Mannheim
Compact Memory

Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V. · 1924-10-01 · 4 (Oktober 1924) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
Volume
1924
Issue
4 (Oktober 1924)
Date
1924-10-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/5438908-5438635-5438763--225-4871210
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

«W«WW»W»»WWW -4-!> > Nachdruck hingewiesen, aber, während die ^chiebergefahr auch weiteren jüdischen Kreisen allmählich, wenn auch praktisch zu spät, aufgegangen ist. begreift man noch heute in jüdischen und zurngl in nichtjüdischen Kreisen durchaus nicht, daß' die andere Seite der Dinge nach wie vor höchst'aktuell und die viel gefährlichere ist. Wir wollen wörtlich hierhersetzen, was darüber im Herbst 1922 in dem erwähnten Artikel unseres Mitteilungsblattes zu lesen war: . „Wie innig die Beziehungen und. wie stark die Wechselwirkungen zwischen Zionismus und Ostjudeiitum sind, ist seltsamerweise den meisten Deutschen ganz'unbekannt, die deutschen Juden nicht ausgenommen. UnlNdoch ist es außcr- . ordentlich leicht, sich über diese Beziehungen zu unterrichten; es bedarf nur eines Blick» in zionistische Zettungen. vor allem in die offizielle Jüdische Rundschau. Ueberall ostjüdische Namen, Ankündigungen osljndircher Veranstaltungen^ Lob- . Preisungen ostjüdischer Kunst und Analysen ostjüdischer Geistigkeit. T a s O st j u d e n t u in ist das u n erschöpsllicdc Kräfte-Reservoir de» Zion i s itt u s. Ten. Schiebern und Geschäftemachern freilich - ist es, .stlbst wenn sie sich Zionisten nennen, mit dkn Zionismus chemo.wenig ernst, wie mit irgend etwa» anderem, von ihitcn Geschäften und ihren hanal-protzigen Vergnügungen abgesehen. Aber schon die Kinder dieser Elemente sind oft ganz anderen Schlages, mgra.lilch tur m'I» 0 chs über ihren Eltern stehend, aber au ch a n eff ähr - lichkeit rür d a s'T e-n ts ch-t»»m s i e'n och überragend. Man muh es dein Zionismus zugebeu, daß er es verstanden hat. den Materialistischen Geist der älteren Generation in der Jugend nicht erst zur Entwickelung kommen zu lasten. Der junge Sstiijdk. den beim ersten Schritt auf deutschem Boden die zioninisckre Organisation erfaßt, wird ein wirklicher Zionist, ein. Idealist voller Schayensfreude und Hingebung an die Sache seines Herzens. Aber gerade deshalb ist diese junge Gene rat i o »i de» Lstjuden - tums vom Deutschtum durch eine unüberbrückbare Kluft geschieden. Ihr Zionismus ist reines Ls ri e n t a l en t u m . bewußte und gewollte Abkehr von westlicher, zumal von deutscher Kultur, freilich, sie erlernen die deutsche Sprache, sie nehmen die deutschen Kulturgüter in sich auf. sie lieben oft schwärmerisch die deutschen Dichter und Philosophen, aber das alles von außen her. nicht anders als junge Inder oder Japaner.He auf deutsche» Schulen sich bilden, ohire ihr»-asiatische Seele preiszngeben.. Und darin liegt die ungeheuere Gefahr für Deutschland, zumal für u ns d e n t s ch s ü h l e n d e Juden, Tenn -diele fremdsühlende. Und frcmddenkende Jugend sucht 'geflissentlich die ,Fühlung mit unserer eigenen Jugend, und der glühende Fanatismus, der diese A p 0 st e l des lj n d e u t s ch t u m s beseelt, ßibt ihnen Waffen in die Hand, denen das Rüstzeug unserer deutschen Kinder oft nicht standhält. Sie benebeln "die. Sinne unserer Juggnd mit aufwühlenden und., lockenden Worten von nationalem Selbstgefühl und stolzem Eigenleben: sie stoßen ihnen auch ihre wirren k 0 m m n n i st ische » 'Vorstellungen ein. jenen mit Ideen der deutschen Jugendbewegung durchsetzten Pseudo-Kommunismus, der in Palästina zu eigenartigen Gemeinschastsbildutrge» ^geführt hat, —- mit erschnorrtem, nicht etwa mit erarbeitetem Gelbe. Alle diese mit echserBegeisterung vorgetragcnen Phantastereien ver fehlen nicht ihre Wirkung. . . . Wo wir von Hallen hören, - in denen Kinder deutschfühlender Jnde'n dem Deutschtum entfremdet worden sind. läßt, sich säst stets als treibende Kraft ein ostjüdischer ,Fanatiker Nachweisen. Die 0 st - jüdische Jugend ist d e r st ä riffle-F a k t 0 r der z i 0 n i st i s ch e n Iugendwcrbn n g." Alles dies trifft wörtlich noch heute zu. und heute mehr denn je>.>dkim die-unglaubliche Gleichgiltigkeit mancher jüdischer Kreise läßt der zielbewußten Arbeit der Zionisten fast freies Spiel. Gewiß ist die zähe Aufklärungsarbeit, die wir trotz aller Anfeindungen seit der Gründung nuferes Perbandes leisten, nicht völlig vergeblich gewesen. Hierund dort beginnt sich die Erkenntnis zu regen, aber stets bleibt außerhalb unserer eigenen Reihe» die Arbeit auf halbem Wege'stecken. Gerade die Ansänge des Wahlkampfes für den Preußischen Landesverband, in denen wir uns jetzt befinden, zeigen dies sehr anschaulich. Ter Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hat kn einer Hauptvorstandssivung beschlossen, eine Wahlparole auszugeben. die in der Schärfe, mit der sie. sich gegen den Zionismus richtet, geradezu herzerfrischend wirkt. Aber sofort.setzten Widerstände aus den ° k. eigenen Reihen des mit jüdischnationalen Elementen stark versetzten Vereins ein. Erfolg: Der Centralverein hat sich bisher, wie ihm von den Zionisten mit Recht vorgehalten wird, noch nicht entschließen können, seine in verschiedenen anderen Blättern schon vor Wochen abgedruckte Wahlparole in seinem eigenen Blatte bekanntzugeben. Er fürchtet offenbar, daß dadurch die hinter den Kulissen geführten Kompr'omißverhandlungen gefährdet werden könnten. Auch die (religiös) Liberalen haben mit Entschiedenheit erklärt, daß für sie nur Kandidaten in Frage kommen, die auf heutschvalerkändischem Boden stehen. Aber auch hier hört man bereits aus manchen preußischen LandeSteilen>von Wahlkompromissen mit Zionisten und mit gewissen orthodoxen Kreisen, die sich von den Zionisten nur durch Nüancen und durch den Namen unterscheiden. Die einzigen, "die es unbeirrt durch „innerjüdische" Widerstände »vagen, das Kind b e i in r e ch t e n Namen zu nennen und d j.e. z i 0 n i st i s ch e Gefahr unter Ablehnung jedes Kompromisses zu bekämpfen. sind wirnationaldeutschen Juden. Macht inan sich diese Dinge klar, so wird es verständlich, warum die Zionisten der Gattung Badt und Genossen gerade den jetzigen Augenblick für geeignet halten, um unsere Tätigkeit gegenüber dem Vordringen des Ostjudentums den wahlberechtigten Ostjudcn selbst und den ihnen nahestehenden Kreisen, die deutsches Staatsbürgerrecht besitzen, ins Gedächtnis zu rufen. Ter Schriftleiter des Israelitischen Familienblattes, der bei allem, »vas uns sonst von seinen Anschauungen trennt, bezüglich der Gefahren des Zionismus nicht ohne Verständnis zu sein scheint, hat sich offenbar mit der Veröffentlichung des Berichtes über die Sitzung des Landtagsausschusies genaii so unwissentlich für die Zwecke der jüdischnationalen Drahtzieher benutzen lagen, wie der nichtjüdische Sozialdemokrat Schubert. Wie dem auch sei, — Herr Badt hat dainit, daß er die öffentliche Erörterung dieser Frage von neuem angeregt hat, der deutschen Sache keinen schlechten Dienst erwiesen. Es kann uns nur erwünscht sein, daß uns gerade jetzt bei Beginn des Wahlkampfes der äußere Anlaß geboten wird, in breitester Seffentlichkeit darauf hinzuweisen,^ daß die Lstjudenfragc neben der unaktuellen Seite, die Herrn Negenborn und seine Parteifreunde interessiert, eine äußerst aktuelle Seite hat, die gerade uns deutschfühlendc Juden brennend interessieren muß. Sollten die Herren Zionisten die Erörterung fortzusetzcn wünschen, »vir stehen zur Verfügung. Will der Herr Gras ein Tänzchen »vagen, Mag er's nur sagen. Ich spiel' ihn» auf! Aufruf! Von Charlotte Fraenkel-Eisner. Dieser Ausruf m uns von einer Dame, die nicht zu den Mitgliedern unseres LcidandeS ge- — hört, mit der Blne um Veröfs-m!kch»mg eingesandt worden, Ä«r entsprechen der Bitte gern, weil die »n dem Ausruf ouSg sprochene Ütrsinnung von ' allen Mitgliedern unteres Verbandes g-teilt werden dülfre Die L>ünerung der rein politischen ZweckmLhigkettSsrage. zu welcher Zeit und in welcher Horm die Regierung des Demschen AcrcheS Veranlassung har, ge-enüber dem Ausland in amtlicher Horm die Kl tegSschuldfcage aufzurollen, liegt autzerhglb unseres Arbeitsgebietes. Die Schrtflleitui g.^ Den deutschen Juden zu Gehör! Den deutschen Juden zu Herzen dieser Aufruf! Es geht, ihr deutschen Volksgenossen, um das deutsche Volk und nicht nur um dieses. Es geht um alle Völker, um die Ehre aller Menschen in Gegenwart und Zukunft, in Zeit und Ewigkeit. Volksgenossen! In allen Völkern gibt es gerade Menschen, die dem Schicksal aufrecht eintgegengeben, und es gibt allerorts Schwache, Jrregeführte und auch bewußte Heuchlernaturen. An die Aufrechten geht dieses offene Wort. Man will dem deutschen Volke das Recht rauben, die Kriegsschuldfrage zu entrollen. Man will die Deutschen verhindern, den Zusammenhang zu klären, der die Völker zum Kriege führte. Warum? Weil djn Feinden von gestern durch die Klärung der Boden für ihre unmäßigen Forderungen entzogen wird, weil ihnen die Möglichkeit geraubk wird, das Un- und Uebermaß der Forderungen aufrecht zu erhalten, die einzig auf der Fabel von der alleinigen Schujld Deutschlands am Kriege sich gründen. Besiegt, wie wir >sind, fürchtet sich ein großer Teil der Deutschen und hütet sich, die Wahrheit auch nur zu suchen. Denn sie meinen, die Wahrheit könne das Ausland kränken, und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.