Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
- Journal
- Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
- Volume
- 1924
- Issue
- 3 (August-September 1924)
- Date
- 1924-08-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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dm clie I^onfe ssions sckule. Von Lehrer Adols Gerson. Wir setzen mit diesem Artikel die Su»sprache - über die Sibul'rag,: sort und betonen nochmalausdrüitlich, daß jeder Aufsatz nu> di« persönlich« Ansicht de- Verfasserwiedergibt Unser Verband alsolcher wird zu der Frage erst Stellung nehmen, wenn durch gründliche An-Ip ache die Meinungen geklärt sind. '! Die Schristleituug. Herr Ul. Leo Goldberg hgt in Nr. 2'des MitteilungSblattcs die Frage der jüdische» Konfessionsschule behandelt und fordert zum Schluß: „Solange die Dinge im Fluß sind, halte sich unser Verband dem Streite um die Konfessionsschule fern. Zeigt sich dann später, daß an einzelnen Schulen Lehrkräfte sind, die das Deutschscin unserer Jugend gefährden und damit ihre Seele vergiften.wenn also mit unseren jüdischen auch die Belange des Vaterlandes getroffen werden, dann wird und soll unser Verband den Kampf nicht scheuen." Ich glaube, man soll nicht warten, bis das Kind in den Brunnen gefallen ist. Wenn die Konfessionsschule» einmal da sind, wird es nicht so leicht sein, die Gesetzgebung zu ihrer Wiederbeseitigung anznregcn; und es ist sicher nicht zweckmäßig, eine Ausschulung der jüdischen Kinder auS den öffentlichen Schulen zu dulden, in der Hoffnung, man könne für sie bei Nichlbewährung der jüdischen Schulen in christlichen Schulen das „Gastrccht" erbitte» Wir sollen aber die Frage, ob Konfessionsschule oder nicht, gar nicht als eine Frage anschen, die unser Judentum, seine Erhaltung und Lehre angeht. Wir sollen sie allein unter dem Gesichtspunkt betrachte», den unser Verbandsvorsitzender im Hauptartikel derselben Nummer bezeichnet hat: Wie bauen wir die deutsche Zukunft?*) Und von diesem Gesichtspunkt aus muß ich sagen, daß die Konfessionsschule, nicht nur die jüdische, sondern auch die christliche, die Belange des Vaterlandes schädigend trifft, daß daher unser Verband nicht zvarten barst bis etwa der eine oder der andere Lehrer an jüdischen Konfessionsschulen die Seelen jüdischer Kinder vergiftet hat, sondern sofort und unbedingt vor Erlaß eines Reichsschulgesetzes gegen die Errichtung von Konfessionsschulen an kämpfen muß. Inwiefern die jüdischen Schulen staatsfeindlich wirken könnten, wenn sie etwa in die Hand von Zionisten geraten, und wie das zu verhindern ist. das zu erörtern, mag manchen von uns als das Nächstliegende erscheinen. Aber es ist falsch, grundfalsch, wenn wir uns darauf beschränken. Werden etwa die Millionen evangelischer Deutscher, die heute das Für und Wider der Konfessionsschule gleich Uns erörtern, sich zufrieden gebe», wenn sie die Deutschheit der fessionsschule sichergestellt haben, kümmern, was'in den Schulen dei anderen Konfessionen geschieht? Ist es nicht unsere Pflicht,! die Frage der Konfessionsschule so zu behandeln, daß sie auch für die anderen Konfessionen mit uns gelöst erscheint? Wer die Vergangenheit der katholischen und der evangelischen Kirche kennt, der weiß, daß deren Führer in Zeiten der Not. und vielleicht auch um verwerflicher kirchenpolitstcher Ziele willen, nicht selten den Weg gegangen sind, den wir nationaldeutsche Juden den Zionisten verübeln. Sie haben sich mit ihren Glaubensbrüdern nn Ausland zu gegenseitiger Hilfeleistung verbunden, sie haben um die Sympathien fremder Regierungen geworben, sie haben in, geheimen Einverständnis mit landfremden Männern und Regierungen auf staatlichen Umsturz, auf Bürgerkrieg hingearbeitet. Ich denke dabei an die Zeit der großen Kämpfe zwischen den, Papsttum und den Sllbfallkirchen, die mit dem 30 jährigen Kriege endeten. Ich will aber von der Annahme, es könnten sich auch heute noch die deutschen Katholiken und Evangelischen gleich den Zionisten als Nichtintereffeuten des Deutschen Reiches aufspielen unp die Kinder ihrer Schulen - >»»? - — 7 - evangelischen Kon- und sich um das nicht *) Interessant ist, daß auch von .deutschvölkischer". Seite in der Wochenschrist .Die Drutschkirche" die Ablehnung der Konfessionsschule gefordert wird In dem Artikel finden sich folgende Sätze: „WaS der Elternschaft nicht gesagt wird. ist. daß in der Bekenntnisschule die betreffende Konfession in allen Fächern entscheidet, ob und wie der Unterricht im Sinne der Konfession erteilt wird. Diesem Recht zuzustimmen, ist Mord an der Volkseinheit, an unabhängigem wissenschaftlichem Unterricht, an der Einheit der Bolk-erziehung. an der Unabhängigkeit de- LehrstandeS.' Die Schriftleituug. deutschfeindlich erziehen, völlig absehen", und ich komme doch zu dem , Schluß, daß die Konfessions chule dem Vaterlande schädlich und daher von uns abzulehner ist. Herr vr. Goldberg meint, eS werde bei der Einrichtung von jüdischen Schulen zwischen Orthodoxen und Liberalen zu Kämpfen kommen, da jede Richtung die Schule in ihrem Sinne wird gestalten wollen; unser Verband müsse neutral bleiben, weil er sonst an Kämpfen im e genen Lager leiden und zugrunde gehen könne. 'Wenn doch die deutschen Staaten sich mit derselben- Begründung heim Kampf um die Schule neutral erhalten könnten I Wenn sie doch den Religionsgemeinschaften mit ihren zahlreichen Sch- UtierungeN und Sekten,! den Freireligiösen und Atheisten und der Gruppen und Grüppchen verschiedener Weltanschauungen un» Schulideale es völlig überlaffen würden, sich die Schulen, ir denen sie ihre Kinder erzogen wissen wollen, selbst zu zimm >rn, selbst zu erhalten, selbst zu beaufsichtigen! Kanu der Stiiat. dem Streit um die' Schule aus dem Wege gehen, wie etwa der Verband nationaldeutscher Juden es kann, wenn er der Richtschnur des Herrn vr. Goldberg folgt? Es mag ja mc ncher Staatsmann in Deutschland die Parole ,l»i s s v r-lai ro" auf dem Schulgebiete befolgen, um dem Kulturkampf aus dein Wege zu gehen, in den sich ei» Bismarck ivide: Willen verwickelt sah und den selbst ein BiSmarck nicht Meister l, konnte. Aber kann sich der Staat der Aufsicht über das Schulwesen ganz entziehen, kann er es den einzeln n Volksgruppen völlig überlasten, welche Schulen sie errichten wollen? Muß er nicht die Mittel für die Schule bereitstellen, wo die Bevölkerung jene Mittel nicht hinreichend aufbringen kann odir wo die Eltern nicht den Trieb zur Erhaltung und Verbesserung der Schule besitzen? Würden Artikel 14!!—149 der Reichsvcrfaffung und die entsprechenden Parag aphen der Landesverfassungen. die vom Schulwesen handeln, gestrichen, so würde in wenigen Jahren Wirtschaft und Bildu tg des deutschen Volkes so sinken und vergehen,-daß niemand nehr an der Notwendig, keit der staatlichen Schulpflege zweifeln kann. - Ist es Pflicht des Staates. Schulet zu errichten und den Unterricht zu beaufsichtigen, so kann er picht den Weg des Unheils gehen, den die deutschen Staa en vor der Revolution gegangen sind, er kann nicht auS seimn Mitteln die Schulen errichten und erhalten und die Schulnufsicht dann gleichzeitig von Geistlichen der einzelnen Konfessionen wahrnehmen lassen. Damit entfesselt er endlose Sagen über mangelnde Parität, damit macht er wieder die Le jrer verdrossen und die Schule zum Zankapfel zwischen kirchlichen Autokraten und bibelfeindlichen Wissenschaftlern, damit legt er den politischen Parteien die Pflicht auf, sich auf konf, ssionelle Gesichtspunkte einzustellen. Das Letzte ist das Schl mmste. Das deutsche Volk ist nur darum in den letzten Iah: zehnten und besonders nach der Revolution so ^verelendet, geistig und endlich auch materiell, weil seine politischen Parteien sich infolge der falschen Schulpolitik?er Regierung genötigt sahen, sich konfessionell, kirchlich, oder auch unkirchlich, einzustellen Das Zentrum mußte eine konfessionelle Partei werden, weil Bismarck den Schritt der Trennung von Staat und Kirche auf dem Schulgebiet nicht wagte, weil er die Konfessionssck ule bestehen ließ und die katholische Kirche mithin zur Wahiung ihrer Rechte auf dem Schulgebiet einer politisch konfessionellen Partei bedurfte. Und so mußten sich auch die Evangelischen und die Juden und die Antikirchlichen um eine Vertretr ng in dem Parlament bemühen. Bleibt die Konfessionsschule, so bleibt das Parlament, Reichstag wie Landtag eine Stätte konfessionellen Haders, insbnderheit um die Schule und die Schulaufsicht. Jede Partei wird den Kultusminister stellen wollen r nd ihre Anschauungen auch in den Schulen der anderen Parteien verwirklicht wissen wollen. IBleiben die Parteien konfessionell eingestellt, so werden wir die Parteizersplitterung, die das Hemmnis einer kraftvollen Regierungspolitik ist, in alle Ewigkeit lbehalten. Denn dem Einsichtigen ist daS Eine ganz klar: Wir! kommen nicht zu einer starken deutschen Mittelpartei, solange die >Parteien, insbesondere daS Zentrum, konfessionell eingestellt sind. Trennung von Staat und Kirche") auf dem Schulgebiet I LoS von der Konfessionsschule! DaS ist stnfere Rettung, unsere Rettung auS geistigen, politischen und endlich auch aus allen Man beschuldigt die Katholiken zu lunrecht. den GrrmanifierungSbestrebungen BiSmarck- und Bülow« Widerstand emgegengesetzt zu haben und Träger der Separ tioUSbrwegnng in Bayern uud im Rheinland gewesen zu sein.! Der Vers. —) Unter Kirche ist immer die jüdisch^ Glaubensgemeinschaft mitgemeint. Der Vers.