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Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V. · 1924-08-01 · 3 (August-September 1924) · p. Seite 5

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Journal
Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
Volume
1924
Issue
3 (August-September 1924)
Date
1924-08-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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„^eut viäer Fuäa". Eine Verteidignngsschrist tze» Major» Anker. Bon vr. Manfred Blocher t. Dieses Buch wäre eines besonderen Artikels nicht wert, wenn sich nicht der Verfasser durch seine Rede in der Januar- Versammlung unseres Verbandes und durch die an diese Rede sich anschließenden weiteren Veröffentlichungen bekanntgemacht hätte. Ein nicht kleiner Teil des Buches besteht in der Wiedergabe von Behauptungen, die im „Hammer'', in Fords „Internationalem Juden" und in ähnlichen Schriften oft aufgestellt und die genau so oft schon widerlegt worden sind-. Auf diese Dinge hier einzugehen, besteht keine Veranlassung. Für unsere Bespritzung genügt es. wenn wir uns im wesentlichen auf den Teil der Schrift beschränken, der sich auf den Verband nationaldeutscher Juden bezieht. Der Verfasser stellt seinem Buch« das Motto voran: „In vaterländischen Fragen wird übergrober Gerechtigkeitssinn zum Unrecht und führt zum politischen Selbstmord." Diesem Motto ist Anker treu geblieben, wenigstens in diesem Buche, im Gegensätze zu seinen früheren Erklärungen. Auher denen, die der besonderen Parteirichtung des Verfassers nahestehen, wird wohl kein Deutscher einen derartigen Standpunkt gutheiben: ganz gewiß nicht wir nationaldeutschen Juden. Uns schwebt immer noch als Ideal vor Augen: deutsche Treue und deutscher Gerechtigkeitssinn. Man mag Realpolitiker sein und sich damit abfinden, daß manches, was die Gerechtigkeit erfordert, praktisch nicht sofort erreichbar ist. Aber das Motto des Herrn Major Anker verneint di« Gerechtigkeit selbst. Ihm folgen, hiebe das Gute in uns verleugnen. Es bedeutet eine Herabsetzung des Vaterlandes, wenn man uns einreden will, dab gerade in vaterländischen Fragen ein solches Gewissensopfer notwendig sei. Im ersten Teil seines Buches spricht Anker von der Schuld des Judentums an Deutschlands Niedergang. Er zähl^ die altbekannten Dinge auf. redet von der Erstickung des Kampfeswillens durch die Juden, von der Beeinflussung des deutschen Volkes im antinationalen Sinne durch die mächtige jüdische Presse und von Aehnlichem mehr. Die Revolution ist scheinbar auch für ihn nur ein Werk einzelner Juden, die sich auf Ministersesseln sehen wollten. Aber auch die Kunst, die Presse, die Literatur, ja sogar der Adel und selbst der Thron sind alle verludet, und diese Berjudung wiederum ist schuld an unserer heutigen Lage. Wollte man diese Ausführungen ernst nehmen, man mühte über die Gesinnungswandlung des Verfassers staunen. Ganz anders sprach er in seinem früheren Buche „Unsere Stunde komm t". Dort stehen im Sperrdruck, durch Einrücken im Tert besonders heroorgehohen die Worte: „Jedes Volk hat die Juden, die es verdient" (Seite 142). Ganz anders sprach Ma>or Anker auch in der erwähnten Versammlung, öffentlich, vor vielen hundert Juden und Christen. Ganz anders sprach er rchch in seinem Briefe an die „Deutsche Zeitung" <5. Februar 1924), als die ersten Presseangriffe infolge seiner damals als tapfere Tat erscheinenden Rede erfolgten. Damals hob er noch selbst hervor, dab es „nicht nur ist vaterländischem Sinne unklug, sondern auch ungerecht sei, die nationale Bewegung in. jüdischen Kreisen schroff abzulehne n". Damals aM räumte Herr Major Anker der Gerechtigkeit noch Eifrfluh auf seine Stellung zu den Juden ein. Welch« Wandlung bis zu dem Motto seines jetzigen Buches, und das aller «n toemgen Monaten! Aber kommen wir zu Herrn Ankers Stellung gegenüber unserem Verband«. Heute deutet er die Gründung des Verbandes als eine Art Eingeständnis dafür, dab die allgemeinen Anklagen wenigstens gegenüber der Mehrheit der Juden berechtigt seien und dab durch die Gründung des Verbandes nationaldeutscher Juden sozusagen die Wiedergutmachung dieser Schuld versucht werden sollte. Ueber diese scharfsinnige Schlußfolgerung selbst, die natürlich für die alljüdischen Gegner unseres Verbandes ein gefundenes Fressen ist. braucht kein Wort verloren zu werden. Hervorgehoben se« nur. daß auch hier ein fast unbegreiflicher Widerspruch zwischen dem früheren und dem jetzigen Anker besteht. Hätten wir nicht gute Gründe für das Gegenteil, wir müßten wirklich annehmen, daß Major Anker unsere Schriften niemals gelesen und sich ,ein Urteil ganz ohne Kenntnis der Sachlage gebildet habe. Anker hebt auch hervor, daß bisher im Verhältnis zur Gesamtheit nur eine kleine Zahl von Juden unserem Verband angehöre und daß wir innerhalb des Judentums selbst auf starke Widerstände stoben. Auch hieraus will er Schlüsse gegen die Normal-Mentalität des Judentums herkeiten. D»e Prämisse mag zum großen Teile richtig sein, die Schlußfolgerung ist völlig verfehlt. Ist Herrn Anker wirklich nicht bekannt, was wir doch selbst oft gemm betonen, daß nicht mir die paar tausend eingeschriebenen Mitglieder auf unserem Standpunkte stehen, sondern daß ein großer Teil der deutschen ohne eingeschrieben hauptsächlich durch 'e gewisser völzurückwirkt, dab ab« seines jetzigen iweise den Juden innerlich ebenfall» zu uns gehör zu sein? Ist Herrn Anker nicht klar, b die hetzerisch«, verleumderisch« Kampfe klscher Kreise, die natürlich auf die Jstd gerade durch Aktionen wie die Heraus . Buches ein Teil der Juden sich abschrecken läßt, offen seine Gefühle an den Tag zu legen? Weiß! er nicht, daß viele, die sich äußerlich von uns zurückhalten, nur für ihre Person den Vorwurf vermeiden wollen, den wir Mitglieder jeden Tag zu hören bekommen, daß wir uns „anbiedern" und daß man uns trotzdem nicht haben wolle, uns höchstens als Mittel zum Zweck benutze? . > Ein Teil der deutschen Juden ist schon heute für Deutschland endgültig verloren: die Zionisten, Diele von ihnen haben sicherlich von Hause aus nicht judisch-oölktsch gefühlt. Hier hat di« verleumderisch« Hetz« bewirkt, daß sich Deutsche des höchsten und heiligsten Gutes, das >es gibt, des Vater» landes haben berauben lassen, vielfach mir blutenden Herzens. Aber da Vaterland Lebensbedürfnis ist, haben sich viele, die dem Deutschtum zu erhalten gewAen wären, künstlich ihr eigenes, ihr sogenanntes jüdisches Vaterland geschaffen. Nationaldeutsch meinten sie nicht sein zu dürfen, so wurden sie nationaljüdisch. U«d ein anderer Teil des deutschen Judentums, der heute noch nicht jüdischnational ist, kann es morgen werden, .wenn ihm noch öfter durch derartige Bücher, wie das des Herrn Anker, zu Grniüte geführt wird, welcher Aufnahme sich der Jude aussetzt. der sich nationaldeutsch betätigt. > Herr Anker spricht auch — natürlich — vom „jüdischen Geist". Was ist dieser jüdisch« Geist? Noch nie hat jemand eine klare Definition dafür geben können. Nur gefühlsmäßig versteht man darunter eine Summe aller möglichen Eigenschaften. deren Zahl man je nach Bedarf vergröbert oder verringert. Es verhält sich mit dem! jüdischen Geist wie mit dem Schweizer Käse, der überall bergestellt wird, nur meist nicht in der Schweiz. Das. was man in den Kreisen des Herrn Anker fälschlicherweise als . jüdischen Geist" de- - zeichnet, finden wir überall, zum Beisp el bei Herrn Anker selbst, unverfälschter „jüdischer Geist" in diesem Sinne ist die Taktik, deren sich Herr Major Anker in seinem bekannten Bericht an den „S tahlhelm" rühmt. Wollten wir Juden den Inhalt dieses Berichts als den Ausdruck wahrer Ueberzexgung auffassen, kein schlagenderes Bei pkrl für sogenannten Mischen Geist ließ« sich denken. Aber sehr vieles aus den früheren und auch aus den späteren Veröffentlichungen des Herrn Anker spricht dafür, daß gerade der Stahlhelm-Bericht seiner wirklichen Ueberzeugung am wenig sten nahekommt, daß- Herr Anker vielmehr dort nur den Versuch gemacht hat,' unter dem Druck seiner völkischen Freunde als besondere Schlauheit darzustelten. was — wahrscheinlich — zuerst auf wirklicher Ueberzeugung beruhte. 2m übrigen ist Major Anker immerhin jetzt noch ehrlich genuj . auch den Deutschvölkischen selbst „jüdischen Geist" vorzuwerfen. Er sollte also eigentlich auch logisch genug sein, um sich zu sagen, daß dieser Geist nicht spezifisch lüdisch sein kann. Spieen des Verständnisses für diefe Logik finlen sich in der Tat bei Herrn Anker, freilich nicht in seinem jetzigen Buche. In seinem Schreiben vom 2. April die es Jahres, gerichtet an Ken Vorsitzenden unseres Verbandes (abgedruckt in der Berliner Börsen-Zeitung cm 7. April 1924, Nr. 186: stehe auch di« Sondernummer unseres Mitteilungsblattes vom April) sagt Herr Major Anker, daß wir nationaldrutschen Jud;n den sogenannten Mischen Geist genau so bekämpfen, wü er selbst. Richtig, -wir bekämpfen diesen Geist überall, r»o wir ihn finden, bei Juden wie bei Nichtjuden, aber w r machen nicht nur eine bestimmte Bevölkerungsgruppe für ihn verantwortlich: wir brauchen diesen Geist nicht, wie Major Anker selbst, als Agitationsmittel. Denn die menschlichen Eigenschaften, die fälschlicherweise mit „jüdischer Geist ' bezeichnet werden, waren stets unter vielen, wenn nicht unter allen Völkern vorhanden und werden stets unter ihnen vorhanden sein. Sie einer ganz bestimmten kleinen Grupl e von Menschen zur Last zu legen, ist schweres Unrecht, liier finden wir die Ungerechtigkeit, die Herr Anker iy sein;m sehr bedenklichen Motto für zulässig erklärt. Aber wie »erträgt sie sich mit dem „Anstand", der „Ritterlichkeit" u cd der „vornehmen Kampsari", die wiederum Hetr Anker selb t fordert (Seite 34)? In dem Kapitel seiner Buches „Der springende Punkt" sucht Herr Anker sein Verhalten in unserer Versammlung vom Januar zu rechtfertigen — gegenüber feinen deutschvölkischen Freunden. Und im lctzten Kapitel macht er „positive" Vorschläge zur Lösung d, r Judenfrage. In diesen Vorschlägen ist unserem Verband etwa die gleich« Rolle zugedacht, wie dem dressierten Hammel in den berüchtigten amerikanischen Schlachthäusern, der abger chtet ist, die anderen Schafe auf den Weg zur Schlachtbank zu locken, und der dafür gut gefüttert wird. Allerdings ist Heri Major Anker wie ein paar Sähe seine« Buches (Seite kö vorletzter Absatz) igen. selbst ernstlich im Zweifel, ob wir uns zu dieser hergeben werden. Aber er meint andererseits, selbst

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