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Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V. · 1924-01-01 · 1 (Januar-Februar-März 1924) · p. Seite 9

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Journal
Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
Volume
1924
Issue
1 (Januar-Februar-März 1924)
Date
1924-01-01
Page
Seite 9 (sequence 13)
Language
German
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begnügen, er aber hat di« Masse, und wenn er mit ihr über Kuddha plaudert, flicht « noch flugs «ine „jiddische" Anekdote «in. Anders geht'» nicht . . . Unser glaubens- und stammesverwandter „Bürjer" schwärmt aber auch für ihn! Alfred Herr ist Mod«. Die Stiffrechheit des Verehrten wird bei den Nachahmern zur Sprachunzucht. Ueberall macht sie sich breit zum Verdruß des feinfühlenden deutschen Juden. > Äon dem Gelichter kleinerer Wochenschriften will ich nicht reden. Es scheint in der Luft zu liegen, daß für „rotwelsch" eine, ..gute Publikumskonjunktur" da ist. So prassett's denn Hera» auf uns, taktlos, geschmacklos. beschämend. Oder will inan mir emreden, daß einem Künstler vom Ran«« Stern hei ms kein treffenderes Wort zur Charakterisierung «istes unbeträchtlichen Menschen zu Gebot« gestanden, hätte als sein „Nebbich"? Nun prangt dieser Ekelname wochenlang anden Säulen und lockt hinein in die Schaubühne, die moralische Anstalt. Sollte das etwa gar der Zweck der Uebüng gewesen sein? Man könnte es fast vermuten, denn Stücke leichteren Kalibers gibt es kaum noch, in denen der Autor nicht ein« jüdische Figur, für jüdische Zuschauer bestimmten Geschmackes zugestutzt, auftreten liehe. Besonders in der Kleinkunst aber lägt fich's Nachweisen, datz es in der Tat Lockmittel ist, das ohne jede Veranlassung kreditierte Gemauschel, genau wie eine jeder Grazie bare, niedere, schmutzige. Perversitäten durchwühlend« Pseudo-Erotik. Ein liebliches Zwiegespann! Ich hörte zum Beispiel den jüdischen Schauspieler Balle nt in ungestraft im Kabarett vor vielen Juden singen: „Maische klein ging allein in dse weite Welt hinein." Die nächsten Derse, die Straßendirnenfreuden und Devisenschiebungen in traulichem Gemisch besangen, sind mir Gott sei Dank entfallen. Der Schluh aber lautete: „Hitlerschreck. Handgepäck, schon ist Moische weg." Und mein« Nachbarn nebst verehrten Gemahlinnen und sonstiger Verwandtschaft wieherten vor Entzücken. Aber die Quittung auf solche Gemeinheiten sollten Juden nicht mit applaudierenden Handflächen erteilen. Und dieser angenehm« Herr Nicht, trotzdem er Talent besitzt, solche Mätzchen also nicht nötig hat. Mauscheleien ein, wo es mcr irgend anarht. So läßt er Berliner Kinder vom Zille-Tnvus mit „Mazze trudeln". Gewiß «kn herziges und ungezwungenes Bild! Wiederum kreischendes Entzücken am Nebentisch bei unserem Zwischenschichtler. (Kann man ihn denn wirklich treffender benamsen, als Naumann es tat?) Wie himmelhoch steht über solcher merkantilen Afterkunst das dem deutschen Juden wesensfremd«, aber respektable hebräische Theater östlicher Zionisten. Datz man auch ostjüdische Umwelt ohne verletzende Mauschelhaftigkeit würdig darstellen kann, bewies mir u. a. ein Film „Das alte Gesetz". Um aber vom „Jüdischen" abzusehen: Im russischen Kabarett, das doch gewih nicht prüde ist. aber im wesentlichen bodenständige Volkskunst bietbt, glaubt man reinere Luft zu atmen. — Genug an diesen Pröbchen aus dem Lebensstil von Berliner Juden, wie sie nicht sein sollten. Du siehst, wie nötig auch in Hinsicht auf Geschmacksfragen die Arbeit »vaterländisch fühlender deutscher Juden ist. Da kann es nur ein Programm geben: An den Pranger mit >«n führenden Schädlingen, aus den Mokierstuhl mit pen Geführten! Es wird schon helfen .... ' Mit einem aufrichtigen „f)fui Deibel" Dein alter Ali-Baba. Nationale pkantrstereien? Von Karl-Wolfgang Philipp. Vorsitzendem der Jugendgruppe Halle a. L. Wer nicht nur als mehr oder minder zahlendes Listrnmitglied. sondern wirklich aktiv für unser« Bestrebungen sich betätigt — wieviel« tun das im Verhältnis zur Mitgliederzahl des Verbandes? —. der köstnte ein dickes Buch schreiben über die zahllosen persönlichen Anarifff, Verleumdungen und Beschimpfungen, denen er im Laufe seiner, wenn auch kurzen Tätigkeit ausaesetzt war. Es gehört Charakterfestigkeit und vor allem Festigkeit der Ueberzehgung dazu, diesem Ansturm nicht zu erliegen. Für ieden von uns, auch den Ueberzeugtesten, von unserer Idee ganz Durchdrungenen, kommt einmal die Stunde, in der er sch an den Kopf greift und sich die Frage vorlegt. ob diese Fülle persönlicher Gehässigkeit nicht doch schließlich auf ernst zu nehmende sachliche Gegengründe zurückzuführen sei. Aber jede solch« Selbstprüfung führt zu der beruhigenden Feststellung, datz mindestens 50 Prozent alier Angriffe von der schnell und mühelos feststellbaren oblektiven Wahrheit gewaltig abweichen, dam sie somit als Ausdruck «mtt zu mHmenoer Ansichten überhaupt nicht zu wert« sind und entweder ans bewußte Irreführung oder auf gedarrkailose» Äachbeten lärmst widerlegter Lügen zurückgehon. Und weinr« 40 Prozent der sogenannten Gegenargumente beruhen auf Jrrtümer» und Mißverständnissen, in deren Konstruktion und Förderung gewisse Gegner «ine besondere Fertigkeit bes,hen. Daß di« Verbreitung solcher Jrrtümer ünd Mißdeutungen iw so gewaltigem Ausmaße um sich greisen konnte, lwgt — bitter und schmerzlich es guszusprechen — nicht in letzter Lm-e daran,, daß unser« eigenen Mitglieder nicht immer mit der nötigen Sachkenntnis und Energie den Legerchenbkldungei? «ntgegentreten. Wie oft ist es mir begegnet, daß nach sachlicher Darlegung der Wahrheit Juden und Richtenden, deren starke Eingenommenheit ''gegen uns „jüdisch« Antisemiten", „deutschnatrcmale Juden". „Ostjudenfresser" usw. Gekannt war. erklären mußten, bisher einen ganz falschen Begriff von unserer Bewegung gehabt zu haben, nun aber zu erkennen, daß sie unseren Anschauungen „eigentlich" recht nahe ständen. Ohne Uebertreibung darf behauptet werden, daß die überwiegende Mehrzahl aller derer, dir uns bekämpfen, in rem tatsächlicher Hinsicht über uns falsch unterrichtet ist. Was folgt daraus? Daß es die Pflicht jfdes nationaldeutschen Jude» »st. die schweren Versäumnisse wieder gutzümachen und überall, wo es not tut. gegenüber allen Verdrehungen und Unwahrheiten der Wahrheit zu ihrem Recht zu verhelfen. Dies aber ist nur dem möglich, der selbst die Wahrheit kennt, d. h. der durch genaues Studium unserer Schriften und regelmäßigen Besuch unserer . Versammlungen sich das Material zur Widerlegung der unrichffgen Ausstreuungen verschafft. Wenden wir uns nun zu den 10 Prozent der gegen unseren Verband erhobenen Beschuldigungen, in denen wenigstens ein sachlicher Kern erkennbar ist. Ueber solche Einwendungen darf und soll man in Rede und Gegenrede sich aussprechen. Jeder, der seine eigene feste Ansicht wohl zu vertreten weiß, wird im sachlichen Kampf um Begriffe und Meinungen mit einem ernsthaften Gegner viel lernen, vor allem auch die Richtigkeit seines eigenen Standpunktes durch Vergleich mit dem gegnerischen wieder und wieder selbst prüfen fönnrn. Naumann hat in seinen Schriften wiederholt auf die gefährliche Wirkung des Wortes kingewiesen. Wie sehr er recht hat. wenn er das Wort als Quelle unendlichen Unheils ansieht, wenn er der Meinung Ausdruck gibt, daß ohne die verhängnisvolle Rolle des Wortes «in großeis Teil, der Schwierigkeiten für das gegenseitige Sichverstehen der Menschen fortfallen würde, zeigt das Ergebnis fest jedes Meinungsaustausch««. zeigt insbesondere die Erfahrung, di« wir im Kampfe für unser nationaldeutsches Ideal gemacht haben. Ein Beispiel für viele. Wem ist es nicht schon wider fahren, daß ihm für das Wort „national" in unserem Namen wenigstens ein halbes Dutzend verschiedener Auslegungen entaegeng«Hallen wurde, Auslegungen, die von unserer Auffassung des Begriffes so -weit entfernt sind,-wie etwa der .^deutsche" Abgeordnete Oskar Cohn von der Betätigung der Würde, zu der seine Stelkrng als Volksvertreter ihn eigentlich verpflichten sollte. Wir wollen ganz absehen von i der törichten Ansicht. ..nationale" Betätigung müsse zwangsläufig mit nationalistischem Phrasenaeklingel verbunden sein. Wer diese Auffüllung hat, darf nicht den Anspruch erheben, daß man ihn ernst nimmt. Wohl aber ist es nötig, sich mit einer anderen Auslegung des Begriffes ausrinanderzusetzen. Man beschuldigt uns der „nationalen Phantasterei", d. h. man unterstellt uns, daß wir mit dem Begriff des Nationalen den Anspruch verbinden, als eine Art Edelmenschen zu gelten, als Juden, die sich erhaben dünken über ihre Stammes- und Glaubensgenossen und die diese letzteren bekämpfen und verachten. um es einer höher eingeschätzten „Germanenart" gleich- -utun. Erst kürzlich hörte ich: „Ihr wollt durchaus etwas Besonderes sein. Die Ostjuden sind nach eurer Ansicht minderwertig. die Zionisten gehören nicht ins edle Deutschland, und die lauen Zwischenschichtler sind charakterlich haltlos. Das einzig Wahre. Gute und Deutliche sind für euch ausschließlich die Nationaldeutschen. Gerade dies« Phantasterei, daß brr Deutsche etwas Außergewöhnliches sei und daß am deutschen Wesen die Welt genesen müsse, hat Deutschland ins Unglück gebracht." Man könnte meinen, daß diese Auffassung unserer Anschauungen nur die eines einzelnen, besonders Ahnungslosen sei. Aber in ähnlichen Gedcmkenaänqen bewegte sich jüngstauch Arnold Zweig, zionistischer Wanderredner und „deutscher Dichter", der in seinen Ausführungen ein: geradezu unglaubliche Unkenntnis der Bestrebungen „des königlich bäuerischen Hauotmanns der LandEhr Naumann und seiner ' Nationaldeutschen" bekundete. Demnach scheint dies: tiefgründige Auffassung des Nationolaefühls. wie ibir es nach Meinung solcher Leute verstehen sollen, doch verbreiteter zu sein, als man mit Rücksicht auf die so off gerühmte jüdische Intelligenz cmnehmen sollte. Gibt es in der Tat Menschen, die nicht begreifen, dhst unser Nationalgefühl nicht in den Wolken ideologischer Selbsttäuschung schwebt, sondern tief und fest in deutscher Muttererde verwurzelt ist? Es mag begreiflich sein, baß Jüdischnationol«. - denen selbst das Gefühl verpflichtender

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