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Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V. · 1924-01-01 · 1 (Januar-Februar-März 1924) · p. Seite 4

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Journal
Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
Volume
1924
Issue
1 (Januar-Februar-März 1924)
Date
1924-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Aber genug, gewisse Leute können; cS nun einmal nicht vertragen, wen« von nationalen Interessen und Verpflichtungen mit betonter Entschiedenheit gesprochen, und wenn gar die Stellung der deutschen.Juden zu solchen von. vielen schon für überwunden gehaltenen Vorstellungen zur Erörterung gebracht wird. Nichts scheuen sie so sehr, als m den Verdacht „reaktionärer" Gesinnung zu kommen; schon deshalb ist das bloße Wort „nationaldeutsch" für sie eine Unmöglichkeit. . Daß Eugen Juchs, dem sie jetzt, nach seinem Tode, die rührendsten Nachrufe widmeten, der erste deutsche Jude war, der diese Bezeichnung sozusagen erfunden und mit Stolz auf sich angewandt hat, davon schweigen sie. Und daß gar zwischen einem Mäjor Anker und deutschen Juden jemals eine Frontgemeinschaft denkbar wäre, dafür haben sie nur Spott und Gelächter. Nun, es ist richtig, daß sowohl die Leitung der Deutschnationalen Volkspartei, wie das Organ der Völkischen, wie gar nicht anders zu erwarten war, von Herrn Anker sofort abgerückt sind. Kann das aber an der Tatsache etwas ändern, daß dieser Mann, der keineswegs für sich allein steht in Deutschland, sondern nach fünfjähriger, mit eigenen Kräften geleisteter Arbeit viele« Vatetlandsfreunden ein Führer geworden ist, mit seiner Person für eine Ausgleichung der Gegensätze zwischen jüdischen und nichtjüdischen Deutschen eingetreten ist? Daß wir nicht gleich ganze Parteien für unseren Standpunkt gewinnen können, das braucht man uns gar nicht vorzuhalten. Es wird zunächst darauf ankommen, rechts wie links diejenigen Männer von der Notwendigkeit unserer Sache zu überzeugen, die guten Willens sind und sich frei genug" von Partei- und anderen Abhängigkeiten fühlen, um gleichgesinnten Kreisen die Hand zu reichen, auch wenn sie am anderen Üfcr stehen. Dieses eine Beispiel wird viele Anhänger Ankers Liim Nachdenken bewegen, wird auch manche, die in anderen Lagern wirken, auf ihn und aus sein Wollen und Denken aufmerksam machen und so unserer Sache Gehör verschaffen an Stellen, die wir ohne die Mitwirkung dieses tapferen Osfiziets jemals erreicht hätten. In seinem Buche „Unsere Stunde mmt!" (Leipziger Graphische Werke, Leipzig-R.) findet .ch auf Leite 1H9 folgendes Bekenntnis: „Wenn wir selbst zur nationalen Fahne schwören, dann erst recht muß unser Blick.für Fehler und Versündigungen einsetzen und unsere Kritik scharf sein. Unbekümmert um das Jauchzen im gegnerischen und das Murren im eigenen Lager. Nur so halten wir die eigene Sache rein, nur so gewinnen wir ihr schließlich auch die nötigen Anhängermassen im Vplk. Gerade weil unser nationaler Glaube in seinem Kern'und in seinen Zielen gut und unanfechtbar ist, kann er gar nicht dadurch erschüttert werden, daß wir Auswüchse und Entgleisungen fesisrellen und auszumerzen suchen. Nur wenn wir sie vertuschen oder gar verherrlichen, untergraben wir seine bezwingende Allgewalt." Enthalten diese Worte nicht mancherlei Anklänge an die Ueberzeugungen, von denen der Verband nationaldeutscher Juden vom ersten Tage seines Bestehens an geleitet worden ist? Anker weiß, daß auch Freiheitsbewegungen reifen müssen, also Zeit brauchen, wenn sie zum Ziele führen sollen, und daß bis dahin unsere ganze Arbeit im Zusammenfassen der Kräfte bestehen muß, auf die sie sich dereinst — wenn „unsere Stunde kommt" — zu stützen hat. Im Zusammensaffen der Kräfte und in der Pflege des richtigen nationalen Geistes, der ihnen den Sieg sichern wird. In dieser Aufgabenstellung herrscht zwischen ihm und uns volle Übereinstimmung. Mit Freuden erleben wir heute fast jeden Tag, wi« lich aus dem Lager der sozialistischen Nur-Parteimättner 'allmählich Einzelpersönlichketten und mehröder weniger erhebliche Gruppen loslösen, weil sie den Mangel an nationaler Zuverlässigkeit in der Parteiführung nicht länger zu. ertragen vermögen,' wie ja auch insbeseiidere die sozialistische Jicgend imriicr wcftfr . .. ' ' 1 von j der Partei als solcher abrückt, weil isic nationale Empfindungslosigkeit der Hermann Müller und Genoffen sie zurückstößt. In der gleichen Richtung wollen wir auf unsere jüdischen StammeSgtnoffen einwirken, den Horror vor nationalen, vor nationaldeutschen Gedankengängen, der noch vielfach bei ihnen anzutreffen ist, zurückdrüngen und sie reif machen für die deutsche überparteiliche Einheitsfront, die, wenn es einmal zur letzten Entscheidung kommt um Freiheit und Ehre des Vaterlandes, uns allein den Sieg verbürgen kann. III. Zu sagen bleibt noch ein Wort über den Eindruck, den der Verlauf unserer Versammlung auf die große Oefsestt-j lichkeit gemacht hat. Bon allen bedeutenden deutschen Zeitungen ist nur eine einzige ihrer traditionellen Totschweigetaktik gewissen Fragen gegenüber auch diesmal treu geblieben — das Berliner Tageblatt! Gelegentlich unserer! Herrenhausversammlung vor etwa 2 Jahren öffnete ihm i noch das Zwischenspiel Oppeln-BronikowSki etwas den Mund; ein Vorgang, dessen Bedeutung an die Geschehnisse in unserer Logenhausversammlung schwerlich heranreichte. WaS würden aber auch die jüdischen Leser de» Blattes dazu gesagt haben, wenn sie erfahren hätten, daß der' Verband nationaldeutscher Juden noch immer am Leben ist, und daß einer der Führer derjenigen Partei, mit der da« Berliner Tageblatt unter allen Umständen durch dick und dünn zu gehen entschlossen ist, die Existenzwürdigkett des deutschen Volkes öffentlich in Frage gestellt hat.' Ander» die Vossische Zeitung, die diesmal doch nicht umhin konnte, ihrer Berichterstatterpflicht in leidlich objektiver Form zu genügen. Auch der Börsen-Curier tat, was sich gehörte. Schimpfereien auf unseren Verband, neben gröblicher Entstellung der Vorgänge in der Versammlung, leisteten sich auch bei dieser Gelegenheit nur Hie unsägliche Berliner Volkszeitung und die ihr dlhtchauS geisteS- und wesenSverwandte Welt am Montag. Der Schmutz, dfr von Blättern dieses Schlages gegen uns verspritzt wird, kann nur! seine Urheber beflecken. Auch draußen im Reich ist der Bericht über unsere Versammlung durch zahllose Blätter gegangen. Wir verdanken dies«, großen Erfolg natürlich zum Teil, wie schon gesagt, Herrn vr. Oskar Cohn, der endlich einmal mit lobens- ' werter Brutalität ausgesprochen hat, was viele seiner Ge- " .sinntingSgenossen denken, oder der ihnen doch mit dürren 'Wollten gesagt hat, zu welcher äußersten Konsequenz sie von dem! internationalen Standpunkt aus, den sie einnehmen, geführt werden können. Dieser Toback war freilich selbst dem! „Vorwärts" zu stark. Er will es nicht wahrhäben, daß j „Genosse Cohn" derartige Ungereimtheiten und Geschmacklosigkeiten zum beste» gegeben habe, wie der VersampüungSberichl wiedergab; über auch in der Fassung, die!fich der „Vorwärts" nach der in der „Deutschen Tageszeitung" veröffentlichten „Berichtigung" zurechtgemacht hat, findet er die Problemstellung ein wenig spitzfindig. Kein Einzelner und kein Volk könne grundsätzlich darauf verzichten, sich gegen Unterlrückung zur Wehr zu setzest, meint er. Sehr schön und sehr gut. Nur ist uns m,t oieser grundsätzlichen Anerkennung des Notwehrrechtes verdammt wenig geholfen, wenn die ganze Arbeit einer Partei darauf gerichtet ist, alle Voraussetzungen zu zerstören, - die gegeben sein müßten, wenn das deutsche Volk sich einmal wirklich zur Wehr setzen wollte. Ein Blatt, da« im Oktober 1918 die- Parole auSgab, Deutschland habe seine KrietzSflagge für immer zu streichen, ist mitverantwortlich für die WehrloSmachung, der Deutschland verfallen ist. Der ungemeine Segen der hinter uns liegenden fünf „Friedensjahre" hat auch sehr viele BorwürtSßeser gründlich darüber belehrt, wie ein Land herunteickömmen muß, das sich wehrlos machen läßt. E« gibt in D«ttschland ja sc ggr Männer und Strömungen, denen wir «och immer nicht wehrlos genug sind, die förmlich nach Beseitigung der

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