Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1925
- Issue
- Nr. 1 (Januar 1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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mryfß — 8 — Partei u|ib Gruppenzänkereien und die rücksichtslose Be kämpfung alles dessen, was undeutsch und dem Deutschtum schädlich ist. Mag der Schädling Nichtjude oder , Jude sein. Wenn Herr l>r. S.-G. nach dieser Richtung hin bei uns Taten vermißt, hat, er es offenbar verabsäumt, unser Mitteilungsblatt und unsere sonstigen Veröffentlichungen 'regelmäßig zu lesen, was wir lebhaft bedauern. Freilich stehen in dem Mitteilungsblatt nur ,,Worte", genau wie in der, „Deutschen Leitung". Nur daß jedes Wort in unserem Blatte eine Tat in-, .was Herr I)r. 3 am besten' an dein Wutaeschrei erkennen könnte, das gerade in manchen jüdischen Kreisen durch unsere 'lPorte ausgelöß wird., Ergebnis: Wir be greifen, daß Herr I»r. 2. G. eiertanzen mußte, aber mir können nicht anerkennen, daß er geschickt getankt'hat. Unseren jüdischen Gegnern Im zionistischen und zwischen schjchtlichen Lager dagegen empfehlen wir ' den Artikel der „Deutschen Leitung" und die'e unsere Antwort angelegentlichst zur sorgfältigen Auswertung. Die geschäflieen Herren werden daran wieder einmal beweisen können, daß wir nach allen Richtungen von Gemeinheit triefen. Die anerkennenden -Sitze des Herm T>r. 2. Gbeweisen unsere Gemeinheit, weil wir uns „von' Antisemiten loben lassen".. Die a b - sprechenden 2ätze des Herrn Or. 2. 05.- beweisen nicht minder linkere Gemeinheit. weil wir „wieder einmal'von den Antisemiten»»»! Hohn und Spott überaonen werden".' Und der stärkste Beweis unserer (<>emeinheit ist, daß mir überhaupt Broschüren > schreiben, über die eine' sozusagen, sachliche Auseinandersetzung mit A n t i s t m i i e.n ' entstehen kann, denn.die einzig wirksame Bekämpfung des. Antisemitismus besteht bekanntlich darin, daß man jeden 'Antisemiten für einen Lumpen erklärt und i'o oft wie möglich zu 10 Mark «''»elditrase verurteilen läßt.; 'Ilä rtl'tj! ' ‘ ' Ich Antisemit. i n W o r t in . e i g e n e r Säcke. -Bon l»r. 2. Breslauer.. Gegen unseren »tellverlrekende« Botiitzenden. >?errn Ehe'redakteur l»r. Breslauer. Ht »eit iniger .seit eine Hetze im Ganges die sich in »ctzr oder weniger deutlichen Notizen gewisser rageszeitungen und, - selbstverständlich fast amtlicher alljüdischer Blätter bemerkbar macht. Lie Form, in der sich die Herrschaften geczen citig „den Ball mspielen", würde'amüsant k?in, renn nicht Grund für die Annahme bestände, 'aß es ihnen um ganz andere Dinge zu tun iß ils um bloßes -viel. Wir haben Herrn' l»e. Breslauer gebeten, iclbß das Wort zu ergreifen, inzwischen sind schon wieder ein haar 'neue Hetz noticen erschienen, die in dem nachfolgenden Aufsatz noch nicht-gewürdigt Und: si» ändern an der Lache nichts, erweisen aber von neuem, daß stnstem in ibr liegt. Die Schriftleitung. Beinahe müßte ich es. »chon selbst glauben: ich bin ein jüdischer Antisemit! Der unbedingt zuverlässige Herr v. Gerlach erzählt es in jeder Rümmer seines Montaqsblättchens ällen. die auf ihn hören, und die jhm gcistes- und seelenverwandten Kollegen in anderen Redaktionen, zumal in dch Jeruialemer- und in der Kochstraße, bissen sich keine Gelegenheit entgehen, ihn nach Kräften zu unterstützen. Erfolg: es gibt reahfhäftig Leute, die ihnen glauben. 'Warumauch sticht? Wird doch uns Mitgliedern des. Verbandes notionaldeuticher Juden insgesamt von manch-:!i Glau bensgenossen nachgesagt und dann wieder von vielen kritik los nachgebetet, daß wir den- Antisemiten nachliefen, um nur ja auf der „Gegenseite" eine besonders gute Zensur zu erhalten. daß wir. wenn überhaupt noch Juden, doch iedensalls jüdische Antisemiten seien, unitre jüdische Würde vreisgäben, uns damit natürlich nur Zwiiciien zwei Stühle, setzten — und was dergleichen Scherze mehr lind. 'Warum sollte gerade ick eine Ausnahme machen, da ich doch einmal ,u dieser Gesellschaft ausbündig schlechter Menschen gehöre? Aber die Herren, die gerade mir in der letzten Zeit ihre aan; besondere Aufmerksamkeit zuwenden und einen Teil des Schmutzes. der sonst meist unserem Vorsitzenden angeworfen wird, auf nüch verwenden, begnügen sich,mit allgeißeinen Vorhaltungen i der Art, wie sie jedem narionaldeutscben Juden gemacht werden, nicht. Für mich haben sie den besonderen Vorwurf auf Lager, daß ich an dem Berliner Lokal-Anzeiger, einer rechtsgerichteten Tageszeitung, angestellt sei. und dort bedenkenlos den „Antisemitismus" mitmache.. der angeblich in dem Blatte selbst und in dem Scherlichcn Verlage überhaupt getrieben u>«rde Man wird mir glauben,:daß ich für Auseinandersetzungen in so persönlichen Angelegenheiten Nur lehr ungern den Raum unseres Mitteilungsblattes in Anspruch nehme. Aber Duldsamkeit gegen verleumderische Redereien mag heutzutage weniger als jemals früher zulässig erscheinen, da.mit der Gehässigkeit des öffentlichen Meinungskampfes. wie d e tägliche Erfahrung lehrt, die Leichtgläubigkeit der Zeitgenossen leider Schritt gehalten hat. Darum ein paar Worle in eigener Sache. Um mit He rn v. G e r l a ch zu beginnen, so mutz ich schon sagen, daß ich zerade ihn als Richter über jüdische Gewisse nsfagen ganz entschieden ablehne. Sehe, ich ihn dich heute noch vor mir. auf der Bühne der großen Tonhaie im »Norden Berlins, wie er mit allem Sckneid, der ih n damals zur Verfügung ßand, eine Riesenversammlung le tete.^n der — Adolf Stöcker als Hauptredner ai strotz-, Mit feurigen Zungen leistete Herr v. Gerlach diesmi gottseligen Hofprediger Vorspanndienste, in Versammlungen nicht nur, sondern auch in der Presse, und ich gestehe gan offen, daß ich sein damaliges Blatt, das „Volk", das gegen Ende der achtziger Jahre den Kampf gegen das Jud ntum führte wie heute etwa das „Deutsche Tageblatt" des Herrn Reinhold Wulle, mit vieler Bewunde rung für die i arin geleistete journalistisch-technische Arbeit regelmäßig geles n habe. Mein Studentenwirt in der Rosen thaler Straße u ar darauf abonniert, ein mittlerer Beamter, mit dem M. trc y seines Antisemitismus, drei Semester lang ganz vorkyefflich ausgekommen bin. Was würde dieser brave Poßsekretvi" wot l dazu sagen, wenn et vernähme, daß sein Herr o. Gerlach heute den sonderbaren Geschmack:besitzt, in jüdischen Zeitunien die „Verjudung der deutschen Presse" als ein antisemitisches Märchen zu kennzeichnen — — und dabei von m i r gi behaupten, ich säße in einer antiseniitisckzen Redaktion'? Nun, ganz so weit wie Herr v. Gerlach habe ich mich von mcinen Jugendanschauungen nicht entfernt, am allerwenigsten i i Fragen, die das Judentum betreffen. 'Wenn ich auf diesem Gebiet im Lause von drei Jahrzehnten einen Pandel durchgemacht habe, so ganz sicher nickt in der- Rüstung weg voni Judentum, sondern eher zu einem vertieflens Verhältnis zum Judentum, natürlich im religiösen, nickt hu völkischen Sinne. Aber das sind Auge-. legenheiten der allerpersönlichsten Lebenserfahrung, die jeder nachdenkliche, jeder empfindsame Mensch ausschließlich niit iich selbst abzumachen pflegt. - Wenn Herr v. Gerlach auch nur eine Sour von Verständnis für die seelische Entwickelung anderer übrig hätte, er. der doch von ganz rechts bis ganz links hinübergerutscht iß und also eigentlich etwas nach sichtiger aus diesem Gebiete sein sollte, so würde er seine Schreibsinger von'derartigen Dingen lassen. Aber der Stöckerjünger a. D. sieht ja mit seinem Interesse für mich nicht allein. Er ist nur einer aus einer ganzen Gruppe von jüdischen, ehemals jüdiicknm und nickt jüdischen Literaten, die einander nach bewährter Methode in die Hände arbeiten, um mich zur Strecke zu bringen. Da kommt das „Berliner Tageblatt" und deutet an, natürlich zart, ganz zart, in der Redaktion meines Blattes bestände» merkwürdige persönlich« — lagen wir einmal: Schwierigkeiten. Dabei kann sich der Leser schließlich denken, was er will. Das nächste Mal wird man schon deutlicher. Man sagt, der „Berliner Lokal-Anzeiger" sei ein „antisemitisches" Blatt. Es iß eine Unwahrheit, aber die Leser des „Berliner Tageblattes" oder ähnlicher Organe prüfen ja derartige An gaben erfahrungsgemäß nicht nach. Darum erübrigt es sich, die Bezichtigung' des „Antisemitismus" mit Tatsachen zu belegen: eine dreist vorgetragene Behauptung macht jede tat sächliche Grundlage entbehrlich. Wenn aber gar einmal wirklich eine Tatsachen-Mücke im Retz der Gerüchte-Spinnerei hängen bleibt, dann regen sich sofort geschäftige Hände, aus der Mücke einen Elefanten zu machen. - Während des Wahl kampfes erschien im „Montag", einer Sonderausgabe des „Berliner Lokal Anzeiger", ein Versammlungsdericht, in dem die Herren von der Jerusalemer Straße „antisemitische An spielungen" fanden. Mit der tödlichen Sicherheit, mit der diese Herren so oft das genaue Gegenteil des Richtigen treffen, wurde unverzüglich festgestellt, daß. der „Berliner Lokal-Anceiger" die beanstandeten Sähe <es handelte sich um eine Andeutung bezüglich des starken jüdischen Einschlags ini Reichsbanner Schwarz-Rpt Gold» „gewiß im Einverständnis mit seinen israelitischen Redakteuren" veröffentlicht habe. Vielleicht sollte dies ironisch sein: ich weiß es nicht. „Gewiß" i st i jedenfalls, daß ich selbst von diesem B e r ijch t ' n i ch t früher Kenntnis bekommen habe, als die Kollegen vom „Berliner Tageblatt". Dazu kommt, daß. wie erwähnt, das.be treffende Blatt nicht zu den regelmäßigen Nummern des „Berliner Lokal-Anzeiger" gehört, sondern eine Sonderaus gäbe für den Montag war. an der ich nur in AusnahmefSIlen initwirke. Wirklich fest zu st eilen ist dagegen. daß in der Beurteilung der fraglichen „antisemitischen A n s pte-bgi n g" zwischen den „israelitischen" und den christlichen Redakteuren meines Blattes von vornherein nickt die geringste Meinungsverschiedenheit bestand und daß diese ' ll eberein st immun g läng st konstatiert war, bevor die Herren vom „Berliner Tageblatt" ihr kollegiales