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Der nationaldeutsche Jude · 1925-02-01 · Nr. 2 (Februar 1925) · p. Seite 3

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1925
Issue
Nr. 2 (Februar 1925)
Date
1925-02-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Vom Meten des Hnttfamtistmis. von Dr. Bruno Rosenberg. Der Antisemitismus läßt sich vorurteilslos nur begreifen, wenn man ihn einreiht in die große Zahl der Anti »Bewegungen. die «8 zu den verschiedensten Zeiten und bei den verschiedensten Völkern gegelben hat. Unter Anti-Bewegungen verstehen wir nationale Strömungen. die sich feindlich gegen eine territorial oder politisch - vom BolkSganzen eingeschlossene Minderheit richten. Internationale Erbfeindschaften fallen also nicht unter diesen Begriff. Jede Antt-Bewegung ist grundsützlich national begrenzt; nur dadurch, daß die gleiche Strömung gleichzeitig bei verschiedenen Völkern auftritt, gewinnt sie hier und da — scheinbar — internationales Gepräge. Anti-Bewegungen führen zu senkrechten Spaltungen itn Volke, d. h. sie haben nichts gemein mit wirtschaftlichen und polltischen Klaffenkämpfen. die den BolkSkörper horizontal aufreißen. Klaffenkämpfe richten sich gegen Vorrechte und nur insofem gegen Personen, alS diese eben Träger der bekämpften Vorrechte find. Anti-Bewegungen dagegen treffen Menschen von einer gewissen Besonderheit als solche und wirken sich klassenpolftisch nur insofem aus, alS die bekämpften Menschengruppen etwa wirtschaftliche Macht in den Händen haben. Minderheiten, die eine Anti-Bewegung hervorruhen, weisen OnDAvfmAfiA All(* ß« ßltS 1 /llAttlAM (n cheinen in tehen dem drei charakteristische Merkmale aus: sie sind oder sich geschloffen, sie haben ein« zähe Lebenskraft, sie BolkSganzen fremdartig gegenüber. Ihre Geschloffenheit, kamt eine religiöse sein (Protestanten in Frankreich. Hugenotten) oder eine raffemäßige (Neger in Amerika). Sie kann aber auch beide Eigenschaften vereinigen (Armenier in der Türkei). Wichtig ist nur. daß die e wirkliche oder scheinbare Geschloffenheit! der Mehrheit ge ühlsmäßig deutlich wird. Jede Anti-Bewegung wichst auS dem Gef, hl einer Bedrohung. ^Die bekämpfte Minderheit mutz also, sei «8 der Zahl nach oder vermöge ihrer Intelligenz, ihres wirtschaftlichen Einflusses, stark genug f?in, der Mehrheit Besorgnis einzuflößen.! Endlich muß die Minderheit der Mehrheit fremdartig gegenüberstehen, sie mutz innerhalb deS Volkes als Fremdkörper empfunden werden. Wäre eS anders, so würde sie sich der Mehrheit eingliedern und mit ihr verschmelzen; ES ist aber zu beachten, daß Fremdartigkeit einer Volksgruppe für sich allein nicht genügt, eins Anti-Bewegung hervorzurufen. Zigeuner find trotz der Verachtung und deS Haffes, (mit denen sie verfolgt werden, niemals Gegenstand solcher Strömungen geworden, weil eS ihnen an Geschloffenheit und Lebenskraft mangelt, und der Antisemitismus fehlt überall da, wo Juden nur {p sehr geringer Zahl austreten. Eine Antt-Bewegung ist niemals Aktion, sondem stets Reaktion, d. h. sie ist ohne den Vorgang einer von der Mehrheit sich absondemden Minderheit undenkbar. Der Ursprung einer feindseligen Stimmung liegt daher stets innerhalb der Minderheit. Damit ist natürlich nicht daS mindeste über die moralische Schuldfrage auSgesagt. SS ist Heldenhaft, inmitten Fremdgläudiger am Glauben seiner Väter festzuhaltrn. aber kein Ehrlicher kann bestreiten, daß. wenn die Gebräuche dieses Glaubens dem Gefühl der Mehrheit widerstreiten, eben dadurch eine Anti-Bewegung hervorgerufen werden muß. Jede Anti-Bewegung ist — zum mindesten subjektiv — in ihren Anfängen berechtigt, denn sie ist ein Ergebnis deS SelbsterhaltungSlriebeS. Sie tritt nur dort «in. wo d >r Minderheit eine moralische, religiöse »der wirtschaftliche Serbekraft zukommt und die Mehrheit fürchtet, von Vieser »ersetzt zu werden. ES ist deshalb Torheit, solche Feindseligkeiten auf dem Wege der sogenannten Toleranz beilegen zu wollen. Toleranz ist eine großmütige Eigenschaft deS Ueberl genen; sie würde zur Schwäche werden bei einem, der sich in seinem geistigen oder wittschaftlichen Besitzstände bedroht füjlt. Jede Antt-Bewegung richtet sich grundsätzlich gegen die geschloffene Maffe der Minderheit, nicht gegen den Einzelnen; denn nicht von diesem, sondern; von der Maffe geh; die wirkliche oder scheinbare Bedrotzetta der Mehrheit arS. ES ist deshalb kein logischer Widerspruch, wenn Mitglieder einer Anti- Bewegung mit Angehörigen her pon ihnen bekämpft m Minder- Heft in freundschaftlichem und selbst innigem Berhäl lniS stehen. Da ab« die Minderheft fefteh öder nie alS gefchlof ene Maffe in die Erscheinung tritt, sonden sich nur in der Vielheit von Einzelpersonen verkörpert, sh> i t eS Var, daß die Wucht d« Anti-Bewegung. soweit sie sich nicht polittsch auf dem Wege der Gesetzgebung auSwirkt, plastisch auch und zunächst den Einzelnen trifft. Erst wenn sie sich zu einer politischen Bewegung entwickelt, umfaßt sie j mit ihrem Angriff restlos die gesamte Minderheit, ohne dann noch in der Lage zu sein, einzelne Personen oder Gruppen auszunehmen. ES ist; also die große Ungerechtigkeit jeder Antt-Bewegung» daß sie die Maffe für die wirklichen oder vermeintlichen Sünden deS Einzelnen und jeden Einzelnen für die der Gesamtheit büßen läßt. Jede Anti-Bewegung entsteht letzten Endes ttiebhaft. Drängt sie zur Tat und tritt sie somit in die Helle des Bewußtseins, so verunreinigt sie sich mit all den dunklen Beweggründen. die menschliches Handeln begleiten. An die Stelle wirsticher öder vermeintlicher Notwehr treten Habsucht, Neid, Verleumdung, und dies umsomehr, je reicher und mächtiger die bekämpfte Minderheit erscheint. Unter dem Druck einer Anti-Bewegung werden ißt Eigenschaften der Minderheit deutlicher: ihre Geschloffenhat wächst, ihre LebenSKaft steigest sich in der Abwehr, ihre Fremdartigkeit wird ttotztg betont. Da der Apell an die .Toleranz" versagt hat, bereitet man sich zum Kampfe und ergänzt^seine Rüstung. Der Machthunger nimmt zu. der Wille zur Versöhnung erlischt: So geraten große volksteile in einen Zustand übermäßiger gegenseitiger Gereiztheit, der einem AuSbruche zuireibt und schließlich zu körperlicher oder geistiger Vergewaltigung deS /Schwächeren führen muß. L Gibt es einen Ausweg aus solcher Lage? Der Nächstliegende Gedanke wäre der eines Friedensschlusses. eines Vertrages, >ei dem beide Pasteten Opfer brächten. Aber gerade er läßt sich nicht verwirstichen. da der Kampf nicht um teilbare Güter, sondem um Imponderabilien geht, die eine Abgrenzung nicht gestatten und ein Mein und Dein ausschließen. So blei!>en nur zwei Möglichkeiten offen:, die der reinlichen Trennurch-oder die der restlosen Eingliedemng der Minderheit li» die Mehrheit. Betrachten wir den Antisemitismus in Deutschland, so finden wir ein getreues Abbild des Gesagten. Dem Antisemiten erscheint die deutsche Judenheit alS geschloffene, lebenszähe, fremdartige Maffe, die geeignet ist. auf die Mehrheit des deutschen Volkes in zersetzender Weise einzuwirken, „verjudung des deutschen Volkes," so lautet daS Schlagwort des Antisemitismus. Ist die Geschloffenheit der deutschen Juden ist Wahrheit vor- Händen? Sicherlich nicht in dem Grade, wie es derAniisemit glaubt oder zu glauben vorgibt, aber ebensowenig läßt sich weglepgnen, daß auf Teilgebieten Ansätze zu solcher Geschloffenheit vorhanden sind. Gewiß, die Juden sind in zahlreiche religiöse und politische Gmppen gespalten, aber oberhalb und trotz dieser Spaltung trifft man manchmal! auf ein SolidaritätSgefühl. daS bewundernswert wäre, wenn eS sich nicht zugleich alS Wall gegen die Außenwelt betätigte. Es ist nicht, wie der Antisemit behauptet, antideutsch — davon kann gar keine Rede fein——, aber eS ist a u ß e r d e u t f ch. Er ttttet manchen Juden fester an den Juden alS an seinen nichijüdischen Mitbürger und bringt die Gefahr internationaler Bindungen mit sich, vor Allem aber .iioliest eS die Juden gesellschaftlich. ES' führt zu einer Einseitigkeit deS Verkehrs, die einerseits eine Verständigung mit der Mehrheit deS deutschen Volkes erschwest, andererseits jüdische Ast und Unart durch fostgeietzte Inzucht zur höchsten Blüte treibt. Diese Einseitigkeit ist sicherlich keine durchaus freiivillige, sie wird den Juden vielfach durch gesellschaftlichen Boykott aufgezwungen, aber völlig schuldlos daran sind auch sie nicht., viele von ihnen fühlen eine seltsame Befangenheft, wenn sie mit nichtiüdischen Mitbürgern zulammeutreffen. überspitzen ihren Witz, entwürdigen sich durch Selbstironie und bieten so das ungefällige Bild von Menschen, die unsicher zwischen Ueberschätzung und Unterschätzung deS eigenen Wertes hin- und hörschwanken. Könnten sie nur einen einzigen Augenblick vergeffen, daß sie Juden find — und in dieser Unfähigkeit-» vergessen liegt sine der Ursachen für die scheinbare Beschloss enheitder Judenheit —, lernten sie es. sich nur leinen einzigen Augenblick ganz als Deutsche zu fühlen, sie würden gewiß den Weg zu ihrer Unbefangenheit zurückfinden. Der Anschein von Geschloffenheit wird femer erhöht durch gefviffe intemationale Bestrebungen, die. alS WohlfahrtSbestrebuygen verkleidet, in Wirllichkeit eng mit den Zielen deS Zionismus zusammenhängen und an denen leider aus mitzverstatidenem Solidaritätsgefühl auch solche Juden teilnehmen, die eine Verwirklichung zionistischer Ziele gar nicht wünschen. Es i

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