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Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V. · 1923-05-01 · 3 (Mai-Juni 1923) · p. [Seite]

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Journal
Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
Volume
1923
Issue
3 (Mai-Juni 1923)
Date
1923-05-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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diese Bezeichnung geg geschützt sein. Und D mißverstandenen und Schriften als Motto vorangesetzk: Ihr dürf Wer aber guten Will Verständigung über dH Nützlichkeit unserer Sinn meiner Ausfü sollte, und gewann jeö von ihnen' mit feind worden wären. Auc! en den Borwurf des Verstechspielens st. Mar'Naumann hat der am meisten deshalb am meisten verketzerten seiner stas Wort aus Gutzkows Ariel Acotta mir fluchen, denn ich bin ein Jude! ens ist, mit dem sollte schließlich eine Ehrlichkeit unseres Wollens und die siele doch wohl möglich sein. Vielleicht, daß unter meinen Zuhörern einige über den Verband nationaldeotscher Juden schon besser unterrichtet waren, als der Referent des Abends vorausgesetzt haben mochte: die meisten werden uns wohl zunächst für das gehalten haben, was unsere Gegner ihnen in Wort und Schrift über diesen .Verband, jüdischer Antisemiten' vorzuerzählen pflegen. Ich kann Mist aber nicht denken, daß ihnen für den ligen jedes Verständnis gefehlt haben rfalls nicht den Eindruck, daß diese seligen Empfindungen ausgenommen die berufenen Hüter hes Zionismus schienen einige Gefahr zu wittern. Sowohl Herr. Dr. Barth wie Professor Loewe» die mir entgegentrateu, gaben sich ordentlich erstaunt über die Art und Weise, wie ich hier als Jude unter Iudkn gesprochen hätte, konnten aber mit.dem Bemühen, mich vor der Versammlung ins Anrecht zu sehen, schier kein Ende finden. Ich habe sehr aufmerksam zugehört und zögere keinen Augenblick mit dem Zugeständnis, daß beide Herren über! die Iudenfrage ungemein interessant zu reden verstehen. Nur muß ich leider feststellen, daß die Frage des deutschen Schicksals und unseres Verhältnisses zu ihm, die doch von uns in den Mittelpunkt unserer Arbeit gestellt wird, von diesen Zionistenpredigern kaum berührt wurde. Nur indirekt konnte man ihren Ausführungen entnehmen. wie sie darüber denken. Professor Loewe, der es leider nicht verschmäht, seine natürliche Rednergabe durch die Anwendung von Äähchen zu unterstützen, die geringerer Geister würdig wären, refürwortcte eine reinliche Scheidung der deutschen und der üdischen Kulkür und Sprache, damit jede von ihnen sich unbeeinflußt von der anderen ihren eigenen Gesetzen gemäß entwickeln könne. And sei erst der Iudenstaak vollendet, denn könnten dort ebenso gut deutsche ' Kolonisten als Deutsche leben, wie.in Deutschland sich Juden als. Juden niederlaffen oder verbleiben könnten. Also allenfalls räumliche Vermischung, aber unter allen Amständen nationale Trennung beider Völker! Das ist ein , ehrlicher Zionismus, und wir nationalde^kschen Juden sinh die letzten, die ihm uns re Achtung versagen wollen. Dann soll man aber auch zugeden, daß wir mit diesem Standpunkt das Anrecht verlieren, als gleichberechtigter Bestandteil des deutschen Volkes weiterhin anerkannt zu werden, wie Herr Professor Loewe ja auch den deutschen Kolonisten, in Palästina wohl schwerlich ßemals die gleichen Rechte einräumen wird, wie sie die jüdischen Dollbürger dort genießen sollen. Es bliebe also höchstens eine Frage des Zeitpunktes, von dem an die reinliche nationale Scheidung Mischen Deutschen und Juden in Deutschland in Kraft treten soll. Daß seine Bestimmung der jüdischen Minderheit vom Standpunkt ihrer Interessen aus überlassen werden solle, werden wohl auch die konsequenten Zionisten nicht fordern wollen. Die deutschen Juden verlören also ohne weiteres Len Rechksboden, den sie sich ln schweren, jahrzehntelangen. Kämpfen in Deutschland erobert haben, und müßten hier init einer Stellung unter Fremdenrecht vorlieb nehmen, von dem niemand vorhersehen kann, wie es aussehen und wie es gehandhabt werden würde. Soviel Sinn für Tradition besitzen aber auch wir naiionaldeutschcn Juden, daß wir uns. diesen Bruch mit der Lebensarbeit unserer Väter und Vorväter nicht widerstanüslds gefallen lassen wollen. Die Zionisten spielen sich, weil sie an die Idee des palästinensischen Gottesreiches anknüpfest, als die eigentlichen Wahrer und Hüter des Traditionsjudenkums auf. Von unserenVälern' haben wir eine gänzlich stmzionistische Auffassung dieser Idee überliefert erhalten, und ich glaube, soweit meine eigenen Iugenderfahrungen reichen, sagen zu dürfen, daß sie sich nicht nur mit den Lippen zu ihr bekannt haben. Wenn also. die Herren Barth und Loewe die Mahnung an uns richten, wir sollten erst wieder die Herzen unserer Söhne finden, dann würden sich auch die Herzen unserer Söhne wieder zu uns zurückwenden, wenn sie mehr oder weniger verklausuliert davon! reden, daß wir vom Judentum abgefallen seien und die Stimme des Blutes es sei, di« nun die nächste Generatton wieder zu« Judentum zurücksüh:e, so kann ich für mein« Person diese Auffassung nur c ls eine Anmaßun¬ oder, milde gesagt, als «ine AngehöriAestt zyrückweisen. Et hat schon vor dem Zionismus wahres sooenkum gegeben, und ich.hoffe bestimmt, daß dieses den Zionismus, der in meinen Augen nur eine vergänglich« Zeltströmung darstellk, auch überleben wird. Herr Dr. Barth war so! freundlich, mir eine intimere Kenntnis der Zustände in der jüdischen Jugendbewegung zu bescheinigen. Ich glaube aber auch Über die inneren Vorgänge im Zionismus gut genug unterrichtet zu fein, um es nahezu als eine Blasphemie zu empfinden, wenn dieser Zionismus, so wie er von einem erheblichen Teil seiner Anhänger praktisch betätigt wird, als höchster Ausdruck und Verkörperung der jüdischen Gottesideej ausgegeben wird. Wenn ich an dem unzionistischen religiösen Judentum meiner Väter festhalte und wenn ich, wie sie es getan haben, daneben In nationaler und kultureller Hinsicht ganz als Deutscher lebe und arbeite, so kann ich niemandem das Recht einräumen, mich und meinesgleichen auch stur hypothetisch des Abfalls vom Judentum zu bezichtigen. Schon die Rücksicht auf das orthodoxe Judentum, das doch ist seiner wett überwiegenden Mehrheit vom Zionismus nichts wissen will, sollte polemische Unsitten dieser Art unmöglich machen. Wenigstens unter uns deutschen Juden. Oder sollten Männer wie Hans Goslar wirklich nichts dabei finden, wenn auch in dieser Beziehung ostjüdische Gewohnheiten und Anschauungen mehr und mehr bei uns Eingangs gewinnen? Im übrigen wurde die Ostjudenfragst in der Versammlung kaum gestreift. Rur der vielbesprochene Hobrecht- Artikel wurde natürlich wieder als Waffe gegen den Verband nationaldeutscher Juden geschwungen. Ob die Herren Goslar und Barth und Loewe jedes Wort oder jeden Artikel verteidigen wollen, der von ihren Kreisen ausgeaangen ist, weiß ich nicht. Zu ihrer B^uhiguns sei nochmals ausdrücklich mitgekeilt, daß der Vorstand des Verbandes nationaldeutscher Juden auch seinerseits an der Workfassung dieses Artikels mancherlei auszusehen gefunden hat, daß er sich also insofern mit ihm nicht identifiziert. Unbeschadet dessen aber teilt er in der Sache selbst den Standpunkt, den der Verfasser zur Ostjudenfrage eingenommen hak, mit voller Entschiedenheit. Ihn auch meinerseits hier noch einmal zu begründen, dürfte wohl überflüssig sein. Nur auf den mir besonders nahe gehenden Zusammenhang der jüdischen Jugendbewegung mit der fortdauernden Zuwanderung aus dem Osten sei mit einem Wort noch ausdrücklich hingewiesen: Sie^ dient dazu und wird zielbewußt dazu benutzt, das geistige Gesicht unserer deutschen Kinder von Deutschland ab- und nach Osten hinzulenken, sie also ihrem deutschen Vaterland, seiner Kultur und seiner Not zu entfremden, unbekümmert darum, ob dadurch auch eine Entfremdung zwischen Eltern und Kindern, zwischen jüdischen Eltern und Kindern bewirkt wird oder nicht. Ich' kann nicht begreifen, wie ein Mann, der gleich Hans Goslar das jüdische Gesetz als sein höchstes Gut chrf Erden preist, zu dieser Art von Jugendbewegung feinst Hand zu bieten vermag: nach meiner Kenntnis des Judentums gehört die Geschlossenheit unseres Familienlebens doch wohl auch zu seinen Traditionen, ich möchte sogar glastben, -aß sie eine der Säulen darstellt, auf denen die Unzerstörbarkeit unseres Wesens beruht. Jetzt aber wird in dieses jüdische Familienleben eingebrochen, jetzt nehmen sich junge Leute das Recht heraus, über die Köpfe der Eltern hinweg unseren Kinbern ihren Lebensweg vorzuschreiben, sie aufs graben oder ungraden Wegen zu Zionisten zu erziehen. Einer -er Hebel, . deren sie sich dabei bedienen, sind ihre ostsüdischen Zöglinge» zu deren geborenen und berufenen Erziehern sie unsere eigenen Kinder bestimmen. Wie rasch dlesei ostjüdische Nachwuchs die Hand dieses Erziehers abstreifk sind seinerseits sich eine Art Erzleheramt in Deutschland aNmaßk, wissen wir alle. Nein, hier ist nicht nur .manches sticht in Ordnung', wie Herr Dr. Barth mir freundlicherweise zugab, diese Zustände schreien zum Hlmmel, und wir deutschen Juden wollen mcht und dürfen nicht wollen, daß sie längest geduldet werden. Aussprachen solcher Art zwischen uns und Zionisten werden an der Tiefe des Gegensatzes, best die beiderseitigen Anschauungen trennt, gewiß nichts ändern können. Trotzdem möchte ich sie nicht als überflüssig bezeichnen, denn ich hohe zu der Güte unserer Sache so viel Vertrauen, daß ich glaube, wo immer wir Selegenchetk haben, unser« Saat auszustreueu, wird das eine oder andere Köstnchen schon a«f-

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