Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1925
- Issue
- Nr. 2 (Februar 1925)
- Date
- 1925-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Vcrbandsnacfmcbten. 1. Halle a. 3. Auf Einladung der Ortsgruppe sprach Herr Sanitätsrat Dr. Pey^er, Berlin, über das Thema ..Ter nationaldeutsche Jude und di« Wahlen zum Landesverband". Er ging von den Verhältnissen in den einzelnen Kultusgemeinden aus und betonte, das; auch diejenigen deutsch fühlenden Juden,, die etwa selbst nur geringe kultische Bedürfnisse haben, verpflichtet seien, innerhalb der Gemeinden an deren Wohl brüderlich mitzuarbeiten. - Ob „liberal" oder „orthobor". spiele für den nationaldeutichen Juden keine Rolle: unter den Mitgliedern unseres Verbandes seien Anhänger beider Richtungen. Wichtig aber sei die. Frage: ..deutsch oder nicht deutsch." Hier drohe eine ernste Gefahr, die über den Rahmen der internen Ge meindepolilik weit hinausgehe. Das Ostjudentum mit seinen undeutschen Gepflogenheiten und seiner mit deutschem Geiste nicht;u vereinbarenden Auffassung des Gottesdienstes — der Redner verwies auf die Ausführungen Gronemanns über das Treiben in den ostjüdischen Synagogen — sei in unter Genieindeleben eingedrungen und habe, verbündet mit den deutschen Zionisten, die Kültusgemeinden zum Tummelplatz der Parteiieidenschaften gemacht. Man strebe in diesen Lreiien systematisch die Umwandlung der Religionsgcineinden in Volksgemeinden, d. h. Gemeinden des jüdischen Volkes an, und wolle den Landesverband, der den Charakter einer Synode habe, zu einem ..Judenparlament" ausgestalten. An der Haird zionistischer Literatur wies der Redner die wahren Absichten der Zionisten, die im Wahlkamps vielfach durch , raktüche Manöver verschleiert würden, nach und zergliederte besonders' di« zionistischen Schülpläne, die auf eine ..Hebraiücrung" des Erziehungswesens hinauslaufen. Am Schlüsse seiner Ausführungen legte der Redner auf Grund . ^der Salzung des Landesverbandes die wahren Aufgaben dieser Körperschaft dar, die wichtig genug seien, um jeden deutsch iuklenden Juden zu veranlassen, allent Mis-brauch durch entsprechendes Verhalten bei- Ausübung des Wahlrechts von vornherein vorzubeugen. ’ Ein Führer der Hallenser Zionisten, der den Ausfüh rungen des Redners mit Aufmerksamkeit gefolgt war, nahm daoan Abstand. zu erwidern. Im übrigen war die Erörterung, an der sich u. a. die Herren Sanitätsrat Dr. O pvende i m.e r. F r i et> I ü n d e r , Dr. Blochert und Philipp beteiligten, anregend und fruchtbar, 2. Berlin. Der Vortragsabend vom 14. Januar, der zur Aussprache üher das Thema ..Die politischen! Parteien, und die Bekenntnisschule" bestimnit1 war, jtand unter dem Eindruck des plötzlichen Todes unserer Verbandssckretärin Life llnger. Der erschütternde Trauerfall batte es einer Reihe von Mitgliedern, die. sonst zu den regdl inähigcn Besuchern der Abende gehören, unmöglich gemacht, auch diesmal zu erscheinen. Bedauerlicherweise war auch' die Referentin, Frau Gertrud Fränkel. durch Krankheil am Kommen verhindert. Ihr schriftlich niedergelegtes Referat wurde von Herrn Studienrak Dr. W a ch s n e r verlesen. Der Korreferent, Herr Lehrer A d o I f G e r s o n, wurde mit groszer Aufmerksamkeit angehört/ Seine Ausführungen und die der Refereistin gipfelten in der Ablehnung der sogenannlen Bekenntnisschule und in dem Wunsche, der Verband möge alles in seinen Kräften Stehend« tun, um zu verhindern, daszunsere Kinder auf dem Umwege über die Schule einem neuen Ghetto zugeführt werden. Die beiden Vorträge, deren ausführliche Wiedergabe an dieser Stelle unnsöglich ist. werden, wenn angängig, später im Mitteilungsblatt als Aufsätze zum Abdruck kommen. Tie Debatte gestaltete sich recht lebhaft. Wenn auch im einzelnen die Ansichten auseinander gingen, stimmten doch alle, die das Wort ergriffen, in dem Wunsch« überein, daß unser Erziebungswesen in einer Form ausgestaltet werden müsse, die unseren Kindern die reibungslose Eingliederung in die deutsche Kulturgemeinschaft ermögliche. Am 12. Februar, abends 8 Uhr, findet im Restaurant Rheingold <Potsdamer Strahe), Ebenst v l z s a a l. eine Aussprache über das Ergebnis der Wahlen zum Landesverband und die Erfahrungen des Wahlkampfes statt, Berichterstatter: Dir. R a u m a n n. Durch Mitglieder, eingeführte Gäste sind willkommen. Am 25, Februar findet der -Bach-Abend im Gartensaal des Logenhauses, Kkeiststrahe 10. statt. Unser Mitglied Herr Dr. Wilhelm Karo hält den einleitenden Vortrag: „Johann Sebastian Bach, ein deutscher Musiker". -Tie Ausführungen des Redners werden erläutert durch den Vortrag B a ch f ch e r Musik. Ramhafte Künstler sind für die musikalischen Darbietungen gewonnen. Anschließend geselliges Beisammensein, bei genügender Beteiligung auch Tanz. Besondere Einladungen ergehen. 3. Königsberg. Aus dem Vortrag der Frau Charlotte Rother über Jakob Wassermann (vgl. Nr. 1 des Mitteilungsblattes) sind folgende bemerkenswerte Sätze nach zutragen: Die Unbill, die Wassermann von nichtü Seite erlitten hast ist verhältnismäßig gering. Dennoa empfindet er den Konflikt »wischen feinem Deutschtum und seinem Judentum als di« Tragik seines Lebens. Er hat in seinein Wesen viel mehr von jenen Eigenschaften, die inan als spezifisch deutsch. anzusehen pflegt, als von den typischen Eigenschaften, die als Kennzeichen des jüdischen Stammes gelten. Er fühlt sich auch als Deutscher und liebt mit voller Hingabe die deutsche Landschaft, di« deutsche Sprache. Den Zionismus abzulehnen, ist ihm Selbstverständlichkeit. Der Ostjude ist ihm fremd und unsympathisch. Aber sobald ihm Feindseligkeiten begegnen, die gegen das Judentum gerichtet sind, wird er bitter und ungerecht, verschlieht sich sein Sinn dem Verständnis des deutschen Geistes. Er findet nicht die Kraft, sich für Judentum oder Deutschtum, die er trotz allem als Gegensätze empfindet, zu entscheiden, und findet keinen Ausweg aus seiner seelischen Not. Dre Liednerin folgerte aus diesen dem Bekenntnisbuch des Dichters entnommenen Feststellungen: Er hat Deutschland eben doch nicht genug geliebt. Nur der deutsche Jude findet den Weg ins Freie der sich von Deutschlaiids Not ergreifen läßt und darüber das feinem Judentum zugefügte Unrecht vergessen kann. Wassennann schrieb sein Buch nach'Deutschlands Zusammenbruch. Und nirgends zeigt sich, dah er die deutsche Tragödie wirklich innerlich erlebt hat, dah seine Seele durch Deutschlands Sturz erschüttert worden ist. Wäre dies der Fall, so hatte er dieses Buch nicht schreiben können, so hätte er über dem furchtbar Aufwühlenden, das die schrecklich« Gegenwart allen Deutschen brachte, sein Judenleid vergessen müssen. — — In der Januar-Sitzung der Ortsgruppe sprach Rechtsanwalt Dr. Levinsohn über das Thema: „Das Friedensprogramm Wilsons und der Wortbruch von Dersaille s". An der Hand des von dem A r - beitsausschuß deutscher Verbände mit uner.aüd lichem Eifer zusämmengetragenen Materials schilderte der Redner, wie es zu dem sogenannten Friedensvertrage kan>, der alle von Wilson gemachten Versprechungen über den, Haufen warf? Mit Deutschlands Schuld am Kriege ist der Treubruch dieses Vertrages begründet. Darum — so führte der Vortragende aus — ergibt. sich für jeden Deutschen die Notwendigkeit, unablässig daran zu arbeiten, dah die Gegenbeweise erbracht werden und daß vor allem auch das Ausland von seiner noch immer sortbestehenden Ueberzeugung, Deutschland habe den Krieg geflissentlich heraufbeschworen, geheilt wird. Würden erst einmal auch von der Entente die Archive geöffnet, so würde die Lüg« in nichts ^rrinnen. - Ap den Vortrag knüpfte sich eine anregende Aussprache. 4. Rednerturs. Der nächste Kursabend findet am Donnerstag, den 19. Februar, abends 8 Uhr pünktlich, zu Charlottenburg, Knesebeck st r. 78,79. statt. . Wir weisen nochmals auf die Bedeutung dieser Uebungen hin, die nicht nur Redetechnik, sondern auch Wissensstoff vermitteln. Der Besuch ist nicht nur jugendluhen, sondern auch älteren Mitgliedern dringend zu empfehlen. 5. Frankfurt a. M. Von der Leitung des „Freien jüdischen Lehrhauses" war an unsere Ortsgruppe die Einladung ergangen, für eine Gastvorlesung über das Thema „Theorie des nationaldeutschen Judentums" einen Redner zu stellen. Herr Sanitätsrat Dr. Peyser sprach am 26. Januar über das gestellte Thema, nachdem eine Woche vorher Herr Leo Straus;-im Rahmen desselben Lehrganges über die „Theorie des polnischen Zionismus" gesprockzen hatte. Den Vorträgen folgte eine Aussprache. — Ein Meinungsaustausch dieser Art auf neu-. tralem Gebiet und in wissenschaftlichem Geiste erscheint uns recht bearützenswert und vielfach ersprießlicher, als Volksversammlungs-Debatten, die gar zu leicht von skrupellosen Gegnern zu Tumultszenen gestaltet werben. 6. Beiträge. Wir bitten um baldige Ueberweisung der fälligen Vierteljahrsbeiträge. Vorauszahlungen. für einen längeren. Zeitraum sind zwecks Entlastung der Geschäftsstelle erwünscht. 7. Jungmädchengruppt. Die Verbandsmitglieder werden dringend gebeten, ihre Töchter im Alter von 10 Jahren aufwärts an den Nestabenben (41/*—6>/r Uhr) und Ausflügen der Gruppe teilnehmen zu lassen. Meldungen bei Frl. Dora Salomon, Berlin-Schöneberg, Grünewaldstr. .11. 8. Wahlhelfer. Von den Wahlvorständen, denen durch unsere jüngeren Mitglieder und Mitglieder der Jugendgruppen Wahlhilfe geleistet wurde, ist das vorzügliche Verhalten der Helfer besonders anerkannt worden. Wir freuen uns. dies hierdurch den Beteiligten zur Kenntnis bringen zu können. 9. Alpenoereinsmitglieder. Wir bitten unsere Mitglieder, die zugleich Angehörige der Alpenvereinssektion Berlin sind, ihre Anschriften der Geschäftsstelle mitzuteilen. Der Vorstand. l