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Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V. · 1924-01-01 · 1 (Januar-Februar-März 1924) · p. Seite 5

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Journal
Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
Volume
1924
Issue
1 (Januar-Februar-März 1924)
Date
1924-01-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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k - Keinen Reichswehr schreien und den Marschall Fach und die Generäle Degoutte, Rollet und de Metz Harum anfleheti, auch den General von Seeckt mit der Gesamtheit seiner militärischen Befehlshaber und Untergebenen noch zum Teufel zu schicken. Sie treiben damit im Grunde nur eine ganz folgerichtige Politik, die Herren von Gerlach und Genossen. Daß der »Vorwärts", ihnen darin keine Gefolgschaft leistet, ist ein Zeichen von Schamhaftigkeit, mehr nicht. Auch sein Pazifismus, auch seine Behandlung der nationalen Kräfte, die aus Deutschland wieder einen in der Welt geachteten, in seiner Ehre und Würde unantastbaren Staat machen wollen, führt in gerader Linie zu dem schönen Bekenntnis, das »Genosse Cohn" kalten Blutes vor uns abgelegt hat. Die Aufklärungsarbeit, die er damit geleistet hat, kann durch keine Umdeutung wieder zunichte ge> macht werden.! Daß die Rechtspresse sich sehr ausgiebig mit dem Fall Cohn beschäftigte, versteht sich von selbst; ebenso daß sie. teilweise das Auftreten dieses Mannes dem Judentum als solchen zur Last zu legen versuchte, während sie der elementaren .Gegenkundgebung, die es ausgelöst hatte, die gleiche verallgemeinernde Bedeutung versagte. Doch beeilte sich zum Beispiel die »Deutsche TageSjeitung", de» irreführenden Bericht ihres Gewährsmannes in diesem Punkte in loyaler Weise zu korrigieren. Ahch sonst zeigten sich in den Blättern der Rechten 'verschiedentlich Ansätze zu einer unbefangeneren Würdigung unserer Bestrebungen. Darauf können wir uns jedenfalls verlassen! daß die Eindrücke dieser lehrreichen Versammlung auch in nichtjüdischen Kreisen dauernd haften bleiben werden. Unsere Sache wird es sein dafür zu sorgen, daß die Gesinnungen, für die wir l eintreten, im deutschen Volke immer mehr Verständnis und Zustimmung finden.! Arbeiten wir weiter!! Stimmen vom Linieren (lker. Die nachstehenden Süfsätze und an den Vorsitzenden unseres Verbandes gerichteten Briefe beziehen sich durchweg auf unsere , öffentliche Be sammlung vom 28. 1. 21; sie sind uns, wie der Inhalt ergibt, teil» vor, teils nach der Versammlung zu» gegangen. Die Verfasser find durchweg Skichtjuden rnd Angehörige verschiedener politischer Parteien. 1. Friedrich von Oppeln - Bronikowrki. Der stürmische Verlauf, den der vom Verband nationaldeutscher Juden am 28. Januar d. 2. veranstaltete Vortragsabend nahm! wäre für eingefleischte Antisemiten lehrreich gewesen. Sie hätten aus ihm lernen können, was jeder Eingeweihte längst weih, dab die sogenannte Solidarität des Judentums in Wahrheit eine tiefe Zerklüftung ist. mit den gleichen schroffen Gegensätzen, di« unser ganzes politisches und nationales Leben erfüllen. Eine ..Solidarität" stellt« sich dageaen spontan ein. als der kommunistische Abgeordnete vr. Oskar Lohn das nationale Empfinden gröblich verletzte. Sofort war «ine „deutsche Einheitsfront" der überwiegenden — meist jüdischen — Mehrheit da. die den Tumult — zur Vermeidung von Tätlichkeiten — mit der Nationalhymne niedersang und so da» Thema des. Abends bestätigte! das „Deutsche, nicht jüdische Einheitsfront" lautete. Den einleitenden Vortrag hielt vr. Mar Naumann. Würdig und gedankenvoll lWte er die Grundsätze des seit drei Jahren bestehenden Verbandes dar. die in einem starken Bekenntnis zum Deutschtum gipfelten und in die Warte aus dem Buche Ruth ausklangen: „Wo du hingehst. will ich auch hingehen: dein Volk ist mein Volk: nur der Tod kann uns scheid«»." Besonders bemerkenswert war. war der Vortragende von den Zionisten sagte. Vor den echten Zionisten, die! die Rückwanderung der Juden nach Palästina betneben. habe er alle Hochachtung und wünsche ihnen allen Erfolgs Ilm so schärfer wandte er sich gegen die sogenannten v Kulwrzlonisten. die immer. nur Worte machten. Unfrieden in jüdischen Familien stifteten, die Jugend verhetzten, dem radi alen AntFemitismu» Vorschub leisteten und es prit ihrm jüdischnationalen Ideen für vereinbar hielten. ia, als Recht forderten, deutsch« Staat» Sinter zu bekleiden und di« Geschick« des deutsch»» Volkes mitzitbestimmen. Diese Ausführungen klangen den Zionisten, di« mit einer starken, anscheinend wohl organisierten Gruppe erschienen - waren, nicht angenehm. Sie suchten den Vortragenden durch häufige, oft recht »„parlamentarische Zwischenrufe zu stören, wurden aber kräftig abgefertigt. Ihr Äerger entlud sich in der Diskussion, in der höchst liberal vor allem Gegner zum Worte gelassen wurden.' , Der erst« Diskussionsredner freilich kam ausj rechtsradikalen Kreisen. Es war der frühere Nachrichtenoffizier der Krönprinzen-Armee. Major Anker, seiner Erklärung nach überzeugter Monarchist, der sich aber mit seinen früheren Parteifreunden gerade wegen ihrer antisemitischen Einstellung und ihrer Neigung, alle Schuld an Zusammenbruch und Revolution einseitig auf di« Juden abzuwälzen, .entzweit hat. Er beglich« reden Juden, der zu Deutschland halte und gegen di« Internationale Front mache, als Kampfgenossen, sowohl im geistigen Kampf« wie am Tage der von ihm erhofften Abrechnung mit der Waffe. Seine überzeugungsvollen. in der Form vielleicht etwas schroffen Ausführungen riefen den Zionistenführer und Pazifisten Vr. Klee auf den Plan. Zwei Weltanschauungen prallten aufeinander, aber noch in ruhiger, parlamentarischer Form. Vr. Klee erklärte zum allgemeinen Erstaunen, er sei beim Ausbruch des Weltkrieges von der damaligen deutschen Regierung nach Wien entsandt worden, um die Hilfe „des intörhationalen Judentums" für Deutschland anzurufen. Diese Ausfuhrungen. die lebhaften Widerspruch, Gelächter und die-Zurufe: „Es gibt kein internationales Judentum" hervorriefen, wurden leider auch auf Verlangen der folgenden Redner von Vr. Klee nicht nach der tatsächlichen Seite hin ergänzt Man hätte gar zu gern über diese mysteriöse Sendung Näheres erfahren, die jedenfalls erfolglos blieb, denn di« Juden der Ententeländer haben sich selbstverständlich zu .! diesen gehalten, Damit entfiel auch das Argument, das l vr. Klee aus seiner eigenartigen Mitteilung zu ziehen ver- . § suchte, dah nämlich der Zionismus für Deutschland nützlich sei, und mit berechtigtem Stolz lehnte das Vorstandsmitglied des Verbandes, vr? Peyser. für Deutschland «in« solche Beihilfe des Internationalismus, besonders durch zionistische Vermittlung, ab. Ein zweiter Zionist trat aus. der preuhische Rovemher-Ministerialrat vr. Badt. Mit einer fast pathologisch anmutenden Erregung und allerlei Verdrehungskünsten eiferte er gegen den „kindlich-seichten" Vortrag Naumanns, die „Farce" dieser Versammlung und Diskussion. Er bestätigte durch sein Auftreten nur Naumanns Behauptung, dab Leute dieses Schlages nicht in einfluhreiche deutsche Staatsämter gehören und dort nur böses Blut zum Schaden der deutschen Juden machen können. Mit feiner Ironie antwortete ihm Reichstagsabaeordneter Moralh (D. Vp.s, er wisse nicht, ob er sich selbst noch als Politiker ansehen dürfe, da ihm Naumanns Vortrag viel gegeben hätte, während der Herr' Ministerialrat ihn doch für kindlich-seicht erklärte. Er könne die Gesinnung - Raumanns und seines Verbandes nur warm begrüben: die deutsch gesinnten, deutsch sprechenden Juden gehörten jedenfalls zu uns. Bis hierher war die Diskussion im ganzen ruhig vetaufen, denn auch die Rede des Herrn Bockt löste mehr Heiterkeit als Erregung aus. Nunmehr jedoch Hollen die fiegner zu ihrem Hauptschlage aus. Sie schickten den Abgeordneten vr. Cohn vor. denselben, der sich geühmt hat. die Revolution mit russischem Geld« „gemacht" m haben. Als dieser, gegen Major Ankers polemisierend. Ich zu den Worten verstieg, es sei fraglich, ob die Erhaltung des Deutschtums einen neuen Krieg »ert sei. entstand ein unbeschreiblicher Tumult. Aller »rang auf und schrie: „Raus! Lump! Landesverät/r! Bezahlter Moskowiter!" Cohn muht« ie Tribüne verlassen und wurde vtn einem Häuflein Geceuer sowie dem Saalschutz des Verbandes, der Tätlichnten auch dem Gegner gegenüber Nicht zulasten wollte, ln iner Saalecke geschützt, bis er. während-das Li« „Deutschland der alles" erNang. den Saal mit heiler Haut »Erlassen »nnte. Rach seiner Entfernung wurde die Aussprache noch lirze Zeit fortgesetzt, aber die »lonistisch-konmiunsstikche Bomb« alte ihre Sprengwirkung nicht verfehlt. Ein Teil der Zert >ar vergeudet, und die Versammlung. >n der die Erregung achschwang, hörte nur noch mit halbem Ohr den Rednern l>, unter oenen di« saö^ichen, dem Hauptredner zustlmmenicht mehr zu Worte, weil die er Versammlung nötig machte. Die Vorgänge dieses Abend» waren so lwisch, dab sie allgemeine Beachtung verdienen. lehrreich und Sie werden

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