanischen Majors, dj« Kraft der Jugend, gepaart mit der Sehnsucht, etwas zu sehen und zu erleben. , Und Ungewöhnliches genug gibt! es zu sehen— Muh«" Beirut und Teheran, denn Palästina, Syrien, Mesopotamien und Persien sind Länder mit iahirtausendeälier Geschichte, Länder, die auch heute, obwohl keines von ihnen mehr «ine Macht ist, in der Weltgeschichte eine größere Rolle spielen, als gemeinhin angenommen wird. Man kann dieses Buch als bloße Reiseschilderung ge nießens kann sich an den flott erzählten Wechselfällen der Erpedition und an dem vorzüglichen Bilderschmuck erfreuen. Man kann aber auch recht nachdenklich werden, wenn man die politischm Lehren würdigt, die der Verfasser, ohne in langweilig« Vorlesungen zu verfallen, überall aus dem Gesehenen zieht und dem Leser nahebringt. Uns Juden interessiert natürlich besonders, was er über Palästina zu sagen hat. Die Zionisten glauben ihren Anspmch auf ein nationales Heim in Palästina nicht nur aus der berühmten Balfour-Deklaration und aus den in anerkennenswerter Siedlungsarbeit schon erzielten Erfolge» herleiten zu können, sondern sie stützen sich auch auf das historische Recht zur nationalen Eristenz gerade in diesem Lande, das einst das Land ihrer Väter war. Vergesien wird nur, daß noch immer die nichtjüdische Bevölkerung Palästinas fast 10 der Gesamtheit ausmacht und daß diese Bevölkerung nicht minder historisch begründete Ansprüche erhebt. Die eingeborene Bauernschaft der Fellachen bearbeitet, wmn auch gewiß nicht in vorbildlicher Weise, seit vielen Jahrhunderten—diesen Grund und Boden und betrachtet sich somit nicht ganz zu Unrecht als Grundstock der Bevölkerung und des Staates. Kein Wunde!-, daß Mohammedaner und auch Christen sich erbittert gegen das Anschwellen der jüdischen Einwanderung wehren, zumal die Chrilten in Palästina ihr heilige» Land sehen und ihre heiligen Stätten nicht gern den Juden anvrrtrouen wollen. So stetlt der Verfasser des Buches fest, daß di« Furcht vor jüdischer Vorherrschaft die gesamte mohammedanische und christlich« Bevölkerung des Landes ergriffen und eine tiefgehende antizionistisch« Stimmung herausgebildet hat. die durch anmaßendes Auftreten zionistischer Verwaltungsorgane und übereilte Einwanderung üngeeranekrt Kräfte ständig verstärkt wird, Gerade uns nationaldeutsche Juden muß diese Feststellung eines Neutralen interessieren, denn wir finden in ihr bestätigt, was wir den Zionisten im allgemeinen und den deutschen Werbeorganisationen im besonderen oft genug als Versündigung gegen unsere Kinder vorwerfen mußten, daß man zwar mit Eifer und Zähigkeit-unsere Jugend der deutschen Heimat entfremdet oder nach Möglichkeit entreißt, aber daß man ihr nicht die Kräfte mitzuaeben imstande ist, die sie braucht, um in Palästina wirklich Wurzel zu fassen und dieses Land als neue Heimat zu erwerben. Aber noch ein weiteres wird gerade durch-das Buch des * Amerikaners klarer, als wir es sonst zu sehen gewohnt sind. Das Palästina-Problem ist unlöslich verbunden mit den weltpolitischen Zusammenhängen, die in diesem Teile der. Welt auf ein Ringen zwischen Fvankreich und England hinauslaufen. Für England ist der -nah« Orient vor allem di« Etappenstation auf dem Wege nach Indien. Am Schluss« des Weltkrieges „einigte" man sich dahin, den Krieg im Osten fortzusetzen, bis man gemeinsam die von den bösen Türken unterdrückten Völker „befreit" und ihnen Volksregierungen gegeben hätte. So kämpfte man weiter im Namen der „Menschlichkeit und Gerechtigkeit" gegen den Imperialismus, den man in schöner Uebereinstimmung oerabscheuenswürdig fand — bei anderen Völkern. Als aber das gemeinsame Ziel erreicht war, begann erst der Kampf der Jnteresien zwischen den Siegern, begann jenes noch heute währende, für die betroffenen. Völker so furchtbare und folgenschwere Spiel, in dem Länder. Könige. Fürsten. Minister und vor allem ganze Bevölkerungen wie Schachfiguren kaltblütig hin- und bergeschoben werden. Und leider — auch ein europäisches Land ist «ine Figur in diesem träurigen Spiel: unser Deutschland. Wo Frankreich im Orient nachgibt, wird es schadlos gehaltenan Rhein u n d R u h r. Wer das Buch dieses Amerikaners mit Verständnis liest, begreift bald, daß Palästina nicht nur ein Judenproblem, sondern auch «in deutsches Problem ist. Um so.trauriger, daß sich Juden. finden, die ihr Deutschtum betonen und dabei in gedankenloser Sentimentalität ein Unternehmen unterstützen, das Englands Einfluß im Orient stärkt und damit wieder den Franzosen die- Möglichkeit bietet, für die «nt- > sprechende Schwächung ihrer eigenen Orierit-Interessen in unserem deutschen Vaterlande Entschädigung z« suchen. W. B.