Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1925
- Issue
- Nr. 1 (Januar 1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 und natürlich auf dieser Grundlage über die Einstellung des nationaldeutschen Juden ium Palästtnaproblem überhaupt. Ta stellte sich nun heraus, daß doch noch manche Unklarheit Errichte über Tatsachen, die eigentlich jeder kennen sollte, ehe er als Redner an das Problem herantritt. Was also tun? Zunächst den Globus her! An ihm machten wir uns die geographische und politische Lage im nahen Orient klar. Dann wurde uns von einem zufällig anwesenden Vorstandsmitglied in knappster Form eine Art Kolleg über wichtige Grundtatsachen, statistisches Material usw. gehalten lind nun war die solide Grundlage für eine Diskussion . gegeben, dir ganz anders als vorher in die Tiefe des Problems dringen konnte. An sich ist ja die Tatsache der mangelhaften Kenntnis solcher Dinge recht bedauerlich, aber als ich bald darauf bei über^ugten Mitgliedern der zionistischen Organisation feststellen konnte, das, sie über ihr sogenanntes ..Vaterland" nicht viel besser Bescheid wußte», war ich zwar einigermaßen getröstet, jedoch nunmehr erst recht überzeugt: wir müssen uns ganz intensiv mit allem beschäftigen. was uns und unsere Gegner angeht. müssen darüber volle tatsächliche Klarheit gewinnen und müssen gleichzeitig die Fähigkeit ausbilden, diese Klarheit auf andere zu übertragen. >- Unsere Rednerkurse sind ein sehr geeignetes Mittel, diese Aufgabe zu lösen. Üein jüngeres Verbandsmitglied, dem es mit unserer Sache ernst ist. sollte auf die Teilnahme an den 'Kursen verzichten, und überall, wo eine Anzahl geeigneter Mitglieder zusammenzubringen ist, sollte.auf-,die Einrichtung ebensolcher Kurse gedrungen werden. Vermißtes. Bon Gerechten und Selbstgerechten. 7m der Jüdischen Rundschau wird Arthur jio itschets ..Lebensgeschichte eines Rebellen" l citi orf-fti. iprigens ein sehr lesenswertes Buch, das Jugend erinnerunge» dieie^ ewig von Unrast getriebenen, uns im (<*cfiibl fremden, aber in seiner Ehrlichkeit smnpathischen Kommunjncn und Zionisten .enthält. In der Besprechung finden sich folgende Sähe: ..Das Pathos seines Lebens trägt jüdjsch« 'Züge. Nicht, das, wir der Meinung wären. Streben nach Gerechtigkeit im Leben, der einzelnen und der Gesamtheit sei ausschließlich jüdische Eigenart — aber die Ueberempfindlich- . keil für jede Art Unrecht uüd Unwahrhaftigkeit in der .Well kommt bei Juden häufiger' vor als bei anderen Menschen." An diesen 'Worten ist bemerkenswert, mit wie naivem Größenwahn diese Menschen sich selbst über ihre Umwelt erheben, ohne jedes Gefühl dafür, daß diese Ueberhebung der letzte und wahre Grund - für den Haß ist, unter dem'die Judetz seit Jahrtausenden seiden. Centralverein und Zionisten im Wahlkampf. Wir können mit lebhafter Genugtuung feststellen, daß im Centralverein die deutsche Richtung gegenüber den alljüdischen Widerständen die Oberhand zu behalten - scheint. Rach einem Bericht der C.V.-Zeitunq (Nr. 51 vom 19. Dezember 1924) ist in der letzten Haupt Vorstandsiitzung des Vereins mit erheblicher. Mehrheit ein Beschluß gefaßt worden, der' nach dem Wortlaut der Mitteilung „auch für den größten Gegner des C. V. eindeutig feststellt, daß jede Abänderung der Wahlparole.des C. V. abgelehnt wird". Es in bedauerlich. daß nicht auch der Wortlaut des Beschlusses mitgeteilt worden iit: er hätte vielleicht noch besser, als bi« kurze Inhaltsangabe, dargetän, daß der C.-V-Borstand heute nicht . mehr, wie noch in der vorhergehenden Vorstanvssitzung. den . aussichtslosen Versuch macht, seine antizionistische Wahlparole mit, der Resolution aus dem Jahre 1913 unter einen Hut zu bringen, in der zwei Gattungen, von Zionisten, eine erträgliche und eine unerträgliche, unterschieden wurden. Die in dem Bericht über die. jetzige Vorstandssitzung enthaltene Bemerkung, daß Rechtsanwalt Foerder (Breslau) mit >eincn eigenartigen Anschauungen über den jetzigen Zionismus ..allein gestanden" habe, in Verbinbung mit bem oben rra-ähnten' Beschluß läßt ja schließlich keine andere Deutung zu. aldaß di« Mehrheit des C.-V.-Vorstandes einzusehen beginnt: der Zionismus ist in jeder Gestalt eine G'efa h r für das Deutschtum, mag auch der einzelne Zjoniit ein achtunqswetter Mensch sein, zumal dann, wenn er wirklich nach Zion strebt und nicht seine jüdischnationale Gesinnüng in deutschen Staatsämtern auslebt. Wir freuen uns aufrichtig über dies« Entwickelung und guittieren mit einem Lächeln darüber, daß in dem gleichen Beschluß der C.-D.-Vorstand „jede Listenverbindung mit dem Verband nationald« utscher Juden" ablehnt. Wer vor immer noch so gemischtem Publikum spielt. muß schließlich auch der Galerie etwas bieten. Abzui zarten bleibt nun, wie weit die Ortsgruppen des E. V. dem Beschluss« des Honptüürstandes Gefolgschaft leisten wm den. In Breslau, der Residenz des Herrn Foerder. hat man bekanntlich schock offiziell abgelehnt, sich der Wahlparole zu fügen. In einer ganzen Reih« anderer Städte ist nach den uns vorliegenden Berichten die Lage noch ungeklärt. jedenfalls hoffen wir, daß sie sich im Sinne de« Deutschtur is klären wirb. Es mutz anerkannt werden, daß von der : berliner Leitung des E. V. jetzt das Erforderliche geschieht, im die deutsckfühlknden C.-A.-Mitglieder über den Ernst der Situation auszuklären. Zwei Leitartikel de» Herrn Or. Holst oder in den beiden letzten Nummern der E.-V.- Zeitung st »lagen erfreulich entschiedene Töne an. die wir gern schon früh r gehört hätten. Di« Folge ist natürsich ein wohl abgestimm e» «chtmpfkonzert im zionistisch-alljüdischen Lagtr. Am deutl chsten wird die jüdische Zeitung für Ostd « u t s ch l a. n d. da» Leibblätt des Herrn Foer der, in bem dessen Vorstandskollegen Herrn l>r. Holländer folgende Freundlichkeiten gesagt werden: „An einer anderen Stelle weist Holländer auf die Gefahr im, di« von den Ostjuden droht, nicht den Ostjuden sck lechthin, sondern den intellektuellen Schichten unter ihnen, l ie dem Zionismus zu immer größerer Blüte verhelfen. Ja, er wagt sich sogar auch an die Frage heran, ob ein , ionist deutscher RegierungsbeaMter fein kann. Die Antwort leuchtet zwischen den Zeilen hervor. — Bei alledem kommen einem die Ereignisse der letzten Breslauer RaUmann-V rsammlung in Erinnerung. Keinen Deut anders hat Nai mann gesprochen. Holländer und Naumann, die früheren Streiter, Arm in Arm! So ist ts allerdings verständlich, wenn man ein Zusammengehen mit Naumann ablehnt: Naumann ist ja, jetzt überflüssig geworden. Diese Wandluig des C. Ä. ist sehr beachtenswett. Aus der „undeirrl en Pflege deutscher Gesinnung" ist eine „teutsche" Gesinnung geworden. Das dürfte viele Mitglieder abschrecken imb schreckt sie auch ab. Denn sie ist der wahre Grund d r vielen Proteste gegen die Wahlparole des E. V. Denunzia torisch ist das mildeste Wort, das der Parole „Für deutsches Judentum gegen den Zionismus" die Beurteilung gibt, die sie verdient. . . . Diese Methode bedeutet einen Verrat am Deutschtum und einen Verrat am Judentum. ... Es fehlt eben im E. V. die wahre jüdische Gesinnun >. es fehlt aber auch das wahre Deutschtum, das untir dem Einfluß Naumanns einem übertriebenen deutschen Nationalismus Platz gemacht hat. . . . Die Betriebsamkit des E. V. läßt die bange Vermutung emporsteigen, daß er dadurch nur seine innere Schwäche zu verdecken sucht, die eine Folg« des mangelnden positiven Program ns ist. Die Geschichte, wird über Herrn Holländer uid seine neuesten Anschauungen einfach hinweggehen." Der liebenswürdige Artikel rührt von einem Herrn her, der sich sebst als ein „ehemals begeistertes Mitglied des C. V." bezeichnet. Wir wünschen dem C. V. im Interesse des Deutschtums, daß noch viele „begeisterte Mitglieder" dieser Art den C.jV. verkästen und in die Front Foerder—Badt— Klee und Genosten übergeheki mögen. Wenn diese Selbstreinigung »es Vereins mit der Entschiedenheit durchgeführt wird, die in den Leitartikeln des Herrn De. Holländer angebahnt erst ieint, so kann der C. V. schließlich wieder werden, was er bei seiner Gründung sein wollte, ein Verein zur wirklich unbeir ten Pflege deutscher Gesinnung. - Wird dieses Ziel einmal erreicht, so wird auch der Hauptvorstand, in dem heute mmer noch Erscheinungen wie Herr Foerder und die Keren Hajessod-Werber zu finden sind und auf den sich die Reinigung demnach in erster Linie erstrecken müßte, nicht mehr nötig haben, sich bei den nur „beirrt" deutschen Mitgliedern durch Gesten gegen die nationaldeutschen Juden beliebt zu nsiachen. „1000 Hände Jüdisch." Man fällte meinen, daß diese lleberschrift aus einem Wulle-Orgiln stammte, oder wenigstens aus unserem Mitteilungsblatt das ja bekanntlich ebenfalls stark antisemitisch ist. Tatsächl ich stammt sie aus dem „S ch l e m i e I". einem alljüdischen s »genannten Witzblatt, das di« zionistische Jüdische Rundschau il ren Lesern als Gratisbeilage spendet, allerdings nicht ohne nachträglich auf entrüstete Proteste aus dem eigenen Lese kreise reumüttg die Sckmld auf ihre Jnseraten- Abteilung ak zuwälzen. Die „1000 Hände Jüdisch", frei nach Ullsteins „1(00 Wort« Englisch", bilden die Inschrift einer Illustration, die zwei mit den Händen mauschelnde Geltakten in stilisierter Umrahmung zeigt: aus der Umrahmung steigen nach allen Leiten noch wilder mauschelnde Hände hervor. Dieser Prob l entsvricht der Geist, von dem auch der Nest der 4 witzigen Seiten trieft. Wir geben als weitere Stichprobe «in pchar Sätze au, der Plauderei de» „Politischen /