Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
- Journal
- Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
- Volume
- 1924
- Issue
- 3 (August-September 1924)
- Date
- 1924-08-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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2 - 2 — j er ist ^Mmilant? Von Bruno Rosen b erg.! .1 Vor mir liegt ein Buch: Sonette, von Eli Elkana. Es ist heiß vtzn Sinnenglut und Liebe zum nationalen Judentum; es ist ehrlich in seiner erotischen und völkischen Glut. Nichts liegt mir ferner als über dieses Buch zu spotten. Und doch! Ich lese die an die deutsche Judenheit gerichteten Zeilen: „Dein Todfeind steht in Deiner eignen Mitte, Ter Affe fremden Volks, Assimilant." Und blättre zurück und finde, daß des Dichters Sehnsucht sei, ins Hebräische übersetzt zu werden: „Gesegnet sei hie Hartd, die reich begnadet Mir meines Herzens höchsten Wunsch erfüllt llnd in hebräisches Gewand Dich hüllt. Nachdem sie Dich im Jordänstrom gebadet!" Wie? Einer, der dreihundert Sonette zu schreiben die Kraft und den Glauben fand, wünscht, daß ihm das kostbare Geiäß seiner Träume umgeformt werde? Er weiß also nicht, daß dem echten Dichter Inhalt und Form eins geworden sind. Er ahnt also nicht, daß es unmöglich ist, deutsch zu schreiben, ohne deutsch zu sein, und daß er. je inniger er um den Ausdruck kämpft, sich um so mehr in das von ihm verachtete „Assimilanteutum" verliert. Gibt es denn ein leidenschaftlicheres und bewußteres „Assimilanteutum" als dies, den Inhalt seines Lebens in deutschen Versen zu gestalten? Assimilant als Schmähname — Wortunfug! Definieren wir ihn, wie Eli Elkana, als „Affe fremden Volkes", so erscheint freilich jeder Assimilant verächtlich. Diese Begriffsbestimmung aber ist völlig willkürlich. Unterliegen wir denn nicht alle, ob wir nun wollen oder nicht, der Anpassung durch Klima und LebenSgewohnheiten? Aehueln wir uns nicht alle zwangsläufig unserer Umgebung an? Trägt nicht der Eisbär einen weißen Pelz, und schreibt nicht Eli Elkana deutsche Sonette? Verächtlich ist nicht die Umformung, sondern die Preisgabe der Persönlichkeit, gleichviel, aus welchen Gründen sie geschieht. Asfimilanten sind wir alle, wenn wir uns den Sitten einer historisch gewordenen Gemeinschaft, in die wir hiueingeboren sind, unterwerfen, wenn wir die Raubtierinstinkte in uns zugunsten der Gesellschaft zügeln. Und Eli Elkana wird sich der besonderen Form des Judentums, die er anstrebt, assimilieren, wenn er die ihm zum Schicksal gewordene Liebe zur deutschen Sprache verleugnet und den Ausdruck seiner Sehnsucht „in hebräisches Gewand hüllt". Auch der Jünger, der sich ganz in die Eigenart eines von ihm bewunderten Meisters verliert, ist Assimilant. Nicht das Motiv also, — wenigstens nicht dies allein und nicht die Bewußtheit entscheiden darüber, ob jemand wegen seines Assimilantentums zu tadeln sei, sondern lediglich die Tatsache, .ob die Eigenart seiner Per- .sönlickikeit dadurch gesteigert oder vernichtet wird, s Auch untz> Mitgliedern des Verbandes nationaldeutscher Juden wird von denen, die,das Judentum völkisch.auffassen, der Vorwurf des Assimilantentums gemacht. Sollte der Name unseres Verbandes nicht allein genügen, diesen Vorwurf zu .widerlegen? Welcher Widersinn, Menschen, die ihre Zugehörigkeit zum Judentum wie ein Plakat in die Oeffeiulichkeit hängen, einer Verleugnung eben dieses Jrchentruits zu beschuldigen. Gerade weil wir Juden sind, wurde ja unser Verband gegründet, gerade weil wir unser Judentum nicht verleugnen wollen, werden wir befehdet . . . von beiden Seiten! Kein anderes Kampfziel kennen wir als das, es i Nnerhalb des Deutschtums als eine berechtigte Eigenart anerkannt zu sehen. . Innerhalb des Deutschtums! Denn eben dies ist es, was uns so wütende Angriffe von andersdenkenden Juden zuzieht, daß wir das Deutschtum als Dominante unseres. Wesens empfinden Wir dürfen von unsere,! zionistischen Gegnern verlangen. daß sie uns endlich einmal die Ehrlichkeit unserer Gefinnung zugestehen, wie ja auch wjr die ihre nicht bezweifeln. Tun sie dies aber, wo bleibt dann der Vorwurf des Assimilantentums? Sind wir nun einmal deutsch in allen Empfindungen, warum sollen wir nicht danach streben dürfen, dieses Deutschtum in uns nach Kräften erstarken zu lassen? Oder soll uns, weil wir Juden sind, verboten sein, was jedem nichtjüdischen Deutschen als Tugend gilt? Ich höre den Gnwand: Ihr wollt deutsch sein auf Kosten Eures Judentums. .Nein, und tausendmal nein! Denn unser.Judentum widerstreitet unserem Deutschtum nicht., es ordnet sich ihm e i n. Nur gewisse, zeitbedin halb des deutschen Aber eben um bringen, habe Deutschheit au gte Strömungen inneres. unter denen es leidet um Verschwinde» zu as Beispiel unsere^ Es erscheint uns tapferer^ ertragen, um das Wertvollste Volkes sind diese z n wir d f g e st e l l t. Schmach und Beschimpfung zu „ . in uns zu erhalten, als es preisgugeben und uns angstvoll in einen faängen Traum zu flüchten^ Zu flüchten! Denn —! Hand aufs Herz, meine Herren Zionisten — um wieviel würde sich Ihre Gefolgschaft wohl verringern, wenn es in Deutschland keine Augst vor dem Antisemitismus gäbe? Wen also trifft d^r Vorwurf verächtlichen Assimilantentums? Ganz gewiß nicht den Verband nationaldeutscher Juden, der sein echtes und eingeboren« Deutschtum wahrt, indem er sich kämpfend zusammenschließt; auch nicht den echten Zionisten, der ehrlich an die Verwirklichung des Traumes einer jüdischen Nation glaubt; wohl abjrr alle diejenigen, die unter dem Druck einer gehässigen und gefährlichen Zeitström üng ihre Persönlichkeit verleugnen und ins nationale Judentum nur deshalb fliehen, weil sie den Kampf scheuen, der ihnen von zwei Fronten droht. Gewiß, sie sind zum gr »ßen Teile ihres Wesens deutsch.. Aber sie wagen es nicht, dmtsch zu erscheinen. — eben weil dies hüben und drüben einen Lohn>einbringt.' So werden sic zu Opportunisten und Ass milanten ini richtigen Sinne des Wortes. Gesetzt einmal, die Hoffnung der Zionisten würde erfüll), so fände ein Zusammenströmen von Juden verschiedenster territorialer Herkunft in Palästina statt; die Keime dieser Entwicklung, gleichvie, wie weit sie gedeihen kann, sind schon heute erkennbar. Deutsche, russische, amerikanische, armenische, galizische Juden vürden sich zusammenfinden. — sie alle behaftet und belastet uit den Eigentümlichkeiten der Kultur ihrer Wirtsvölker. Wie wi re ein Zusanunenleben dieser Juden denkbar, wenn nicht eir e Anpassung stattfände zugunsten eines allen gemeinsamen Ideals! Wertvollste Güter müßten geopfert werden — Spr< che. Kunstanschauungen, Lebensgewohnhcuen —, damit aus die er Verschiedenartigkeit eine Einheit ivürde. Kein Ehrlicher würde daran denken, solche Opfer mit dem Schmähnamen des Assimilantentums zu belegen, denn sie würden gebracht werden, um ein Ideal zu verwirklichen, an das die Persönlichkeit jedt s einzelnen fest verankert ist. Wir aber, wir nationaldeutschen Juden, die wir dem Deutsch um keine einzige wertvolle lleberzeugung zu opfern haben -denn wir besitzen keine, die dem Deutschtum widerstreitet —, sondern die wir nur Ghettö- Gewohi heilen abschleifen und bekämpfen wollen, wir nationaldeutsche a Juden, dis wir unsere Nation nicht erst zu finden und zu gründen haben, sondern sie durch Schicksal und Geburt besitzen, — wir werden beschimpft, wenn wir das uns eingeborene Deutschtum pflegen und fördern. Wie ist, wenn wir schon die Feindseligkeit der Gesinnung voraussetzein ein solcher Verstoß gegen die Logik überhaupt möglich? — Sehr einfach! Eli Ellpna, ehrlich wie alle Dichter, gibt darüber Auskunft. Er nendit den Asfimilanten den Affen eines fremden Volkes. Der jüdischen Nistion. die nur im Traum oder höchstens in über die Welt verstreuten, nicht miteinander verschmolzenen Bruchstücken existiert, darf man angehören, aber der deutschen ... unmög ich! Und weil alle Vorwürfe gegen uns in sich zusammenfallen, wenn man die Echtheit unseres Deutschtums anerker nt. so richtet man eben gegen diese Echtheit seine Pfeile. Wir sind für diese Menschen nicht deshalb Assimilanten, weil wir unser Judentum verleugnen — das ist nur Vorwand —. sondern weil wir itnser Deutschtum bekennen. Man nennt die Deutschen ein fremdes Volk, um die Möglichkeit zu haben, ms zr schmähen. Ist das unehrlich? Ich glaube, nein. Es st der Ausdruck einer Gesinnung, der das-Wertvollste ist uns mversl kindlich geblieben ist, und die nicht begreift, daß einer, »er de itsch ist, unmöglich in die Lage kommen kann, deutsche Art nachzuäffen. Die Angriffe unserer Gegner beweisen nur. dtlß wir auf dem rechten Wege sind. Wir erscheinen ihnen als Assimilanten nicht deshalb, weil die Deutschen uns, sondern weil sie ihnen einfremdes Volk sind. '