Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
- Journal
- Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
- Volume
- 1924
- Issue
- 3 (August-September 1924)
- Date
- 1924-08-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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krebst, und zwar wegen d-r gewih rem sachlichen und in der Form einwandfreien Zuschrift, die unsere Breslauer Ortsgruppe anläßlich des ..Falles Eucken" an die schlesische Zeitung gerichtet hat. Die von Eucken so treffend gekennzeichneten Zwischenschichtler stehen allen Ernstes auf dem Standpunkte, die „Selbstachtung" müsse es jedent Juden verbieten, an „antisemitische" Zeitungen auch nur ein sachliches schreiben zu richten. Wir lassen dahingestellt, «as eine „antisemitische Zeitung" ist. Unseres Erachtens »st diese Bezeichnung noch nicht dann ohne weiteres gerechtfertigt, wenn in einem sonst der Judenfrage ruhig und sachlich gegenüberstehenden Blatt einmal durch ein Versehen de- Nachtredakteurs eine judenfeindlich gefärbte Meldung irgendeines Lokal-Reporters wiedergegeben wird. Aber — gleichviel, selbst wenn das Blatt wirklich ausgesprochen j „antisemitisch" wäre, hätte der uns gemachte Borwgrf > keinen sinn. Wir sch re shen mit Vorlieb ef ü r „a n t i s e m i ti s ch e" B l ä t te r. weil wir t> ä in l i chs d er Ansicht sind, dah,gerade die Leser dieser Blätter der Aufklärung bedürfen. Es hat sehr äeiiig sinn, nur im Berliner Tageblatt, der E.V.- Zeitung issw. sich gegenseitig zu versichern, dah den Juden nichts vortuwerfen sei. Die Leser dieser Blätter sind davon schon im «voraus' überzeugt. Aber die anderen, die noch Vorurteile haben, davon zuüb er zeugen, dah sie dte Judenfrage unterschiefem Gesichtswinkel sehen, — das in fruchtbringender. Zu diesem Zwecke 'muh man natürlich Hich an den Leserkreis der vorwiegend von Nichtjuden, alip in der Ausdrucksweise der Zwischenschicht ..Antisemiten", gelesenen Blätter wenden. Wir werden dies weiter tag, auch wenn darüber gewisse Menschen in Ent rüitiingskiiainpfe verfallen. Wahlschwindel nach der Wahl. Aus Mitgliederkreisen wird uns von verschiedenen seiten mitgeteilt., dah ein neuer schwinde! über . uns verbreitet wird, und zwar in einer Form, die deutlich erkennen läht, dah es sich nieder um ein von einer Zentralstelle aus in Umlauf gesetztes Tendenzgerücht bandelt. ,Es wird behauptet, dah unser Verband „nach der Reichstagswahl ' «/seiner Mitglieder durch Austritt verloren habe". Wir stellen fest, dah an dieser Behauptung nicht ein wahres Wort ist. seit etua einem Jahre sind Austrittserklärungen nur in ganz geringer Zahl xrfolgt. Insbesondere nach den Reichstags- Wahlen >md nur ganz wenige derartige Erklärungen eingegangen, die mit den Wahlen selbst offenbar in keinerlei innerem Zusammenhänge stehen. Es wäre auch ganz unverständlich. wenn es-anders wäre, denn kein vernünftiger Menich wird annehmen können, dah. der Wahlausfall auf das Bekenntnis unserer Mitglieder zu unseren Bestrebungen irgendwelchen Einsluh hätte ausüben können. Wir Leisen unsere Mitglieder auf diesen neuen schwinde!! hin. damit sie die Möglichkeit haben, ihm überall, wo er > sich bemerkbar macht, encktgisch entgegenzutreten und nach Möglichkeit sestzustelleii, auf welchen Wegen er weiterge-! tragen wjrd. ' Ergänzend sei bemerkt, dah innerhalb der letzten Monate Neuaufnahmen in erheblicher Zahl erfolgt sind. 6cko cter Presse. Wir bitten um. Uebersendung aller unsere Bestrebungen betreffenbeu ZeitungSusw. Ausschnitte uiiter Angabe de« Tages des Erscheinens, bei wen'ger bekannten Blättern auch d»r Partei- , - richtutig. Diese Bitte bezieht sich auch auf zionistische und alljüdische Blätter. Die Aeuhernngen der Bläner letzterer Gattung werden jedoch in der. Rubrik, .Echo der Presse" nur dann.wiedergegeben, wenn sie fn tatsächlicher Hinsicht etwas Bemerkenswertes enthalten» die regelfnähig wiederkehrenden Schimpfereien dieser Prefie drucken w r nicht mehr ab. " Die Schriftleitung. Deutsche Zeitung für Chile « nachträglich eingegangen) 24. 4. 24. Unter der Ueberschrift „Deutsche' und. undeutsche Juden" Bericht über unsere Januar-Versammlung, das Auftreten des I>r. Eohn und die Stellungnahme det Versammlungsteilnehmer. Deutsche Kultur in der Welt «Zeitschrift» Nr. 1 4. In der „Literaturschau" Erwähnung der Schriften Or. Naumanns. Berliner Börsen-Zeitung «Parteilos, national) 6. 6. 24. Erstabdruck des ersten Absatzes aus dem Leitartikel der vorigen Nummer des Mitteilungsblattes unter, der Ueberschrift „Der Wille zum Volke". Schlesisch« Zeitung «Deutschnational) 6. 6. 24. Wiedergabe eines Artikels des bekannten Philosophen Geheimrat vr. Rudolf Eitcken aus dem NaHrichteublatt des Euckenbundes „Rudolf Eucken und die Juden". Eucken unterscheidet hiex, genau entsprechend der in unseren Schriften zugrunde gelegten Einteilung. drei Kategorien von Juden. Stichproben: . . Am einfachsten liegt die Sache bei den Zionisten . . . Auf der entgegengesetzten Seite stehen die Juden, welche ihre geistige Heimat im deutschen Leben finden und diesem Leben aus voller Seele dienen. Derartige innerlich deutsch gewordene Juden kenne ich genügend aus eigener Erfahrung . . . Aber zwischen diesen Gegensätzen stehen heute viele Juden, die sich halb als Juden, halb als Deutsch« betrachten, und die bei solcher Mittelstellung keine rechte Heimat besitzen . . . Das Wirken dieser Heimatlosen kann man nicht ohne Bedauern, aber auch nicht ohne Sorgen ansehen ... Es gibt bei der Hauptrichtung des Strebens kein Mittelding: was man ist: dcG muh man mit ganzer Kraft sein. Der Jude muh entweder Deutscher werden mit Leib und Seele und die deutschen Geschicke teilen, oder er muh Jude § bleiben ..." j Die Zeit (Deutsche Volkspartei) 15. 6. 24. k Inhaltsangabe des Leitartikels aus dem vorigen Mitteilungsblatt. Prager Tagblatt (Demokratisch) 17. 6. 24. -Inhaltsangabe der Broschüre „Teut wider Iuda" des Majors Anker unter Erwähnung des Auftretens des Verfassers in unserer Januar-Bersammlung und der Angriffe von deutschvölkischer Seite, die daraufhin erfolgt sind. Deutsches Tageblatt (Deutschoölkisch) ' 18. 6. 24. Wiedergabe der Bemerkungen über Judenfeindschaft im Auslande aus dem Leitartikel des vorigen Mitteilungsblattes. Anschliehend die üblichen „deutschvölkischen" Redensarten. Stichprobe: „Dem Philosemitisinus der gouvernementalen Schichten steht der Antisemitismus der breiten Masse gegenüber, eine Spannung, dir sich eines Tages in einem grandiosen Endkampf auslöscn wird, ein Endkampf, der in Deutschland unter dem Schlachtruf .Hie Hakenkreuz — bis Sowjetstern' zum Austrag gelangen wird." Schlesisch« Zeitung (Deutschnational) 16. k. 24. Unter' der Ueberschrift „Rudolf Eucken und die Juden" Abdruck einer Zuschrift unserer Ortsgruppe Breslau: „Die Ortsgruppe Breslau des V. n. I. hat mit Interesse von dem . . .Artikel . . . Kenntnis genommen. Es erfüllt die nationalveutschen Juden mit hoher Befriedigung, dah ein so hervorragender Gelehrter wie Rudolf Eucken in seinen Ausführungen über seine persönliche Stellungnahme zur Judenfrage die!Auffassung zur Geltung bringt, die der Führer des B. n. I. 0r. Mär Naumann in leinen Schriften vertreten hat. Wir pflichten Eucken vollkommen bei. sowohl hinsichtlich seiner Stellung zum .Zionismus' und .National-Judentum', als auch hinsichtlich seiner Ablehnung derjenigen Juden in Deutschland, die als .Zwischenschicht' unklar zwischen Deutschtum und Judentum hin und her schwanken. Die Worte Euckens: .Der Jude muh entweder ein Deutscher werden mit Leib und Seele und die deutschen Geschicke teilen, oder er muh Jude bleiben', sind die Grundlagen, auf denen der V. n. I. seine Arbeit aufbaut. Der V. n. I. begrüht es auf das wärmste, dah ein Mann wie Eucken damit weit von denen abrückt. die in blindem Hah jedem deutschen Juden, ohne Unterschied, die Zugehörigkeit zum deutschen Volkstum streitig machen wollen. Der Verband hofft und wünscht sehnlichst. dah die Stimme eines solchen Mannes, wie Eucken. nicht ungehört im deutschen Volke verhallen und dah der Tag kommen möge, an dem ohne weiteres der nationaldeutsch gesinnte und eingefuhte (offenbar Druck fehler für „eingewurzelte". Die Schriftl.) jüdische Deutsche als ein vollwertiger Sohn des deutschen Vaterlandes angesehen wird wie jeder nichWdische Deutsche." Berliner Börsen-Zeitung (PartetlSs: national) 19. 6. 24. Inhaltsangabe des Leitartikels und einiger anderer l Artikel des vorigen Mitteilungsblattes. Deutsches Tageblatt (Deutschvölkisch) 20. 6. 24. Kurze Kritik der Broschüre des Majors Anker, teils lobend, teils tadelnd, letzteres insoweit, als Anker „den V. n. I. in die Kampffront gegen den jüdischen Geist einzureihen versucht." Frankfurter Oder-Zeitung (Deutsche Bolkspartei) 24. 6. 24. Inhaltsangabe des vorigen Mitteilungsblattes. Die Zeit (Deutsche Volkspartei) 26. 6. 24. Abdruck der Notiz „Die freundlichen Ostjuden" aus dem vorigen Mitteilungsblatt. Deutsche Zeitung (Deutschvölkisch) 26. 6. 24. 'Auszugsweise Wiedergabe derselben Notiz unter Verschweigung der Tatsache, dah wir gegen das Auftreten, der ostjüdcschen Organisationen Stellung genommen haben. Schluhsatz: „Jude bleibt Jude. Und kein Jude hackb' dem anderen ein Auge aus."