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Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V. · 1924-04-01 · Sondernummer (1A) (April 1924) · p. Seite 4

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Journal
Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
Volume
1924
Issue
Sondernummer (1A) (April 1924)
Date
1924-04-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 Standpunkt vertraten. Die beiden einzigen Redner unsere» Verbändeselbst, die in der. durch de« Zwischenfall Lohn leider für längere Zeit unterbrochenen Versammlung zu Worte - n. Verfitzend« als Referent und vr. Peyser als 's , >.r, haben kein Wort von Parteipolitik gespro. rn ein im Gegenteil sehr energisch betont, datz die Jude. > i unS eine Frage ist. die mit Politik nicht daS gering! > 'chaffen hat. L.-> - r verständige rmd ehrlich« Mmsch kann unS demnach un.erstellen, datz wir unS auch den parteipolitischen Teil der Ausführungen deS Herrn Anker zu eigen gemacht oder datz wir unS. um mit Herrn Bernhard zu sprechen, bei den Deutschnationalen angebiedert hätten? > Mitglied r Aber geht nicht auS dem nachträglichen Perhalten deS Herrn Anker. auS seinem Bericht an den »Stahlhelm" hervor, datz die Völkischen und auch die Deutschnationalen, wenn fie wirklich schon einmal unseren Bestrebungen zustimmkit. doch nur eine unehrliche Taktik verfolgen? Datz fie nur die Judenheit spalten wollen, aber nicht ernstlich daran denken, den abgespaltenen Teil als deutsche Volksgey offen anzu»rkenuen? Vorstandsmitglied: Dieser Schlutz ist nicht zwjngZnd, aber selbst wenn er zwingend wäre, waS folgt« daraus gerade gegen unS und unsere Bestrebungen? Der unsert Arbeit wirklich kennt, wer nicht nur den Ausstreuungen) unserer Gegner kritiksoS -Glauben schenkt, sondern unsere Schriften wirklich geles«, unsere Versammlungen selbst besucht hat, mutz wissen und, wenn er ein gerechter Mensch fern will, ehrlich zugestehen, datz unser Deutschtum unabhängig ist von der Zustimmung dieser sich selbst deutschvölkisch nennenden Kreise, wie eS auch unabhängig ist von ihrer Ablehnung. Wir sind Deutsche, Ganzdeutsch« nicht um der Anderen, sondern um unserer selbst willen. Wir sind nationaldeutsich, weil wir nicht anderkönnen. Haben Sie' vergessen, was schon in Naumanns erster Broschüre viele Monate vor Gründung unsere- Verbandes zu lesen war? Tie nationaldeutschen Juden gehen ihren eigenen Weg mitten durch daS deutsche Volk, zu dem ihr Gefühl fie weist, und sie verfolge« diesen Weg. ohne recht- und links um Gunst zu werben, aber auch unbeirrt durch seichten Spott und verständnislose Verschlossenheit. »Wenn ich Dich liebe, waS geht'S Dich an?" - Und in derselben Schrift, wenige Seiten weiter, steht auch zu lesen: Der nationaldeutsche Jude kennt seine wahreil Feinde wohl. Es ist der Heerbann der »völkischen" Fehldenker, die ihm sein Deutschtum rauben oder verkümmern wollen, besten Führer überreizte, oft geradezu geisteskranke Fanatiker und eiskalte Drahtzieher, dessen StotztruppS verhetzte Schuljungen und Studenten, dessen Triarier leichtgläubige Biertisch- Philister find. Gegen diese Feinde sich zu wehren, gebietet" ihm Selbstachtung und Selbsterhaltung. ., Lasten Sie sich doch nicht beeinflussen durch die verlogene Taktik unserer jüdischen Gegner, die unS jede ablehnende Aeutzerung irgendeines Deutschvölkischen alS unumstötzlichrn Beweis unserer Erfolglosigkeit in allen Gangarten vorreiten, dafür aber, wenn aus den gleichen Kreisen einmal eine zustimmende Aeutzerung erfolgt. unS verhöhnen und beschimpfen, weil wir unS »von den Antisemiten loben lasten." WaS geht unS Lob oder Tadel von dieser Seit« an? Wir buchen fie, daeine wie daS andere, objektiv in unserem »Scho der Presse", aber wir wissen genau und wir haben vom ersten Augenblicke unsexer Tätigkeit an gewutzt, datz der Erfolg unserer Arbeit nicht heute und morgen, sondern frühestens in Jahren sich wirklich erweisen kann. Wie gleichgültig ist eS, ob Herr Anker oder irgend ein anderer Linzelmensch unS preist oder verwirft, ob er unS ehrlich oder unehrlich gegenübertritt. Wie gleichgültig, ob irgend ein EinzelereigniS, daS auf den ersten Blick verheißungsvoll erscheinen mag, sich alS trügerisch erweist. Unsere Arbeit dient der Erkenntnis und die Erkenntnis schreitet fort; sein scheinbarer oder selbst echter Rückschlag kann ihr den Weg verbauen. Und um «ine Spaltung d« Judenheit Herbeizufuhren. bedurfte es wahrhaftig der Tätigkeit deS Herrn Majors nicht. Ties, Spaltung besteht schon längst. Sie besteht, seit die tore sich öOreten und die bis dahin künstlich zur schci ^nhett zusammeagepretzten Juden hinausswomte-r in eS. perföulicheS Leben. Sehen Sie sich d»e Zivnisten rn unserer Versammlung gesprochen haben I In so-verschit- Ton sie auch sprachen, in jedem ihrer Dort« schwang der Grundton des UndeutschtuwS, der SefühlSfremdheit mit, in der geschliffenen Sachlichkeit de» Herrn vr. Klee wie in .dem hysterischen Gestammel deS Herrn Ministerialrat vr. vadt und In der zynischen Brutalität de» Herrn vr. OSkar Cohn. Bedurfte eS wirklich der Rede dch Herrn Anker, umdarzutun, daß wir nationaldeutschen Juden, ja daß seWl viele andere Juden, die heute noch stumpfsinnig mit der Zwischenschicht laufen, von gründlich anderer Wesensart find, daß wir und fie trotz gleicher Abstammung und Religion zu einem anderen Volke gehören, als diese Jüdischnationalen,? Selbst wenn Herr Anker wirklich nur in perfider Absicht, gehmrdpt hätte, man «nützte ihm geradezu dankbar sein, datz er durch sein- Worte die Zionisten zur Demaskierung grtriebm, datz er den längst bestehenden tiefen Gegenscch deS nationalenEmpfinden», der von kurzsichtigen sogenannten Politikern immer Wwderv«. tuscht wird, zwar nicht, hervorgerufen, aber mit erwünschter Beschleunigung enthüllt hat. ^Mitglied: Ich sehe ein, datz Sie nicht unrecht haben. Für unseren verband, für unser« weitere Arbeit mutz dieser Zwischenfall belanglos bleiben. Aber wie denken Sie über da» Le» halten de» Herrn Major Anker selbst, über die menschlich«, die moralisch« Seite seines Vorgehens? varstandsmttglied: Wir find nicht berufen, ein Ehren- > geruht über ihn zu halten. Aber — wenn Sie meine persönliche Ansicht erfahren wolle«, ich halte ihn auch heute nicht für den »Heimtücker und Jesuwiter", um mit Onkel Brifig zu reden, alS der er heut« den meisten Juden, selbst den meisten unserer Mitglieder erscheint. Der Vorsitzende unsere» verband^ hat sofort nach dem Erscheinen de» Artikel» im »Montag Morgen" Herrn Anker in einigen kurzen Zeilen um Aufklärung seines Verhaltens ersucht. Herr Major Anker hat mit einem ausführlichen Schreiben geantwortet, das Sie in der Sonder- Nummer unsere» Mitteilungsblattes unter den .Dokumenten zum Fall Anker" finden. Lesen Sie eS und urteilen Sie selbst. Mein persönlicher Standpunkt ist der. Latz wir auch diesem scheinbaren Freund« von gestern und scheinbaren Gegner von heute gegenüber versuchen sollten, so gerecht zu sein, wie wir selbst eS von unseren Gegnern, wenn auch meist vergeben», verlangen, versuchen wir, di« durch jahrhundertelange Bedrückungen und Enttäuschungen angezuchtete Empfindlichkeit, die unS Juden so oft den klaren Blick trübt, zurückzud äugen und rein menschlich zu urteilen, alS beträfe der Fall nicht un» selbst, als hätte er sich irgendwo in China ereignet oder auf dem MarS. Versuchen wir, Verständnis und Mitempfinden zu haben mit menschlichen Schwächen, denen wir alle unterworfen find. Vergegenwärtigen Sie sich di») Lage, in der sich Major . Anker nach seinem Auftreten in unserer Versammlung befand. Von allen Setten fiel die deutschvölkische Meute über ihn her. wilder noch, als vor 2 Jahren über Herrn von tdppeln- Bronikowski, alS er. damals noch Mitglied der Deutschnationalen Partei, in der Herrenhaus-Versammlung an unsere Seite getreten war. Die vaterländischen verbände, bis dahin daS eigentliche TätigkeitSf^d deS Hern« Anker, empörten sich gegen chn. Man verdächtigte ihn, von unS gekauft zu sein, warf ihm Verrat an der völkischen Sache vor. SS ist fast ein Wunder, datz man ihn nicht als Verräter »umzulegen" versucht hat. Unserem Vorsitzenden hat man einen Spitzel geschickt, der in recht ungeschickter Form zu erkunden versuchte, wie wir Herrn Anker für sein Auftreten in derverfammlung „entschädigten". Herr Anker sah die Gefahr vor Augen, datz er. de? wirklich ein Völkischer im besseren, nicht parteimäßig beschränkten Sinne deS Worte» ist, den Boden unter den Fützen verlieren, au» jeder WirkungSmöglichkeit d« den Kreisen, denen er sich zugehörig fühlt, verdrängt werden könnte. In dieser Lage schrieb er seinen Bericht an den „Stahlhelm". Er wollte den verhetzten und verblendeten, meist jugendlichen Menschen, zu denen er sprach, erklären, dass sein Auftreten in unserer Versammlung keinen verrat an der deutschen Sache bedeutete. Für die ethischen Gründe seines Verhaltens durfte er in diesen Kreisen kaum Verständnis erwarten. So bemüht« er sich, die Sprache derer zu sprechen, die chn verstehen sollten. Er wollte ihnen darlegen, datz selbst dann, wenn wirklich unser Verband kein «rnstzunehmender Faktor der nationaken Sach« wäre, seine Taktik, unS »die Tnr zu öffnen", vom reinen ZweckmätzigkeitSstandpunkte im Sinn« der BerichtSempfönger nicht falsch gewesen sn. Die Worte, in die er diese Darlegung kleidete, find zum Teil recht unglücklich gewählt. Vielleicht ist sein Temperament zu stark, um chn immer den zweckmätzigen, ganz unmißverständliche« Ausdruck finden zu lassen. Schon in seiner verfammlungSrede war die» erkennbar, e» wird noch deutlicher in dem Bericht, her affend« unter

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