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Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V. · 1924-04-01 · Sondernummer (1A) (April 1924) · p. Seite 2

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Journal
Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
Volume
1924
Issue
Sondernummer (1A) (April 1924)
Date
1924-04-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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6in Mort Lu äen k(eickst»gSWLk1«n. R,tl„al»«1fche Jubeul Di, ReichStagSwahlen stehen vor der Tür. Man fragt unS: W«lche Partei wählt der nationaldeutsch« Jude? Die Antwort lautet: Er wählt die Partei, die seiner persönlichen Ueberzeugung nach die beste Gewähr für eine gute, im wahren Sinn« nationale Politik bietet. Unser Verband steht über den politischen Parteien. Angehörige der verschiedensten Gruppen find seine Mitglieder. Aber bei aller Verschiedenheit der Ansichten im einzelnen find die Mitglieder verbunden durch den festen Willen, daS Wohl deS Deutschen Vaterlandes über daS eigene Wohl zu stellen. Dieser Gedanke darf auch fHr die Ausübung deS Wahlrechts allein richtunggebend sein. Man sagt Euch, Ihr sollt keinen Antisemiten wählen. Gewiß nicht. DaS Wort, daß nur die allergrößten Kälber ihren eigenen Metzger wählen, gilt auch für Euch. Aber wer ist ein Antisemit? Die Bezeichnung mag zutreffen auf die sogenannten .Deutschvölkischen-, deren politisches Glaubensbekenntnis sich in rein negativer Judeufemdschast erschöpft, denen jeder positive Gedanke, jedes Verständnis für Realpolitik fehlt, deren sogenannte Programm« bei ernsthaften Menschen nur Kopfschütteln erregen können. Aber nicht jeder ist Antisemit, der gewissenPersönlichkeitien und Gruppen der Juden mit Kritik gegenübersteht, her sich und nötigenfalls auch anderen eingesteht, daß eS in Deutschland eine Judenfrage gibt. Solche .Antisemitenfinden sich unter dtn Vertretern jeder, auSnahmeloS jeder politischen Partei, bei den Kommunisten wie bei den Deutschnationalen. ltnd Ihr wählt — unter dem System der'Listenwahl — nicht den einzelnen Abgeordneten. Ihr wählt die Partei. Keine politische Partei ist eine Versicherung gegen Judenfeindschaft, mag sie auch im Programm den Antisemitismus verwerfen. In jeder Partei find Menschen, die der Judenfrage mit eingewurzelten Vorurteilen, und andere, die ihr mit Gerechtigkeitssinn und Verständigungswillen gegenüberstehen. Ob innerhalb der Partei die eine oder andere Richtung sich durchsetzt, ob die Partei, als Ganzes mitwirkt, die Judenfrnge einer ehrlichen Lösung näherzubringen, ist unabhängig davon, ob heute ein sogenannter Antisemit mehr oder weniger als Abgeordneter in den Reichstag einzieht. Entscheidend wird sein, ob Deutschland endlich zur Ruhe kommt, zu einer würdigen, von sklavischer Unterwerfung wie von utopischen Gewaltexperimenten gleich freien Ruhe, die dem kranken Volkskörper die Möglichkeit der Bekundung gibt. Hat sich erst das hitzige Fieber gelegt. daS heute durch Plackereien von außen und Hetzereien von innen immer neu angefacht wird, dann wird auch langsam der überhitzte Judenhaß schwinden, der nichts als ein Symptom des allgemeinen Krankheitszustandes ist. Wann er endgültig verschwindet, wird zum großen Teil von uns selbst, den deutschen Juden, abhängen. Je weniger wir uns durch judenfeindliche Behelligungen in unserem gefühlsmäßigen Deutschtum irremachen lassen, je unverdrossener wir, jeder Perkennung und Beschimpfung zum Trotz, an den nationaldeutschen Aufgaben arbeiten, je weniger wir unsere wahren oder vermeintlichen Werte ausdringlich zur Schau stellen, desto eherwird der größte Teil deS heute antisemitisch verhetzten deutschen Volkes erkennen, daß eS Juden gibt, die ihr deutsches Vaterland mehr lieben, als sich selbst, di« in deutschen Fragen nur von deutschen. Nicht von jüdischen Gesichtspunkten sich leiten lassen. Und die Geschäfts-Antisemiten werden, von ihrem Anhang verlassen, in das Dunkel ihres Ursprungs zurücksinken. Was folgt daraus? Jeder nationaldeutsche Jude wähle die Partei, die ihm als Deutschem am nächsten steht. Mag Eure Partei rechts oder links oder in der Mitte stehen, wählt sie, wenn Ihr glaubt, daß sie dem deutschen Vaterland« am besten dient, gleichviel ob ihr der eine oder andere .Antisemit" angehört. Aber keiner, der ein Deutscher sein will, wähle eine Partei," deren Politik ihm „eigentlich" nicht zusagt, nur deshalb, weil er meint, als Jude in ihr am besten aufgehoben zu sein. Unwichtig ist daS Schicksal deS einzelnen. Da» deutsche Volk, daS deutsche Vaterland sollen fortbestehen, auch wenn wir Menschen von heut« vergaqgen und vergessen sind. Um Deutschland geht der Kampf. Denket an Deutschland! - . Der varftau». L,uäenäorfs unä äie Jucten. (Bereit« durch di« LageOprefse verbreitet.) Wir find von verschiedenen Seiten angefragt worden, welche Stellung wir zuden von General Ludendorff im Litler-Prozeß mit Bezug auf .daS Judentumabgegebenen Erklärungen »innehmen. Rach Zeitungsberichten hat General Ludendorff gesagt. daß die .jüdische Raff«- der von ihm als „unsriaebezeichnrten .entgegengesetztsei und dies« physisch, moralisch und blutmäßig Verderb«, daß di« Juden Fremdkörper im deutschen Volke seien und „deutsche Belange nicht verstehen könnten". Wir haben dazu folgendes zu erklären: Die von General Ludendorff zum Ausdruck gebrachten Anschauunaen unterscheiden sich in nichts von den Ansichten, di« in der sich deutschvölkisch nennmden Literatur, in Flugschriften, Versammlungsreden und sogenannten wissenschaftlichen Werken schon häufig ausgesprochen worden find. Sie gehören in daS Gebiet einer geistigen Verirrung, die M die Stelle positiver, auföauenddr Ideen eine ebenso bequeme wie unfruchtbare Negation setzt und dem Vaterland« zu nützen vermeint, indem sie alles, was faul ist in Deutschland, auf «ine Zersetzung durch .fremde" Einflüsse zurückführt. Um solche Verirrungen zu beseitigen und die irregeleiteten Kräfte dem deutschen Vaterland« nutzbar zu machen, find Proteste im Einzelfalle nicht daS aeeignete Mittel, mag eS sich nun um General Ludendorff oder einen anderen" in den gleichen Anschauungen befangenen .völkischenhandeln. Wirksam werden kann nur die systematische Aufklärung über daS wahre Wesen der deutschen Judenheit, die ebenso auS rein nationaldeutsch fühlenden und anderen, I dem Deutschtum innerlich fremden Elementen -gemischt ist, wie der nichtjüdische Teil des deutschen Volkes. Dieser Aufklärungsarbeit. nicht der fruchtlosen Einzelbekämpfung dient unser verband. Wie wir im übrigen über die Anschauungen deS Generals Ludendarff denken, ergibt sich auS einem Schreiben. daS wir anläßlich eines SonderfallS im Juli 1923 an unsere Münchener Jugend» und StudentenKuppe gerichtet haben. In diesem Schreiben finden sich folgende Sätze: Es bleibt somit seine Stellung gegenüber den deutschen Juden zu würdigen. In dieser Hinsicht steht leider fest, dgtz Herr General Ludendorff sich mit einer Kritiklosigkeit, die gerade bei einem derartigen Mann jeden Deutschen tf besonders schmerzlich berühren muß, von den törichten Pehauptungen, die der Geschäfts-Antisemitismus zu verbreiten pflegt, einige zu eigen gemacht und, wenn auch jedenfalls in gutem Glauben, selbst weiter verbrettet hat. In seiner Schrift „Kriegführung und Politik" wird allen Ernstes von einer „Oberleitung »des jüdischen Volkes-, bon jüdischen WeltherrschastSplänen und ähnlichem gesprochen. Das Buch „Die Geheimnisse der Weisen von Zion", das von dem mitunterzeichueten Vorsitzenden einmal als die Parodie eines Hintertreppenromans bezeichnet worden und dessen Fälschung inzwischen längst einwandfrei festgestellt ist, wird von Herrn General Ludendorff als Quelle angeführt. Auch in den späteren Auflagen seines Buches hat Herr General Ludendorff diese An- - gaben'und Ausführungen^nur unwesentlich abgeschwächt. Er hat sich somit bewußt in die Reihen derjenigen „Deutschvölkischen" gestellt, von denen die Gesamtheit der deutschen Juden als schädlicher Fremdkörper im deutschen Volke angesehen und mit Verallgemeinerungen bekämpft wird GegendiesenTeilsemerTStigkettmußfichjederdeutsche Jude wenden, der Selbstachtung und einen klaren Köpf besitzt. DieS gilt auch für die nationaldeutschen Juden, die^ja von Herrn General Ludendorff mit allen anderen Juden über einen Kamm geschoren werden und von denen er höchstens den einen oder änderen al» „Ausnahme" gelten lassen will. Dieser Erklärung haben wir auch heute nicht» hinzuzufügen. verbau» »attaualveutscher Jube» e. v. vr. Naumann. vr. Breslauer. >

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