Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
- Journal
- Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
- Volume
- 1924
- Issue
- 4 (Oktober 1924)
- Date
- 1924-10-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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ein gekränkter Feind sinne auf neue Um- und Schleichweg«, um dennoch und aller Klärung rum Trotz weiterhin den besiegten deutschen Volkskörper zp entkräften. So wenig vertrauen wir der Wahrheit und ihrem Siege! Sa wenig vertrauen wir uns selbst! Würden wir. aufrecht und mutig, uns selbst vertrauen. so würde die Wahrheit uns helfen können, denn nicht Furcht und Zweifel der Massen entscheiden, sondern allein der Mut. der «m Volk beseelt, wenn es zu seiner inneren Freiheit sich durchgerungen hat im Willen zu sich selbst. Des Volkes verborgenes Innere, das allein ist sem Geistiges. Und immer baut alles Geschehen von innen her auf. nach geistigen Gesetzen. Auf unseren Fall, den Fall Deutschland angewendet.! bedeutet die Erfüllung des Gesetzes nichts mehr und nichts weniger, als im Innersten erkennen, was im Jahre 1914 die Völker Europas dem schweren Irrtum eines Weltkrieges überantwortete. Solcher Art wird auch die Entscheidung über die Sühne auf das Gewissen der ganzen Welt geladen^. Der Welt den Frieden geben, heiht nicht, ein einzelnes Volk seiner Lebensbed-ingungen! berauben und dann den allgemeinen Völkerfrieden proklamieren. Das ist ein falscher, ein unseliger Friede, der sich rächen muh. Der Welt den Frieden geben, heiht ded einmütigen Willens sein, zur Erkenntnis der Zusammenhänge 'zu gelangen, die so viele Völker zum Morden trieb. Der. Welt den Frieden geben, heiht auch den einmütigen Willen unserer ehemaligen Feinde aufzurufen, ihren Willen zur Prüfung der Schuldfrage. Wie aber können wir dieses, wenn wir nicht Aufrechte im eigenen Lande haben, die ein Kräftezentrum Herstellen, beseelt vom Willen zur Wahrster aller Völker? Es würde wenig bedeuten und nichts anderes sein als immer noch und immer wieder ..Politik'!, wollt« Deutschland die Beweise seiner Unschuld nur Vorbringen! um des eigenen Vorteils willen. Mehr verlangt das Gesetz des Geistes, das lautere Liebe ist. vom deutschen .Menschen. Es erwartet und rät dem Volke: lleberwinde den Hah deiner Feinde mit dem Mut der Wahrheit um jeden Preis, löse dich von der Meinung der Massen und wisse; auch der Feind hat trotz aller politischen Machtstellung seine Schwachheit, also dah entgegenkommende' Gröhe allein ihn zum Guten stärken kann, selbst g«M seinen bemühten Willen. Es muh aber auch Kraft und (yrohe sein! Seid mutig beim ersten schweren Schritt, det nur scheinbar Gegnerschaft bedeutet, beim ersten Schritt zur Klärung und Erklärung! Nie und ni nutzer bekennt Deutschland sich zur Schuld am Weltkriege! Die europäische Welt, die »en Krieg erduldete, wird gesunden einzig durch das Bekenntnis aller zum Schuldbeteiligtsein. Gebt Raum der Stimme der Wahrheit, und ihr werdet gesunden! Habt den Willen, lieber an der Wahrheit zugrunde zu gehen als am schwächlichen Kompromih! Werdet weitschauend! Es gibt nur eines, das imstande ist, der Ueberheblichkeit und Verranntheit des Auslandes entgegeinzutreten, das ist die Kraft im Willen zur Wahrheit. Scheint solches Tun auch für den Augenblick dem Vorteil zu widersprechen — auch dies ist schliehlich zweifelhaft —, so wird doch das Ansehen Deutschlands vor aller Welt durch seine Tat ohne Rücksicht auf Augenblickserfolg so sehr gewinnen, dah es. oestärkt durch allgemeine Achtung, die! Kraft gewinnt, schliehlich den Dernichtungswillen des Gegners zu brechen. Ihr, die ihr die Wahrheit um der Liebe willen liebt, ihr werdet Kräfte gewinnen und erhallen, die über alles Erwarten wirken und zum Siege führen im Namen Gottes. Nie sind — und sollte man es tausendmal leugnen — Lebensfragen der Völker ohne Religion zu lösen. Denn alles Lebens Untergrund ist Religion. Warum haben gerade wir deutschen Iuden die Pflickt und dgs Recht, eine Partei der Aufrechten zu bilden für das Vaterland, in dem wir leben? Wir stammen von Israel. — Israels Gröhe ilt geistig und liegt in der Liebe zur ewigen Wahrbeit.» zum Mute, der in diesem Namen lebt. Im Namen Israels! Erkennt und bekennt euch zum Willen, die Kriegsschuldfrage, die eme Frage des festgefügten Friedens ist, zu entrollen. Denn dieses ist gewih: Da Iuden sich Völker nanderen Stammes verpflichtet haben mit Leib. Seele und Leben, müssen sie ihnen angehören als Kinder der Wahrjheit. Solches ist ihre Aufoamt, soll ihre Zerstreuung in alle Lande vom Gesetze der Lieb« her oerechtfertigt sein. .. . . So redet auch hier nicht die Meinung eines einzelnen, sondern aus dem Kinderoeist der Wahrbeil heraus enthüllt sich wie von selbst der einfache Wea. der Weg der Aufrichtigkeit. der zum Frieden führt. Nicht um Prinzipien gebt es hier, nicht um Streit und nicht um Parteien, es sei denn die Partei der Aufrechten, gebildet aus den geraden Menschen aller Parteien, die um den Frieden kämpfen im Namen der Wahrheit. ^kus Kerlmer Kriegen. ll. I . . . und dah Ihr Euch dort genau so Eurer Haut skeptischen Stammesgenossen gegenüber zu hehren habt, wie wir hier, will ich Dir gerne glaube«^ auch dah bei ihnqn durchaus nicht immer Uebelwollen vorliegt.! sondern oft Besorgnis. wir nationaldeutschen Juden schätzten gewisse bedenkliche Vorgänge nicht gebührend ein und täten vielleicht" nicht genug für die Abwehr. Da schreibst Du nun von einem grohen Berliner Konzerthaus. in! dem fast allabendlich unter Orchestertusch und Preuhenmärschen! völkische Jung gruppen mit Hakenkreuzfahnen aufcharschieren und ent sprechende Politiker antisemitische Reden halten, schreibst von einem Bierpalast im Westen, wo in i so kurzen Abständen Ehrhardt- und Borkum-Lieder stehend mitgesungen werden müssen, dah niemand sei, Abendessen wärm zu verzehren imstande ist. und stellst Dir nun vhr, ganz Berlin stehe unter solchen Zeichen. 2ch nein, meiin Lieber, frag doch einmal — nur so spaheshalber — snstentatisch jeden, mit dem Du bei Deiner nächsten Anwesenheit hier in Berührung kommst, nach diesen Absurditäten: von Hunderten kennt sie kaum einer. Es steht damit ähnlich wie manchmal mit Feuersbrünsten oder Raubüberfällen in meinem Wohnviertel, von denen ich erst durch die Zeitung oder besorgt^ Anfragen auswärtiger Angehöriger erfahre. Glgube mir: solch „Rummel" — der Wiener würde „Hetz"» der Münchener „Gaudi" sagen — hat wirklich keine grobe Bedeutung, Berlin steht deswegen noch lange nicht unter dem Hakenkreuz, ebenso wenig wie etwa deshalb! unter dem Davidsstern. weil den Fremden die Menge der j zionistischen, national'üdischen usw. Veranstaltungen durch ihrt fast tägliche Ankündigung an den Anschlagsäulen amffällt. Millionenstädte erfordern eben eigene Mahstäbe. Was bei Euch eine ganze Bevölkerung tief zu erregen geeignet ist. verpufft hier, wirkungslos für die Allgemeinheit. die teilnahmslos daran vorüberflutet. Darum versichere Deinen Bekannten nur immer wieder: dah irgendwo in dieser Steinwüste Iudenhetze mit Orchesterbegleitung erekutiert werde, sei noch kein Beweis für die Aussichtslosigkeit unserer Verbandsbestrebungen. Wir haben es fa in unserer Verbandsarbeit mit der wertvollen Schicht der christlichen Bevölkerung zu tun. die solche Flachheiten achselzuckend ablehnt, mit ihr haben wir wesentlichere Dinge zu besprechen. Dinge von gröberer Tiefe Und Lautlosigkeit. Doch davon ein ander Mal. heute nur noch zu Deiner zweiten Bemerkung. Der Gegenstand ist freilich ernst und! wichtig. Werdet nur nicht müde, gegen diq absichtliche oder gedankenlose Verzerrung des Bestandteils „national" in unserem Derbandsnamen aufzutreten! Wir haben es ja oft genug betont, dah nicht allein in unserem Sinne, sondern nach allgemeinem Sprachgebrauch „nqtional" denft.j wer seine vaterländische Eigenart für berechtigt hält und sie im Kreise Wanderer Völker zur Geltung bringt, wgs durchaus noch keine Wertung, besonders keine herabsetzende, diesem anderen gegenüber bedeutet: das, wir aber von „nationälistischer" Denkart deswegen nichts wissen wollen, weil sie alles! Eigene überschätzt, alles Andersartige unterschätzt. Wir „tümeln" nicht, denn dasuvürde ja an die Stelle des ruhigen Bewuhtseins unserer Deutschheit die laute, äuherliche Betonung einer „Teutschhsit" setzen. Kegen solche Auswüchse, in welchen« Gewände sie sich auch präsentieren, hat schon Goethe im „Buche des Unmuts" die Verse gefunden: Und wer franzet oder britet, Italiänert oder teutschet. Einer will nur wie der and're. Was die Eigenliebe heischet. Goethe war gewjh nicht das. wofür er fälschlich ausgegeben wird, der vaierlandslose Internationalist, dem der „Zufall der Geburt" nichts, eine fiktive »rohe menschliche Familie alles bedeutet. Er war Kosmopolit im damaligen Sinne, d. h. er wollte,, dah jeder dazu Vefähigte aus seiner eigenen Kultur das Höchste in sich aufnehmen solle, um es dann im Austausch gegen das. was gleich hochstehend« Menschen fremder Herkunft aus ihrem Kulturschatz zu bieten hatten, zum Besten der Allgemeinheit beizutragen. Also sozusagen eine Art übernationaler Arbeitsteilung der Völker im Interesse allgemeiner Wohlfahrt. — Damit stimmt schlecht überein der Auserwählt-! heitswahn gewisser jüdischer, das „Weltgetzesen am deutschen Wesen" gewisser deutschvölkischer Kreise. Aber bis man das einmal in die Hirne gehämmert haben wird, kann's noch geraume Weile dauern. Macht nichts. „Fanget an!" In unserer Berliner Ortsgruppe — und Euch haben wir das ja auch nabegelegt — wollen wir diesen Winter einmal systematisch in Vorträgen und Aussprache behandeln, was uns das Wesen des Deutschtums auszumachen scheint. Da wird sicher vieles, vieles' als mustergültig, vorbildlich anerkannt, manches aber auch als so unzulänglich erkannt werden, dah — man zugeben wird, andere machten das wohl besser, praktischer. bev'zemer. Deute aber mal einem eingefleischten Nationalist'! auch nur solche Möglichkeit an!? Oder tue