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Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V. · 1924-08-01 · 3 (August-September 1924) · p. Seite 3

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Journal
Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
Volume
1924
Issue
3 (August-September 1924)
Date
1924-08-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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— 8 Der „deutsche 6ott". Ein Beispiel vornehmer Kampfesweise. Bon Prof. l>r. S. Ginsberg. Das; unser Verband, besonders von der Presse einer gewissen Richtung dcs Judentums, mit Mitteln bekämpft wird, die jedem anständigen Menschen die Schamröte ins Gesicht treiben müssen, ist bekannte Tatsache. Zu diesen Mitteln gehört in erster Linie die Verdrehung von Aeußerungen und Ausführungen unserer Mitglieder, besonders unseres Ffihrcrs. Ich erinnere nur an die übliche Verdrehung des „nationaldeutsch" in ..deutschnational", wodurch erzielt wird, daß viele demokratische und weiter links stehende Elemente sofort eine Gänsehaut bekommen, weil bei ihnen mit dem Wort „deutschnational" sogleich die Vorstellung des radikal-nationalistischen Bramarbas in den Vordergrund des Bewußtseins gerückt wird. Schlimm genug, daß heute die Bezeichnung „deutsch" allein zur Unterscheidung unserer Bestrebungen von denen jüdisch nationaler Kreise und ihrer Mitläufer nicht ausreicht! Bei manchen derartigen Entstellungen ist es zweifelhaft, ob böse Absicht vorliegt oder nur Dummheit der Gegner oder beides zusammen. In der Wirkung kommt es auf dasselbe hinaus, da die wenigsten von denen, die über uns schimpfen, unsere Veröffentlichungen selbst lesen oder unseren Versammlungen beiwohnen. Sie tragen nur das weiter, was ihnen in entstellter oder aus dem Zusammenhang gerissener Form von anderen berichtet wird, die oft auch nur die Verbreiter der Fama sind. Welche Gestalt bei solcher Ueberlicferung das ursprünglich Gegebene schließlich annimmt, ist ja allgemein bekannt und gereicht dem eenus liomo sapians nicht gerade zur Ehre. „Die Verleumdung ist ein Lüftchen" heißt's im Barbier von Sevilla, aber schließlich „brüllt's wie DonNer der Kanonen". Ein besonders kennzeichnendes Beispiel dafür, wie ganz tlare Gcdankengänge umgedeutet werden, bietet die Art und Weise, in der Naumanns in öffentlicher Versammlung ausgcsvrvchcntk Satz vom „deutschen Gott" von den Vertreiern einer gewissen Presse und von deren Gesinnungsgenossen behandelt wird. Daß auch in diesem Falle die Entstellung in gutem Glauben geschieht, ist kaum anzunchmen, da dann ein schwer vorstellbarer Grad von Begrifssstuhigteit der betreffenden Beurteiler vorauszusetzen wäre. Naumann sagte in seiner Rede im Logenhaus am 28. Januar I.. der nationaldeutsche Jude halte fest an seinem jüdischen Glauben, er verleugne seinen Gott nicht, aber dieser Gott sei nicht mehr der Gott eines kleinen Stammes, sondern er sei der Gott der Propheten, der Gott der ganzen Welt, für uns der deutsche Gott geworden. ' Ein der erwähnten Prcsscgattung angehöriges Blatt spricht erst vor wenigen Tagen wieder mit Bezug auf dieses Referat höhnisch von einer „fanatisch nationaldeutschen Rede unter Anrufung des deutschen Gottes"'). Und daß in dieser oder ähnlicher Form die Sätze in weitere Kreise gedrungen sind, können wohl viele von uns aus eigener Erfahrung bestätigen. Die Entstellung ist allerdings so hanebüchen, daß jederder diese Form der Wiedergabe liest oder hört, sich an den Kopf fassen muß. Und dabei ist doch der Sinn von Naumanns Ausführungen ganz unmißverständlich für jeden unvoreingenommenen Menschen mit gesunden fünf Sinne», der die Worte selbst gehört hat oder dem sie in sachlich richtiger Form, d. h. ohne Entstellung schon des Wortlauts, berichtet werden. Daß es sich hier nicht um das göttliche Wesen, sondern um de» Gottes b e g r i f f handeln, daß jenes einheitlich und einzig ist, aber unsere Anschauungen davon sich aus primitiven Vorstellungen entwickelt haben und nach Kultur, Wesensart der Menschen usw. verschieden sind, das sollte doch auch einem „Armen im Geiste" begreiflich sein. Dieser unser menschlicher Begriff von Gott ist — wie alle unsere Vorstellungen vom Irrationalen — nicht in der äußeren Erfahrung gegeben, sondern durch unsere geistigseelische Organisation und durch die Erziehung, die eine Jahrhunderte alte Kultur durch ihre hervorragendsten Vertreter uns gegeben hat. gebildet worden. Aus welchen verschiedenen Quellen «Judentum und Orient überhaupt, Griechentum. Germanentum) der Strom sich gebildet hat und schließlich das gestaltet ist. was wir „deutsch" sNenuen, steht hier, nicht zur Erörterung: sicher ist. daß dieses Deutsche, wie es nun einmal geworden ist, sich von dem Vokkstüililichen anderer Völker deutlich unterscheidet, wenn es auch gerade im Religiösen mit diesem und jenem verwandte Züge aufweist, wie z. B. im Mystischen. Besonders die Ehrfurcht, die dem rationalistischen Element Schranken seht, erscheint als kennzeichnend. Fausts Worte „Wer darf: ihn nennen und wer bekennen usw." empfinden wir als Erdrutsch. Es ist eben das eigenartige Mischungsverhältnis der Bestandteile, das in der besonderen Form zum Ausdruck kommt, *> Bon u S gesperrt. Di« S^rifil l nicht das Vorhandensein dieser oder jen; sich. Daß in diesem Sinne von einem begriff" und von einem „deutschen Gott" darf und daß dieser Begriff in seinen jeden im tiefsten eingewirkt haben muß. deutscher Kultur durchdrungen.ist, das brja erst bewiesen zu werden. So wird deutlich die Perfidie der die schon in der Versammlung bei der von Naumanns Rede ein Hohngelächter jener, die. wie die Verfasser gewisser Pr,sl stellt Wiedergaben. Sie versuchen, Naunuo umzudeuten, als habe Naumann nicht eineiß dem anderen gegeäübergestellt, sondern sozusagen leibhaftigen Göttern unterschieden klar. Naumann soll dadurch auf die sittli etwa des Merowingers Ehlodwig oder des Iaczko gestellt werden, die gerade denjep den vorhandenen vielen für den besten r Bestandteile an „deutschen Gotteslesprochen werden rleugerungen auf der 1 wirklich von ucht wirklich nicht Gegneir erkennbar, »etreffeklden Stelle anstümmten. und seberichte, sie ent uns Worte dahin Golfes begriff zwischen mehreren er Zweck ist ich-rejigiöse Stufe endenfüriten igen > Gott. - ünter hielten, der ihnen rfolgexn verhelfen zum Sieg oder zur Rettung vor den V, würde. i . Daß eine Kampfesweise, die solche Waffeh gebraucht, möglich ist und zuM Teil sogar wirksaifi, ist! beschämend. Allerdings nicht für vr, Naumann. j j ^Lumrmnirmer. Ein Wort in eigener Sachl Bon vr. M a t N a u in a v n. Ich richte diese Worte, die ein Bekennt ns uiid eine Bitte sind, an Freunde und.Gegner unserer Sache An die Freunde, soweit sie noch nicht selbst erkannt haben, laß mehOin Frage steht, als persönliche Empfindung oder g >r Empfindlichkeit. An die Gegner, soweit sie dem Gefühl dafür zugänglich sind, daß man die Person von der Sache trenner, daß man einem Menschen persönlich Gerechtigkeit erweisen kann,! auch wenn man sein Tun sachlich mißbilligt. An alle, die guten Willens sind, ergeht mtzne Bitte, meinen Namen ms hem Spiel zu lassen, wo vons der nationaldeutschen Beinegunb unter den Juden Deutschlands die Rede ist. Man versuche es, mich recht zu versteh!». Nicht das ist, mein Ziel, mich persönlicher Verantwort« ig für persönliche^ Handlung zu entziehen. Wo ich selbst in L Zort, I Schrift oder Tat die Sache vertrete, der meine Arbeit gek ört, stehe ich selbst für mich ein. heute wie gestern. Als ich vir vier Jahren nnt dem Heftchen „Vom nationaldeutschen Judm", damals noch ein Einzelner, den ersten Schritt in "die Oeffchtlichkeit tat. wußte ich genau, daß ick, viele Jahre, vielleicht für den Rest meines Lebens das Ziel der Dreckgeschütze ein würde, deren Abfeuerung für Hunderttausend,! jüdischer Stammes- und deutscher Volksgenossen als politischer Kampf gilt. Einer von denen, die mir heute als Kampfgefährten cm nächsten stehen, mahnte mich damals an Jrundsbergs Wirt: „Mönchlein, Mönchlein, du gehst! einen schweren Gang". Er hat Recht behalten, und ich Habs es voransgewußt, ab» der schwere Gang ist mir, Gott sei Danh bisher noch niemals zu schwer geworden. Noch sind meine Nerven so fest, daß ich ohne tiefere Gemütserregung den angeschleuderten Schmutz wegwischcn und über die vielen Fehlschüsse herzhaft lachen kann. Aber nicht lachen kann ich, wo es nicht um mich selbst, wo es nvi die ernste und große Sache geht!. Man hat sich gewöhnt, von de» natioralderftschen "Juden als „Naumannianern"! zu sprechen. Besonders unsere Gegner lieben diesen Ausdruck sie kennen kaum eiiun anderen. Viele bemühen sich mit dem Aufgebot ihres ganzen Scharfsinns, diese Gattungsbezeichnung «u noch sinnfälligerer Gehässigkeit abzuwandeln. Man spricht von Naumann-Jünge n, von Naumann- Knaben. von Naumann-Leuten: ein Herr, der von Zeit zu Zeit in einem alljüdischen Blättchen seinen Geifei verspritzt, meint in der hebräischen Wortfolge „Bne Naumann", dip „Naumann- Söhne", eine besonder« wirksame Formel de: Herabsetzung gefunden zu haben. Aber der Mißbrauch bleib nicht einmal!auf Gegner beschränkt. Selbst unter unseren eigenen Freunden wird gedankenlos hier und da von einer Na nnann-Bewegung gesprochen. Man hat mir gesagt, ich möge mich giehrt fühlen, weil mein Name so fest mit einer Bewegung verknüpft sei. die heute niemand mehr aus Deutschlands öffentlichem Leben fortschimpfen oder fortschweigen kann. Ich laffe dahingestellt, was bei dem Hin- und Widergeschwätz an Ehrung für mich selbst übngbleibt. Nicht auf mich kommt eS an. Aber verm ehrt wird unsere Bewegung, indem man sie zum Privatunten ehmen eines Ein-

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