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Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V. · 1924-10-01 · 4 (Oktober 1924) · p. Seite 2

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Journal
Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
Volume
1924
Issue
4 (Oktober 1924)
Date
1924-10-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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sonders scharfer Tonart behandelt und dadurch Widerspruch selbst bei manchen bemüht deutsch eingestellten Elementen bervorgerufen wurde, denen im übrigen die Gefahr der ostjüdischen Einwanderung bereits durchaus ins Bewußtsein getreten war. Tie leidige Frage des Lstjudentums und das Verhältnis der jüdischen Deutschen zu ihm ist der Angelpunkt, um den immer wieder die Kämpfe gegen den Verband »ationaldeuticher Juden sich drehen, ist das unerschöpfliche Reservoir der Stinkbomben, die immer wieder von den verschiedensten Stehen aus gegen den Verband geschleudert werden. Durchaus typisch für diese Tatsache rst eine Erörterung, die vot einiger Zeit im Hguptuusschusse deS Prrussischen Landtages bei der Beratung des Haushalts des Ministeriums des Innern stattgefuuden hat. Der deutschnationale Abgeordnete Oberregierungsrat Negenborn erging sich in heftigen Angriffen gegen den Min ister S e v e ri n g wegen seiner Haltung in der Ostjuden-Frage und berief sich dabei auf das Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden. Tiefen Ausführungen trat mein Parteigenosse, der Landrat' Schubert, entgegen, indem er im wesentlichen schärfste Front gegen die Bestrebungen des Verbandes machte. Beide Redner haben dabei unter der Einwirkung des Nebels gestanden, der von interessierter Seite aus über die Ostjuden-Frage und über die Stellung des Verbandes zu ihr verbreitet wird. . . Tler Abgeordnete Negenborn hat aus dem Mitteilungsblatt Tinge hcrausgelesen, die nicht »darin gestanden haben. Er behaupiet, darin gelesen zu haben, daß die Statistik über die Ostjuden in Deutschland eine absichtliche Irreführung des deutschen Volkes darstelle. Diese Behauptung ist eine objektive Unwahr h e i t und entweder aus der Unkenntnis der tatsächlichen Darstellungen im Mitteilungsblatt oder aus dem Willen zu bewußt irresührender parteipolitischer Ausschlachüung entstanden» Von meinem politischen Gesichtspunkt - aus erscheinen mir allerdings die Angaben des Herrn Negenborn nicht so wesentlich unjd so. bedauerlich wie die Entgegnung des Abgeordneten Schubert. Gerade weil ich menschlich für den Minister Severing die stärkste Snmpathie fühle und seiner sachlichen Arbeit eine unbeschränkte Wertschätzung entgegenbringe, bedauere ich, daß in diesem Falle, wie schon öfter, die Verteidiger seiner Politik bedenklich an jene Freunde erinnern, über deren Eifer Wallen - stein sich schon mit Recht beklagt. Ter Abgeordnete Schubert sagt selbst, daß er das Mitteilungsblatt nur gelegentlich gelesen habe, und fühlt trotzdem sich berechtigt, ein Urteil über seine Tendenzen zu fällen. Das ist natürlich höchst bedenklich, besonders bei der scharf pointierten Form dieses Urteils. Ich kann mich des Gefühls nicht erwehren, daß dieses Urkeil keineswegs ganz auf dem Beet des Abgeordneten Schubert gewachsen ist. Ich fürchte, daß er vielleicht iv-eniger auf Grn,nd e i g e» er Ei n d r ü ck e, als auf Grund von Informationen durch den Ministerialrat l)r. B a d t gesprochen bat, der ja leider mit seiner amtlichen Stellung im Dienst^ eines deutschen Staates die zioni stische Propaganda für vereinbar hält. Daß Herr «chubert von Herrn Badt ^unterrichtet" worden ist, geht klar aus der Tatsache hervor^ daß er sich auf Aeußerungert Georg Bernhards beruft. Bernhard hat seine Aeu Herlingen in eine» zionistischen V erff a m m lüng währenddes Wahlkampfes getan, upd da nicht anzunehmen ist, daß der Nichtjude Schubert an dieser Versammlung teilgenommen hat. während Herr Badt in ihr stark hervorgetreten ist, so liegt der Schluß sehr nahe, daß auf diesem Wege Herr Schubert von den peinlichen Ausführungen Bernhards Kenntnis erhalten hat'). Daß usnter diesen Umständen der objektive Wert der Schubertschcn Ausführungen mcht groß sein konnte, liegt auf der Hand. Ich persönlich bedauere nur, daß der zweifellos hochintelligente Minister Severing, der sonst deutlich chas Bestreben zur gründlichen Kenntnis seines Ressorts erkennen läßt, in der Frage der Ostjuden auf so befangen?' und in ihrem Urteil nicht vom Gesichtspunkt der deutschen Volksinteressen bestimmte Berater sich verläßt. ... Objektiv betrachtet, stellt sich das.Bild der hier zur Debatte stehenden Statistiken und Angaben natürlich anders dar. An dieser Stelle sind Zweifel nur in der Richtung geäußert worden,^ Cd war dieselbe Versammlung, in der sHerr B e.rn h a.Fd', der Chefredakteur eines-in Tealschlanb erscheinenden Blattes. zU wahlberechtigten deutschen Staatsbürgern die ewig denkwürdigen Worte sprach: .Ihr habt Juden zu sein innerhalb Deutschlands! Als Juden konuen wir zu den Wahle »nur eine jüdische Stellung eiunehmrul" Di« -Schriftleitung. daß die Statistiken über die Ostjuden, insbesondere die Statistik des Arbeiterfürsorgeamtes der jüdischen Organisationen, objektiv irreführend seien. Diese Statistiken beziehen sich im wesentlichen bisher auf die Jahre 1922 und 1923. Ich kany mir >nicht vorstellen, daß eS einen ehrlichen Menschen gibt, der bestreitet, daß die Zahl der Ostjuden, die sich mindestens in jenen Jahren in Deutschland aufgehalten haben, um ein Vielfaches alle statistischen Ergebnisse überschreitet. Wer soviel wie der Schreiber dieser Zeilen infolge seiner journalistischen Tätigkeit in Deutschland in den letzten Jahren herumgereist ist. muß mit Entsetzen und mit einem tiefen Gefühl der Beschämung die ostjüdischen Einwanderer überall gefunden haben, wo es gewisse Handelsgeschäfte zu machen gab, an den schwarzen Börsen in der Grenadierstratze in Berlin wie in der Hohestraße in Köln, an allen Stellen, wo es Schmuggelware zu kaufen und zu verkaufen gab, entlang an dem ganzen besetzten Gebiet. Es hieße, den Minister Severing unterschätzen, wenn man meinen wollte, daß er glaube, diese nach Tausenden zählenden Parasiten am deutschen Wirtschaftsleben würden von den Statistiken des erwähitten Fürsorgeamtes erfaßt. Gerade diese Leute gehen bei uns genau so gut allen Statistiken aus dem Wege, wie sie es in ihrer östlichen Heimat getan haben. Das kann man schließlich verstehen, weil sich für den russischen oder polnischen Juden mit jeder statistischen Aufnahme früher irgendeine Gefahr für Vermögen oder Leib zu verbinden schien. Unverständlich aber ist und tief bedauerlich, daß die überwiegende Mehrzahl der jüdischen Organisationen in Deutschland dieses Treiben mindestens wohlwollend unterstützt und mit einem Eifer für das Ostjudentum eintritt, der einer besseren Sache würdig wäre. Ich benutze diese Gelegenheit, um zu bekennen, daß nach meiner Ueberzeugung die Existenzberechtigung des Verbandes nationaldeutscher Juden mit seiner Stellung zur Ostjudenfrage steht und fällt. Ich leugne auf das Entschiedenste, daß den jüdischen Deutschen mit dem jüdischen Russen oder Polen mit oder ohne Religionsgleichheit irgend ein näheres Band verknüpft, als mit dem christlichen Deutschen, selbst wenn er parteipolitisch ein Gegner ist. Der Ostjude darf für den jüdischen Deutschen nicht mehr sein als ^in anderer Ausländer, als ein Franzose oder ein Tscheche oder ein Italiener. Die Stellung zu ihm darf nur von deutsche» Gesichtspunkten aus gegeben sein. Freilich stehe ich auf dem Standpunkt, daß die gleiche Notwendigkeit gegenüber der gesamten Einwanderung besieht, solange Deutschland unter dem Ueberfluß an eigenen Volksgenossen leidet und fremde Zuwanderung die Ernährungs- und Wohnuügsschwierigkeiten erhöht. Ich lehne es ab. die Ostjuden zubekämpfen und die Balten, die immer getscue Rüsten waren, gastlich zu begrüßen. Die deut sich e Erde muß nach meiner Ueberzeugung reintzefegt werden von dem gesamten Menschen Zuschuß aus dem Gebiet des einstigen Rußland. Dis „deutschvölkischen" Hetzer, die gerade aus dem Baltikum und dem tieferen Rußland so zahlreich gekommen sind, erscheinen mir genau so schädlich für das Wiedererstarken Deutschlands wie die ostjüdischen Händler. Es geht ebenso wenig an. ehemalige russische Staatsangehörige, weil sie das Hakenkreuz tragen, liebend zu umfangen, und ihre jüdischen Landsleute mit oder ohne Kaftan zu verjagen, wie es möglich ist, als zielbewußter Deutscher die Hakenkreuz!» mit der russischen Aussprache zu bekämpfen und in dem Ostjuden den liebenswerte» Verwandten zu sehen. Dabei ist allerdings zuzugeben. daß rein quantitativ die Ostjuden-Frage die größere Gefahr in sich birgt. So unerquicklich die Beschäftigung mit ihr ist, wird der Verband nationaldeutscher Juden nicht umhin können, sie immer wieder zur Sprache zu bringen, bis man auch in unintelligenten Kreisen einzusehen beginnt, daß die Stellung zum Ostjudentum mit dem Antisemitismus nichts zu tun hat. - Ü- Die größere (Zefakr. Von MaxNaumann.! < Die vorstehenden Ausführungen, in denen ein nationalgesinnter und klarköpfiger Sozialdemokrat sich mit seinen eigenen weniger klarsehenden Parteigenoffen auseinanderseyt, erweisen deutlich, wie rasch eine Erörterung auf den töten Strang gerät, wenn man sie mit plumpen Parteifäusten an greift. - Der Deutschnationale Negenborn wie der Sozialdemokrat Schubert haben mit vereintest Kräften die Besprechung der Ostjudenfrage vom geraden Wege, abgedrängt. Beide haben den Gegenstand der Erörterung von vornherein unter schiefem

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