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Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V. · 1924-11-01 · 5 (November 1924) · p. Seite 8

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Journal
Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
Volume
1924
Issue
5 (November 1924)
Date
1924-11-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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jüdischer Deutscher füdlt er sich berechtigt, zu einer deutschen > Frgge, wie es die Ostjudenfrage ist. Stellung zu nehmen. > Diese Klarstellung wird natürlich nichts nützen. Die „hochangesehenen" Verleumder werden weiter ihr Handwerk betreiben. Einen aufrechten Mann, wie es Herr Köhler ist., wird dies ebenso wenig stören wie uns selbst. Die Meute Von einem Mitglied aus Süddeutschland, einem jungen Rechtsanwalts erhielten wir folgendes Schreiben, das wir zur Kennzeichnung der Art, in der gegen uns gearbeitet wird, unseren Lesern nicht vorenthalten wollen: . . .^Es wäre mir viel daran gelegen gewesen, Ihnen die groszen Schwierigkeiten zu schildern, die mir persönlich aus de» Arbeit für unsere Bewegung erwachsen. Eine regelrechte s Bonkottbewegung. hat hier in den Kreisen des . folgt der Name eines jüdischen L«ereins> und bei den diesem Verein und den östlichen Herrschaften nahe stehenden Kreisen gegen mich eingesetzt. In der nächsten > Ht mus? ich mir, so schwer es mir auch fällt, unbedingte , Zurückhaltung auferlegen: denn ich würde nicht nur den Aufbau meiner Praris gefährden, sondern auch mit dem Verlust eines grasten Teils meiner bis jetzt gewonnenen Praris zu rechnen baden. Die Gefahr ist deshalb für mich so grast, weil mein eigener Vetter der Hauptträger - der gegen meine Person gerichteten Agitation ist und meine ^Arbeit für den Verband zu Angriffen in sämtlichen jüdischen Kreisen benutzt. Es wurde mir deshalb von mir persönlich und in Gesinnung nahestehenden Leuten ans Herz , gelegt, vorläufig auf eine aktive Tätigkeit zu verzichten .... Ich betone nochmals, dast meine Furcht vor.dem wirtschaftlichen Ruin auf durchaus reellen 'Grundlagen beruht: würde ich nicht von den verschiedensten Seiten auf den > mir drohenden Bonkott hingewiescN worden sein, der auch in linksgerichteten Arbeiterkreisen mit dem Vorwurf krebsen; geht, ich sei arbeiterfeindlich, ich würde niemals mich zu 1 der Ihnen erklärten vorläufigen Zurückhaltung gezwungen > gesehen haben . . . .' Jüdischer Antisemitismus in England — und bei uns. Die englischen Zionisten geben sich die grösste Blühe, f der Iudenfeindschaft auch in England, wo sie bisher erst teil- > weise durckgedrungen ist, zum vollen Siege zu verhelfen. Als s liberaler Kandidat des Ostjudenviertels Whitechapel! «London» war ein Herr Nathait aufgestellt, der seinen Wähletn erklärte, sie hätten „das volle Recht, zu ver- . langen, dast ihr Vertreter im Parlament als Jude für die jüdischen Interessen ein tri 11". Der tüchtige Herr, der sich im «Gegensatz zu seinem deutschen! «Gesinnungsgenossen Georg Bernhard auch persönlich l offen als Zionisten bekennt, ist übrigens bereits bei der Wahl! durchgefallen, während 14 andere Juden, bezeichnenderweise! Mitglieder der verschiedensten Parteien von den Konservativen bis zur Arbeiterpartei: gewählt würden, sind. Diese 14 Juden bekenne nsich allerdings im Gegensatz zu den Herren Nathan und Bernhard zu der Ansicht, dast in ein e n g l i s ch e s' Pä r l a m e n t nur Leute gehören, die englische Interessen vertreten. Die unterdrückten Ostjüden. 1. In Hamburg soll in nächster ^eit eine Vierteljahrsschrift „Der Ostjude im Westen" in siebe "Sprachen erscheinen 7L. T. A.). ' 2. In Paris ist eine Wochenschrift in jiddischer Sprache gegründet worden «I. T. A.). 3. In Berlin gibt es nach der «zionistischen) I. T. A. 28 «achtundzwanzig) o st jüdische Vereinigungen. 4. In Hamburg wurde eine aus dem Osten stammende Aerztin pegen Körperverletzung und Beleidigung bestraft. Sie hatte in der Strastenbahn Streit mit anderen Fahrgästen gehabt und ihren (Gefühlen durch die Worte Ausdruck gegeben: „Ihr Deutsch«» seid doch alle gleich. Die gleichen Rüpel und Flegel, wohin man sieht." Als ihr daraufhin von einer andLren Dame, empfohlen wurde, ihren Wohnsitz nach Palästina zu verlegen, entwickelte sich eine Ohrfeigen-Angelegenheit, die mit-der oben erwähnten Bestrafung endigte «Hamburger Fremdenblatt 7. Oktober 1924). Gefälschte Aufnahmegesuche. Unter den vornehmen Kampfmitteln, mit denen unsere G>egner arbeiten, fand sich in letzter Zeit mehrmals auch die Einsendung gefälschter Aufnahmegesuche, die meist auf den Namen übelberüchtigter Personen oder getaufter Juden lauteten. Wir können den Witzbolden, die sich in dieser Weise betätigen, nur empfehlen, das Porto zp ersparen. Unser Verband nimmt niemanden als Mitglied lauf, der nicht anderen Verbandsmitgliedern genau bekannt und von solchen empfohlen ist. Melden sich unbekannte Personen, so finden vor der Aufnahme gründliche Ermittelungen über einwandfreie Persönlichkeit und deutsche Gesinnung statt. „Was anders lache zu beginnen, des Chaos wunderlicher «ohn!" Blau-Weih. Die zionistischen Blau Weih-Vereine, die aus der Anköderung unserer Jugend eine Art Sport machen, operieren vielfach damit, dast sie Aussicht auf landwirtschaftliche Tätigkeit in Palästina machen. Die Jüdische R u ndschau veröffentlicht in Nr. 88 vom 4. November >1924 ein „Eingesandt" aus Palästina, in dem es heistt: Die Zahl der in Erez Israel «Palästina) in der Landwirtschaft arbeitenden Blau-Weihen erreicht nämlich heutzutage höchstens dreistig Menschen, die im ganzen Lande verstreut arbeiten. Kückersckau. Jüdische Flieger im Weltkrieg von Felir A. Th eil -Haber «Verlag der Schild, Berlin 1924». Ein Buch, dem mir weiteste Verbreitung bei Juden und vor allem bei Nichtjuden wünschen, obwohl es das literarisch mangelhafte 'Wert eines wenig sympathischen Verfassers ist. Theilhoiwr-fst ein zionistischer Fanatiker der hemmungsloseste» Art: er hat früher durch böle Taktlosigkeiten unliebsames Aufsehen erregt. Auch aus seinein Fliegerbuch lugt die zionistische Gesinnung mehrfach in peinlicher, den Gesamteindruck störender Form hervor. Das Buch selbst ist im Aufbau wirr und un- . übersichtlich: die Spkache vielfach recht übles Zeitungsdeutsch. Und dennoch — ein lesens und verbreitenswcrtes Buch. Was ihm den Wert gibt, ist der darin zusammengetragene Tatsachenstoff. Aus ihm ergibt sich — trotz der» vom Verfasser selbst hervorgehobenen Unvollitändigkeit des zur Verfügung stehenden Materials — in einer für jeden, der guten Willens ist. schlechthin überzeugenden Form, dasz die von „deutschvölkischen" Ehrabschneidern in Umiauf gesetzten und leider vielfach geglaubten Behauptungen über Zahl und Leistungen der jüdischen Frontsoldaten auch insoweit falsch sind, als sie die Fliegerwaffe betreffen. Nicht nur zu Wasser und zu Lande, auch in der Luft haben die deutschen Juden ihre Schuldigkeit und mehr als ihre Schuldigkeit getan, ohne Rücksicht auf ihre Stellung zu Judentum und Deutschtum. Zionisten so gut wie andere, die sich mit ganzem Herzen zuin> deutschen Volke bekannten. Und erschüttert lesen wir in den von dem Verfasser mitqeteilten Briefen und Zeugnissen, wie diese von stürmischem Tatwillen Lortgerissenen Menschen sich zu der höchsten aller Kriegsgefahren geradezu gedrängt und über alte Widerstände hinweg ihre Zulassung erzwun«» haben, nicht nur die vom Rausch der Ipgend beschwingten, nein auch viele ältere, deren Wesen zähe Willenskraft war. Viele, die meisten von ihnen, haben die Erfüllung ihres Strebens mit ihrem Leben bezahlt. Und es ist eine der widerlichsten Erscheinungen der Nachkriegszeit, das, die Hetzarbeit gewissenloser Verleumder, von denen viele selbst die viereinhalb Blut- und Eiseniabre fern vom Schuh in Heimat oder Etappe versessen haben, nicht einmal vor den Gräbern dieser Helden haltmachten. Wenn heute von den vielen Juden, die bei Kriegsbeginn begeistert ins Feld gezogen sind, ein Teil sein Deutschtum vergessen hat oder zu vergessen beginnt, wenn ein Teil von ihnen heute nicht nur dem fleihigen Statistiker, sondern auch dem aufgeregten Zionisten Theilhaber beipfljchtet, — die beschämende Undankbarkeit, die den jüdischen Kriegern zuteil geworden ist. hat nicht wenig zu dieser vom vaterländischen Standpunkte tief beklagenswerten Entwickelung beigetragen. Der Rei chsbund jüdischer Frontsoldaten, in dessen Verläg das Buch «mit einem Vorwort des ehemaligen Inspekteurs § der Fliegertruppen Oberstleutnant Siegert) erschienen ist. hat der Schrift eine vorzügliche Ausstattung mij reichlichem Bilderschmuck gegeben. Unter vielen der Bildnisie steht das Todeskreuz. Aber einige von denen, die damals als Flieger den Namen „Jude" zu Ehren gebracht haben, sind noch heute am Leben und Wirken. Einer von ihneitz der Segelflieger Ledermann, hat erst kürzlich wieder gezeigt, was ein wagemutiger, von eiserner Willenskraft beseelter Mann — trotz schwerer Kriegsbeschädiqung — auch heute noch zu leisten vermag. Mögen die Toten und die Lebenden dieses Schlages unserer Jugend ein Vorbild sein. jZä. dl. Hawdolob und Zapfenstreich von Sammn Gronemann «Jüdischer Verlag. Berlin 1924). Die „Erinnerungen an die ostjüdische Etappe", die der Verfasser züsammenträgt und die Magnus Zeller, mit

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