Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1925
- Issue
- Nr. 1 (Januar 1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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4 heißt es treiben und jeder weiß, daß deren Wirkungen ifire ^eit brauchen, desto längere Zeit, je länger das Nötige versäumt worden ist. La wäre cs wirklich belanglos', wenn wir bisher an greif- ' baren Erfolgen nichts aufzuweisen hätten Aber ist es denn so? finden wir nicht die Spuren unserer Wirksamkeit trotz der kurzen Zeit unseres Wirkens schon allerorten Jeder kennt die Antwort, muß' sie kennen,' der sich nicht auf die abjprechcndcu Einflüsterungen der ewig Trägen verläßt, der vielmehr selbst Misere Schriften liest und sich nur an das Tatsächliche hält, das kein Gegner untzr den Tisch lägen kann. Im „Echo der Presse" uysercs Mitteilungsblattes, in den „Stimmen vom anderen liier", in den Berichten über unsere Vortrags¬ und Aussprache-Abende, in manchen Teilen des „Vermischten" muß jeder, der sich nicht gewaltsam der Belehrung verschließt, die schau heute reisen' Früchte pes von uns ausgestreiiten Samens finden. Wenn nichtjüdischctoaste aufgewühlt und zweifelnd' an dem,2Sas ihnen bisher unerschütterliche Wahrheit erschien.! aus unseren Versammlungen gehen, wenn führende «Geister -ans - den Mreifen unserer nichtjüdischc» Volksgenossen nitS bestätigen, in tlnseren Schriften gerade das gefunden zu babe.n, was sie in "der Fülle „apologetischen" Schrifttums der Juden ijett vielen Jahren vergeblich suchten, .wenn selbst in den kritischen Aeußerungen „unentwegter" Antisemiten trotz alle< vorschristsmäßigev Einschränkungen und Vorbehalte daS widerwillige Zugeständnis laut wird, daß bei uns . ein »euer Ton erklingt,! wer will noch leugne».' daß ' wir- „Erfolge" haben, schoii hxnte greifbare Erfolge selbst im Sinne der stumpscu Äaü'e Und iveit über das Maß jeder Erwartung hinaus? Aber es gibt noch bessere <>>radiiiesicr denen, was man Erfolg nennt Wir. alle ivissen, wen» aiich gerade in diesem Betracht von unseren Gegnern systematisch gebogen ivird, daß cs in Deutschlandviel mehr n a t i o n a l d e u t s ch e I u d e u als Mitglieder des Verbandes nationaldenisch ei Juden gibt. Nationaldeutschtum ist eine-Geiühls- und.Gesinnungsfraze, Beitritt zu einer Organisation ist eüic Fr-ge des Willens und oft genug seiner stärksten Erscheinungsform, des Mutes. Gefühle,! Gesinnimgen lassen sich tlärcii, der Wille, der Mut lassen sich entwickeln. Aber beide Vorgänge Verläufen nicht in dem gleichen Zeitmaße, denn die Kläüing der Gesinnung hat geringere' Widerstände zu überwinden! als die Stärkung des Willens und gar des Mutes. So konifnt cs. daß mancher, der das Zeug znin nationaldeutschen "Juden wird. Erfolg. lächeln darüber, wenn uns so unser Gewächs als Eigenbau der Anderen rufgetischt wird, aber wir freuen uns des mittelbaren Erfolges, der fast schwerer wiegt, als der unmittelbare. Nicht um Vei einsmeierei zu treiben, um für uns selbst Vorteile oder auc) nur öffentliche Anerkennung zu erzielen, haben wir unsern Verband geschaffen. Die deutsche Sache ist cs, für di - wir arbeiten. Sehe» mir, daß auch in den Kreisen derer, die bisher mit einem Bruchteils-Deutschtum sich abfinde» ließ«n. der Gedanke, unser Gedanke des Ganzd e u t s ch t u ns vorwärts schreitet, so ist cs belanglos, ob die freiwilligen Herolde außerhalb unseres Verbandes gleichzeitig mit dem Ri fc zur deutschen Tat auch unseren Namen verkünden. Schifft weiter, ihr freundlichen Nachbarn, und laßt eure Getreuen ruhig auch weiterhin glauben, ihr hättet auch ohne unserer Antrieb geschafft. Mögt ihr unseren Nanien weiter versch veigen, unser Wille wird dafür sorgen, daß ihr iveiter unsere Taten vollbringt, daß ihr uns weiter helft, die Wilden zu zähmen und die Trägen zu rütteln, bis endlich alle natii naldeutschcn, alle wahrhaft deutschf ü h l c n d e 11 Juden z u s a m m e n st e h c n, um d i e Schranke n i c d c r z u t r e t e n , die Deutsch von Deutsch h! u t e nach trennt. Es scheint, daß die schwersten Zeiten äußerer Bedrückung für die deutscheil Juden vorüber sind. Die judenfeindliche Welle ebbt ab. Und hier erhebt sich eine Gefahr, die «größer ist, als die llvbel, die dem einen oder anderen von uns noch bcschicdeu sein mögen, ehe der faule Friede der Vorkriegszeit wieder eintritt. Die Gefahr liegt in uns selbst, in den' deutschen Juden. Sic! liegt auch hier in der Trägheit der Seelen, die dazu führen könnte, daß wieder ein mal. wenn die gröbsten ä u ß e r e n 1l n z u t r ä g l i ch k e i t e n g e - sch wunde i sind, die deutschen Juden an nehmen w ö ch t e n, wie unsere Väter und G r o ß v ä t e r nach der Ä in a n z i p a t i o n und nach d e in A b e b b e n hat, eher ein Erkenner, als ein. Koller, ein Kämpfer Aber schon in dieser ersten Stufung zeigt sich unser Mancher weiß heute und sagt' es auch, wenn auch oft »och ustter Vorbehalteu-nnd Lnenhaltung der Ruckzugsmöglichteiten, -aß wir uationaldeulschen Kämpfer in der Judenheit recht, habe »., wenigstens „in vielem",. in ■biefer und jener Frage, die allmählich auch das dickste Fell versengt, etwa in der Osinidenfrage oder in der Frage der jüdischnatioualeit Gefahr. Solche Erkenntnis, die sich früher nicht leicht hervorwagle, ist immerhin ein Anfang, ein Erfolg. Viele von denen, die. solches Verständnis ennngen haben, sind noch ein gutes Stück Weges entfernt von dem Energieaufwmid, der nötig ist. Wissen in Tat uinzusetzcn. Viele antworten noch init geguäliem, schon ein wenig beschämtem „Ich kann nicht", men» man verlangt, chaß ne sich gleich'uns, in die Kampfliuie stellen, behagliche Dillmpslirit und vorteilhafte Beziehungen der Gegenwart um der Zukunft willen preisgcbcn sollen. Noch harte Arbeit ivird n-ä»g sein, bis auch diese fiel) zusammenreißen zu dem befreienden „Ich will!" Aller immerhin, schon ihre Erkenntnis, schon dje Klärung ihres Gefühls ist ein Fortschritt, ein Erfolg, den wir uns nicht hinwegdeuteln lauen. lind noch einest anderen Erfolgsbeweis tenncn wir, der stärker ist, als irgend einer. Man lese die. Schriften gewisser «Gruppen Kerndeutschen Judenheit, die in uus stets eine Skrt geschäftlicher Konkurrenz erblicklen und lins-init allen zulässigen und unzulässigen Mitteln, nicht zuletzt in der bewährten Fori» des Totjichweigens zu „erledigen^ suckUen. Sie bekämpfen uns lseutc nhch, diese Braven, und wurden se,lbswerständlich niemals ziigebc»! daßnhr eigenes Wirken von^dem nnscreii befruchtet worden sei. Wo sie uns einmal-erwähnen müssen, geht cs nicht ohne Drehen und Winden, ohne einen kleinen Seitenhieb oder noick) besser ein rasches Beinstellen Lb. ltnb trotzdem, — in an vefgleichp das, ivas fie heute verkünden., fchcinbar aus dem Drang ihres eigenen Herzensheraus, mit dem, was sie noch gestern und gar vorgestern aus der Eingebung desselben Herzens verkündet haben. Unsere Gedanken, zum Teil unsere eigenen Worte sind cs, die uns eiNgegeiilönen. Wir der Feint nun wird Arbeit a n st r e n g e eiserne Wille schafts welle zur Stöckerzeit, es sei er alles in Ordnung und weitere i entbehrlich, z n in a l d i e u » l j c l> s a in n d e A r b e i t a n s i ch s e l b st. Hier muß der derer cinsetzen, die klarer sehen, als die trägen, schläfrig Blinzelnden und die von hemmungsloser Leidenschaft Geblendeten. Arbeiten müssen wir, unablässig und i m m je r von neuem arbeiten, damit sich nicht w i e!d e r h o l e, was .mir heute durchleben. Arbeite n! daran, daß aus der Gemeinschaft bürgerlich Gleichberechtigter eine Gemeinschaft de!- Herzen werde, daß aus Gruppen ii n d Grüppchen zänkischer Eigenbrötler ein deutsches! Volk mit dem Willen zur Z u k u n f t e r w a ch s e ch n d daß die d e u t s ch f ü h l e n d e n Juden! zu diesem Volke gehören. Arbeiten müssen wir nicht! für uns Menschen mittleren Alters, die wir selbst kaum noch! die Früchte jinseres Wirkens ernten werden, sondeni für unsere ■ Kinder, die Kinder der jüdischen und nichtjüdischen Menschen.! die den Willen zum Teutschtum haben und den Mut, trotz « allem das vijel mißbrauchte und viel geschmähte Wort „national" i auf ihre Fahne zu schreiben. D e n W i l l e n müssen wir haben, zUm Trotz allen Flaumachern, die nörgelnd und achselzuckend beiseite stehen, die selbst nichts tun, als die Talen der Willensmenschen zu bekritteln und herabzi^iehen. Dem Willen! soll unsere n ä ch st c Zukunft gehören, dann wird die fernere Zukunft uns Erfüllung bringen. Und darum beten wir beim Schall der Silvesterglocken nicht daruni, daß' ein gebefreudiges Schicksal uns freundlich Geschenke in den Schoß werfen .-löge, wir treten um den Willen, der das Schicksal zwingt. . ' . 4 Ich feine eisten deutschen Dichter, der gewiß nicht aus „germanisch, m" Stamme ist, penn sein Name Ningt slawisch. Er heißt Bi gislav von Selchow und seine Verse sind technisch so schlecht,!>aß die Beckmeffer unserer „geistvollen" Literatur- Zcitfchriftcn ihni die „Fehler" zu Dutzenden ankreiden könnten. Aber in die cn schlechten Versen lodert ein guter Geist, der bezwingt und an den Seelen der Trägen rüttelt. Ich weiß nichts von diesem Manne, weiß nicht, ob er alt oder jung, ob er Mitglied dieser oder jener Partei ist. Alles dies könnte ich leicht erfahren, aber ich habe mich nie darum bemüht, denn es ist mir glcichgiltig. Was ich weiß,-ist das eine, daß die Worte dieses Dichters mir an's Herz greifen, daß ich in ihnen eine Verbundenheit mit eigenem Schicksal spüre, ein Zusammenklingen des Willens zum Deutschtum, der über alle Schranken hinweg eines Tages die Gemeinschaft der deutschen Mensche« Herstellen wird. Und ich kann das, was ich deni deutschen