Mannheim
Compact Memory

Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V. · 1924-11-01 · 5 (November 1924) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
Volume
1924
Issue
5 (November 1924)
Date
1924-11-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/5438908-5438635-5438766--234-4871218
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

4 in dem sonst zweifelhafte Bälle stattfinden? Warum darf d.e r deutsche Jude der Gegenwart, der nicht Dutzende Gebete ..sagen" will «man beachte diesen im Kultus üblichen Ausdruck!!», nicht auch „nach seiner Fasson" selig werden? Wer freilich mit einem „Entweder alles oder nichts" alle Vorschläge ablfbnt, mit dem ist nicht zu reden. Aber die jüdischen t.' ibe r.a l e n . die ja in vielen Gemeinden die Macht haben, sollten den! hier nur ganz kurz skizzierten Vorschlag der „Weiheitunde" «bei der auch der Rabbiner nicht ausgeschältet sein ioll^ auf seine Brauchbarkeit und seine religiöse Bedeutung bin prüfen. Dder wollen auch die Liberalen jenem Arzt gleichen, der da sagt: mag der Patient zugrunde geben, weßn er nicht durch mein e' Medizin gesund wird?? Ln einigen Grotzstadten gibt es gewitz Örgelsnnagogen mit bülächem Damenchor und stimmgewaltigem Vorbeter. Allerdingsj: aber nutzer an den drei- Haupkseiertagen geht doch nur ein Bruchteil der dort ansässigen jüdischen "Bürger bin. Auch diese Tempel müssen die bemühten 514 Leiten absoloieren .... Ich höre den höhnischen Einwand: also ein, Konzert Natt eines Gottesdienstes! La. sch, habe Ausführungen des Häiideltzt'cti „Meiiias" und des Bräkmsschen „Requiem" erlebt. in djcnen allerdings eine andere Andacht herrschte als beim obliöalen Lchnchoris der Minjemäimer. Welche Art oon Andetchtsübung i«n übrigen der Gottheit wohlgefälliger «ein »mg. quöchte ich nicht gern untersuchen. Man treibe doch nicht den Luden aus her Geineinschaft, der seinen!Gotl nicht nach dem Datum des Kalenders, sondern «vo.nlan »ach ddc Tiefe eines Erlebnisses - in der Wald cinminleil'oder auf dem Bergesgipsel — sucht. Es ist nicht io. das« io« pieke bedeutende Geister aus dem Judentum lediglich aus .^Feigheit" oder aus „Karricregründeu" «absurd im Zeitalter hes ,.R aiien antiieinirismus"» auskreten. Musiker «oie. Mabler. Korngoly und Klenrperer, Gelehrte wie Haber und'Reiizcr haben sich losgcsagt, andere, wie Einstein, ballen lediglich zur jüdischen ..'Ration": mutz er so bleiben, da!; genaue die differenziertere» Raturen, die Zierden ihres Tl.ridnie-dein jüdischen Glaube» gegenüber gleichgültig ge .nacht werden'.'' J,!> li 're: vor Gott sind alle gleich. Gewitz: aber einstweilen ge ten doch die Festgebete der Liracliten nicht als Gelle.- . sondern als 'Menschenwerk, und datz auch hier „alles «nes«!". beweist wob! am-beiten der ttnlitand. datz gerade das Kol Ridre! Gebet, das die heiligste Stunde der Lahres einieitei. . e>'ältnismätzig jüngeren Datums ist.. Auch oon den «r.lbec :>l lichcli '11>idderopfern i't her jüdische Kultus ab aetom.nen Ter Katholizismus kennt die Heiligsprechung,von üRcnii! e«i. wir Luden kennen «die Scharlatane von „Wuitderre.l'bi^" imponieren nur gewissen Dsljuden» weder die Heiligsprechung > von '.iRenichcn noch von Gcbetitücken, und selig werden kann bei uns auch der. der am Versöhnungstage nicht '>14 Teiles Gebete „sagt". To freilich Gemeindebehörden, die sich von Herrn Ilssischkin und-anderen Eroten über ihre „jüdischen Pflichten" belehren laiien. für solche Gedanken Dbr haben, - ist leider etwas gpeifelbait. . . .Aljir lckrciben für Lnrisemiriscke Teilungen". Von l»r. Rudolf E/Hn «-Breslau». r er <ichon in Rr. des Mitteilungsblattes unter „Vermischtes" jkurz erörterte» Vorwurf, das; unier Verband sich des. öfteren ..antisemitischer" BI Iller als Sprachrohr bediene und damit „dem deutschen Ludenruin in den Rücken falle", ist eines der» Hauptarguaunle, mit denen uys jüdische Gegner anzugreise», pflege». Soweit diese Vorwürfe.von alljüdischer and zionistischer Leite, mein begleitet von -en unerhörtesten Tchmnhungcn, erhoben werden, könnten wir darauf verzichten,, iiaker aus sie einzugehen. Richt gleichgültig kann es aber sein. datz. auch deutsche, Männer' und Frauen jüdischer Abstammung» deren Ansichten sich von den unsrigen nur 'in Wenigem.' vielfach gar . nicht unterscheiden, »ich gerade durch dieses Argument in der Stellungnahme zu unseren Be- «irebungcn beeinflussen lassen, wbne di^ Djnge genau zu kennen oder zu durchdenken. Diesen gellen in erster Reihe die nachfolgenden Keilen. . - Kunächit trifft es nicht zu,, datz der Verband oder Mitglieder desselorii. die seine Ldeen entwickeln, iemals ein „äntisemitische-ch Blatt „als Lprachilohr" benutzt haben. Weder der Verband nationaldeutsche»: -Luden noch eines »einer Mitglieder Hut je. Wert darauf ge-legl. mit ,.d e ü tfch o ö l k i j ch e iL' Leute», d i eihr fanatischer Hatz und ihre politische Urteilslosigkeit zu den unerhörtesten und » i e d r i gj >'e n L ch in ä h u n g e n gegen die Gesamtheit, d ex L u d . .1 hinreitzt^ irr e i n', B un d e s v e r liältiiis zu trete». Einen Aufsatz aus der Feder cines unitrer Piitglieder in der „Deutschen Zeitung" oder inem ähijlichen Drgan hat noch nie jemand gelesen: es hat auch nie einer von uns einen solchen Aufsatz einer derartigen Zeitung eingeschickt. Datz es nichts Unzulässiges darstellt. auch solchen Blättern gegebenen Falles eine Berichtigung bezüglich unzutreffender Nachrichten oder Auffassungen zu senden, ist selbstverständlich. Richtig ist dagegen, datz wiederholt in Zeitungen, die parteipolitisch der Rechten angehören oder ihr nahestehen, Zuschriften oder Aufsätze nationaldeutscher Juden Aufnahme gefunden haben. Die 'Begriffe: „antisemitische" und „rechtsstehende" Presse werden nur zu gern von jüdischer Leite einander gleichgesetzt. Darin liegt ein grundlegender Lrrtum! Die gesamte Presse der Deutschen Volispartei sowie ein nicht kleiner Teil der den Deutschnationalen nahestehenden Blätter halten sich von Antisemitismus völlig fern. Allerdings sehen wir mcht jede sachliche Kritik an Dingen, die zu Luden in irgendeine: 'Beziehung stehen, von vornherein als Antisemitismus an. Es ist unseres Erachtens das Falscheste, was geschehen kann, sich dauernd in den Schmollwinkel zu setzen und jedem, der ein offenes und ehrliches Wort über die Ludenfrage zu sprechen wagt, damit aber nicht den 'Beifall aller Luden findet, zuzurufen: „Du bist mein Feind! Mit dir mich über diese Fragen zu unterhalten, ist unter meiner Würde." Lst eine solche von nichtjüdischer Leite geübte Kritik berechtigt, dann soll man den Mut haben, cs zuzugeben. Lst sie es nicht, dann soll man sich nicht fürchten zu widersprechen, ohne datz man.deshalb den Kritiker als un heilbaren „Antisemiten" abzustempeln und vielleicht gerade dadurch dem Antisemitismus in die Arme zu treiben braucht. Man legt uns gelegentlich die Frage ook: „Warum benutzt ihr nicht die Presse der Linken, die sich immer gegen den Antisemitismus wendet, für eure Veröffentlichungen?" Man knüpft an diese Frage gewöhnlich die weitere Bemerkung. datz die einseitige „Benutzung" der Rechtspresse ein Zeichen für unsere einseitige Hinneigung zu dem politischen Standpunkte dieser 'Blätter sei. Dieses Argument ist völlig verfehlt. Unser Verband, der politisch durchaus neutral ist und Mitglieder der verschiedensten Parteischattierungen umfatzt. soweit sie nur als national im wirklichen und guten Sinne angesehen werden können, würde es durchaus begrüben. wenn auch die Spalten der linksstebenden Blätter sich ihm öffneten. Wie liegen aber die Dinge in Wirklichkeit? Ein grotzer Teil der Linkspresse lehnt es unter dem Einflutz gcwi'ier Kreise ryndweg ab, irgendwelche' Veröffentlichungen unseres Verbandes aufzunehmen. Ein anderer Teil wieder um weigert sich überhaupt, in Erörterungen der Ludenfrage cinzutrete», uin nicht als zugehörig zur „Judenpresse" verschrieen zu werden. Selbst wenn aber alle diese Hindernisse nicht beständen, wollten und könnten wir nicht darauf verzichten, daneben auch und gerade in der Rechtspresse das Wort zu nehmen. Denn es erscheint uns zwecklos, nur zu denen zu sprechen und nur die aufzuklären, die keiner Aufklärung bedürfen. Dqr Verband hält es für eine seiner wichtigsten Aufgabcst, gerade demjenigen Teil der nichtjüdischen DeNtschen die Augen zu öffnen, der garnichts vom deutschbewuhten Judentum und seiner Stellungnahme weih und der in seiner Unkenntnis das sehr oft und sehr eindringlich in alle Welt verkündete jüdische Volks-Bekenntnis des Zionismus und das unklare Gerede gewisser Kreise der Zwischenschicht für den allgemeingültigen Ausdruck der Stimmung acs deutschen Judentums ansieht. Wenn wir im Sinne dieser »unserer 'Bestrebungen bemüht sein wollen, zwischen, den nativ nälbeutsch empfindenden Juden und den ebenso empfindenden Michtjuden eine Brücke zu schlagen, so hat es nur Zweck, dort zu den letzteren zu sprechen, wo sie uns hören.»und dgs ist nun einmal, wie die Dinge heute liegen, in crstxr Linie die rechtsstehende Presse. an sagt uns ferner: „Jedes Wort der Kritik an iübischt-n Dingend das ihr in rechtsstehenden Zeitungen schreibt, ist Mrsser auf die Mühle der Antisemiten und. ein Dolchstotz von »inten in die Einheitsfront des Judentums." Hier soll eines/noch einmal klar und deutlich gesagt werden: besser, als ein Einzelner es sagen kann, sagt dies der Aufruf, der vor drei »Jahren bei Gründung des Verbandes nationaldeutscher Ludqn erging: „Wir haben nicht den gleichen Weg Zionisten und Jüdischnationalen, mit „Z rt i s ch e n s ch i ch t l e r n". dos heitzt solchen, die unklar zwischen Deutschtum und Judentum schwanken, mit - international fühlenden Schwarmgeistern. Werden wir angegriffen von Hetzern, die das gute Wort „deutsch-völkisch" zur Parteiphrase erniedrigt haben, so mögen wir uns gemeinsam wehren. Aber da über hinaus kennen wir keine jüdilche, wi kennen nur eine deutsche Einheitsfront." Die i ist der Gedanke, der uns auch bei unseren Arbeiten in der Presst leitet. Gerade das offene und ehrliche Bekenntnis, datz wir mit jüdischen Elementen, die nicht deutsch sein können öde wollen, nicht in einer Linie stehen, kann der Sache des wal rhaft deutschgesinnten Judentums nur nützen. Aber bei den 'Bekenntnis allein darf es nicht bleiben: es bedarf auc! der Tat, der Durchführung unserer Ueberzeuyungen im täglichen Leben. Erst wenn wir auch in der Praris aus uns rer deutschen Ueberzeugung die Folgerung ziehen und uns ohne jede Rücksicht, ob es sich um Juden oder

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.