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Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V. · 1924-01-01 · 1 (Januar-Februar-März 1924) · p. Seite 2

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Journal
Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
Volume
1924
Issue
1 (Januar-Februar-März 1924)
Date
1924-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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glühender Bekenntnis zum dorischen Gedanken, er brachte aber auch eine klärende Auseinandersetzung mit dem ZioniS- > muS, insbesondere dem sogenannten Kulturzionismus, die, s außerordentlich maßvoll in der Form, doch den unübersbrückbaren Gegensatz der Jüdischnationalen zu der Weltanschauung von der wir nationaldeutsche Juden erfüllt sind, mit festen Strichen umriß. Man kann nur auf das Leb- S Hafteste bedauern, -aß der Inhalt dieses Vortrages in den Berichten über die Versammlung so stiefmütterlich behandelt wurde; ein Mangel, der nun einmal von der Bericht-! erstaünng in den TagesblälterN, wie sie sich heutzutage mehr und mehr eützebürgert hat, unzertrennlich ist. Auch hier läßt sich das Versäumte leü>er nur in ganz knappen Zügen nachholen. Mir halten es indessen der Gesamtheit der Berbandsmitglieder gegenüber für unsere Pflicht, sie wenigstens mit den hauptsächlichsten Gedanken^ängen dieser Rede bekannt zu machen. Naumann ging von der Tatsache aus, daß die Neigung der Juden, ihre Mission des „anSerwählten Volks" als fortbestehend zu betrachte« und sich demgemäß von ihrer Umwelt abzusondcrn, schon in den Diasporagemeinden des Altertums zu Reibungen geführt hat. die dem heutigen Antisemitismus in jeder Hinsicht gleichen. Der hentiae Antisemitismus könne also nicht, wie unter falscher Beurteilung «der Situation von jüdischer und judenfreundlicher Seite vielfach im besten Glauben behauptet wird, nur eine Mache bestimmter politischer Kreise sein. Die Judenfrage sei keine politische, auch keine religiöse, sie sei im eigentliche» Sinne anch keine ,Lkassen"-Frage. Die Jndenfrage sei die Frage des Verhältnisses der Juden zu ihrer andersstämmigen Umwelt. Vese Frage bestehe überall dort und habe überall, dort bestanden, wo Juden unter Menschen anderer Abstammung lebten, gleichviel unter welchen politischen und wirtschaftlichen Umständen. Diese Frage könne daher auch nicht einfach durch Anwendung des Begriffs des loyalen Staatsbürgers gelöst werden, zumal nicht in Deutschland. In einem glücklichen, äußerlich und innerlich gefestigten Lande wie England möge loyale Erfüllung der Staatsbürgerpslichten allenfalls genügen, um-den Juden ei» von allzu starken Reibungen freies Zusammleben mit der Umwelt zu epmöglichen. In einem Lande wie Deutschland, das seit Jahrhunderten ans dem Ringen nm äußere Geltung und innere Festigung niemals herausgekommen sei, das sich heute in tiefster Not und Bedrückung befinde, genüge bloße Staatsgesinnung nicht; ein solches Land müsse von allen seinen Bürgern VolksgesinNung verlangen. Dolksgesinnung sei das Bewußtsein der Schicksalsgemeinschäft, einer Gemeinschaft nicht nur des äußeren, sondern vor allem des inneren Schicksals. Wer sich in diese Gemeinschaft nicht vorbehaltlos, ohne Rückversicherung einordnen könne, biete seinen Mitbürgern nicht die ^Gewähr dafür, daß er in der Stunde ernster Gefahr mit ganzem Herzen und mit dem Einsatz seiner vollen Kraft auf-Seiten Deutschlands stehen werde. An dieser deutschen Vvlksgesinnung fehle eS den Zionisten. Der Zionismus sei anzuerkennen und zu fördern, soweit er wirklich ans Auswanderung frcmdfühlender und darum im Sinne des Deutschtums unsicherer Elemente Hinziele. Zu bekämpfen sei aber der sogenannte ötulturzionismus, der seinen Anhängern zwar das Bekenntnis der Zugehörigkeit zu einer fremden, in Wahrheit längst nicht mehr bestehenden Nation auferlege, daneb'ril aber volles Bürgerrecht und sogar das Recht zur Bekleidung öffentlicher Aemler in Deutschland . in Anspruch nehme. Eine jüdische Einheitsfront mit Menschen, die so zum Begriff eines doppelten Vaterlandes kommen, sei für den nationaldentsch fühlenden Inden nicht möglich. Eine solche Einheitsfront könne anch praktisch niemals nützen, sondern nur schaden. Zur körperlichen Abwehr etwaiger Pogrome seien die deutschen Juden, selbst wenn sie wirklich Mann für Mann i, der jüdischen Einheitsfront stehen würden, schon rein z ihlenmäßig viel zu schwach. Zu solcher Abwehr sei die lEinheitsfront aller anständigen und vernünftigen Menschen, gleichviel welchen Stammes, notwendig, und kiese Einheitsfront werhe sich automatisch bilden, wenn es wirklich einmal zu! körperlichen Ausschreitungen in " Deutschland kommen sollte. Eine jüdische Einheitsfront l idiglich zum Zwecke körperlicher Abwehr sei also sinnlos. ')ie geistitze Einheitsfront aber, in die die i kutschen Juden grundverschiedener GefühlSrichtu>>g von j ionistischer Seite hineinziehen wolle, und zwa»' leider - nit Unterstützung gedankenloser Elemente der sog'nannten .Zwischenschicht", berge ungeheure Gefahres für die deutschen Juden im hesonderen und für daS^vWßs— tum selbst im allgemeinen. Eine solche Einheitsfront würde dem Wahn, daß all« Juden sich untereinander näher zusammengehörig fühlten, als mit ihren VolkSger offen anderen Stammes; neu« Nahrung, dem Geschäft-« Antisemitismus eine scheinbare Berechtigung geben und praktisch dazu führen, die Gesamtheit der deutschen Juden chne Unterschied . der GesühlSrichtung zum Volk im fZolke zu mache». Einen solchen Pfahl im Fleisch könne kein Volk ertragen, zumal dadeutsche nicht, dem tie innere Einheit und das Zusammenwirken aller nat oyal fühlenden Elemente im Kampfe gegen die äußeren Feinde und Bedrücker bitter not tue. Nicht eine jütische, sondern eine deutsche Einheitsfront sei l ötig, eine EinheitSfroitt aller derer, denen das Schicks il des deutschen Vaterlandes mehr am Herzen liege, als i)r eigenes Wohl. VoN dieser aus wegsicherem Gefühl e itspringenden Erkenntnis dürften sich die deutschen Juden 1 icht durch die Grübeleien und Geistreicheleien selbstgefälliger Intellektueller ahlenken lassen. Heute sei nicht die Zeit, um praktischen Fragen, wie der Judensrage, mit Philosophie »äherzukommen. Man müsse, wie Nietzsche sagt, mit dem Hqmmer philosophieren. Die Tragik derjenigen Juden, die sich noch heute zu einem jüdischen Volke zählen, sei, daß sie daSGoecheWort„Stirb und werde!" nicht veistanden haben. Alles in der 2 Zelt sei vergänglich, und alles sei doch auch unsterblich. Was Ewigkeitswert habe im Judentum, sei Gemeingut der Welt geworden, vor allem die Idee des einzigen »!>d ewigen Gottes. Aber anch manches von gewissen 6 igenarten der Juden, selbst solcher geistiger Eigenschaften, de sich unter dem Drstck der Ghettozeit herauSgeb ldet haben, könne zu wertvollen Einschüssen für das d mtsche- Volkstum werden. Nur dürfe diese Eigenart n cht Selbstzweck, nicht Gegenstand der Selbstüberschätzung u id damit wieder Ursache eifersüchtigen Abschlusses gegen d e Umwelt werden. Der nationaldeutsche Jude verleugne seine Eigenart nicht, er verleugne auch nicht seinen Gott. Aber dieser Gott sei nicht mehr der Gott eines kleinen, auserwählten Stammes, er sei der Gott di r Propheten, der Gott, der ganzen Welt und damit auch der deutsche Gott. DaS Vaterland des nationaldl utschen Juden sei Deutschland und nur Deutschland, mit Deutschland wolle ds: leben und sterben. Ein außerordentlich warmer, man kann in diesem Falle ruhiz sagen, ohne sich einer Uebcrtreibung schuldig zu machen, begeisterter Beifall dankte dem Vortragenden für scink Ausführungen. Daß die anwesenden Zionisten in ihn nicht e nsiinkmten, versteht sich von selbst. Hinterher scheinen sie >ahin übcreingckommen zu sein, die Rede als das „Be enntnis Naumanns zum deutschen Gott" abzustempeln, in idrem Sinn also ein neuer Beweis für den Mgngel an jüdisch-religiösem Empfinden, den sie, neben anderen un» schöi en Dingen, unserem Verbandsvorsitzenden seit Jahr und Tag nachsage», um ihn wenigstens in jüdischen Kreisen unm iglich zn machen. Weri Naumann kennt,! brauchtihn gege, einen solchen Vorivurff nicht ernsthaft in Schutz zu nehmen; man soll sich nur etwas Mühe gebend seine Worte so zn verstehen, wie sie gemeint sind, > statt >ihnen einen »

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