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Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V. · 1924-11-01 · 5 (November 1924) · p. Seite 5

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Journal
Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
Volume
1924
Issue
5 (November 1924)
Date
1924-11-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nichtiuden handelt, gegen alles, was andeutsch ist. wenden, können wir damit rechnen, dah man auf nichtjüdischer Seite uns Vertrauen entgegenbringt. Ist es nicht Heuchelei und Unehelichkeit, immer nur zu rufen „natürlich bin ich Deutscher", aber dann im Augenblick zu versagen, wo das Interesse des Deutschtums es verlangt, auch gegen Juden sich zu wenden? Steht das Deutschtum in unserem Gefühl an erster Stelle, so muh man danach handeln. Steht das Judentum lnatürlich nicht im religiösen, sondern im Volkssinne) an erster Stelle, so hat man keinen Anspruch, als Deutscher angesehen und behandelt zu werden. In dem oben erwähnten Ausruf steht auch der Satz: „Unser Deutschtum war unsvon Kindheit an etwas Selbstverständlich«^, uyd über Selbstverständliches sprachen wirnicht. Aber andere erhoben ihre Stinzmen, die anders fühlen als wir. und wir nfuhten erfahren. datz man glaubte, ihr Gebaren drücke das Wesen aller deutschen Juden aüs. Drum dürfen wir jetzt nicht mehr schweigen. Grhört werden müssen wir hüben und drüben, von unerweckten Juden wie von schlechtunterrichteten Nichtjuden." Wer ehrlich sein will, muh zugeben, dah diese Worte den Nagel auf den Kopf treffen. Nicht wir haben damit aiigefangei». die Judenfrage öffentlich zu erörtern. Ist es vielleicht der Verband nationaldeutscher Juden gewesen, der zuerst durck grelle Plakate an allen Anschlagsäulen und riesigp Inserite in den Tageszeitungen für die Idee des Zionismus, de; völkischen Judentums, warb? Wir nationaldeütschen Juden muhten an die Oeffentlichkeit gehen, solltel das der Ische Volk nicht deutsches Judentum und jüdischnationalos Judentum gleichsehen. Die damaligen Gründer des! Verbau »es und wir alte, die wir heute für das Ideal des!Natipimldeutschtums in der Judenheit kämpfen, wären gewif froh, wenn dieser Gedanke Gemeingut aller deutschen Juden wate. Dah dies nicht so ist. haben jüdischnationale Kreise um» die Zwischenschicht lange vckr Gründung unseres Verbandes der Oeffentlichkeit wahrlich nicht vorenthalten. Wir wissen, dah es auch auherhalb unseres Verbandes viele virklich nationaldeutsche Juden gibt, die teils aus Gleichgültigkeit, teils aus Unkenntnis infolge falscher Information über unsere Bestrebungen noch nicht den Weg zu uns gefunden halben. Auch diese Kreise haben allzu lange geschwiegen. Die .^andere Seite", die grohe Masse der deutschen Nichtiuden, muh endli h auch die Stimmeder nationaldeutschen Juder vernehmen, damit sie nicht glaubt, es gebe nur Zionisten und Zwischenschichtler. „Gehört werden müssen wir",! sagt de Aufruf. Ja. es ist richtig, gehört werden müssen w,r. auch wir. Dies ist aber wieder nur möglich, wenn wir! uns an die Presse der Kreise wenden, die den deutschäesinnter Juden nicht kennen oder bisher nur Falsches über ihn erfahren haben. Der Weg ist hart ünd dornenvoll! Aber nichts, darf und wird uns abhalten.! ihn weiter zu gehen. Nicht die Harthörigkeit „deutschvölkischer" kreise, nicht der Zorn und die ohnmächtige Wut der Zioristen und Zwischenschichtler. Wir sind in den drei Jahren Ve:bandsarbeit. die hinter uns liegen, unserem Ziel näher gekommen. Wer das „Echo der Presse" unseres Mitteilungsblatte; liest, weih, dah unser Puf allmählich gehört wird, dah immer weitere Kreise rhnz das Ohr öffnen, dah gerade politisch hervorragende, durchaus nicht von Hause aus „philosemiiische". aber ruhig »nd vor allem ehrlich denkende! Politik r. Wissenschaftler. Geistliche immer wieder auf unsere I Bestreb» ngen Hinweisen,als auf den einzigen Weg. der zum Ziele fühlen kann.! Wir wissen, dah wir auf de n richtigen Wege si^id, und wir gehen diesen Weg »heiter bis zum Ziel, das chir eines Tages erreichen werden: „Deutsche! unte» Deutschen,! Gleiche unter Gleichen." Vermißtes. ^vie Wahlparole des Central-Vereins. Wohlverstanden: —j die Parole für die jüdischen Wahlen. Mit der vom! Central-Verein für die deutschen Wahlen ausgegebenen Parole können wir uns n cht beschäftigen. weil wir danjit das Gebiet der Parteipclitik betreten mühten, von her wir uns grundsätzlich fernhalten. Für die jüdischen Wahlen lVerbandstag des Landesverbandes jüdischer Gemeinden) hat der Central-Verein. wie sich unsere Leser erinnern werden. Richtlinien aufgestellh deren Kernworte lauten: Ge^g e n den Zionismus! Keine Stimme für eine Liste, auf der ein Zionist steht! Sofort nach dem Bekanntwerden dieser Parole — die bezeichnenderweise gegen den Willen des C-'B.-Vorstandes von dritter Seite veröffentlicht worden ist. — äuherten wir Bedenken darüber, ob die in der Theorie höchst erfreulich klingenden Grundsätze in des Praris würden durchgeführt werden können. Wie berechtigt unsere Bedenken waren, zeigt ein Artikel der „Jüdischen Zeitung für Ostdeutschland" <Nr. 40 vom 21. November 1924), in dem es heiht: Wir konnten in unserer Freitag-Nu der CV. die Wahlparole zurü Was war geschehen? Etwas sehr Gesundes: die Masse mer melden, dah gezogen hat. der CV. - M i 1 g l i e d e r und ihr fühl waren stärker als Herr Anhang am grünen Tisch des sich die Geschichte dieser Wahlparole — zu den klügsten und pvlitischsten Taten mehr übersehen. Heute kann inan den! üdisches Ge Brodnih und!CV. Heute Iaht die nicht gerade des CV. gehört, langsanten. aber steten Kampf der Provinz mit Berlin deutlich verfolgen. Kurz nach Bekanntwerden der antiz!ionistischen Wahl parole des CV. wurde bekannt, dah Ostpreiihen und Frankfurt a. M. Einheitslisten aufgestellt haben. Der erste Schlag. Es sollte noch besser kommen. Auch Kassel stellte -eine Einheitsliste' mit Zionisten und Konservative» auf. In Magdeburg wurde am ß3. Oktober eine Resolution mit groher Mehrheit angenommen, dah die »en 30. Versammlung „mit allem Lkachdruck an suchen richte, eine Einigung der Aufstellung gemeinsamer Die Ortsgruppe Halle sprach am Haftes Bedauern aus. dah der CV. . Parieilehen eingegriffen hat". Auch in H die antizionistische Parole des CV. schärf gleicher Zeit empfahl der Rabbinerverb« nd siens im Gegensatz zum CV. Einheit-listen. Schliehlich hat auch die Ortsgruppe Breslau eine Resolution gegen den Hauptvorstand gefaht. ^Sie hat folgenden Wortlaut: CD. das Er jüdischen Parteien zur Listeil" herbeizuführen. Oktober „ihr leb i r das innerjüdischc > annove r'wurde kritisiert. Z» Oberschle „Die Ortsgruppe Breslau Vereins lehnt di^ radikale des Ccntral- Formulierung das indische der Wahlparole des Hauptvirstandesvvm 14. September 1924 als die Ej „ gkejt des deutschen Judentums und den Bestand des CV. gefährdend ab. Ein irgendijoie geartetes Z u sammengehen mildem Na »s mann-Bunde wird rundweg abgelehnt." j Diesem starken Ansturm war selbst Herr Brodnih. der vor einiger! Zeit das unvergebliche Port geprägt hat. die jüdisch-hebräische Weltkulhur schade der jüdischen Religion «er ist ja bekanntlich Mitglied der Reformgemeinde. man kann also eine allzu richtige Auffassung vom Wesen der jüdischen Religion nicht.verIangcn!>. nicht gewachsen. Der Wahlaufruf des^ CV. wird praltisch n i cht bc folgt werden. Der gesunde Verstand und Gefühl der Zusammengehörigkeit mit dein Gesamtjudentum und seinen grasen Aufgaben hat über die verkäme Bürokratie der Berliner Zentrale gehegt.') . - Der von dem Alljuden-BIatt angepöbolte Herr Justiz rat vr. Brodnih ist der Vorsitzende dels Central Vereins. Das Blatt selbst steht in enger Verbindung mit einem anderen Vorstandsmitglied des Central-Vereins, dem Breslauer Rechts anwalt Foerder. Mit Rücksicht auf die wörtliche Per öffentlichung der von der Ortsgruppe Breslau, deren Schriftführer Foerder Ist. angenommenen Entschliekung und auf Grund gewisser anderer Anzeichen ist mit zunehmen, dah dtt Artikel der „Jüdischen deutschland" entweder von Foerder selbst ihm oeranlaht wbrden ist, wenn nicht unmittelbar, so doch durch einen seine» Getreuen in der Breslauer C.-V.-Gruppe. Es bleibt abzuwarten, wie sich der C.-V.-Vorstand und Herr Justizrat Brodnih persönlich zu diesem „Doljchstoh von hinten", wie Herr Foerder sagen würde, verhalten werden. Nachrichten darüber, dah Ortsgruppen »es Central Vereins im Reiche sich offen gegen die Weisungen dos Hauvtvorstandes aufgelehnt und entgegen diesen Weisungen! Einheitslisten mit Zionisten ausgestellt haben, sind uns auch unmittelbar mehr fach zugegangen. Wir behalten uns Einzelheiten für einen späteren Zeitpunki vor. Dah dem C.-V.-Vorstand bei dieser offenen Rebellion nicht wohl ist, erscheint begreiflich. Immerhin ist es eigenartig. dah die Wortführung in dieser heiklen Angelegenheit gerade Herrn Rabbiner vr. Felir Goldman» überlassen Vestimmtheit an Zeitung für Ost zerrührt oder vön wird, der selbst »ine Sonderstellung insofern öinnimmt. als er den Keren-Hajessod-Aufruf unterzeichnet hat und trotzdem nock st an des ist. Keren Hajes sucht in einem l< ngeren Artikel <Nr. 43 der C.-V.-Zeitung ') Sperrungen leitung. heute Mitglied des C.-V. Vor der sich entschieden gegen den od erklärt hat. Hejcr Goldman» verzum Teil von uns vorgenommen. Die Schrift-

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