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Der nationaldeutsche Jude · 1925-01-01 · Nr. 1 (Januar 1925) · p. Seite 2

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Journal
Der nationaldeutsche Jude
Volume
1925
Issue
Nr. 1 (Januar 1925)
Date
1925-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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— 2 — 1. Kundgebungen des V erstandes. (. Mitteilungsblatt. Das Mitteilungsblatt erscheint in Aukinft unter Dbertitel „V«r nationaldeutsche Ipde". Aus nerlagstechnischen Gründen wird die vorliegend», eigentlich zu Ende Dezember 1924 fällige Nummer als Nr. 1 des Jahrganges 1925 zu Anfang Januar hrrausgec eben. 3n der Folgezeit werden die Nummern jeweilig in der ersten Woche des Monats erscheinen. ->■ 2. Mahlen zum Verbandstag de» preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden, wer die Anmeldung zu den Wählerlisten bisher etwa versäun t hat (den Groß-Bcrliner Mitgliedern ist im Dezemberj nochmals eine hesondere Aufforderung zugegangen), melde sich und seine großjährigen J »i m i 11 cii an »j f h-ö rigen sofort nachträglich jüdischen Gemeinde, N 24, Granienbnrgerstr. 29). Postkarte mit Angabe des Vor- und Zunamens, der Wohnung und des Wohnsitzes in j?renßen e in jiiljt vor 4. j a n ti a r 192 4) genügt. Die jetzt noch sofort ei, gehenden An Meldungen werden als Ginsprüche gegen die Wählerliste behandelt, treffen also noch rechtzeitig ein. (Für G oß-Berlin Ablauf der Ginspruchsfrist: 12. 3 a n » a r 1925.) e d e r k ä m p su n g d e r z i o n i st i s ch e n che Vaterland bedroht. Niemand versäume seine Pflicht. Gs Handel: sich um N G e f a h s, die uns selbst, vor allem unsere Zugend, und d is ganze deut 3. vierteljahrsbeiträg«. Der Beitrag für dap erste Aalenstervierteljahr 1925 ist wiederum, wie bisher, auf 3 A t i ch s in a r k festgesetzt worden, von M i t g I i zuversichtlich dre Zahlung wesentlich höherer Bet ring e m Ginko nt nt e ii zahlen nach 5 e l b st e i n s ch ä tz n n g den B.« trag, den sie aufbringen zu können glauben. "7T3P an (für Gr>ß-Berlin Anschrift: An den Vorstand der Auslegurg der Wählerliste (für Groß-Berlin: e d e r n in günstiger Vermögenslage wird äge erwartet. Mitglieder mit g e * Wer trest an unserer Sady hängt, aber zu- Beitragszahlungen garnicht trotzdem hnfredst erhalten. in der tage ist, niöge seine Mitgliedschaft Der Vorstand. IcK will! Eine l^eujrkrsbetracdt Von M a; N a u m a n n. ung. Zwei Arten gibt es, die Jahreswende zu begehen. Der Eine, der Don dem alten Jahre nichts gewonnen hat und von dein neue« nichts «erhofft, straft die bedeutungsvolle Mitternachtsstunde mit Verachtung imd zieht gekränkt um elf Uhr die Schlafdecke über die Ohren. Der Andere nötigt sich mit?llkohol, Narretei und gemachter Ausgelassenheit die vorgeschriebene Stimmung auf. verdrängt das Missen um eigenes Komödiantentum in die dunkelsten Tiefen des Unterbewußtseins und - begrüßt mit Jubelheschrei den Glockenschlag, der den Beginn eines neuen Zeitabschnitts kündet. Beide aber beten im Stillen wie gläubige Kinder: Lieber Gott, schenke mir im Neuen Jahre dies oder das! Schenke mir — das ist der Grundton aller Neujahrswünsche.'ffir den mißvergnügten Schläfer )oie für den gemaltfam vergnügten Zecher. Der eine wie der andere erwartet alles, was er eftüllt sehen möchte, -von der Geberlaune des eigenwilligen Schicksals.T Fast jeder betet um die Gestalt des künftigen Geschicks, aber kaum einer um die Kraft, das Geschick selbst zu gestalten. Kaum einem wird der Zukunftswunsch ztim Willen, hie Zukunft zu meistern. Wie sich Verdienst und Gluck verketten. Das fällt den Toren niemals ein. Verdienst, das heißt in Goethes altväterischer und doch ewig junger Sprache nicht klingender Gewinn, dürch zw-i Geschäftsbriefe oder ein Ferngespräch „hereingeholt", mit der Zigarette äst Mundwinkel. Verdienst und Glück verketten, das heißt: sich! l seihst sein Glück verdienen. Wer denkt, wer versteht heute noch dieses schlichte Wort, das vom Dienen hergeleitet ist? Ein veraltetes, ein lächerliches Wort für uns Menschen einer abgehetzten, technisierten Zeit. Es schmeckt nach langsamer, l zäher, zielsicheret Arbeit, ohne, dse Sucht nach dem knalligen Asigenblickserfolg, Nach Arbeit in dem bescheidenen und^doch Sicherheit gebenden Gefühl, einer zu sein, der zu anderen gehört., Nach^Arbeit, d'ie sich gelassen.und doch fest Schritt für Schritt vorwärts schiebt, die nicht! hastet in atemlos flatternden Sprüngen und doch nicht schleicht mit müde schleppende-^ Knien. Wer mag heute noch solche Arbeit leisten? Es wir die Arbeit der sagenhaften Zeit, in der das mittlere Alter :ioch etwas galt, das Alter der ruhigen Entschlossenheit oh le jugendlichen Ueberschwang und ohne greisenhaftes Verzage: ä la mode. M los, man grei Die mittleren Jahre sind heute nicht mehr m ist jung, sprudelnd, grausam und hemmungst rücksichtslos zu und läßt empfindsam wieder los, man jauchet, bejubelt sich selbst, rennt vorwärts und verfehlt das ZiA, weil mant sich nicht Zeit nahm, es klar ins Auge zu fasse t. Oder Man ist alt, betont alt und schlaff, geiswoll skeptisl) und hoffnungslos träge, man greift nicht erst I zu, weil vielst icht die Kraft nicht zum Festhalten auSreichen könnte, man streitet nicht erst aus, weil unterwegs Mattigkeit sich eiastellen oder vielleicht gar ein Hindernis sich zeigen möchte, Ganz jung oder ganz alt sein, das ist die große Mode unserer Tage. Und da modische Tracht bekanntlich nicht gerade an daS Leben-alter gebunden ist. sehen wir alte Kinder die Möglichkeiten i hrer Jahre an % geckenhafte Nichtigkeiten oder ziellosen Fanati smus verschwenden, sehen wir jugendliche Greise ihre Sonnenja jre - in muffigen Schattcnwinkeln disputierend verhocken. Aber einig sind die Alten und die Jungen, die Müden und die Ueberschwänglichen, gegen die Menschen der Mitte, des Wil ens und der gelassenen Kraft. Man meint, sie paßten nicht in die heutige Well. Wille und Kraft waren die Mode von vorx estern — man trägt sie nicht mehr. Es stünde besser um Deutschland, wenn man sie wieder hervorzöge. M:hr als ein Jahrzehnt schon werden wir hin und her geworfen zwischen Ueberwilden und Ueberzahmen, zwischen flackert den Stürmem und tatscheuen Verzichtern, und es ist uns ziimlich gleichmäßig schlecht ergangen, ob nun gerade die eim oder die andere Gattung am Ruder war. Nur wenn zw schendurch einmal der ruhige, phrasenlos besonnene Wille las Steuer ergriff und bescheidene Anzeichen kommenden Gleichgewichts sich zeigten, waren sofort die Wilden und die Zahn en darüber einig, daß dieser Willensunfug „untragbar" wcre. Würde es so fortgegangen sein, so hätten vielleicht gar di! Raschen sich zähmen und die Langsamen sich aufraffen müssen, und das wäre denn doch gegen alle Bequemlichkeit gewesen. Für das Ganze, das Gemeinsame mag der

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