Der nationaldeutsche Jude
- Journal
- Der nationaldeutsche Jude
- Volume
- 1925
- Issue
- Nr. 1 (Januar 1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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feste, unerschütterliche, dem klar erkannten Ziele zustrebstnde Wille vorteilhaft sein, aber darauf kommt eS im heuligen Deutschland nicht an. Wesentlich ist. daß nicht daS Sor derleben der einzelnen Menschen und Grüppchen beeinträt ftigt werde, daß man ihnen nicht etwa -gar die Anstrengung deS UmlernenS zumute. Man mag "den Willen nicht, weil er die Trägheit stört, die Trägheit der Seele, die nur immer! sich selbst bestätigt sehen, beileibe nicht sich selbst überwinden will. Dieb gilt für die Trägen im eigentlichem, körperlichen, altersinüden Sinne, wie für die gewaltsam Jungen, ziellos Betriebsamen, ewig Beweglichen, denn auch die Bewegung gehörcht dem Gesetze der Beharrung/ daS nicht umsonst in der Naturwissenschaft daS Trägheitsgesetz heißt. So steht es um daS deutsche Bolk. Und die deutsche Ju^enheit ist stets in allem Weseittlichen daS verkleinerte, nur «hier und dort in Einzelheiten ein wenig verzogene Abbild IdeS deutschen Volkes gewesen, im Guten wie im Bösen, aber! im Bösen zumeist. Wie Deutschland um seinen Platz in der Welt, so ringt die deutsche Judenheit um ihre Stellung in Deuischland. Hier wie dort ringsum kühle, nur dem GeschäftSvosteil zeitweise weichende Gleichgiltigkeit, scheu blickendes Mißtrauen und kaum verhehlte Angriffslust, allenfalls zurückhaltende Höflichkeit, die aufwallendeS Menschentuist mit der Furcht vor eigener Bloßstellung zügelt, , nur feitest ein Einzelmensch, der genug innere und äußere Sicherheit hat. sich dem Willen zu herzlichem Verständnis unbefangen hinzugeben. lind im Inneren der so von Feindseligkeit umhegten Schar daS Stoßen und Schieben. Vorwärtsu!nd Rückwärtsdrängen der Wilden und der Zahmen, der vom eigenen Blut gepeitschten Stürmer, die jeder Vernunft zum Trotz einer übermächtigen Umwelt den Verzweiflungskampf ansagen wollen und schließlich doch nur ihre Kraft in sinnlose Plänkeleien verzetteln, und der ewig Müden, die achselzuckend, schlaff, verbittert und stets verneinend den Dingen ihren Lauf laffstn oder ihre letzte Kraft verbrauchen, um Zäune über Zäune um die eigsie Gruppe zu ziehen. Zäune zum Schutz gegen die Außenwelt, zu der sie sich selbst den Weg verbauen, ohne zu erkennen, daß die draußen, die vielfach Stärkeren jederzeit die für sie lächerlich schwachen Schranken im Angriffuiedervennen könnien. wenn einmal ihre Abneigung zum tätigen Haß1 emporgestachelt wird. Wo über in der bedrängten Schar der feste, zielklare Wille sich rstgt, steht alles im Kreise und blsckt feindlich auf den Ruhestörer, der von Menschen verlangt, daß sie die eigene Art um pes Ganzen willen bezwingen. Kein Gehetze ist so eng, daß man sich nicht noch ein wenig zusammenschixben könnte, um einen leeren Raum zu schaffen ristgS um die Mißliebigen, die den Willen haben. Dmn nichts Einigt so stark wie der Haß, sind verhaßt ist, wer sich gegen die Trägheit der Seelen wendet. Darum sind wir nationaldeutschen Juden verhaßt in westen Kreisen der Judenheit, selbst bei solchen, die uns innerlich nahestehen, die aber die Trägheit nicht, heute noch nicht pbschütteln können. Man beschimpft und verhöhnt unS. bewirft uns mit Schmutz von allen Seiten, denn allen ringsum un wir das Gleiche zu Leide, niögen sie auch Unter sich noch so uneinig sein. Wir sagen ihnen, was sie nicht gern hörstn, weil eS sie beunruhigt, wir bestätigen ihnen nicht ihre Zügellosigkeit oder Schlaffheit, die sie ewig; im Kreise herumsührt, wir peitschen sie vorwärts mit unserem Willen und sie heulen unter den Stteichen. Wir stellen unS ctuch nicht mit betulicher Geschäftigkeit in ihre Reihens um zu leimen, waS morsch! ist und doch immer wieder auseinanderbreche» muß, wir zjertrümmern, waS kernfauler Plunder ist,, um Raum zu schaffen für Gesundes und Lebenskräftiges. Und wir sehen ihnen nicht aus den Mund, um beifallSlüstern ihre eigenen Worte zu sprechen, wir sprechen unsere eigene Sprache und die llingt ihnen rauh und verletzend, denn die Sprache des Willens erschreckt, weil sie fordert. Vielst von ihnen wiffen oder empfinden es wohl, daß unser Weg der, richtige ist und der einzige, der zum Ziele führen kann, über .die künstlich errichteten Schranken hinweg hinein in daS Deutschtum, daß doch die meisten von ihnen trotz aller Selbstabschliepung im Herzen ersehnen. Aber trotzdem versperren sie uns dstn Weg, dmn sie fürchten die Anstrengung und die Schrammen, j die das Zerbrechen der Schranken mit sich bringen könnte. Und sie belauern uns auf Schritt und Aritt, um unsere Blöße.zu erspähen, um uns und vor allem sich selbst zu beweisen, daß man die Schranke nicht sprengen dürfe und könne.! Man sagt unS, unsere Bewegung sei gebunden an daS mittlere Alter und die jüdische Jugend! stehe nicht hinter unS. Es ist kein Zufalls daß gerade dieser Einwand immer wieder erhoben wird. Er gibt die Halbwahrheit her Verblendete», denen Leidenschaft oder Schlaffheit den Blick beengt, die von den Dingen nur sp viel sehen, wie sie sehen! wollen. Wir haben unsere Jugend, die zu unS steht und mit uns kämpft, aber es ist eine Jugend anderer Art, alS die umeifen Fanatiker der Zionisten und die schlaffen Disputierer, die Kinder zwischenschichtlicher Achselzucker. Unsere Jugend berauscht sich nicht an eigenem Geschrei und sie zergliedert nicht altklug eigene Art. Sie hat den ruhigen, den stillen Willen, sie has auch die Kraft, aber sie.verschwendet die Kraft nicht in fruchtlosem Lärm und noch fruchtloserem Geschwätz. Dafür weiß sie zu lachen, wie nur der lachen kann, der seiner selbst bewußt ist und den aufgeregtes Gezänk nur belustigt, nicht erregt. Wir sind zufrieden mit unserer Jugend. Sie wird wortlos inS Glied treten, wo einer von uns älteren Kämpfem fällt. Man sagt uns weiter, wir hätten keine! Erfolge. Das heißt auf deutsch: es ist unS bisher nicht gelungen. den Antisemitismus mit Stumpf und Stiel auszurottest, trotzdem wir doch schon seit mehr als drei Jahren arbeiten.! Der Einwand kommt unS nicht unerwartet. Wir haben ihn! vorausgesehen und vorausgesagt, als im Herbst 1921 das erste Heft unserer Zeitschrift mit dem «Programm der nationaldeutschen Juden" erschien. Dort steht es schwarz auf weiß, und wir erkennen lächelnd die eigene Prophetengabe: «Wir wiffen, die Arbeit wird hart und langwierig sein und wir werden den klugen Leuten, die uns. schon morgen nach unseren Erfolgen fragen werden, sticht allzuviel vor- - weisen können. Aber der ist kein rechter Arbeiter, der die Arbeit liegen läßt, wenn chm nicht schon am ersten Tage daS Werk gelingt." _ Hätten wir wirklich bisher nichts, nicht daS Geringste erreicht, — es wäre kein Grund, die Arbeit aufzugeben, hie im Voraus auf viele Jahre berechnet war. Würden wir unS darauf beschränken, nach bewährter Art den «Antisemitismus zu bekämpfen", so könnten wir gewiß leichter .Erfolge" ausweisen, die auch dem Verständnis der stumpfen Masse faßlich sind, aber wir hätten nichts getan für den wahren Erfolg, der in der Zukunft liegt. Man mag Dutzende echter und unechter Antisemiten verprügeln, auf der Mensur «abstechstn" oder wegen irgend einer Gesetzesverletzung vor den Strafrichter schleppen, — nicht ein einziger Antisemit wird darum weniger in Deutschland sein. Der Einzelne mag sich wehren, wenn seine persönliche Ehre verletzt wird, aber die Grundstimmung zwischen Nichtjuden und Juden wird durch solche Einzelvorgänge nicht berührt. Und solange diese Stimmung besteht, wird sie stets neue Vorgänge gleicher Art gebären. Die Grundstimmüng selbst gilt es zu ändern, und dies kann nicht von heute auf morgen geschehen, denn die Wurzeln deS Nebels liegen nicht in unserer Zeit. Vor Jahrzehnten, zu den Zeiten unserer Väter und Großväter hätte die Arbeit einsetzen muffen, die wir schließlich vor wenigen Jahren begonnen haben, die Arbeit der gefühlsmäßigen, nicht nur bürgerlich-rechtlichen Eindeutschung der deutschen Juden. WaS damals versäumt worden ist und biS in unsere Tage herein immer wieder versäumt wird, kann nicht im Hankrumdrehen gutgemacht werden, zumal die trügest Seelen, die unS den Mangel an äußeren Erfolgen vorwerfen, selbst die Hindemiffe bauen, an denen unser Fortschritt zum Stillstand kommen soll. Umsonst, ihr Lieben! Wir schreiten über die Hindernisse hinweg und unser Weg bleibt der gleiche. Wie klein und bedeutungslos sind, an dem Gesamtproblein geinessen, alle die Einzeldinge, die unS die Gilde der Flaumacher «nt-1 gegenhält. Was heute geschieht und vielleicht auch morgen und übermorgen noch geschehen wird an Zurücksetzung und Kränkung der Juden, erweist eS wirllich, daß der Haß heute! größer ist, als er gestern warr Sind diese Einzelvorgänge nicht oft nur die äußeren Merkmalst einer Krankheit, Die schleichende im Inneren des VolkSkörperS weitergefreffen hat, während der Ansteckungsvorgang selbst viele Jahre zurückllegtk Der Ausbruch des Leidens mag den unmittelbar Betroffenen Schmerz und Erschütterung bringen, und diese werden freilich heute empfunden. Aber dafür, daß die heutige Zeit eine besonders schlimme, für die Zukunft bedrohliche sei, sagen diese Dinge nichts. Daneben fehlt es gewiß auch nicht an bösen Erscheinungen. deren unmittelbare Veranlaffung in neuester Zeit liegt. Aber auch diese sind nur erklärbar aus der allgemeinen Vergiftung der Atmosphäre, in der wir heute noch leben müssen, und zur Reinigung dieser Atmosphäre tragen wir nichts bei,, indem wir daS Leid des Einzelnen in alle Wstlt posaunen,, als sei damit daS Wesen der Ding« getroffen. Hygiene