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Der nationaldeutsche Jude · 1925-02-01 · Nr. 2 (Februar 1925) · p. Seite 2

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1925
Issue
Nr. 2 (Februar 1925)
Date
1925-02-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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]Sacb der Schlacht Von Dr. Mar Naumann. Die Besonderheit dieleS Wahlkampfes bestand darin, daß wenigstens zuletzt die Mehrheit der Wähler zu verstehen anfing, worum gekämpft wurde. Der Wähler. —- nicht der Wahlberechtigten. Daß gerade in Berlin die Wahlbeteiligung erbärmlich gering war. ist schon an der Spitze dieses BlatteS ausgesprochen. Und besonders beschämend ist. daß die Nichtwähler meist den Kreisen angehören, aus denen man oft genug die würdevolle Versicherung hört, Deutschtum sei etwas Selbstverständliches und bedürfe keiner Betonung. Schade, datz diese schöne Selbstverständlichkeit, die sonst. nur in Gezeter über Antisemitismus ihren Ausdruck findet, gerade dort versagt hat, . wo einmal Gelegenheit war. das selbstverständliche Deutschtum praktisch zu betätigen. . Immerhin, ein Teil der deutschen Juden hat gewählt, und das WahlkrFeVniL^eitzt, daß ihnen allmählich aufgegangen ist, weshalb sie wählen mutzten. Im Anfang war völlige Unklarheit über die Bedeutung dieser Wahl. Man glaubte vielfach. es gehe wieder einmal um kultische Einzelheiten, um Orgelsynagogen, Beachtung der Speisegeseye in Krankenhäusern —und ähnlich lebenswichtige Dinge. Nur langsam brach sich die Erkenntnis Bahn, datz diese Wahl die Entscheidung zwischen Rationaldeutschtum und Nationaljudentum bedeutete. An sich hat der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden mit dieser Frage, die in Wahrheit die Zukunflsfrage des deutschen Judentums ist. nichts zu schaffen. Gr ist seiner Satzung nach eine „Religionsgeselisch a ft" und umfaßt nicht einmal alle preußischen Kultusgemeinden. denn die ganz .gesetzestreuen" Gemeinden, denen Schwarz noch nicht schwarz genug ist. haben sich nach dem Muster des bekannten Artillerie-Einjährigen eine eigene Kanone - gekauft, um sich in dem sogenannten Halberstädter Verband selbständig zu machen. Der Preußische LandeSverband ist somit nur die Spitzenorganisation eines Teiles, wenn auch des größten Teils der preußischen Gemeinden. Diese Gemeinden sind nach dem immer noch bestehenden Gesetz über die Rechts- Verhältnisse der Juden vom Jahre 1847 .Synagogengemrinden". die ausschlketzlich Aufgaben des Kultus und das Recht zur Verwaltung gewisser Wohlfahrtseinrichtungen haben. Diese klare Bestimmung gefällt den Jüdischnationalen schon längst nicht, und seit Jahren .bemühen sie sich, hauptsächlich gestützt auf die nach dem Gesetz leider wahlberechtigten Ostjuden und unter Duldung gewiffer orthodoxer Kreise, die durchaus Religion und Volkstum nicht auseinanderhalten können, den Aufgabenkreis der Synagogengemeinden Zn erweitern und die Kultusgemeinden zu Volksgemeinden, d. h. zu Gemeinden des .jüdischen Volkes" umzugestalten. Je weiter sie auf diesem Wege Vordringen, desto gefährlicher entwickeln sich aus die Gemeinden zu Keimzellen des Zionismus, von denen das deutsche Judentum, die Gefühlgemeinschaft der fest in deutscher Kultur wurzelnden Menschen jüdischen Stammes und Glaubens, zersetzt und aus jüdischen Deutschen künstlich ein in Deutschland wohnendes Fremdvolk gemacht werden soll- Würde dieser Plan gelingen, so würden die deutschen Juden durch eigene Schuld zur Freude der sogenannten Deutschvölkischen in die gleiche Lage geraten, in der sich die halb oder ganz asiatischen Juden gewiffer östlicher Länder schon heute befinden, — sie würden eine .nationale Minderheit" werden, die mit dem '.Wirtsvolk" nur durch das sehr lockere Band formeller Staatsbürgerrechte verbunden wäre. Die weitere Folge iväre selbstverständlich, wie wir es im Osten schon heute sehen, die systematische Unterdrückung und Drangsalierung dieses Fremdoolkes durch die andersvölkische Umwelt. Man mutz verstehen, datz diese Entwickelung unvermeidbar und natürlich ist. Kein europäisches Volk kann und wird es sich bieten laffen, datz in seiner Mitte ein Fremdkörper wächst, der -seine Ideale in Asien sucht und von einst internationalen Organisation geleitet wird. Sind die Dinge einmal soweit gediehen, so nützt keine Beteuerung .loyalen Staatsbürgertums" mehr. Das natürliche Empfinden des Volkes schreitet über ausgeklügelte Verfaffungsparagraphen hinweg und verlangt klare Entscheidung. In Deutschland heißt diese Entscheidung: deutsch oder undeutsch. Mit bloßem Staatsbürger« tum laffen sich unsere nichtjüdischen BolkSgenoffen nicht abfpeisen, und sie sind in« Recht. Deutsch sein heißt: ein deutsches Herz haben, nicht ein jüdisch« nationales Herz. dessenSchlag nur gelegentlich durch LerstandeSeinwirkungen dem Zeit» 'ntatz des deutschen Herzschlages angeglrchen wird. Die Zionisten haben alles dies schon längst erkannt. .Sie haben in den einzelnen Geineinden immer wieder versucht, den Gedanken der Bolksgemeinde in die Tat umzusetzen. Man hat ihnen hier und dort auf die Finger geklopft, besonders dort, wo unser Verband mit seiner Aufrüttelungsarbeit schon Erfolge erzielt hatte. Trotzdem sind die Versuche mit der Zähigkeit, die den ostjüdisch-zionistischen Herren eigen ist, inimer wieder erneuert worden. Und jetzt, bei den Wahlen zuin Berbandstag, haben die Jüdischvölkischen den Augenblick für günstig gehalten, einen ganz großen Schlag zu führen. Von einer .ReligionSgesellschaft" im Sinne der Berbandssatzung war keine Rede mehr. Der Berliner Rechtsanwalt Dr. K o I l e n s ch e r, Vorstandsmitglied der Berliner Jüdischen Gemeinde, hat e8 in der Jüdischen Rundschau klar ausgesprochen: .Der Landesverband soll die Zentralinstanz für alle gemeinsamen jüdischen Angelegenheiten in Preußen werden. Wir wollen, datz er eine machtvolle Körperschaft wird mit starker Autorität und bestem Ansehen. Die Errungenschaften, die mit seiner Gründung erreicht sind, sollen durch seine Konstituierung und Wirksamkeit nicht nur nicht minder gefährdet, sondern vermehrt werden." | Das heißt, aus dem Zionistischen ins Deutsche übertragen: man will versuchen, den Landesverband zur systematischen Ueberschreitung seiner Befugnisse zu veranlaffen, und will den Außenstehenden, der nichijüdischen Bevölkerung und besonders den Behörden vorspiegeln, der Verband habe das Recht, namenS der preußischen Judenheit in allen möglichen Dingen, die mit Kultus und Wohlfahrt nicht das Geringste zu tun haben, daS Wort zu führen. Andere Zionisten sind vorsichtiger gewesen. Je weiter der Wahlkampf vorschritt, desto mehr wurde mit Nebelbomben gearbeitet. Aber es war zu spät. Man war auch in den Kreisen der Indifferenten aufmerksam geworden. Die energische Aufklärungsarbeit, die von den Liberalen, vom Vorstand d«S, Centralvereins und nicht zuletzt von unserem Verband, geleistet wurde, hat ihre Wirkung getan. DaS Wahlergebnis zeigt trotz aller gegenteiligen Nachrichten, die hurtig von zionistischer Seite in die Tagespreffe lanziert wurden, und trotz der mangelhaften Wahlbeteiligung die klägliche Niederlage, die der Zionismus mit allen seinen offiziellen und inoffiziellen Anhängseln erlitten hat. Selbst wenn die Konservativen, die in Berlin fast in allen Fragen an der Seite derZionisten kämpfen. daS Bündnis auch in den Landesverband übertragen, selbst wenn die sogenannte Mittelpartei, »ote nach ihrer ganzen Zusammensetzung zu erwarten ist, denselben Weg geht, werden die Liberalen, sofern sie einmütig zufammenstehen und sich nicht überlisten laffen, überall in der Lage sein, die Einheitsfront der Alljuden bei jedem Vorstoß zurückzuschlagen. Die Schlacht ist gewonnen. Aber eine einzelne Schlacht entscheidet nicht immer den Krieg. Die deutschfühlenden Jude nmögen sich bewußt sein,'daß jetzt der eigentliche Kampf erst beginnt. Wir erwarten von den Abgeordneten, die wir in den Verbandstag entsandt haben, daß sie mit iutzerster Wachsamkeit den Gegner beobachten und mit eiserner Faust zugreifen, wo auch nur der leiseste Versuch gemacht wird, den Willen zum Deutschtum, wie er durch die überwiegende Mehrheit der deutschen Juden in dem Wahlergebnis zum Ausdruck gebracht ist, abzustumpfen oder umzubiegen. Wird diese Pflicht versäumt, so wird der VerbandStag bald daS gleiche klägliche Bild bieten, wie die von den Herren Klee und Genoffen beherrschte Repräsentanten- Versammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde. Vorerst hat VaS deutschfühlende, das nationaldeutsche Judentum gesiegt. Es sei auf der Hut, daß es ihm nicht ergehe, wie Hannibal, der zu siegen, aber nicht den Sieg zu nutzen verstand.

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