Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
- Journal
- Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
- Volume
- 1924
- Issue
- Sondernummer (1A) (April 1924)
- Date
- 1924-04-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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» Der „fall Unke«« Tin LesprLch. Dal Mitglied: Sa» sagen Eie nur zu dem „Stahlhelm*. Brief d«S MajorS Anker? Für mein.Empfinden eine höchst peinliche Angelegenheit. La» vmchtmrdSmttGliep: Peinpch — vielleicht. ES fragt sich nur, für w«r. Mttgtted: NatürUch in erster Linie für Herrn Anker selbst, aber daneben doch auch für unseren Verband. Denken Sie nur an di« irreführende Form, in der am 31. März die Angelegenheit durch den „Montag Morgen* dem Publtkwn vorgesetzt wurde, und an die unglaublichen Ausfälle deS Herrn Georg Bernhard in der großjm Zionisten-Versammlung am Abend desselben Tages. Schließlich ist eS doch auch «in sebr peinliches Gefühl, sich sagen zu müssen, daß eia Mann wt» Herr Anker zu unserer Versammlung nur kommt, um unS aufS GlatteS zu führen und nachher vor seinen völkischen Gesinnungsgenossen mit seinem Erfolge renommieren zu können. Vorstandsmitglied: Ich bin nicht Ihrer Ansicht, aber ich freue mich, daß Sie mich um meint Meinung fragen. Wenn jeder, der sich für ünS interessiert, einschließlich unserer eigenen Mitglieder, möglichst oft den Weg freimütiger Aussprache einschlagen wollte, könnte manches Mißverständnis und manche Legendenbildung vermieden werden. Leider ziehen viele es vor» ihre Bedenken in der Stille zu züchten und womöglich mit Gegnern unserer Sache zu erörtern, ohne sich vorher bei dem Vorstand über den nackten Tatbestand informiert zu haben. Wir Vorstandsmitglieder wissen nun einmal von den Tatsachen mehr, als wir in jedem einzelnen Kall« jedem einzelnen verbaiüsmitglied Mitteilen können. Daraus sollte aber stets der eigentlich selbstverständüche Schluß gezogen werden, daß man unS, wo Bedenken in der Entstehung begriffen find, zunächst einmal fragt, damit wir die TatsacheN-klarstellen und unrichtige Anschauungen widerlegen können.! > Mitglied: Ich werde mich freuen, wenn eS Ihnen gelingt, auch meine Bedenken zu widerlegen^ Vorstandsmitglied: Der Versuch soll gemacht werden, aber gehen wir schrittweise vor. Sie sprachen von dem Artikel deS „Montag Morgen*. Der war gtwlß nicht sehr wohlwollend gefärbt. Aber auch dies« Seite der Dinge erhält ein ganz anderes Aussehen, wenn man di« Entstehungsgeschichte deS Artikels kennt und das, waS auf seine Veröffentlichung folgte. Der vertrauliche Bericht deS Majors Anker war schon tagelang, bevor ein Bruchstück im „Montag Morgen* erschien, in jüdischen und bestimmten politischen Kreisen in Umlauf, und zwar in einer ganzen Reche mechanisch vervielfältigter Exemplare. AS treibende Kraft steckt einer unserer bekannten Könner hinter der ganzen Angelegenheit, hem irgend ein Spitzel di« erste Abschrift zugetragen haben mag. Dieser liebe Freund hat sich hier und dort bemüht, den Bericht unterzubringen. Natürlich legte er Wert daraus, daß die Veröffentlichung in einer für unS möglichst unangenehmen Form erfolgte. Sn verschiedenen Stellen hat er kein Glück gehabt, selbst an solchen, die sonst über den Verdacht erhaben sindunS zu protegieren. Schließlich ist eS ihm gelungen, durch Vermittelung eines „nach, geordneten* Redakteurs d«S „Montag Morgen* seinen Parther- Pfeil obzuschießen. Auch dieser Versuch wäre gescheitert, wenn di« leitend«: Redakteure informiett worden wären. Durch einen eigenartigen Arfall find fi« nicht informiert worden, wenigstens nicht vollständig. Der Artikel wurde im letzten Augenblick in daS Blatt - emgeschoben und die beiden Herren waren selbst wenig angenehm überrascht, als sie ihn lasen. Nur so war eS möglich, daß hipc wieder einmal die Worte „nationaldeutsch* und „deutschnati werden konnten, von den mit al* miteinander vertauscht erachtung* und ähnlichen Freundlichkeiten gespickten Einleitung»- und Schlußbemerkungen haben in sehr höflicher Form um Richtigstellung ersucht, aber natÜrpch vergeberS. Da» Blatt hat Wed« berichtigt, noch unser St fteiben dxWvortet kteure haben sofort in eingegriffen und schon in die bedenklichen Jrrtümer ganz Abgesehen. Die leitenden ebenso loyal« wie energischer Weil der nächsten Nummer des Blattes deS ersten Artikels richtiggestellt. Wir könnten nur wünschen, daß alle Redaktionen daS gleiche Maß journalistischen Anstands bewiesen. -. B. die der Lossischen Zeitung deS Herrn Seorg Bernhard. Auch dieses Blatt hat vor einig« Zeit sich denselben „Irrtum* geleistet, indem e ^uns als „deutschnationale Juden* bezeichnet hat. Wir Mitglied: DaS wundert mich nicht. Di« Zusammenhänge d« Losfischen Zeitung mit dem Zionismus find schon seit länger« Zeit unverkennbar. Und Herr Georg Bernhard selbst g«Ä ja mrm« mehr inzionistisch« Fahrwaffer. varstandsmit^iedr DaS würde an und für sich nichts viel bedeuten. Er ist in seine« Leben schon in die verschiedensten zugehoren — anscheinend hält er allen Ernste» den Zionismus für «ine Partei, wie ja manche Kreise überhaupt dazu neigen, Fragen des LolkStumS für Parteifragen zu halten — aber eS scheint doch, als habe « jetzt «uS sein« Verirrung ins Deutschtum endgültig zu sein« wahren Nation heimaefundeu. ES lag ihm wohl auch daran, außerhalb Frankreichs wenigstens an nn« Stell« ernstgenommen zu werden, und so ist es ganz logisch, daß « sich gerade an die in Deutschland lebenden Fremden, die Zionisten, hält. Um sich bei ihnen kommentmäßig einzupauken, Abt «S natürlich kein bessere» Mittel, als unseren verband zu beschimpfen und die in diesen Kreisen immer noch zugkräftige Unwahrheit, wir wollten unS „bei den Deutschncmonalen anbiedern*, zu wiederholen. Mitglied: Sie glauben also nicht, daß u»S diese in einer großen Versammlung vorgetragenen Unwahrheiten schaden können? vorftaudSmitglied: Bei wem? Bei den Ostjuden, voit denen di« Versammlung reichlich besucht war, oder den Lesern der „Jüdischen Rundschau* oder den einheiratenden Viehhändlern d«S „Israelitischen Familienblatts?* Was diese Leute von und denken, kann unS höchst gleichgültig sein. Im Gegenteil: wenn sie eines TageS unS etwa -»stimmen sollten, 'müßten wir uns fragen, ob wir noch auf dem richtigen Wege sind? Aber diese Gefahr ist fürs erste noch gering. * Mitglied: Und wie denken Sie über den Bericht des Herrn Anker selbst? Glauben Sie nicht, daß durch di« Veröffentlichung dies« unaufrichtigen Ausführungen uns« Verband diskreditiert werden könnte? VorstaadSmitglied: Ich muß meine Frage wiederholen: bei wem? Haben wir denn in dem Auftreten gerade dieses jviSkusfionSrednerS einen Wendepunkt erblickt, haben wir etwa gemeint, jetzt könnten wir die Hände in den Schoß legen und die weitere Arbeit getrost Herrn Anker überlassen? Haben wir etwa, um unS die Freundschaft deS Herrn Anker zu sichern, den Grundsatz geopfert, unsere Arbeit vo» jedn Parieipolitik freizuhallen? DaS können nur skrupellose Demagogen be- /Haupte». die mehr Wert auf die parteipolitische Verwendbarkeit al» auf die Wahrheit ihrer Behauptungen legen. Di^ Wahrheit sieht ander» auS. Wir haben Herrn Major Anker eine Einladung zu unserer Versammlung gesandt wie Hunderten and«« Personen, dekannten Freunden unserer Sache, bekannten Gegnern und solchen, deren Stellung zur Judenfrage wir gar nicht kannten. Uns« Bestreben girrg ia gerade dahin, in dieser Versammlung daS deutsch^ Judenproblem von allen Seiten beleuchten und deshalb die Vertreter der verschiedensten Richtungen zu Worte kommen zu lassen. Persönlich hat kein« von uns Vorstandsmitgliedern zu Herrn Anker irgendwelche Beziehungen gehabt. Er hat auf unsere Einladung rein formell geantwortet und sich erst im VersammlungSsaale unserem Vorsitzenden vorge§ stellt. AIS er dann in der Diskussion al» erster vorgemerkter Redn« sprach und wieder, genau wie in seinen Schriften, zum Ausdruck brachte, er begrüße unsere auf Herstellung einer deutschen Einheitsfront gerichteten Bestmbangen und halte e« im vaterlSndischen Interesse für unmöglich, den national gesinnten Juden die Tür deS Deutschtums z« verschließen, haben »vir ihm natürlich lebhaften Beifall gezollt. Als er jedoch im zweiten Teile sein« Red« für die Monarchie und andere parteipolitische Forderungen eintrat, haben wir Vorstands- Mitglied« bedenklich die Köpfe geschüttelt, denn wir wußten natürlich, daß diese Ansichten mit denen eine» Teil» unserer politisch ganz verschieden gerichteten Mitglied« nicht übereinstimmten, und wir bedauerte«, daß» auf diese Weise die Diskassion in die Bahnen der ParteWchitik'zu geraten drohle. Immerhin: Herr Major Anker hat von seinem Standpunkt au» nicht« and««» getan, al» die Zionist««, die nach ihm sprach«» und ebenso einseitig ihren sozialistisch-pazifistische» -