Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
- Journal
- Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
- Volume
- 1924
- Issue
- 3 (August-September 1924)
- Date
- 1924-08-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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wenn wir. „keinerlei Verständnis" für seine Pläne einer bürgerlichen Teil Entrechtung der Huden haben sollten, wäre „das selbstverständlichem Grund. den Plan deshalb fallen zu lassen". . Es verlohnt sich kaum, auf diese Dinge ernsthaft einzugehen. i Aber, um gar'keinen Zweifel bestehen zu lassen, sei cs ausgesprochen: Wir haben in der Tat nicht das geringste Verständnis für die Prozentnorm-Pläne des Herrn Anker, bei denen sogar, wie er selbst an anderer Stelle deutlich zu verstehen gibt, nur eine vorläufige Regelung mit dem Ausblick aus spätere noch weitergehende Entrechtung ins Auge geratzt ist. Wir nationaldeutschen Juden haben uns ilets dafür eingesetzt und werden auch in Zukunft stets dahin wirken, bah die Juden sich zurückhalten, dab sie sich im öffentlichen und im privaten Leben nicht vordrängen in einer 'Weise, die ihrer geringen Zahl im Verhältnis zur deutschen! Gcsamtbevölkerung keineswegs entspricht. Aber der Zwang dieser Zurückhaltung darf nicht von auhen kommen, er mutz ^den Juden im Gefühl sitzen und. soweit dies noch nicht der Fall iit, in ihr Gefühl hineingebracht werden.. Erzieh u Njg^ ar b e i t bei den Juden tut not, und Verständnis müNen wir für diese Arbeit bei den Nichtjuden verlange», I soweit iie es mit einer dauerhaften Lösung der Jlidsnsragc wirklich ernst meinen. In seinen früheren Vervffentlichjmgen. in seiner Versammlungsrede und noch in seinem Brief an die „Deutsche' Zeitung" hat Herr Anker dieies Verständnis gezeigt. Auch ln seinem Schreiben an unseren Vorsitzenden zeigen sich wieder Spuren davon. Wenn er dies Verständnis in seinem Stahlhelnz-Bericht verleugnet -hat und-in seinem Buche dreifach yerleugnet, liegt der Grund offenbar darin, das; der Berich und noch mehr das Buch rein - apcslogelische Schriften^smdL gerichtet an die Deutschvölkiichcit. mit denen er den. ZuKtmmenhang nicht verlieren j will. Elwas zu viel Politik, zu viel Klugheit, Herr Major! i Mehr Klugheit jedenfalls, als. wir natiogaldeutschen Juden verdäuen können. Wir sind noch immer für den geraden.! den jdeutschen Weg. Damals, als Sie in der Versammlung vöm 28. Januar Ihr Bekenntnis zum Gedanken der Ehrlichen Verständigung mit den nationaldeutschen Juden in dte Zuhörerschaft hineinriefen, waren Sie ein mutiger, aufrechtes Mann, und die Vorstellung» dah ..übergrober G«- 'rechtigkeitsiinn in vaterländischen Fragen zum Unrecht werde", war > Ihnen damals gewitz noch fremd. Es ist schade, dab Sie H>en mmpathischen Mut, den Sie damals' zeigten, heute durä> ei»e weit weniger sympathische Art der Klugheit zu ersetzen versuchen. - Die klile im Mpeii verein. Von l>r? Julius W e r 1H e r. Ueber dv Borgä'ige lm -Upenvrrrin werden Noch riwren Verbreiter, zum Teil irreführend sind Der ' naLfolgende Aufs, tz wll dazu diene'», unsere Mitglieder l > in Kürze über den Sochvrrdolr zu unterrichten und auf i sie Bedeutung Her bevornchenden Hauptversammlung des '! Usrnkwerkins hin.ziuvessen. ' Dre Lchriftleitung. .-.'lel^r als drei Jahre lang wogt nun der Kampf um Seilion Svnaiiland im Aspenverein. Die Einfügung des - Ariervoingsapben in die Satzungen der Sektion Austria hatte j im Jalne 1921 rund 809- Sektionsmitgliedern den Anlab zu. Bcg! i-ndung der Sektion DonautaNd gegeben. Der Haupt ou-sict uö sdes Alpenvereins gestattet' darauf der n»ubegründeten Scttion den Beitritt und ging überden Protest der von banerüchin Sektionen unterstützten österreichischen Sektionen bilckeq. weil er in der Aussperrung von Donauland den ersten Schritt zur „Arisiziernng" des Gesamtoereins erblickte. Auch in den folgenden Jahren wurden die Vorstöbe der „völkischin" Sektionen gegen Donauland seitens des Hauptausichuss^s stets -urückgewiescn. nicht zum wenigsten durch den Einilutz, den der erste Vorsitzende, Erz. von Sydow, auf die Verhandlungen ausüdte. Inzwischen > arbeitete Donau land emsig und ziclbcwukt an denr Ausbatz der Sektion und iuckte lin durch ein tadelloses persönliches und sportliches Verhalten die Achtung von Freund, und Feind zu erwerben. Die Mittel,'dik früher der Sektion Austria den Bau von Hütten und Einrichtungen ermöglicht.hatten, wurden nunmehr;rr Errichtung eigener Hütten, zur Herausgabe von Irübrerbsiciicrii, Karten und Zeitschriften Md. zum sonstigen Ausbau der ,Organisation nutzbringend verwandt. Durch den Beitritt Non Mitgliedern aller Konfessionen wuchs ihre Zahl atzs rund 3090. „Tstt mchts. der Jude wird verbrannt." Die Hetze des deutichvölkischeil Bundes nahm von Jclhr. zu Jahr an Ungestüm ku. Für die diesjährige, in .Rosenheim abgehaltene Hauptviirsammlung ging dem Hauptaüsschub ein von neun rcichsdeutichcn Sektionen unterstützter -Antrag der österreichischen Sektionen zu. welcher lautete: „Di^e Hauptversammlung fordert die Sektion Donauland aus. behufs Wiederherstellung des Friedens uud der -ruhigen EntuucklMg des Geiamtvereins^ ihten Austritt zu erklären. Die Hauptversammlung erwartet eine Erklärung bis spätestens 31. Oktober. Für den Fall, dab der Austritt nicht erNo wird, hat der Hauptausschub alsbald eine auberordentlic. Hauptversammlung zum Zwecke der weiteren Beschlubfasmng einzuberufen." sDieser Antrag ist mit grober Mehrheit angenommen worden. Dagegen haben die österreichischen Sektionen fhr acht Jahre auf Einführung des Arierparagrapbe» im Gesamtverein verzichtet, und sich verpflichtet. in weiteren vier Jahren Anträge bezüglich seiner „Arifizierung" nur dann einzubringen, wenn diese durch mindestens ein Drittel der ^ichsdeutschcn Sektionen unterstützt werden. Dieser Abstimmung ging eine längere Diskussion voraus, in welcher der Sektion Donauland auch von den Gegnern bescheinigt wurde, dab ihr keine Handlungen vorzuwerfen seien, die geeignet waren, den Aystoh zu diesem Kesseltreiben zu geben. Aber der Hauptautzschuh fürchtete offenbar, hah die deutschvölkischen Sektionen vom Alpenverein absplittern könnten und glaubte, Donauland opfern zu müssen, um durch das oben gekennzeichnete Kompromib den Frieden zu erkaufen. Ob dieser Frieden von Dauer ist. erscheint mehr als zweifelhaft. Ein Unrecht, wie es Donauland angetan wurde, kann nur fortzeugend Böses gebären. Schön mehren sich die Nachrichten, aus denen hervorgeht, dab jüdischen Bergsteigern Hüttenbegünstigungen verweisest worden sind. Die Hakenkreuze an Hüktentüren sind kein gastliches Symbol für den sporthegeisterten Juden. Aber auch die Zauberformel seihst, durch die der Spuk - gebannt werden sollte, das Kompromib von Rosenheim, wird bald auf eine schwere Probe gestellt werden. Es ist selbstverständlich nicht daran zu denken, dab Donauland die Charakterlosigkeit begeht, freiwillig seinen Austicitt zu erklären. Wie aber werden sich die einzelnen Sektionen in der nach dem 31. Oktober einzuberufenden Hauptversammlung zur Frage des Ausschlusses der Sektion Donauland stellen? Nur schweren Herzens haben die gerecht denkenden Sektionen zur Erteilung des Konsilium nbeuncli ihr Einverständnis erklärt. Die Zustimmung zum Ausschluk aber, zu welchem zwei Drittel sämtlicher Stimmen nötig sind, wird vielen, die für das Kompromib eingetreten sind, al»/ein Akt ungeheuerlichen Unrechts erscheinen, so dab die Gruppierung der Stimmen sich in der kommenden Versammlung wesentlich anders gestalten dürste als in Rosenheim. Die Sektionen, welche nicht für den Ausschlub Donaulands ihre Stimme abgeben, werden sich den erbitterten Hab der deutschvölkisch eingestellten Sektionen zuziehen, pnd es wird nur schwer zu vermeiden sein, dah dieser Zwist sich auf die Hütten, Berge und Gletscher ausdehnt, wo der Streit des Alltags fortschmelzen sollte, wie der Schnee in der Sonne. Die jüdischen Mitglieder aber sollten den Zwiespalt nicht durch Vorwürfe gegenüber ihren Sektionsleitungen unnötig verschärfen, sondern eingedenk sein, dab die Stellungnahme in Rosenheim von der Sorge um den Zerfall des Gesamtvercins heeinflubt war. Dafür sollten sie jetzt um so energischer die Notwendigkeit einer veränderten Einstellung zu begründen suchen, damit die nicht eiaseitig völkisch eingestellten Sektionen ihre Stimme erheben: Gegen den Ausschlub Donaulands. Deus Druckschriften des Verbandes liehe Verbancisnachrichten.Z 1 99999999999999999999999999999931