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Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V. · 1924-01-01 · 1 (Januar-Februar-März 1924) · p. Seite 10

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Journal
Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
Volume
1924
Issue
1 (Januar-Februar-März 1924)
Date
1924-01-01
Page
Seite 10 (sequence 14)
Language
German
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deutscher Bindung fehlt, dieses Gefühl auch bei anderen nicht verstehen können. Aber deutsche Staatsbürger, di« sich selbst bei jeder Gelegenheit als gute. Deutsche bezeichnen, sollten doch wohl Verständnis dafür haben, dah für uns deutsches Nationalgefühl nichts anderes bedeutet, als den inneren Zwang, alle Fragen dir Politik, des verantwortlichen Handelns der Einzelnen, soweit sie das nationale Gebiet auch nur berühren, lediglich von deutschen Gesichtspunkten aus zu betrachten und zu entscheiden. Das Wesentlich« ist, dah für uns nicht irgendwelche Nutzlichkeitsgründe ausschlaggebend sein können, auch nicht solche Gründe; die unser Ergehen als Juden betreffen, dah uns vielmehr nur das tief in uns verankerte Gefühl den Weg, den deutschen Weg weist. Dieses unser Nationalgefühl > entspringt einer tiefen Verwurzelung in deutscher Umwelt und deutscher Geschichte, einem innigen Verbundensrin mif deutscher Kultur und deutschem Wesen, einer heitzen Liebe zu deutscher Heimat und deutschem Volk. Wie weit nt dieses Grundgefühl entfernt von jeder phantastischen Ueberspannung, wie wenig hat es zu tun mit Ueberhebung über Andersdenkend«! Wir haben usts zusammengeschlossen in der Ueberzeugung, dah Deutschland heute nicht nur gute Staatsbürger, sondern gute Deutsche braucht, und weil wir durch geschlossenes Auftreten npch auhen den Beweis erbringen wollen, dah auch unter den deutschen Juden relativ genau so viel nationaldeutsch Empfindende sind wie unter den Nichtjuden. Dah nochnicht alte diese Gleichempfindenden unserem Verbände angehören^ hat mancherlei Gründe: nicht zum kleinsten Teile gehen sie darauf zurück, dah oerhältnismähjg viele, die im Empfinden durchaus national sind, vor diesem oft mihbrauchteii Wort eine gewisse Angst haben. Und doch ist gerade dieses Wort noch nicht zu entbehren. Uns fehlt in Deutschland noch grohenteils der Begriff des selbstverständlichen Nationalgefühls, den z. B. die Engländer von Baldwin bis Macdonald, vom Lord bis zum Hafenarbeiter besitzen. Eben deshalb ist bei uns noch eine Betonung des Nationalgefühls nach auhen hin nötig, die in England entbehrlich ist. eben deshalb müssen sich alle Nationaldeutschen zuiammenschliehen, ohne Rücksicht auf ihre» parteipolitischen und religiösen Standpunkt, um zu kämpfen für das Deutschtum und gegen dar Undeutschtum. Wenn wir nationaldeutfche» Juden dies versuchen, überheben wir uns deshalb über Andersdenkende, müssen wir uns deshalb für bessere- Menschen halten? Gewih, wir legen Wert darauf, in unseren eigenen Reihen nur makellose Mitarbeiter und Mitkämpfer zu haben, wir sichten sorgfältig, bevor wir jemand.in den Verband aufnehmen. Aber das berührt nur die-Organisation als solche, die im Interesse ihres reibungslosen Zusammenarbeiten? auf einwandfreie Zusammensetzung ihres Mitgliederbestandes Wert legen muh: mit dem Begriff, des -Ngtionaldeutschtums selbst hat alles dies nichts zu schaffen. Wir sind weil entfernt, alles Deutsche für gut, alles Nfchtdeutsche für schlecht zu halten. Wir wissen, dah es anständige und unanständig^.-Menschen überall gibt, unter denen, die national, un«s» denen, die nicht national empfinden. Aber darf uns diesf^Erkesntnis hindern, usts zur 'Auswirkung dessen, was wir für gut und dem Vaterland« nützlich halten, mit Gleichfühlenden zusammenzuschliehen? Liegt wirklich schon darin eine lleberschätzung unserer eigenen Art? Wir lächeln darüber, wenn man uns die Zielsetzung unterstellt, dah am deutschen Wesen die Welt genesen solle, wie wir über jene Gruppe der Zionisten lächeln, die der wahnwitzigen.Idee anhängen, die Welt solle von Palästina aus zum Paradiese gestaltet werden. Aber kommt es denn darauf an. was wir selbst meinen? Herr Arnold Zweig weih es besser. Er verkündet seinen andachtsvollen Hörern, das höchste Ideal des nationaldeutschen Juden sei der Helm der Gardedukorps, mit dem geschmückt er dem aus dem Ulk her „rühmlichit bekannten" Witzblatt-Leutnant es gleichtun wolle. - ' ^Lit Leuten dieses Typs werden wir uns niemals Einigen. Von ihrer Kampfesweise zu der unseriqen, von ihrem jüdischen zu unserem deutschen Nationalgefühl führt keine Brücke. Aber noch gibt es weite Kreise, auf die wir aufklärend wirken können. Vor allem die Jugend müssen wir noch mehr gewinnen, jenes gröhe lebendige Reservoir. aus dem so viel gegensätzlich« Strömungen neue Kräfte schöpfen. Es ist nicht wahr, dah der gröhere Teil der jüdischen Jugend im zionistischen Lager steh«. Vielleicht, leider, trifft dies auf den aktiveren Teil zu. Aber ein anderer Teil hat noch nicht Stellung genommen. Darum wollen wir jungen Juden, die mit unerschütterlichem Idealismus, entflammten Herzen und tätbereiten Händen der nationaldeutschen Fahne folgen, den schweren Dienst des Vortrupp, auf uns nehmen für alle die vielen, die. nationaldeutsch im Herzen, sich erst langsam zu uns finden. Wir rufen dich, jüdische Jugend deutscher Kultur, zu diesem Banner. Es soll uns führen zum Kampf, nicht für ein konstruiertes jüdischer Vaterland fern in Asien — das ist wahre nationale Phantasterei —. sondern für unser Heimatrecht, für unsere Zukunft, für unser Volk: das deutsche! Tragt dieses Banner der Morgensonne entgegen. der Sdnne deutscher Zukunft und deutscher Freiheit! bloc signc» vinces. VerbanäsnLckrickten. 1. Ortsgruppe Breslau. Am 27. Januar 1924 hielt unser Mitglied Studienrat vr. Wachs »er. Berlin. e,n«n Vortrag „Die deutsche Schule und der nationaldeutsche Jude". Eingeladen waren in erster Linie nichtjüdische Schulmänner. Der Vortrag wurde mit grober Aufmerksamkeit angehört und knit Verfall ausgenommen. Im Anschlüsse daran sprach das Vorstandsmitglied der Ortsgruppe Geheimer Justizrat Feige. Eine Aussprache fand nicht statt. Die Ortsgruppe erhob Einspruch bei dem Schriftleiter der BreslauerZeitung. welche die Aufnahme von Notizen über unsere Bestrebungen bisher stets aus Gründen der „Neutralität in jüdischen Angelegenheiten" abgelehnt hatte, vor einiger Zeit aber einen ausführlichen Bericht über eine Veranstaltung des Verbandes der Ostjuden zu Breslau brachte, in der «in Rabbiner „Das jüdische Gemeinschaftsgefühl, den familiären Zusammenhang, das Brudergefühl zwischen dem deutschen und dem Ostjuden" gefeiert hat. Die Schriftleitung des Blattes erklärt«: dah die Notiz infolge eines Versehens ausgenommen worden sei und dah die „Neutralität" in Zukunft auch gegenüber zionistisch-ostjüdischen Veranstaltungen gewahrt werden solle. 2. Ortsgruppe Halle. Am 11. Januar 1924 sprach unser stellvertretender Vorsitzender Chefredakteur l)r. Breslauer über „Deutschtum und Zionismus". Der Vortrag wurde mit lebhaften, Beifall ausgenommen. Di« Äusfprach« ergab nichts wesentliches. Die Zionisten waren diesmal der Einladung nicht gefolgt. , -- Mit.Rücksicht darauf, dah die grohe Zahl der Vorstandsmitglieder gelegentlich Hemmungen im Zusammenarbeiten des Vorstandes hervorgerufen hat. wurde im allseitigen Einverständnis die Zahl der Vorstandsmitglieder (bisher 18) auf 5 herabgesetzt. Der Vorstand besteht jetzt aus vr. Blöchert (Vorsitzender). Regierungsrat Berghauer (stellvertr. Vorsitzender), vr. Goldst ück^r. Willy Lewin. Waldemar Müller. Vorsitzender der Iugendgrupp« ist stuck, i rs r. Philipp. Z. Ortsgruppe Königsberg. Auf Ei»ladung der Ortsgruppe sprach am 3. Februar 1924 der Berbandsoorsitzende vr. Raum a n n über das Thema ..Deutsche Einheitsfront!" Eingeladen waren sämtlich« Mitglieder der jüdischen Gemeinde. Erschienen waren auher unseren Mitgliedern fast nur Zionisten, zum groben Teil Oftjuden. Von altansässigen Königsbergern sollen auher unseren Mitgliedern kaum zwanzig anwesend gewesen sein. Der Verlauf der Versammlung war der bei dieser Zusammensetzung des Zuhörerkreises selbstverständliche. Die Zionisten riefen immer wiederholte Störungen hervor: zeitweise kam es zu Prügeleien, die allerdings dank der Energie des Vorsitzenden vr. Levinsohn zu der offenbar beabsichtigten Sprengung der Versammlung nicht führten. Auch der Aufmarsch der Diskussionsredner war der in derartigen Versammlungen übliche Ein Rabbiner ftrug mit öligem Pathos eine zu Hause ausgearbeitete Rede vor, die auf das Referat in keinem Punkte patzte, und tischte dabei in der Form rhetorischer Fragen eine Anzahl der gröbsten, längst widerlegten Unwahrheiten auf. Sein Käntor, zum Unterschied von dem Rabbiner ein ..offizieller" Zionist, der mit dem Rabbiner während der Versammlung in Zettelverkehr stand, war der Führer der Zwischenrufer und der erste, der zu Tätlichkeiten aufrief. Ein Jüngelchen von der bekannten frühreifen und niemals reifen Sorte betete altklug-arrogante Redensarten her und enthüllte nebenher, dah er nicht einmal Gedrucktes richtig zu lesen imstande war. Ein „offizieller" zionistischer R«mer war von einem gleichzeitig stattffndenden „Makkabäer-Ball" als Diskussionsredner abkommandiert. Das Referat anzuhören, hielt er nicht für nötig. Er erschien während der Diskussion, reifte einen Leitartikel der Jüdischen Rundschau und verschwand sofort wieder stolz erhobenen Hauptes. Ein ebenso vor einem Ball abkommandierter Redner des Centralvereins, der aber wenigstens Anstand genug hatte, schon dem Refecat beizuwohnen, gab der Meinung Ausdruck, für Königsberg genüge der Centralverein, um dem Deutschtum zu seinem flechte zu verhelfen. Er kam anscheinend nicht auf den Heda, ken, dah gerade der würdelos« Verlauf der Versammlung i)m Unrecht gab und dah eine Stärkung des Deutschtums gerade dort erforderlich ist. wo der Zionismus sich in dieser Form bisher gebärden durfte. Als die Der-

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