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Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V. · 1924-08-01 · 3 (August-September 1924) · p. Seite 8

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Journal
Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
Volume
1924
Issue
3 (August-September 1924)
Date
1924-08-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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— 8 - > mi'MWWWWW materielle» Nöten, die aus politischen und geistigem hervorgegangen sind. Nun aber zur Hauptsache. Diese Trennung darf sich nur in der Schulaufsicht manifestieren. Es darf keineswegs dahin kommen, daß, wie in Frankreich, der Unterrichtsstoff und der llnterrichlsgeist antikirchlich eingestellt werden. Wenn in Preußen eine wertbolle Frucht der Revolution, nämlich die Befreiung der Schule von der geistlichen Lrtsschulaufsicht. über kurz oder lang verlorengehen wird; sp liegt das nur daran, daß ein ansehnlicher Teil der Lehrer damit umging, den Religionsunterricht aus der Schule zu entfernen, einen bibelfreixn Moralunserricht einzuführen und die Kinder in antikirchlichem Geiste zu > erziehen. Es darf keineswegs die religiöse Erziehung des kommenden Geschlechts Drunter leiden, ivenn wir daran gehen, dio Konfesnonalität der Schule zu' beseitigen. 2m Gegenteil, uiid darin könne» uns die Bereinigten Staaten von Nordamerika eiii Vorbild sein, in denen fast die ganze Jugend in tonfessionsfröicn Schulen, aber religiös und bibelfest erzogen wird; wir mkisien dafür sorgen, daß die Jugend irrber konfessionsfreien Schule-noch religiöser eizogen wird, als früher. Nicht etwa um der jKirche willen, nicht etwa aus-Gründen politischer Taktik, »sin. um der Jugenö^elbst willen, um unseres Volkes willen, denn die. Religion mt n»-lcor olmjiin, der Born des Lebens.- i ' Ist cs nicht schon zu spät, mit einem Protest gegen die Konfessiostsfchulc an die Oeffentlichkeit zu treten? Die Mehrheit der christlichen Eltern scheint sich ja für die Konfessionsschule entschied«! zu haben, da täten wir doch klug, wenn wir für die jüdische Konfessionsschule einträten, und den großen jüdischen Gemeinden, die Konfessionsschulen errichten .können, dabei nicht hinderlich wären: ivozu etwas bekämpfen, das inan nicht mehr verhindern kan»?. Gewiß, wir kommen..'spät, unser Verband hätte ichijn längst zu der Frage der Konfessionsschule Stellung nehmen Müsse». Mer die Entscheidung über das Reichsschulgesetz kait» sich noch lange hinauszögcrn, und es ist wohl besser, wen» unser Verband seine Stellungnahme vor der Entscheidung klar bckiitndct, als wenn er die unklare, wechselnde Politik und das Gcschehenlassen. die sich die anderen jüdischen Verbände in der qchulirage zu schulden kommen ließen, nun in letzter Stunde »och mitvcrschuldet. . . ' Und! mögen auch für die Konfessionsschule Jahrzehnte unbeschränkter Geltung im ganzen Reiche kommen: . Die Leute, die ihre Intuitionen von einer hqheren Stelle beziehen, als vom pretißischen Kultusministerium oder vom Reichstanzlekamt, wissen fs ganz genau, daß die Konfessionsschule auch in Teutschltlnd eines Tages der reinen Staats sich ule weichen wird, wohl nicht infolge einer neuen Revolution, eher iinijlge der besseren Einsicht der Deutschen in das Wesen religiöses Erziehung, infolge einer größeren Brüderlichkeit zwischen! Katholiken, Evangelischen und Juden und endlich infolge Hes erwachenden Slrebens nach politischer Einheit und Macht: mild cs muß dann uns ncklionatdeulschen Juden doch .eine gewtisie Befriedigung gewähren, wenn wir dje große Stunde des deutschen Volkes mit vorbereitet und nicht im Mitläuf um eigensüchtige jüdische Schulinteressen versäusirt haben. ^lljüciilcke ^elefrückte.?) 1. „Oswald Spengler und seine Quellen" von vr. S. Funk >Dip „Wahrheit", Wien. Nr. 35 und 36). ^Wir und mit uns der überwiegende Teil unseres Volkes hegen aber die feste Hoffnung, daß Jerusalem, die > alte Zentrale ... dereinst ein Mittelpunkt der Menschheit sein werde. Mag auch dies, „eine bis s zum Wahnsinn gesteigerte Hoffnung" sein — sie wird, wie' zur Zeit Esras, in Erfüllung gehen. 2. „Ausgerechnet in Brieg" (Jüdische Zeitung für Ost! d« utschland Nr. 22). Bericht über die Gründung einer neuen deutschvölkischen Zeitung in Brieg bei Breslau, herausqegeben von einem gewissen Herzog. Stichproben: „Daß er hierbei natürlich auch gegen die aufrechte jüdische und zionistisch« Gesinnung dieses. Stadtrats C. zetert, ist nicht zu verwundern. . . . Freilich von den Leisetretern hört und sieht man nichts. Sie glauben genug getan zu haben, wenn sie Mitglied im Zentralverein jüdischen Glaubens sind. Der wird sie schon schützen, wenn sie nur laut ihre Ergebenheit für die Demokratische Partei und leise die Sympathie zur Sozialdemokratie und zu ihrer sögenasinten jüdischen Religion betonen, linier ') Sperrungen von un» vorgenommen. Die Schriftleitung. der sich jeder etwas anderes vorstellt. Sie schreien dafür dauernd: Wir lassen uns nichts gefallen . 3. „Grundfragen zionistischer Galuth-Polttik" von Fritz Noack «jüdische Rundschau Nr. 46/47). , » Die zionistische Gesellschaft in Deutschland muß sich von der nichtzionistischen dadurch unterscheiden. ' daß sie nicht durchaus in ihrem inneren Leben der deutschen Kultur verfallen ist, sondern^ daß sie mehr und mehr von der deutschen Kultur unabhängig wird, ohne dadurch an Reichtum zu vevlieren, weil sie nämlich mehr und mehr vom jüdischen Kulturleben abhängig wird. . . . Und es ergibt sich die Forderung, daß wir unsere Beziehungen zur nichtjüdische» Welt auf das äußerste einzufehränken haben, daß wir beispielsweise in der L a » d e s p o I i t i k größte Zurückhaltung zu bewahren haben ... (Bravo! Die Schrift!.) 4. „Jüdische Einheitsfront" von Oberregierungsrat Goslar (nach I. T. A. Nr. 427). Suchen wir neue Bereicherung und seelische Harmonie durch Rückkehr zu den Quellen unserer jüdischen Kraft, zum jüdischen Wissen, das allein erst ein jüdisches Leben ermöglicht, fühlen wir uns ganz wieder als Söhne des Am echod (einziges Volks Die Schrift!.)! ... Dann und nur dann werden wir auch — in geschlossener Einheitsfront — wirklich die wirksamen und vollwertigen Abwehrkräfte entwickeln können, die das deutsche Judentum vielleicht schon bald dringend brauchen wird. 5. Bericht der Jüdischen Rundschau über die Hauptversammlung des Lentraloereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (Jüdische Rundschau Nr. 29). . . . Seine (vr. Holländers) Ausführungen, die mit besonderem Beifall ausgenommen wurden, waren durch ein deutliches Abrücken von der bisherigen T.V.- Ideologie und den Versuch, zu einem positiveren Gehalt seiner Arbeit zu gelangen, bemerkenswert. Die zionistische Kritik, an der Tätigkeit des E.V. ... hat sich also als fruchtbar erwiesen. Holländer forderte die Schaffung eines „geistigen Generalstabs", dessen positives Programm die „Propaganda für den jüdischen Men» schen" in der Oeffentlichkeit sein solle. . . . Von vereinzelten kritischen Bemerkungen abgesehen, die auf der Tagung über die Ostjuden gefallen waren, wobei aber auch manches Anerkennende über sie nicht unterdrückt wurde, wür vr. Freund der einzige, der in die Verhandlungen einen polemischen Ton gegen eine andere jüdische Richtung hineintrug, indem er . . . den Zionismus in der Diaspora und die Zusammenfassung der Juden zu einem besonderen Vokkstume . . . als Gefahrenquelle für die staatsbürgerliche Stellung der deutschen Juden hinzu st eilen wagte (!) und sich dabei zugegebenermaßen und unter dem ostentativen Beifall der Versammlung an Aeußerungen deutschnationaler Abgeordneter anschloß . . . >6. „Und wir —?" von Professor vr. Eugen Wölb« (Israelitisches Familienblatt Nr. 34). . . . Zeitfragen? Gott behüte, wenn die Heranwachsende. jüdische Jugend «twa gar zionistisch „verseucht" würde! Judenhaß? Darüber spricht man am besten gar nicht. . . . Heilige Schrift? Ja so, Großvater sagt, man nannte Israel früher „das Volk der Schrift". Ueberwundener Standpunkt! Wir haben Strindberg. Schleich und Keyserling. Unsere Kinder sind Kinder ihrer Zeit. ... Und wir? — Nur ja nicht Hebräisch lernen! Das ist — pfui! — ostjüdisch oder gar zionistisch, und wir sind doch kerndeutsch und verkünden mit Herrn Hauptmann Naumann sogar einen „deutschen Gott"!... 7. „An Rudolf Lücken" von E,m il Weisstock (Jüdisch- Liberale Zeitung Nr. 22). . . . Bleibt noch di« erwähnte Mittelschicht . . . Daß eine derartige Schicht besteht, kann nicht anqezweifelt werden ... Ich fühlte mich damals <nn Kriege. Die Schriftl.) ganz und nur als Deutscher . . . So sehen die Dinge, ganz bei Licht betrachtet, aus. und nun. Herr Professor, stellen Sie sich selbst die Frag«, ob ein ehrliebender deutscher Jude danach noch ganz Deutscher mit Leib und Seel« bleiben kann. Ja. vielleicht waren wir auch zeitweise durch und durch, und noch heute liebe» wir dieses Deutschland, dieses Land mit seinen Städten Doch die Mehrheit der Bewohner dieses schönen Landes müssen wir von

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